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Schatten am Horizont PDF Drucken E-Mail
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Originaltitel: The Coming of Shadows
Episodennummer: 2x09
Bewertung:
Erstausstrahlung USA: 01.02.1995
Erstausstrahlung D: 25.02.1996 (Pro7)
Drehbuch: J. Michael Straczynski
Regie: Janet Greek
Hauptdarsteller: Bruce Boxleitner als Captain John Sheridan, Claudia Christian als Lt. Comdr. Susan Ivanova, Jerry Doyle als Michael Garibaldi, Mira Furlan als Delenn, Andrea Thompson als Talia Winters, Stephen Furst als Vir Cotto, Bill Mumy als Lennier, Robert Rusler als Warren Keffer, Andreas Katsulas als G'Kar, Peter Jurasik als Londo Mollari
Gastdarsteller: Turhan Bey als Imperator, Malachi Throne als Premierminister, William Forward als Lord Refa, Fredric Lehne als Ranger, Jeff Conaway als Zack Allan

Denkwürdige Zitate: "The past tempts us, the present confuses us, and the future frightens us. And our lives slip away, moment by moment, lost in that vast, teribble in-between.“
(Meine Erachtens eine der schönsten Dialogzeilen der Serie.)

"How will this end?“
"In Fire.“
(Kosh's Antwort hält für den Imperator der Centauri - und dem Zuschauer - wieder einmal düstere Aussichten parat.)

"He said: Continue. Bring my people back to the stars.“
(Und mit dieser Lüge ist Londo's Schicksal besiegelt.)


Kurzinhalt:ImageDer schwer kranke Imperator der Centauri kommt auf die Station. Was seine Absichten anbelangt, ist er sehr kryptisch, doch im Gespräch mit Captain Sheridan deutet er an, dass seine Ansprache von zentraler Bedeutung für die Zukunft – nicht nur der Centauri – sein könnte. G'Kar ist indes außer sich, dass dem Imperator der Zutritt auf die Station erlaubt wurde. Er beschließt, ihn nach der Ansprache zu ermorden – doch dazu soll es nicht mehr kommen: Auf dem Weg zu den Feierlichkeiten erleidet der Imperator einen schweren Herzanfall. Zu Beginn enttäuscht aufgrund dieser unglücklichen Fügung des Schicksals, ist G'Kar schon bald hocherfreut, als ihm von Dr. Franklin die Gründe für den Besuch des Imperators auf der Station offenbart werden: Er wollte sich für all die Gräueltaten, welche die Centauri an den Narn begangen haben, entschuldigen, um so den Weg für Friedensgespräche freimachen zu können. Doch Lord Refa hat andere Pläne: Nun, da der Tod des Imperators kurz bevorsteht, scharren zahlreiche Nachfolger in den Startlöchern, um den freigewordenen Platz einzunehmen. Man brauche nun eine Demonstration der Macht, um einige dieser Widersacher auszuschalten und die eigene Position zu stärken, so meint er gegenüber Londo. Dieser wendet sich daraufhin an Mr. Morden, um einen Angriff auf eine Kolonie der Narn zu organisieren – im vollen Bewusstsein, dass dies zum Krieg mit den Narn führen wird…


Synchro-Fehler:
  • Londo fragt Vir, ob er sich aufgrund des soeben geführten Gesprächs mit Refa unwohl fühlt. Als dieser bejaht, erwidert Londo "Dann sind wir beide einer Meinung.“ Im Original sagt er "Then for once, we have something in common.“ Es ist nicht wirklich falsch übersetzt, aber ich frage mich, warum man nicht bei "Dann haben wir ausnahmsweise mal etwas gemeinsam“ bleiben konnte…


  • Der Imperator sinniert über das Leben: "Die Vergangenheit prägt uns, die Gegenwart verwirrt uns, und die Zukunft ängstigt uns…“ soweit so gut, das gleiche sagt er auch im Original (siehe Zitat zur Folge). Aber dann… "das Leben zerrinnt unaufhaltsam, Minute für Minute, ein Nichts im riesigen, grenzenlosen Weltall.“ Im Original heißt es hier "and our lives slip away, moment by moment, lost in that vast, terrible in between.“ Nix mit Weltall.


  • Beim Empfang für den Imperator meint Sheridan, dass man wohl nicht hoffen durfte, dass Botschafter Kosh sich anschließen würde. Dr. Franklin meint daraufhin "speaking of too much to hope for…“ und weist darauf hin, dass G'Kar soeben den Saal betreten hat. In der Übersetzung wurde daraus "wo wir gerade von Botschaftern sprechen“. Auch das kein schlimmer Fehler, aber mal wieder eine unnötige Freiheit, die sich die Übersetzer herausgenommen haben.


  • ImageSheridan zum Sicherheitsteam, nachdem sie G'Kar aufgehalten haben: "Lassen Sie ihn, er wird sich wieder beruhigen.“ Im Original: "Leave him alone. Just… leave him alone.“ Irgendwie finde ich das "er wird sich wieder beruhigen“ herablassend, so als würde G'Kar überreagieren und hätte kein Recht dazu, so auszurasten. Eventuell interpretiere ich hier ja zu viel hinein, aber im Original scheint hier aus meiner Sicht Respekt und Verständnis durch, ev. zum ersten Mal zwischen diesen beiden Figuren, und für mich ist es eine Schlüsselstelle in ihrer Beziehung. In der deutschen Übersetzung geht diese Wirkung aus meiner Sicht verloren.


  • Zwei Sätze aus Sinclairs Botschaft gefallen mir im Original deutlich besser als in der Synchro. Dort rät er Garibaldi "Stay close to the Vorlon.“ in der Synchro heißt es "Halte ständigen Kontakt mit den Vorlonen.“ Mal ganz abgesehen davon, dass aus Einzahl Mehrzahl wird, ist jemanden in seiner Nähe zu behalten was anderes, als mit ihm Kontakt zu halten. Gleich darauf gibt es einen noch größeren Fehler. Sinclair sagt, Garibaldi solle nach Schatten Ausschau halten. "Sie schlagen zu, wenn man es nicht erwartet.“ Im Original sagt er hier "they move when you're not looking at them.“ Vor allem den Unterschied zwischen "erwarten“ und "hinsehen“ finde ich relevant.


  • Sheridan's Regel Nr. 27 wurde ebenfalls im Sinn verändert. Im Original meint er, man solle den Feind immer davon überzeugen "that you know more than you really know.“ In der Übersetzung wurde daraus "dass du mehr weißt als er“, was ja nun nicht wirklich das gleiche ist.


  • Und der letzte erwähnenswerte Synchrofehler: Nachdem sich Londo "großzügigerweise" dazu bereit erklärt hat, die Zivilbevölkerung der Narn freizulassen, meint Sheridan, dieses Zugeständnis "wird realistisch eingeschätzt werden, Mollari.“ Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber irgendwie konnte ich mit diesem Satz nie so recht etwas anfangen. Was meint Sheridan bloß damit? Erst wenn man den Satz im Original kennt, erschließt sich einem die Bedeutung, dort heißt es nämlich "will be appreciated for what it is, Ambassador.“ Auch spricht Boxleitner das letzte Wort im Original mit so viel Verachtung aus, dass man glauben könnte es wäre eine Beleidigung. In der Synchro ist Sheridan zwar auch nicht gerade nett, aber hier fand ich Boxleitners O-Ton doch deutlich fieser und passender.



  • Review: Image"Schatten am Horizont" ist eine der besten Episoden der Serie, und auch eine der wichtigsten – stellt sie doch nach "Chrysalis" einen weiteren zentralen Wendepunkt dar. Der Konflikt zwischen Narn und Centauri, der bisher gebrodelt hat und im Verlauf der Serie immer wieder thematisiert wurde, eskaliert hier nun endgültig, als die Centauri eine Kolonie der Narn angreifen und diese sich daraufhin gezwungen sehen, den Krieg zu erklären. Der Weg dahin ist voller Spannung und Dramatik, mit vielen grandiosen Momenten und einigen erschreckenden Entwicklungen. So begibt sich Londo hier endgültig auf jenen dunklen Pfad, der sein weiteres Schicksal bestimmen wird. Um die Schwäche des Imperators auszunutzen und seine eigene Macht zu stärken, lässt er sich erneut mit Morden ein, und überredet diesen zum bisher größten und verheerendsten Angriff der Schatten. Erneut müssen wir die unglaubliche Macht dieser Rasse miterleben, als eine gesamte Kolonie inklusive zahlreicher Kampfschiffe und Schlachtkreuzer der Narn binnen weniger Minuten zerstört wird.

    Eine weitere zentrale Figur dieser Episode ist G'Kar. Kann man zu Anfang nicht umhin, sich über seinen Ärger zu amüsieren, als der Imperator kurz vor dem geplanten Attentat einen Herzanfall erleidet, fühlt man später mit ihm mit, als er von der Zerstörung der Kolonie erfährt, und in Rage zu Londo's Quartier aufbricht, um bittere Rache zu nehmen. Eine Szene, die nicht von ungefähr an einen ganz ähnlichen Moment aus "Ragesh 3" – nur mit umgekehrten Vorzeichen – erinnert, ist "Schatten am Horizont" doch in vielerlei Hinsicht das Spiegelbild der ersten regulären Babylon 5-Folge. Möglicherweise die tragischste Figur dieser Episode ist aber wohl der Imperator der Centauri. Nach einem Leben voller Reue und ohne freie Entscheidungen entschließt er sich nun endlich, im Abendrot seines Lebens, das Richtige zu tun. Er riskiert sein Leben in der Hoffnung, damit den ersten Schritt der Versöhnung zwischen Narn und Centauri zu setzen, und damit den jahrzehntelangen Konflikt beider Rassen endlich zu beenden. Doch kurz bevor er seine historische Rede halten kann, erleidet er einen Herzanfall, und das daraus entstehende Machtvakuum nutzen wiederum Londo und Refa, um genau das Gegenteil von dem zu tun, was sich der Imperator für die Zukunft erhofft hat. Zwar wird ihm kurz vor seinem Tod noch der Wunsch erfüllt, einen Vorlonen zu Gesicht zu bekommen, doch sowohl dessen Antwort als auch die Nachricht von Refa lassen ihn in der Gewissheit aus dem Leben scheiden, dass seine Mission gescheitert ist, und die Hoffnung auf Frieden möglicherweise mit ihm stirbt.

    ImageBei "Schatten am Horizont" stimmt alles: Die Effekte sind so bombastisch und beeindruckend wie nie zuvor, und auch wenn sie mittlerweile einige Jahre auf dem Buckel haben und mit modernen Produktionen nicht mehr mithalten können und ihre CGI-Herkunft in jeder Sekunde offenbaren, so haben sie sich vor allem aufgrund der dynamischen Inszenierung und dem wunderschönen Hintergrund beim verheerenden Angriff der Schatten erstaunlich gut gehalten. Auch Londo's Traum sieht selbst mehr als 10 Jahre später immer noch sehr gut und überzeugend aus. Auch die schauspielerischen Leistungen passen sich der hohen Qualität des Drehbuchs an. Alle Schauspieler setzen im Vergleich zu ihren ohnehin schon tollen Leistungen hier noch einmal eins drauf, allen voran Andreas Katsulas und Peter Jurasik, die in einer gerechten Welt für ihre Performance in dieser Folge Emmy-Nominierungen erhalten hätten. Auch Christopher Franke erreicht mit dieser Episode neue Höhen – spätere Kompositionen werden zwar noch gelungener und emotionaler sein, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass seine Musik für diese Episode großartig war – vor allem das melancholische Thema des Imperators.

    Eine weitere große Stärke der Folge ist die Tatsache, dass hier der Handlungsrahmen, der in den vorangegangenen Episoden oftmals nur sehr rudimentär gestreift wurde, endlich wieder ins Zentrum rückt, und auf dramatische Art und Weise fortgeführt wird. Der bisher immer im Hintergrund schwelende Konflikt zwischen Narn und Centauri eskaliert nun endgültig, als die Narn sich gezwungen sind den Centauri aufgrund ihrer wiederholten Angriffe den Krieg zu erklären. Es ist dabei nur allzu leicht, Londo den schwarzen Peter zuzuschieben, aber so sehr man mit G'Kar in dieser Episode auch Mitleid empfinden mag, auch er bzw. seine Regierung ist an dieser Entwicklung nicht unschuldig. Denn auch wenn es mittlerweile schon etwas her ist, und das Rad sich in "Chrysalis" zu drehen begann, darf man nicht vergessen, wie intrigant und aggressiv G'Kar in den ersten Episoden der Serie noch aufgetreten ist. Im Pilotfilm versuchte er, Sinclair für ein Attentat auf Botschafter Kosh verantwortlich zu machen, um damit den Sinn und Zweck der Station - friedliche Verständigung zwischen den Völkern - zu torpedieren. Ragesh 3, eine friedliche Agrarkolonie, wurde von den Narn angegriffen und erobert - genau jene Station, auf der Londo's Neffe seinen Dienst verrichtet. Sogar in "Chrysalis", wo sich das Blatt zu wenden begann, wird zu Beginn über das Eindringen der Narn in neutrales Gebiet diskutiert - und G'Kar meint, dass man sich an die alten Verträge nicht mehr gebunden fühlt. Selbst die Warnung von Sinclair, dass sie alle an einem Scheidweg stehen – was sich als wahrlich prophetisch erweisen sollte – schlug er aus.

    ImageNatürlich gibt es auch hierzu wieder eine andere Seite der Medaille, denn natürlich wurden die Narn von den Centauri lange Zeit unterdrückt – es ist nur verständlich, dass es ihnen nach Gerechtigkeit dürstet. Nur… wo hört Wiedergutmachung auf und fängt Rache an? Man denke da nur an G'Kars Antwort auf Morden's Frage in "Visionen des Schreckens": "Ich möchte das Mark aus ihren Knochen aussaugen, bis ihre Schädel zu Pulver zerfallen. Ich will ihre Städte zerstören, ihren Himmel verdunkeln, ihren Boden mit Salz vergiften. Bis sie komplett und vollständig ausgelöscht sind." Oder auch an seine Hasstiraden aus "Ragesh 3" gegen Londo: "Hören Sie mir zu, Botschafter, ihre Zeit ist abgelaufen! Jetzt sind wir dran! Eines Nachts werden Sie aufwachen und unsere Zähne an ihrer Kehle spüren. Schlafen Sie wohl, Botschafter." Und man darf auch nicht vergessen, dass er selbst in dieser Folge noch auszieht, um den Imperator der Centauri zu vernichten, der schon früher versucht hat, Wiedergutmachung für die schrecklichen Taten der Vergangenheit zu leisten (wie Sheridan ihm gegenüber zu Beginn der Folge erwähnt). Fakt ist: G'Kar hat einen großen Anteil an den Ereignissen dieser Episode. Hätte er sich in der Vergangenheit anders verhalten und schon früher die Bereitschaft zu Kompromissen und einer Versöhnung gezeigt, wäre vielleicht alles anders gekommen.

    Das soll jetzt aber natürlich nicht heißen, dass Londo's Taten gerechtfertigt wären. Er weiß genau, was er tut, als er die Schatten damit beauftragt, die Kolonie anzugreifen – und auch, wohin das unweigerlich führen muss. Dennoch nimmt er diesen Preis in Kauf, um damit seine eigene Position – und die seiner Verbündeten – zu stärken. Dabei lässt er sich sowohl von früheren Warnungen (siehe "Eine Frage der Farbe") als auch von Vir's Flehen nicht beirren. Neben dem Konflikt zwischen Narn und Centauri geht es aber auch an einer anderen Front weiter: Völlig unerwartet – zumindest beim ersten, unvorbereiteten Sehen der Folge – gibt es ein kleines Wiedersehen mit Sinclair. In seiner Videobotschaft an Garibaldi erfahren wir, dass seine Funktion auf Minbar eine andere ist, als einfach nur den Botschafter für die Erde zu spielen. Auch er warnt vor einer drohenden Dunkelheit, und stellt uns zugleich die Ranger vor, die man übrigens in den letzten Folgen immer wieder mal im Hintergrund beobachten konnte. Auch wenn ich Sinclair aufgrund von Sheridan's energiegeladenem Auftreten und der sympathischen Darstellung der Figur keine Träne nachgeweint habe, aber über dieses Wiedersehen habe ich mich doch sehr gefreut – zumal es auch die Kontinuität der Serie stärkt und aufzeigt, dass auf diese zentrale Figur aus der 1. Staffel nicht einfach so vergessen wird.

    ImageDie größte Stärke von "Schatten am Horizont" ist aber meines Erachtens die Fülle an großartigen Momenten und Szenen, mit denen die Episode bestückt ist. So sehen wir hier nun zum ersten Mal Londo's düsteren Traum, der wirklich toll in Szene gesetzt wurde (man denke nur an "die Hand die nach den Sternen greift", oder die riesige Flotte an Schattenschiffen, die über ihn hinwegfliegt) und wieder einmal einige Fragen aufwirft: Wie kommt es dazu, dass sich G'Kar und Londo gegenseitig erwürgen? Wird alles wirklich so geschehen, wie er es in seinem Traum sieht, oder werden sich diese Ereignisse Doch noch abwenden lassen? Großartig auch der kurze Dialog zwischen Sheridan und dem Imperator im Aussichtsdeck, der wirklich grandios geschrieben und gespielt ist. In extrem kurzer Zeit schaffen es JMS mit seinen Worten und Turhan Bey mit seiner tollen schauspielerischen Leistung, dass uns diese Figur ans Herz wächst. Umso mehr fühlt man dann mit ihm mit, als er mit seiner Mission scheitert – und dieses Scheitern auch noch miterleben muss.

    Sehr gut gefällt mir auch immer wieder jener Moment, als Vir sich kurz gegen Londo auflehnt und ihn praktisch anfleht, von diesem dunklen Weg abzugehen. Hier zeigt sich auch sehr deutlich, dass selbst er sich in den letzten 1-1/2 Jahren sehr verändert hat – der Vir aus "Ragesh 3" hätte sich wohl kaum getraut, seinem "Meister" so offen zu widersprechen. Nicht minder Gelungen ist jener Moment, als G'Kar vom Angriff auf die Kolonie erfährt, und halb wütend, halb verzweifelt aufbricht um Londo zu töten. Ja, sein Verhalten in der Vergangenheit hat großen Anteil daran, dass es soweit kommen konnte, dennoch kann man gar nicht anders als mit ihm mitfühlen, als sich diese stolze Figur bitterlich weinend gegen die Wand des Korridors lehnt. Eine zwar kurze, aber dennoch tolle Szene ist Kosh's Besuch beim sterbenden Imperator und seine Antwort auf dessen Frage, wie das alles enden wird (hier ist ausnahmsweise auch die deutsche Übersetzung, wenn auch grundsätzlich falsch, durchaus gelungen und passend). Eine Antwort, die nicht nur dem Imperator, sondern auch dem Zuschauer einen kalten Schauer über den Rücken jagen sollte. Immerhin, bei allen schrecklichen Ereignissen und düsteren Vorahnungen gibt es doch zumindest einen kleinen Erfolg für die "Guten": Sheridan's kluger Schachzug am Ende, mit dem er es doch noch schafft dafür zu sorgen, dass die überlebende Zivilbevölkerung der Narn den Planeten verlassen kann, ist eine weitere großartige Szene der Episode. Wie er sich hier mit Londo ein politisches Duell von höchster Qualität liefert, ist nicht zuletzt auch aufgrund der tollen schauspielerischen Leistungen ein weiteres Highlight der Folge.

    ImageNeben solchen Szenen sind es oftmals aber auch nur ganz kleine Momente, die es mir angetan haben, wie z.B. als Lord Refa sich über den Imperator lehnt, und dieser ihn mit einer Handbewegung wegschiebt, so als wäre es dieser kleine Wurm nicht wert, sich mit ihm zu unterhalten. Die mit Abstand beste Szene dieser an guten Szenen nicht armen Episode ist aber eindeutig jener Moment, als G'Kar Londo auf einen Drink einlädt, im Glauben, dass der jahrzehntelange Konflikt zwischen ihren Völkern nun doch noch ein friedliches Ende finden könnte. Es ist nicht nur die beste Szene der Episode, sondern gehört definitiv zu den besten Szenen der gesamten Serie. Einfach nur grandios, wie G'Kar hier gut gelaunt genau mit jenem Mann ein Gläschen trinkt, der soeben den Auftrag dazu gegeben hat, eine ganze Kolonie der Narn dem Erdboden gleich zu machen. Und dann natürlich Londo's Reaktion darauf. Im Wissen, was er getan hat, ist er ob der Freundlichkeit seines Erzfeindes völlig verblüfft und steht richtiggehend unter Schock. Eine absolut glänzende Performance von Andreas Katsulas und Peter Jurasik, und deine dramaturgische Meisterleistung.

    Es ist womöglich auch dieser Moment, der die Tragik von Londo's Figur am treffendsten zusammenfasst: Immer wieder hat er im Verlauf der Serie und auf seinem dunklen Weg betont, keine Wahl gehabt zu haben – und aus seiner Sicht war das nicht mal eine Lüge. Er war einfach völlig davon überzeugt, dass ein friedliches Zusammenleben mit den Narn nicht möglich ist. Bereits in "Ragesh 3" hat er einen diesbezüglichen Dialog mit Sinclair geführt, und auch später wurde dieser feste Glauben von ihm immer wieder thematisiert (man nehme z.B. nur seinen kurzen Monolog über den Hass der Narn aus "Angriff der Aliens – Teil 1"). Und nun, genau in jenem Moment als er den alles entscheidenden Punkt, nach dem es kein zurück mehr gibt, überschritten hat, muss er erkennen, dass er mit dieser Einschätzung falsch lag. Seine Verachtung für G'Kar und die Narn, seine Frustration über den schleichenden Untergang seines Volkes und die Angst um seine Zukunft und die aller Centauri haben ihn blind gemacht. Londo war davon überzeugt, dass es mit den Narn keine friedliche Lösung geben kann, und es daher auf die Frage "Wir oder sie" hinausläuft. Und aufgrund der ständigen Angriffe und der Tatsache, dass der Stern seiner Republik im sinken war, hat er sich wohl auch Gedanken darüber gemacht, wo das letztendlich hinführen könnte. Doch nun, da er es endlich erkennt, ist es zu spät: Die Kolonie ist zerstört, der Krieg unausweichlich – und sein Schicksal besiegelt.

    Fazit: Image"Schatten am Horizont" ist zweifelsohne eine der besten Episoden der Serie. Hier stimmt einfach alles: Die Handlung ist hochdramatisch und mit einigen erschreckenden Entwicklungen gespickt. Die schauspielerischen Leistungen sind absolut großartig, wobei aus dem Ensemble insbesondere Andreas Katsulas und Peter Jurasik hervorragen. Der Handlungsrahmen macht hier nicht einfach nur einen großen Schritt vorwärts, sondern leitet erneut einen Richtungswechsel innerhalb der Serie ein, und wagt zudem mit Londo's Traum zudem wieder einmal einen düsteren Blick in die Zukunft. "Schatten am Horizont" ist voller großartiger, denkwürdiger Momente, von denen vor allem jene Szene, als G'Kar Londo dazu einlädt, etwas mit ihm zu trinken, hervorsticht. Und trotz der dramatischen Entwicklungen und der Fülle an Handlung, die in diesen 42 Minuten hineingequetscht wurden, bleibt der Folge trotzdem genug Luft zum Atmen, so dass es auch wenn sich die Ereignisse überschlagen nie überhastet wirkt, sondern den verschiedenen Momente, Szenen und Entwicklungen auch immer gerade noch genug Zeit bleibt, um beim Zuschauer die gewünschte Wirkung zu entfalten. Lange Rede, kurzer Sinn: "Schatten am Horizont" ist einfach nur grandios, und eine Sternstunde von Babylon 5.

    Bewertung: Spannung: 4.5/5 | Action: 3.5/5 | Humor: 1.5/5 | Dramatik: 5/5 | Inhalt: 5/5 | Gesamteindruck: 5/5

    Christian Siegel
    Mitreden! Sagt uns eure Meinung zu "Schatten am Horizont" in der SF-Community!


    Produktionsnotizen:
    Vom Skript zur Folge:
    Da es sich bei "Schatten am Horizont" um eine der Schlüsselepisoden der Serie handelt, habe ich es diesmal mit dem Vergleich zum Drehbuch sehr genau genommen, und auch kleinere Änderungen angeführt. Demnach findet ihr nachfolgend eine fast vollständige Liste (von wenigen Kleinigkeiten einmal abgesehen) der Unterschiede zwischen dem Drehbuch und der fertigen Folge – auch wenn manchmal nur 1 oder 2 Sätze gestrichen wurden:

  • Eine kurze, schöne Dialogzeile des Imperators kurz vor seinem Aufbruch: "Danke dass du dich um all das gekümmert hast, während ich ein letztes Mal über den Sonnenuntergang hinaus segle.“


  • ImageNachdem Lord Refa Londo verlassen hat fragt dieser Vir, ob er sich ob der gerade geführten Konversation unwohl fühlt, was dieser bejaht. Nach Londo's Satz "Dann haben wir ausnahmsweise einmal etwas gemeinsam“ folgt im Drehbuch noch "Ich bin ein alter Mann. Was habe ich schon zu verlieren, wenn ich es versuche? Wie sagen die Menschen: "Wer wagt, gewinnt."“ Vir darauf: "Wer wagt, dem wird manchmal der Kopf abgehackt und auf einen Stab gesteckt.“


  • Vor der Ankunft des Imperators auf der Station findet sich im Drehbuch noch der folgende Dialog zwischen Ivanova, Garibaldi und Sheridan:
    Ivanova: "…wir haben also den Ankunftsbereich geräumt und alle Aufzüge auf der Ebene blockiert. Eine Fliegerpatroullie wird den Kreuzer der Centauri 24 Stunden am Tag bewachen.“
    Sheridan: "Was haben wir auf dem Boden?“
    Garibaldi: "Ich habe eine volle Sicherheitsmannschaft abgestellt, die meisten in Uniform, der Rest in Zivilkleidung. “
    Sheridan: "Gut. Wir haben einige anonyme Drohungen erhalten, und ich möchte nicht dass irgend etwas diesen Besuch beeinträchtigt.“
    Garibaldi: "Wir haben alles getan was wir können, aber kein Sicherheitsteam kann einen einsamen, zu allem entschlossenen Attentäter stoppen, den es nicht kümmert, ob er den Versuch überlebt.“


  • Direkt auf diese Szene folgt ein kurzer Moment zwischen Delenn und dem Ranger, der andeuten soll, dass die beiden eventuell düstere Absichten gegenüber dem Imperator hegen. Der Ranger gibt ihr den Datenkristall, sagt er solle ausrichten, dass sich darauf eine Nachricht von einem alten Freund befindet, und fragt nach Waffen. Delenn darauf: "Es ist schwierig. Aber ich glaube ich kann besorgen was Sie brauchen.“


  • Als G'Kar mit dem Vertreter des Kha'ri spricht, hätte Na'Toth eigentlich anwesend sein sollen. Sie ahnt, was G'Kar vorhat, und beschließt trotz seines ausdrücklichen Rats, besser den Raum vor dem Gespräch zu verlassen, bei ihm zu bleiben, wofür er sich bei ihr bedankt.


  • Das Gespräch zwischen Sheridan und dem Imperator im Aussichtsdeck beginnt ursprünglich mit folgendem kurzen Dialog:
    Sheridan: "Ich bin überrascht, dass Sie nicht in Ihrem Quartier sind. Es ist das beste, dass wir haben. Falls die Unterbringung unangemessen sein sollte…“
    "Das Quartier ist völlig in Ordnung. Es fehlt mir nur an einem… ich kann von dort aus die Sterne nicht sehen. Mir wurde gesagt, dies sei ein guter Platz um hinauszusehen, nachzudenken und zu beten. Und da ich alle drei Dringe tun muss… bin ich hier.“


  • Sinclairs Nachricht ist im Drehbuch etwas länger als in der Episode. So kennen wir z.b. die Stelle als er sagt "Es kommt eine große Dunkelheit, Michael. Einige der Minbari haben darauf schon lange gewartet.“ Darauf folgt im Drehbuch noch "Sich darauf vorbereitet. Andere… glauben nicht daran. Sie glauben immer noch, dass wir der Feind sind. Das sind wir nicht. Und wir müssen das hinter uns lassen, oder die Dunkelheit wird uns alle übermannen. Deshalb unternehmen wir Schritte, um das zu ändern.“


  • ImageGaribaldi informiert Sheridan und Ivanova über das, was er von Sinclair erfahren hat, und Sheridan meint, dass man dies eventuell für einen Bluff benutzen könnte. Der Dialog geht daraufhin im Drehbuch noch weiter:
    Ivanova: "Ist das klug?“
    Sheridan: "Ich habe G'Kar versprochen, dass ich ihm dabei helfen würde das Leben seiner Leute zu retten, und wenn das der einzige weg ist, nehme ich ihn. Mit etwas Glück können wir damit den Rest des Konflikts beeinflussen.“
    Ivanova: "Warum glauben Sie, dass die Angriffe weitergehen werden?“
    Sheridan: "Die Centauri haben zum ersten Mal seit langer Zeit wieder Blut geleckt… und sie werden feststellen, dass es ihnen zu gut schmeckt um aufzuhören. Weshalb wir eine ganz andere Botschaft aussenden müssen.“


  • Bevor Lord Refa und Mollari mit dem Imperator in der Krankenstation sprechen, protestiert Dr. Franklin im Drehbuch:
    Franklin: "Ich sage es Ihnen noch einmal: Das ist völlig unangebracht, er ist nicht in der Verfassung um…“
    Refa: "Er ist der Imperator, und das Wohl unseres Volkes hat Vorrang. Wenn er könnte, würde er Ihnen das selbst sagen. Es kann nicht warten.“


  • Auch vom Beginn der Ratssitzung wurde scheinbar einiges geschnitten (oder möglicherweise auch nie gedreht). So beginnt sie im Drehbuch folgendermaßen:
    Delenn: "Der Rat hätte darüber informiert werden sollen, bevor Sie handeln!“
    Londo: "Der Sinn eines Überraschungsangriffs, Delenn, ist dass niemand davon wissen soll bevor er stattfindet.“
    Delenn: "Wir hätten versuchen können die Situation zu schlichten, eine diplomatische Lösung finden…“
    Londo: "Das ist doch sinnlos.“


  • ImageAls die Schiffe der Centauri die Station verlassen, gibt es im Drehbuch den folgenden kurzen Dialog zwischen Ivanova und Sheridan im Kommandodeck:
    Ivanova: "Haben Sie die Erdzentrale über die Kriegserklärung informiert?“
    Sheridan: "Ja. Sie sind natürlich besorgt, aber sie wissen auch dass es Zeit braucht um sich auf einen vollständigen, interstellaren Krieg vorzubereiten. Beide Seiten müssen Schiffe abstellen, Strategien entwickeln, Versorgungsrouten einrichten… Ich denke wir werden zuerst ein paar Scharmützel an den Grenzen erleben, in den nächsten Monaten, ehe der totale Krieg ausbricht. Mit Glück können wir den Konflikt mit Verhandlungen beenden, ehe es soweit kommt.“
    Ivanova: "Ich weiß nicht… die Centauri bekommen diesmal Hilfe von außerhalb, und soweit wir wissen könnten sie jetzt schon für den Krieg bereit sein.“
    Sheridan: "Sie finden wohl hinter jedem Silberstreif am Horizont noch die schwarze Wolke, Commander.“
    Ivanova: "Das ist mein Job, Sir.“


  • Abschließend noch ein kurzer Satz aus Londo's Bemerkung am Ende, dass er kein Interesse daran hat, Imperator zu werden: "Eine Krönung ist nichts anderes als ein Zeichen an Attentäter, dass ein neues Ziel in der Schusslinie aufgestellt wurde.“


  • „Quelle: „Babylon 5: The Scripts of J. Michael Straczynski - Volume 3”


    Hintergründe zur Produktion der Episode:
  • Der Imperator der Centauri wird von Turhan Bey gespielt, der ursprünglich aus Wien stammt, und der vor allem in den 40er Jahren in Hollywood ein gefragter Mann war. Ursprünglich sprach er für die Rolle von Elric aus "Eine Frage der Farbe" vor, doch war er JMS in der Rolle zu herzlich und nett, er wollte für Elric eine bedrohlichere Präsenz. Nichtsdestotrotz war er vom Schauspieler so angetan, dass er ihm versprach, eine Rolle nur für ihn zu schreiben. Nach seinem Auftritt als Imperator war er später noch einmal in einer anderen Rolle (in der Episode "Lektionen des Schreckens") zu sehen.


  • ImageDie Einstellung mit Londo, wie er in den Himmel blickt, ist eine der wenigen Außenaufnahmen, die für die Serie gedreht wurden (direkt vor den Türen des Studios, übrigens).


  • "Schatten am Horizont" gewann 1996 den Hugo Award, und stach damit Konkurrenten wie "Apollo 13", Terry Gilliams "12 Monkeys", den Pixar-Hit "Toy Story" sowie die DS9-Episode "Der Besuch" aus.


  • „Quellen:
    „Babylon 5: The Scripts of J. Michael Straczynski - Volume 3”
    „The Babylon File - Vol. 1”



    Das sagen die Schauspieler
  • Andreas Katsulas über seine Figur in "Schatten am Horizont": „Das ist der alte G'Kar, vor seiner Erleuchtung und inneren Veränderung, der alles in schwarz und weiß sieht. Er glaubt, dass alle Centauri böse sind. Wir müssen sie vernichten. Und wie vernichten wir sie? Wir töten ihren Anführer. Er handelt nach leidenschaftlichen, patriotischen Motiven. Es ist so als würden wir in den Vereinigten Staaten entscheiden, "Ok, wir müssen Saddam Hussein vernichten, nicht mit Raketen oder ähnlichem, wir müssen den Mann erwischen, dann ist die Führung die all diese Probleme verursacht weg. Diese Art von grundlegendem Schwarz-Weiß-Denken, das ist G'Kars Ansicht. Doch dann hört er etwas völlig unerwartetes, und das zwingt ihn dieses Denken abzulegen und zu erkennen, dass sein Erzfeind nobler handelt als er selbst. Diese Erkenntnis ist essentiell für die weitere Entwicklung der Figur.“


  • ImagePeter Jurasik über die Anstoß-Szene mit G'Kar: „Er bringt immer eine neue und aufregende Energie in jede Szene ein, und du musst deine Augen und Ohren offen halten weil du nie weißt was Andreas präsentieren wird. Die Leute sagen immer, was für eine tolle Szene das für uns beide ist, aber ich bin eigentlich nur dagesessen, Augen und Ohren weit geöffnet, und habe aufgenommen was Andreas tat. Er hat eine so intenstive, energiereiche Performance in einer Klappe abgeliefert. Wir haben es drei oder viermal gedreht, und jedes Mal war es völlig anders. An die Version die sie letztendlich verwendet haben erinnere ich mich noch ganz genau. Er ist mit so viel Energie und Enthusiasmus an die Szene herangegangen, und hat mich umarmt, und es war wirklich eine Überraschung für mich. Wenn man sich meine Reaktion ansieht – oder Londo's Reaktion – dann wirke ich deshalb überrascht, weil ich von Andreas Performance wie so oft überwältigt wurde.“


  • Quelle: „Babylon 5: Season by Season-Guides - Volume 2: The Coming of Shadows”


    Kommentare von JMS
  • Beim erneuten Lesen des Drehbuchs für diesen Kommentar war eines der Dinge die mir aufgefallen sind, dass die Episode nicht die gleiche Wirkung hätte, wenn es die Episoden davor nicht geben würde, weil es praktisch keine Handlung gibt. Die ganze Folge kann in einem Satz zusammengefasst werden: "Der Imperator der Centauri kommt nach Babylon 5, stirbt an einem Herzanfall, und Krieg bricht aus." Keine B-Handlungen, keine komplizierten Erklärungen… nur ein Ereignis, umgeben von Szenen voller großer, persönlicher Emotionen für jede Figur. Aus diesem Grund ist das Drehbuch dort erfolgreich, wo einigen meiner früheren, handlungsintensiven Drehbücher nicht so viel Erfolg beschienen sein mögen. Ich habe mir diese Lehre für spätere Drehbücher sehr zu Herzen genommen.


  • ImageWie ich schon mehrmals erwähnt habe, gab es von Beginn an drei Themen die ich mit Babylon 5 behandeln wollte: Entscheidungen, Konsequenzen, und Verantwortung. In dieser Episode wurden sie durch den Imperator der Centauri an die Oberfläche gebracht. Ich wollte einen Mann zeigen der immer geglaubt hat er hätte keine Wahl… er tat was von ihm erwartet wurde, wann es von ihm erwartet wurde. Nun, in der Dämmerung seines Lebens, begann er zu erkennen dass er sehr wohl die Wahl hat, und dass er eine Veränderung herbeiführen kann, nicht nur für sein eigenes Leben sondern auch für das Leben seines Volkes… und er ist voller Furcht, dass er diese Erkenntnis zu spät erlangt haben könnte. Und das ist die große Tragik dieser Geschichte: Er hat es zu spät erkannt. Hätte sein Leben nur etwas länger gedauert, hätte G'Kar gehört was der Imperator zu sagen hatte, bevor er gestorben ist anstatt danach… wie viel Tod, wie viel Blutvergießen hätten damit verhindert werden können? [Anm.: JMS dürfte hier wohl etwas verwechselt haben: Natürlich Wir können wohl davon ausgehen, dass er hier nicht seinen Tod, sondern seinen Herzanfall gemeint hat.]


  • Als es Zeit wurde die Szene zu drehen [Anm.: in der sich G'Kar und Londo in dessen Traum gegenseitig erwürgen] wollten Andreas und Peter wissen, was hier genau passiert, warum Londo die Krone trägt, und was G'Kar in seinem Thronsaal macht. Wie früher schon erwähnt war ich abgeneigt, ihnen alles zu erzählen aus Angst sie würden dann das Ergebnis statt des Prozesses spielen, aber ich wusste ich musste ihnen genug sagen damit sie die Szene richtig spielen konnten. […] Als ich es Peter erzählte, leuchteten seine Augen wie Diamanten. Ich glaube nicht, dass ich ihn zuvor schon mal so begeistert gesehen hatte.


  • Fans haben mich gefragt wo ich die Idee für den Gruß der Narn – "Essen sie wohl" (Original: "Good eating to you") – her hatte. Als ich an der San Diego State University Psychologie studierte, nahm ich an einem Schriftsteller-Workshop von Richard Kim teil, einem Autor aus Korea. Eines Tages erwähnte er dass man sich in Korea statt mit "Wie geht es dir" mit "Hast du gegessen?" begrüßt. Ich dachte das war wundervoll, und beschloss es eines Tages irgendwo zu verwenden. Es hat zwar fast 20 Jahre gedauert, aber verwendet wurde es.


  • ImageEs war immer meine Absicht, G'Kar vom vermeintlichen Bösewicht zu einer heroischen, ja fast romantischen Figur, und einer Ikone für sein Volk zu bewegen. Diese Episode war für diesen Prozess elementar: Wir beginnen mit dem alten G'Kar: Laut, nervig, bombastisch… und erleben seinen schrittweisen Verfall über den Verlauf der Geschichte. Die Reichweite an Emotionen machten dies zu einer von Andreas Lieblingsepisoden. Wie sagt man so schön: Ihm gehört diese Episode. Wenn er Londo aufsucht und mit ihm auf die Gesundheit des Imperators anzustoßen, erleben wir wie eine weitere Chance auf Frieden zerstört wird. Hier gab es eine Möglichkeit um ihre Differenzen zu überwinden, aber Londo weiß dass Dinge in Bewegung geraten sind die nicht aufgehalten werden können, und der Ausdruck auf Peter's Gesicht spiegelt sein Unbehagen perfekt wider, wie auch Andreas' Performance als er kurz darauf von Londo's Verrat erfährt.


  • Eines der Dinge die euch an den Szenen auf Centauri Prime auffallen werden, insbesondere im königlichen Palast, ist dass es dort kaum Wände gibt. Durchsichtige Paneele und Türen hier und dort, viele weiße Vorhänge, aber kaum Wände. Dies war das Ergebnis eines sehr langen Gesprächs zwischen mir und der künstlerischen Abteilung darüber, Wege zu finden, um all diese verschiedenen Welten und Umgebungen für weniger als eine Million pro Episode zu realisieren. Da Wände schwer und kostspielig sind, und viel Platz wegnehmen, schlug der Produktionsdesigner John Iacovelli vor, dass wir für die Sets von Centauri Prime überwiegend Vorhänge, Tücher und Gardinen verwenden. So konnten wir das Ganze in sehr kurzer Zeit praktisch überall aufbauen, auch innerhalb von anderen Sets. Statt also ein Set streichen zu müssen um ein anderes aufzubauen, konnten wir einfach jedes Set das groß genug war auswählen, die Vorhänge und Hintergründe reinbringen, den Rest des Sets in Dunkelheit verschwinden lassen und Bingo, wir sind auf Centauri Prime. Die Verwendung von weichen Stoffen hilft zudem dabei, ein Gefühl von Luxus zu erzeugen, was für die Centauri perfekt war… ein weiteres Beispiel dafür, wie die richtige Entscheidung hinsichtlich der Produktion manchmal auch dem kreativen Prozess dienlich sein kann.


  • ImageDiese Episode beinhaltet bekanntermaßen einen Überraschungsauftritt von Michael O'Hare als Jeffrey Sinclair. Was nicht so bekannt ist, ist dass wir seine Nachricht an Garibaldi Monate zuvor gedreht hatten. Nachdem der Kommandowechsel vollzogen wurde, wusste ich zwei Dinge: Erstens, dass wir Sinclair später im großen Stil zurückbringen würden um den Handlungsstrang aus "Verloren in der Zeit" abzuschließen, und zweitens, dass es notwendig sein würde, dass er sich, als der Mensch der den Befehl über die Ranger auf Minbar hat, mit Babylon 5 und Garibaldi im Laufe der 2. Staffel in Verbindung setzt, da die Rangers dort vorgestellt werden würden. Ich brauchte jemand der für sie gegenüber Garibaldi bürgen kann, und es gab schlicht und ergreifend keine bessere Option als Sinclair. Daher ging Michael in den Wochen nachdem wir die Dreharbeiten an der ersten Staffel abgeschlossen hatten in ein Studio in New York und nahm die Rede auf, die er in diese Episode gibt. Wir stellen sicher, dass niemand außer den Produzenten von Babylon 5 darüber bescheid wusste, bunkerten das Filmmaterial für die richtige Episode, und saßen auf dieser Information bis zu jenem Tag als das Drehbuch für "Schatten am Horizont" an Crew und Besetzung ausgegeben wurde.


  • Quelle: „Babylon 5: The Scripts of J. Michael Straczynski - Volume 3”


  • Als es Zeit wurde, den Imperator der Centauri vorzustellen beschloss ich, dass er revolutionär und progressiv sein und auf alte Traditionen verzichten würde, und… ok, im Prinzip beschloss ich, dass er eine Glatze haben würde, da die einzige andere Möglichkeit angesichts seines gehobenen Status eine Haarpracht wäre, für die man einen Gabelstapler braucht, um sie zu kämmen.


  • Quelle: „Babylon 5: The Scripts of J. Michael Straczynski - Volume 2”


  • ImageDie Umstände die zum Ausbruch des Krieges führen hätten früher bei einigen Gelegenheiten verhindert werden können. Der Moment mit Londo und G'Kar im Zocalo als G'Kar ihn auf einen Drink einlädt ist ein Moment voller herrlicher Ironie und Traurigkeit für Londo, weil er direkt vor seinen Augen sieht, dass er eine Chance auf Frieden gehabt hätte – "Ich habs grad vermasselt!" Wenn G'Kar auf das Wohl des Imperators der Centauri trinkt, ist das genau die Basis auf die du diplomatische Beziehungen aufbauen kannst. Man sieht in Londo's Gesicht "Mein Gott, was habe ich getan?" Das ist eine dieser Episoden wo du das Gefühl bekommst, dass hier niemand seinen Fuß auf der Bremse hat und wir völlig unkontrolliert dahinrasen. Ich liebe Momente wie diese.


  • Als sie bei den Hugo Awards Babylon 5 als Sieger verkündeten, stand ich auf und dachte für einen Moment "Wir haben ein Erdbeben", weil der Saal gebebt hat. Und dann erkannte ich, dass die Fans auf den Boden stampften, applaudierten, und schrien. Selbst die Leute um mich herum, andere SF-Autoren die nichts von unserer Serie wussten, sahen verwundert herum und fragten sich "Was zum Teufel ist das?" Das Ausmaß, in dem unsere Fans unbedingt wollten das wir diese Auszeichnung gewinnen, war ein Schock für mich.


  • Quelle: „Babylon 5: Season by Season-Guides - Volume 2: The Coming of Shadows”


  • Ich liebe "Schatten am Horizont". Es ist eine dieser Episoden, die einem einfach den Atem verschlägt. Kennt ihr diese Momente, wenn man auf dem Beifahrersitz eines Autos sitzt und der Fahrer etwas verrücktes macht und Euer Fuß automatisch nach dem nicht vorhandenen Bremspedal sucht, weil man weiß, dass etwas furchtbares passieren wird? Dieses Gefühl hat man bei diesem Drehbuch. Diese Folge ändert, so wie "Gefangen im Cybernetz", "Visionen des Schreckens", "Chrysalis" und "Rückkehr der Finsternis", die Richtung und schnürt alles etwas enger zusammen. Es ist auch ein sehr visuelles Drehbuch, und das gefällt mir, da ich mich manchmal zu sehr auf Dialoge verlasse; es ist gut, eine andere Richtung einzuschlagen.


  • ImageEs war auf mehreren Ebenen nicht leicht, "Schatten am Horizont" zu schreiben. Manchmal fühlte ich mich, als wäre ich gerade auf einen davonrasenden Truck voller Dynamit gesprungen. Auf halber Strecke in dieser Geschichte kann man irgendwie fühlen, wie sich unter einem der Handlungsrahmen bewegt, wie ein großer, dunkler Fisch, der dabei ist, die Oberfläche zu durchstoßen. Die einzige Möglichkeit, die Schmerzen eines Charakters zu fühlen, ist wenn man sie beim Schreiben fühlt, und davon ist viel durchgekommen. Ich lebe 24 Stunden am Tag mit diesen Charakteren, die durch meinen Kopf laufen… und als ich "Schatten am Horizont" schließlich fertig geschrieben hatte, war es, als seien sie alle stehengeblieben, hätten sich gegenseitig angeguckt, und auch mich, und gesagt: "Mann, vielen Dank, Herrgott nochmal. Warum reißt Du nicht noch jemandem ein Auge raus, wenn Du schonmal dabei bist?"´ Worauf die einzige Antwort ist: "Jetzt, wo ihr das sagt…"


  • Turhan hat ursprünglich als Elric in "Eine Frage der Farbe" vorgesprochen; wir wollten jemanden, der bedrohlicher wirkte (Ansara), aber wir waren alle ganz von den Socken, da er eine wundervolle und reizende und nette Person ist. Und als er gegangen ist, habe ich zu John Copeland gesagt: "Ich werde einen Part extra für ihn schreiben." Das habe ich auch gemacht, und wir haben ihm die Rolle gegeben, und alle auf dem Set liebten ihn. Das ging so weit, dass sie am Ende der Aufnahmen sagten: "Du Bastard, wie konntest Du diesen wundervollen Mann hierher bringen und ihn dann töten, so dass wir ihn nicht nochmal verwenden können?!"


  • Die Brosche, die von den Rangers getragen wird, wurde von mir und Ann Bruice, unserer Kostümbildnerin, entworfen. Ich hab (schlecht und krakelig) gezeichnet, was mir vorschwebte, und zwar ein stilisierter Mensch und ein Minbari auf je einer Seite eines Edelsteins, die beide in das selbe Metall eingearbeitet sind und den Edelstein halten. Sie hat dann diese Zeichnung genommen, die aussah als sei sie von einem betrunkenen Fünfjährigen gezeichnet worden, und verwandelte sie in ein beeindruckendes Stück.


  • Londo sieht in seiner Vision die Schattenschiffe, aber er weiß nicht, dass sie das sind. Er hat diesen speziellen Traum nun schon seit Jahren, lange bevor er Morden getroffen hat.


  • Der Handschlag, der in "Schatten am Horizont" benutzt wurde, war ein traditioneller Handschlag der Römer, der normalerweise benutzt wurde, um zu überprüfen, ob die andere Person ein Messer trug. Da die römische Zivilisation bis zu einem gewissen Grad eine der Quellen für die Konstruktion der Centauri darstellt, habe ich sowohl ihren Handschlag (das Überprüfen auf Messer) als auch ihre Begrüßung "…reiche ich Ihnen die Hände zur Freundschaft" übernommen.


  • ImageDeine Gefühle über den Anfang des Krieges sind genau was sie sein sollten und was ich mit "Schatten am Horizont" erreichen wollte. Wie Du schon sagtest, heißt es im SF-TV sehr oft: "Ja, laßt uns einen Krieg führen! Sachen in die Luft jagen!" Aber von einem echten Krieg zu hören… das ist sehr, sehr ernüchternd. Als wir hörten, dass Golftruppen in den Mittleren Osten geschickt wurden, als wir davon hörten, dass sowjetische Truppen nach Prag geschickt wurden… da blieb einem für einen Moment das Herz stehen. Als Kennedy amerikanische Schiffe einsetzte, um Kuba zu blockieren und die Welt den Atem anhielt… so fühlt es sich an, wenn man vor einem möglichen oder tatsächlichen Krieg steht. Alles, woran man denken kann, ist, "Wie zum Teufel sind wir bloß da rein geraten, und wie zum Teufel kommen wir wieder heraus?" Und das war der emotionale Kern von "Schatten am Horizont".


  • In gewisser Weise sollen "Ragesh 3" und "Schatten am Horizont" Spiegelbilder voneinander sein, um zu zeigen, dass sich das Rad dreht, um G'Kar zu zitieren. Die Ratsversammlung am Anfang, die Angriffe, die Entschlossenheit den anderen zu töten, abwechselnd Garibaldi oder Sheridan, die sie aufhalten müssen, indem sie die Frage nach möglichen Konsequenzen aufwerfen… es stellt "Schatten am Horizont" als dunkles Spiegelbild der ersten Episode dar. Alles was wir gesehen habe, als wir zunächst dachten, wir wüssten, wie die Serie sein würde, wurde jetzt komplett umgedreht und auf den Kopf gestellt. Außerdem konzentrieren sich die beiden Episoden auf eine der Hauptfragen, denen B5 sich widmet: Was ist Dir wichtig? Was bist Du bereit zu opfern? Wie weit bist Du bereit zu gehen, um zu erhalten was Du willst? Für mich hat viel von der Definition von WER wir sind mit dem zu tun, WAS wir bereit sind zu tun und was wir wollen, und den Mitteln, mit denen wir versuchen, diese Ziele zu erreichen. Das andere Thema ist natürlich Aufopferung, was in der Serie in der einen oder anderen Form immer wieder auftritt.


  • Ich bin sehr glücklich mit der Reaktion. Ich hab zu John Copeland vor einiger Zeit, als wir die Episode beendeten, gesagt: "Vielleicht sollten wir vor dem ersten Bild des Teasers einen Text einblenden, der lautet, 'FÜR DEN FALL, DASS IHR DENKT, WIR WÜRDEN WITZE MACHEN'".


  • ImageIch werde Euch eine wahre und geheime Sache über Londos Traum und über das Hinaufsehen in einen blauen Himmel, und dort vorüberfliegende Schiffe zu sehen, sagen. Seit ich ein Kind war, kam dieses Bild in meinen Träumen vor, wie ich draußen stehe und nach oben sehe als seltsame, dunkle Schiffe über mich hinwegfliegen. Es war schon immer ein aufreibendes Bild und ich wollte es hier wirklich benutzen, um zu sehen, ob es auf andere genauso wirkt. Das andere am häufigsten auftretende Bild ist, wie ich am Fuß einer langen Treppe im Kellergeschoß stehe und die Tür am oberen Ende der Treppe aufgeworfen wird und es fallen Schüsse und da sind Wachen und Leuchtsignale in der dahinter liegenden Nacht und noch mehr Schiffe, die nach unten feuern. Seid nicht überrascht, falls auch das eines Tages auftauchen sollte…


  • Ich glaube, manchmal sind die Leute so sehr von dem gefesselt was passiert und warum, dass sie nicht mitkriegen, worum es auf einer elementareren Ebene geht. Und das ist die Frage, wer wir sind. Identität. Die Wichtigkeit einer einzelnen Person und die Fähigkeit dieser Person, als Hebelpunkt zu agieren, ob absichtlich oder nicht, durch den große Ereignisse in Bewegung gesetzt werden. Eine Wahl treffen. Was Du am meisten schätzt. Das sind für mich Themen, die es am meisten lohnt, sie zu untersuchen. Niedergeschlagen mit der Meinung, dass wir machtlos sind, wird uns jeden Tag gesagt, dass wir die Dinge nicht ändern können, dass man nicht gegen die Obrigkeit ankämpfen kann… und natürlich ist das nicht wahr. Man kann kämpfen. Und manchmal kann man sogar gewinnen.


  • Quelle: Der deutsche Lurker’s Guide für Babylon 5



    Zusammengestellt von Christian Siegel




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