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Das Netz der Lügen PDF Drucken E-Mail
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Episodenbild (c) Warner Bros.

Originaltitel: Messages From Earth
Episodennummer: 3x08
Bewertung:
Erstausstrahlung USA: 19. Februar 1996
Erstausstrahlung D: 10. November 1996
Drehbuch: J. Michael Straczynski
Regie: Mike Vejar
Hauptdarsteller: Bruce Boxleitner als Captain John Sheridan, Claudia Christian als Commander Susan Ivanova, Jerry Doyle als Security Chief Michael Garibaldi, Mira Furlan als Delenn, Richard Biggs als Doctor Stephen Franklin, Bill Mumy als Lennier, Stephen Furst als Vir Cotto, Jason Carter als Marcus Cole, Jeff Conaway als Zack Allaln, Peter Jurasik als Londo, Andreas Katsulas als G'Kar.
Gastdarsteller: Nancy Stafford als Dr. Mary Kirkish, Vaughn Armstrong als Security Guard #1, Merrin Dungey als Security Guard #2, Vimi Mani als ISN Anchor, Lorraine Shields als Cook u.a.

Kurzinhalt: Eine frühere Mitarbeiterin von IPX, Dr. Kirkish, kommt an Bord, und erzählt den Verschwörern rund um Captain Sheridan gar Unglaubliches: Vor sieben Jahren wurde auf dem Mars ein dort abgestürztes und seither inaktives Schattenschiff ausgegraben. Einige Tage später erschien dann plötzlich ein zweites Schiff im Orbit, befreite das Schwesterschiff, und gemeinsam brachen sie ins All auf. Auch Garibaldi war zu diesem Zeitpunkt auf dem Planeten, nachdem er mit einem Shuttle abgestürzt ist, und kann ihren Bericht bezeugen. Dementsprechend wissen zumindest einige Bereiche der Erdregierung über die Schatten bescheid. Nun wurde auf dem Jupitermond Ganymed ein weiteres ruhendes Schiff der Schatten entdeckt. Präsident Clark möchte dieses erforschen lassen, und die fortschrittliche Technologie dazu zu benutzen, seinen Griff auf die Erdregierung zu festigen und seine Gegner niederzuschlagen. Captain Sheridan kann und will nicht zulassen, dass ihm die Waffen der Schatten in die Hände fallen. Zusammen mit Delenn und Lennier bricht er im Weißen Stern auf, um das Schiff zu vernichten, ehe die Wissenschaftler von der Erde dieses aktivieren konnte. Doch als sie den Orbit von Ganymed erreichen, ist es bereits zu spät…

Denkwürdige Zitate: "I've taken the opportunity provided by my incarceration to meditate, to think. Sometimes I even sing."
"I know. We got a petition."
"For or against?"
"Based on the sound they think we're torturing you in here."
(Garibaldi zu G'Kar, als er diesem berichtet, dass sich seine Zellennachbarn über den Lärm beschwert haben.)

"And according to one of our units on the border of Centauri space they've continued to massing their fleet. We don't know why. Maybe they expect a counter attack, it's hard to say. And they have much to be concerned about. There's always the threat of an attack, say, by a giant space dragon. The kind that eats the sun once every thirty days. It's a nuisance – but what can you expect from reptiles?"
(Marcus versucht, Ivanovas Aufmerksamkeit zu erregen.)

"With all due respect for your innovative choice of strategy…"
(Lennier ist von Delenns Vorschlag ein Sprungtor in der Atmosphäre zu öffnen nicht unbedingt angetan.)


Review: Episodenbild (c) Warner Bros. Wären wir im Fußballstadion, würde ich wohl "Jetzt geht's lo-os!" intonieren. "Das Netz der Lügen" ist der Auftakt eines losen Dreiteilers, in dem sich der Status Quo der Serie wieder einmal grundlegend verändert, und einige Entwicklungen der letzten 2-1/2 Staffeln aufgegriffen und zu ihrem vorläufigen Abschluss geführt werden. Bereits zum Auftakt präsentiert uns JMS dabei eine phantastische, wendungsreiche und ungemein packende Episode der Serie, der ich die Höchstwertung nicht verweigern kann. Zugegeben, "Das Netz der Lügen" ist eine jener Episoden, die bei der Erstsichtung am besten wirken, wenn einen die Wendungen teils unerwartet treffen und man auch noch nicht weiß, wo das ganze hinführt. Dennoch fand ich die Episode auch bei dieser x-ten Sichtung wieder höchst spannend und unterhaltsam. Am Frühstückstisch dominiert zuerst noch der Humor, doch mit Marcus' packend inszeniertem Kampf in den Korridoren wird der dramatische Teil der Handlung eingeläutet. Und spätestens wenn Dr. Kirkish beginnt, ihre Geschichte zu erzählen, saß ich anno dazumal völlig vom Geschehen eingenommen vor dem Fernsehschirm.

Ihre Geschichte stellt für mich dann auch den Höhepunkt der Episode dar – was nicht heißen soll, dass das, was danach kam, nicht auch gut war. Aber letztendlich ist es für mich dieser Teil, der "Das Netz der Lügen" die Höchstwertung sichert. Anstatt die Fernseh-Todsünde zu begehen, sie nur minutenlang erzählen zu lassen, werden uns ihre damaligen Erfahrungen auch gezeigt. Etwas derart spektakuläres hatte uns die Serie zu diesem Zeitpunkt noch nicht geboten. Die rote Oberfläche des Mars, der Anblick des abgestürzten Schattenschiffes, wie das zweite Schiff ankommt und das erste befreit und beide wegfliegen – einfach nur Wow. Grandios geschrieben, gespielt, inszeniert, getrickst und musikalisch untermalt. Wunderbar auch, wie ihre Geschichte von Garibaldi untermauert war, der damals ebenfalls auf dem Mars zugegen war. Den besagten Shuttle-Absturz erwähnte er übrigens bereits beiläufig in "Ein unheimlicher Fund"; was uns "Das Netz der Lügen" indes verschweigt ist, dass Sinclair jene Person war mit der er abstürzt ist. Genauer wird die Geschichte im Comic-Zweiteiler "Schatten der Vergangenheit" und "Stille Feinde" erzählt, der zum Zeitpunkt der Ausstrahlung in den USA bereits veröffentlicht wurde; auch was das (also die Verknüpfung mit anderen Medien) betrifft, war "Babylon 5" also vorbildlich und durchaus auch Vorreiter. Den Comic kann ich jedenfalls allen Fans der Serie nur empfehlen, wenn auch die Rahmenhandlung sehr enttäuschend ist; die Rückblenden reißen es aber wieder raus. Ein Review zum englischen Sammelband "Shadows Past and Present" findet ihr hier.

Episodenbild (c) Warner Bros. Doch zurück zu "Das Netz der Lügen". So großartig Inhalt und Drehbuch auch sein mögen, dass sich die Episode über die Höchstwertung freuen kann, verdankt sie zu einem nicht unwesentlichen Anteil der Inszenierung von Mike Vejar und dem Soundtrack von Christopher Franke. Beginnen wir mit letzterem. Ich habe Chris Frankes Kompositionen für "Babylon 5" ja immer wieder gelobt – hier erreicht er aber mit seiner Arbeit einen weiteren Meilenstein (was ich insofern recht passend finde, als "Das Netz der Lügen" ja auch für die Handlung der Serie einen Meilenstein darstellt). Der Chor der ertönt wenn G'Kar sein Buch schreibt oder später Sheridan und Delenn auf ihre Mission aufbrechen, oder auch das neue militärische Thema, dass zu hören ist, wenn sich alle im Besprechungsraum einfinden um sich Dr. Kirkishs Geschichte anzuhören… er trägt mit seiner wunderschönen, abwechslungsreichen und immer passenden musikalischen Untermalung ungemein viel zum Gelingen der Episode bei. Teile seiner Arbeit für diese Folge sind auf dem Sampler "Messages from Earth" erschienen, aber ich finde, "Das Netz der Lügen" ist eine jener Episoden, deren Soundtrack es sich verdient hätten, auf eine eigene CD gepresst zu werden (wie dies bei einigen anderen Folgen passiert ist).

Mike Vejar wiederum versteht es, Spannung zu erzeugen, und selbst schlichte Dialoge derart interessant zu inszenieren, dass man gebannt vor dem Fernsehschirm sitzt. Zudem ist er sich nicht zu schade, einzelne wichtige Momente mittels Zeitlupeneinsatz ausreichend zu akzentuieren. Aber auch die Effekte müssen hervorgehoben werden. Die Szenen auf dem Mars waren ja schon sehr spektakulär, aber am Ende wurde mit der Mission bei Ganymed und dem Eintritt in die Jupiter-Atmosphäre sogar noch einmal eins draufgesetzt. So etwas bekam man damals bei der "Star Trek"-Konkurrenz nicht einmal ansatzweise zu Gesicht. Wirklich phantastisch. Und natürlich enttäuscht "Das Netz der Lügen" auch inhaltlich ist. Die Geschichte von Dr. Kirkish ist sehr interessant, und offenbart, dass die Menschen schon seit längerer Zeit von den Schatten wissen. Als sie am Anfang der Staffel jemanden geschickt haben, um sich wegen des Schattenschiffes zu erkundigen, ging es ihnen demnach nicht darum, mehr über das fremde Schiff herauszufinden, als vielmehr in Erfahrung zu bringen, ob sonst noch jemand etwas davon weiß. Sehr interessant auch die Offenbarung, dass neben Sheridan also auch Garibaldi über eine – rudimentäre – Verbindung zu den Schatten verfügt (wenn man sich zugegebenermaßen auch fragt, warum er nicht schon seit der Entdeckung des Schattenschiffes mal damit rausgerückt ist und seine Mitverschwörer eingeweiht hat. Aber das will ich JMS aus dramaturgischen Gründen ausnahmsweise mal ungestraft durchgehen lassen). Sheridans schwere Entscheidung wird ebenfalls gut umgesetzt. In anderen Serien werden Action und Kämpfe ja richtiggehend zelebriert. "Wow, eine Raumschlacht, wie cool!". "Babylon 5" macht deutlich, wie schwer es Sheridan fällt, gegen die Erde ins Feld zu ziehen. Dementsprechend hat die Szene, als er sein Abzeichen ablegt, auch wirklich Gewicht.

Episodenbild (c) Warner Bros. Zudem wird anhand der Vorbereitungen und Anweisungen – für den Fall, dass er nicht zurückkehrt – deutlich, dass dies nicht einfach nur eine weitere Mission ist. Und zumindest bei der Erstsichtung zog ich durchaus in Betracht, dass nicht alle von ihnen heil zurückkehren würden, was die Spannung der Raumschlacht enorm gesteigert hat. Wunderbar auch die gemeinsame, zärtliche Szene zwischen Sheridan und Delenn auf dem Weißen Stern. Zuerst Sheridans Erinnerungen an seinen Vater – eine ungemein charmante Geschichte, die hoffentlich in jedem von uns eigene persönliche und positive Erinnerungen an unsere Eltern auslöst, und daran, wie sie uns unterstützt haben – und dann, wie es Delenn im Weißen Stern – zumindest klanglich – regnen lässt, und die beiden die Hände des jeweils anderen nehmen, und so einschlafen. Es ist wirklich wundervoll, wie schön langsam und gemächlich – und natürlich und glaubwürdig – JMS die Beziehung zwischen den beiden entwickeln lässt, und dafür sorgt, dass sich nicht nur die Gefühle zwischen den beiden, sondern auch die Zuneigung des Zuschauers zu beiden Figuren – und ihnen als Paar – kontinuierlich steigen.

Nach dieser kurzen Verschnaufpause geht es dann drunter und drüber, als der Weiße Stern unser Sonnensystem erreicht – und sie erkennen müssen, dass sie zu spät kommen. Das Experiment ist bereits im Gange und das Schattenschiff wird wahnsinnig und zerstört alles, was ihm in die Quere kommt. Wie schon bei "Das Schattenschiff" erweist sich der Weiße Stern was Feuerkraft betrifft erneut als weit unterlegen. Obwohl das Schiff geschwächt ist, gelingt es ihnen nicht, ihm mit normalen Mitteln beizukommen. Erneut ist Sheridan auf einen Trick angewiesen, muss er sein großes taktisches Geschick unter Beweis stellen und den Gegner überlisten. Lenniers Kommentare in Richtung "Ob das Schiff das aushält?" wecken dann kurz nostalgische Erinnerungen an die klassische Star Trek-Serie, ehe man zusammen mit der Crew jubelt, als es gelingt, das Schattenschiff zu zerstören und der Jupiteratmosphäre zu entkommen. Bei der Erstsichtung dachte ich an dieser Stelle eigentlich, nun wäre es vorbei – doch die Freude währt nur kurz, als nämlich just die Agamemnon – Sheridans früheres Schiff – den Weißen Stern angreift, und den Captain damit in eine Zwickmühle bringt. Diesmal ist es Delenn, die ihre Cleverness unter Beweis stellen darf, als sie vorschlägt, ein Sprungtor in der Atmosphäre zu öffnen. Kritisch betrachtet eine Deus Ex Machina – aber zu diesem Zeitpunkt war ich vom Geschehen zu gefesselt, als dass mir dies negativ aufgefallen wäre. Zumal man ja froh ist, dass sie alle mit heiler Haut davongekommen sind, ohne auf die Agamemnon das Feuer eröffnen zu müssen. Auch dies unterscheidet "Babylon 5" von anderen Serien: Es gibt Momente, da freut man sich doch tatsächlich, dass eine Raumschlacht vermieden wird.

Episodenbild (c) Warner Bros. Gegenüber der packenden Haupthandlung geraten die Nebenhandlungen zwar etwas in den Hintergrund, dennoch tragen auch sie zum Gelingen der Episode bei. Köstlich die Szene, in der Garibaldi G'Kar besucht. In den meisten anderen Serien der damaligen Zeit hätte G'Kar in der nächsten Folge seinen Gefängnisaufenthalt schon wieder hinter sich gehabt. In "Babylon 5" lässt man ihn hingegen tatsächlich einige Episoden lang in der Zelle schmoren. Sehr löblich – und es unterstreicht auch den Anspruch der Serie, eine fortlaufende, zusammengehörige und aufeinander aufbauende Geschichte zu erzählen (und wo wir schon dabei sind: Dr. Kirkish ist selbstverständlich jenes Paket, von dem Marcus' Freund in der letzten Folge gesprochen hat). Zudem tut es gut – und ist es sehr interessant – G'Kar derart mit sich im Reinen zu sehen. So zufrieden wie in der Zelle haben wir ihn wohl nur erlebt, als er zusammen mit Londo im Fahrstuhl festsaß und davon ausging, dass ihrer beider Ende kurz bevorsteht.

Aber auch die Handlung rund um die Homeguard – und Zack Allans Zwiespalt – wird fortgeführt. Die Anweisungen eskalieren nun zunehmend. War zuletzt schon nur der Hauch an Kritik an der Erdregierung genug, um schikaniert zu werden, reicht nun sogar schon ein anonymer Hinweis, um jemanden in Schwierigkeiten zu bekommen. Könnt ihr jemanden nicht leiden, oder hat euch jemand verärgert? Sagt einfach, er hätte sich abfällig über Präsident Clark geäußert, und schon habt ihr eure Rache. Hier offenbaren sich wieder einmal düstere Parallelen zum Dritten Reich. Und angesichts der Tatsache, dass mir bekannt ist, dass JMS während der Produktion der Serie ein großer "Wing Commander"-Fan war, Frage ich mich, ob "Eternal vigilance is the price of freedom" nicht vielleicht als kleine, nette Anspielung auf den vierten Teil der Reihe gemeint war (auch wenn ich weiß, dass das Zitat einen historischen Ursprung hat). Jedenfalls gefällt mir Zacks Zwickmühle ungemein gut. Es ist deutlich zu erkennen, dass ihm die Methoden der Nightwatch immer extremer werden, und zunehmend zuwider sind. Er scheint sich zu fragen "Wo – und wie – bin ich da nur hineingeraten?" – und muss nun, da man ihm den Auftrag gibt, Garibaldi auszuspionieren, endgültig entscheiden, wo seine Loyalitäten liegen. Und auch der Ausklang des Geschehens ist phantastisch: Zuerst gibt es eine witzige Szene mit Marcus und Ivanova, und dann erfahren wir, dass Präsident Clark über die Erde das Kriegsrecht verhängt hat. Sheridan mag damit Erfolg gehabt haben, das Schattenschiff zu zerstören und heil (und ohne seine Identität Preis geben zu müssen) zu entkommen – doch letztendlich gereicht Clark der Angriff zu seinem Vorteil. Nun hat er eine weitere Bedrohung, auf der er mit den Finger zeigen und die er als Rechtfertigung für sein hartes Durchgreifen heranziehen kann. Die Mission mag notwendig und genau genommen ja auch erfolgreich gewesen sein – doch mit der Art und Weise, wie geschickt Präsident Clark die Mission des Weißen Sterns für seine eigene Zwecke nutzt, erhält Sheridans Sieg einen äußerst bitteren Beigeschmack.

Fazit: Episodenbild (c) Warner Bros. Von vereinzelten Episoden und Wendungen abgesehen fristete der fortlaufende Handlungsrahmen in der dritten Staffel von "Babylon 5" bislang ja eher ein Schattendasein. Beginnend mit "Das Netz der Lügen" überschlagen sich die Ereignisse aber nun förmlich. Wir erfahren interessante Hintergründe zu Ausgrabungen auf dem Mars, bei denen ein Schattenschiff gefunden wurde – womit unseren Protagonisten nun klar wird, dass die Erde mit den Schatten im Bunde steht. Mit dem zweiten Schiff, das auf Ganymed gefunden wird, zwingt man zudem Captain Sheridan, offen Stellung zu beziehen und gegen die Erdregierung ins Feld zu ziehen. Der Kampf mit dem Schattenschiff ist wieder sehr packend gemacht, und mir gefällt, dass man neuerlich auf einen Trick angewiesen ist, um das Schiff zu besiegen. Der Höhepunkt der Folge sind und bleiben für mich aber die phantastischen Rückblenden auf den Mars. Doch nicht nur inhaltlich kann "Das Netz der Lügen" begeistern, auch was die Inszenierung und den Soundtrack betrifft erreicht die Serie mit dieser Folge neue Höhen. Zusammen mit dem famosen Cliffhanger rund um das Kriegsreicht macht das eine absolut geniale Folge, die zwar zugegebenermaßen wenn man die Geschichte schon kennt ein wenig an Wirkung verliert, bei der Erstsichtung aber zu den absoluten Höhe- und Wendungspunkten der Serie zählt.

Wertung: 5 von 5 Punkten
Christian Siegel


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Hintergrundinformationen:
Vom Skript zur Folge:
Aufgrund der Bedeutung der Episode für den Arc war das Drehbuch vollgestopft mit Szenen. Die eine oder andere kleinere davon wurde letztendlich herausgeschnitten, um der Folge Luft zum Atmen zu lassen. So fehlt in der fertigen Episode z.B. ein kurzes Gespräch zwischen Ivanova, Garibaldi und Sheridan beim Frühstück, wo sie ihnen von einer Comedy-Show erzählt. Besonders interessant ist diese Szene wegen dem Abschlussgag (der für uns natürlich so wie für jene denen er erzählt wird keinen Sinn ergibt): "Eep eep – zooty zoot!" Letzteres sollte "Babylon 5"-Fans aus einer späteren Episode bekannt vorkommen. Statt von Reebo und Zooty kam der Gag hier allerdings von einem Comedian namens Johnnie Devo. Eine weitere kurze Szene, die geschnitten wurde: Im Newsbericht über die Vorwürfe gegenüber Präsident Santiago hätte ein kurzes Interview mit einem Senator gezeigt werden sollen, wo man ihn fragt, ob sie die Krankenakte des Präsidenten freigeben würden –was dieser ablehnt. Auch ein kurzer Satz von G'Kar fiel der Schere zum Opfer: Nachdem Garibaldi ihm sagt, dass seine Zellennachbarn glauben, man würde ihn foltern (wegen seines Gesangs), antwortet er im Drehbuch mit "Ein Künstler findet in seiner Zeit – oder in seinem Zellenblock – nie die Anerkennung die er verdient."

Episodenbild (c) Warner Bros. Auch der Dialog von Dr. Kirkish (die im Drehbuch übrigens noch Karen Leigh heißt) wurde verändert. In der Episode sagt sie nur "Bevor das passiert (bevor sie sie finden), muss es jemand erfahren. Jemand muss sie aufhalten bevor es zu spät ist." Im Drehbuch sagt sie vielmehr: "Ich will nicht sterben ohne dem Wissen, dass sie aufgehalten werden. Ich hoffe, dass wenn ich ihnen den Rest erzählt habe, dass sie so verängstigt sein werden wie ich, Captain, denn sie müssen aufgehalten werden – koste es, was es wolle." Nachdem man Dr. Kirkish weggebracht hat und Sheridan die anderen wegtreten ließ, um allein mit Delenn zu konferieren, gibt es im Drehbuch einen kurzen Dialog zwischen Garibaldi, Marcus, Franklin und Ivanova: "Hast du den Ausdruck auf seinem Gesicht gesehen? So als hätte ihm jemand das Herz herausgerissen." "Was machst du wenn du erfährst, dass alles wofür du gekämpft hast bereits verloren ist?" "Wem sagst du das. Wenn die Erde und das Psi Corps wirklich mit den Schatten arbeiten… dann ist das zu groß. Wie bekämpfst du so etwas?" "Ich weiß es nicht. Aber ich bin mir sicher er wird sich etwas einfallen lassen. Das macht er immer."

In einer kurzen Szene hätten wir sehen sollen, wie Lennier Kirkish an einen Vertreter der religiösen Kaste übergibt, der sie fortbringt. Die Szene zwischen Sheridan und Delenn als er sein Abzeichen ablegt hätte ursprünglich im Korridor statt im Aussichtsdeck stattfinden sollen. Als Sheridan seine Entscheidung verkündet, besteht zudem Garibaldi in einem kurzen Satz darauf, sie zu begleiten, was Sheridan ablehnt (mit den Worten, die man dann auch in der Episode als Voice Over-Kommentar hört). Nachdem Sheridan die Station verlassen hat, hätte sich eigentlich Londo an Ivanova wenden sollen, mit der Bitte, den Captain zu sprechen. Eine letzte nicht unwesentliche Änderung: Im Drehbuch hat noch Sheridan die Idee, das Sprungtor in der Atmosphäre zu öffnen. In der fertigen Episode wurde dies dann Delenn überlassen. Nach dem gelungenen Sprung und Sheridans Befehl, sie "nach Hause" zu bringen, folgte dann noch ein kurzer Wortwechsel zwischen Delenn und ihm: "Nach Hause… du hast recht. Das ist nun unser einziges zu Hause, nicht? Wir haben nicht länger einen Platz auf unserer Welt, und du, denke ich, hast nun nicht länger einen Platz auf deiner." "Nein. Ich habe immer noch ein zu Hause, auf der Erde. Wir müssen sie nur wieder zu jener Erde machen auf der ich aufgewachsen bin, statt der Erde die sie jetzt ist."

Quelle: "Babylon 5: The Scripts of J. Michael Straczynski - Volume 6"


Produktionsnotizen:
  • Bei der Erstausstrahlung in den USA war in einer Hyperraum-Szene irrtümlich für ein paar Frames ein Bild der Serie Hypernauts zu sehen, deren Effekte von der gleichen Firma stammten. Weiter unten findet ihr dazu auch einen kurzen Kommentar von JMS.



  • Stimmen zur Episode:
    Episodenbild (c) Warner Bros.
  • Mira Furlan über die sich langsam entwickelnde Beziehung zwischen Delenn und Sheridan: „Ich denke das wird auf eine meisterhafte Art gehandhabt; ich weiß nicht, wie er das schafft. Ich weiß dass Fans ungeduldig fragen "Wann werdet ihr euch küssen? Wann kommt der erste Kuss endlich?" Joe versteht es, diesen Suspense zwischen uns zu schaffen, und er lässt uns immer nur in kleinen Schritten vorwärtskommen. Ich erinnere mich, bei der Szene wo wir zum Abendessen gehen (in "Der Gedankenpolizist") dachte ich, warum kommt sie nicht mit in sein Schlafzimmer? Ich wollte das irgendwie in dieser Episode gleich weiterführen, aber es war noch nicht die richtige Zeit dafür, denn Joe hat diesen Handlungsrahmen im Kopf und erlaubt den Dingen nicht, sich schneller weiterzuentwickeln, als es das große Ganze erfordert.”

  • Bruce Boxleitner über Sheridans Worte über seinen Vater: „Es ist eine sehr liebevolle Rede. Ich denke er hat viel Respekt vor seinem Vater. Sein Vater hat diese Dinge für ihn getan, und er wusste es, und ich finde solche Dinge gut. Ich denke nicht, dass sie übertrieben sentimental sind. Ich denke es ist gut, diese Seite der Leute zu kennen. Wir sollten uns nicht davor fürchten, in dieser zynischen Zeit in der wir leben manchmal sentimental zu sein. Die Menschen existieren in ihrem Herzen. Es baut auch diese Beziehung zu Delenn auf, zeigt wie sie sich lieb gewinnen und etwas über den anderen herausfinden.”

  • Jeff Conaway über Zacks Entwicklung: „Es ist irgendwie interessant zu sehen, wie jemand mit guten Absichten den falschen Weg einschlägt. Sie wissen nicht einmal, dass es das ist, was passiert; es entwickelt sich ganz natürlich. In Fanbriefen und auf Conventions hörte ich Fans sagen "Oh Mann, ich dachte wirklich dass du auf die schiefe Bahn gerätst und ein Bösewicht werden würdest. Ich mochte dich, aber ich konnte nicht verstehen, wie du diese Dinge machen konntest." Und dann war ich erfolgreich, denn du willst dass dich die Zuschauer mögen, komme, was da wolle.”

  • Bruce Boxleitner über Sheridans taktisches Geschick: „Joe schreibt Sheridan mit diesem großen taktischen Verstand. Er [Sheridan] mag bei ein paar anderen Dingen weniger geschickt sein, aber er weiß, wie man mit dem Mindesten arbeitet und das Beste aus einer Gelegenheit herausholt. Er kann mit den Schatten nicht konkurrieren, was die Feuerkraft betrifft, also denkt er sich: "Vielleicht können wir sie ausmanövrieren und die Stärke des Gegners gegen ihn einsetzen." Das erinnert an Martial Arts, den Gegner dazu zu zwingen, seine eigene Stärke gegen sich selbst einzusetzen. Und genau das machen wir mit den Schatten andauernd.”

  • Episodenbild (c) Warner Bros.
  • Regisseur Mike Vejar über die Inszenierung der Raumschlacht: „So gut die Spezialeffekte bei dieser Serie auch sind, du kannst dich beim Drehen nicht darauf verlassen, dass dich diese retten werden. Du musst versuchen, so viel Anspannung wie möglich innerhalb der Szenen selbst zu schaffen. Das ist mit viel Schnittarbeit verbunden. Daher brauche ich viel Rohmaterial (unterschiedliche Einstellungen) und muss die Schauspieler an einen Punkt bringen wo sie wirklich glauben, in einem Gefecht oder einer Schlacht zu sein. Sie nicht einfach von einer Stelle zur anderen bewegen, sondern ihnen tatsächlich das Gefühl von echter Anspannung zu vermitteln. Die Figuren sind alle vom Militär, also kann es nicht zu übertrieben, aber wir brauchen das Gefühl dass gerade etwas Gefährliches im Gange ist. Du hoffst natürlich dass die visuellen Effekte dies steigern werden, aber du verlässt dich nicht notwendigerweise auf sie. Um diesen Effekt zu erreichen, lasse ich die Schauspieler die Szene gerne ohne Unterbrechung durchspielen. Ich denke, das hilft sehr viel. Außerdem ist es wichtig, ein Gefühl für das Tempo zu entwickeln dass du in der Szene sehen willst. Es knapp und schnell zu machen so dass es keine langen Pausen odre Beschreibungen gibt, wo ich sage "Das Schiff explodiert und all dieses Zeugs passiert gerade", sondern ihnen sehr kurze Stichwörter zu geben und das Ganze am Laufen zu halten, so dass du sehen kannst, wie sich ihre Anspannung im Verlauf der Szene steigert.”


  • Quelle: "Babylon 5: Season by Season-Guides - Volume 3: Point Of No Return"


    Kommentare von JMS
  • Es gibt da diesen Moment wo du auf herumfährst und auf eine offene, unbefahrene Straße gelangst und den Motor so richtig ausreizen kannst und so schnell fährst wie du kannst – genau das habe ich beim Schreiben dieser drei Episoden getan. Einfach Vollgas geben und versuchen dich festzuhalten und nicht umzukippen. Hier wollte ich nun wirklich zeigen was wir mit der Serie anstellen können und all die Dinge aufnehmen zu denen wir den Grundstein gelegt hatten – Nightwatch, die Situation auf dem Mars, die Schatten, und all das – und es schreiend ins Licht zu zerren.

  • Quelle: "Babylon 5: Season by Season-Guides - Volume 3: Point Of No Return"

  • Als wir Jason angeheuert haben, sahen einige Leute diesen dünnen, schon fast ausgemergelt aussehenden Kerl, und dachten: Das soll ein Actionheld sein? "Das Netz der Lügen" ließ diese Stimmen ein für allemal verstummen. Wir verwendeten nur höchst selten Stuntmänner für Jasons Arbeit, und soweit ich mich erinnere, mit Ausnahme des Angriffs im Gang, ist das alles Jason, von einem Ende zum anderen, inklusive des Moments wo er sich zwei Kerle vorknöpft, vertikal eine Wand hinaufläuft und wieder runterkommt, Kampfstab bereit, um sich einen anderen Schläger vorzunehmen – alles in einer Einstellung.

  • Episodenbild (c) Warner Bros.
  • Diese Episode schuldet auch Regisseur Mike Vejar viel Tribut. Vieles von der ersten Hälfte der Episode besteht aus Hintergrundinformationen die mit einem enormen Grad an Gewicht und Ernsthaftigkeit vermittelt werden müssen, dem Gefühl davon, dass etwas Ominöses kurz davor ist, die Oberfläche zu durchbrechen. Es gibt nichts Schwereres als zu ersuchen, fünf Leute die in einem Raum sitzen spannend zu machen, aber in der Art und Weise wie Mike die Szene mit Dr. Kirkish im Besprechungsraum vorbereitet, weißt du sofort dass etwas Großes bevorsteht. Seine Inszenierung ist besonders bemerkenswert wenn man sich die Außenaufnahmen des Mars ansieht und sich vor Augen führt, dass wir bei dieser Serie nie mehr als ein paar Schritte aus dem Filmstudio heraustraten. All das geschah durch Tricks mit der Beleuchtung und CGI. Trotzdem schafft er es, dass alles an dieser Episode groß aussieht und anfühlt.

  • Ein weiterer großer Klumpen an Verantwortung für den Erfolg dieser Episoden in Besonderen, und der Serie im Allgemeinen, liegt bei Komponist Christopher Franke. Jedes Jahr setzten sich er und ich zusammen und unterhielten uns über die Richtung der anstehenden Staffel, um sicherzugehen dass sie alle ihr eigenes musikalisches Aroma haben. Jahr eins sollte symphonisch aber auch vielschichtig sein, mit Elementen von klirrendem Metall und anderen industriellen Klängen, um das Gefühl zu vermitteln, dass sich etwas massives in Konstruktion befindet. Jahr zwei sollte größer klingen, um das Gefühl eines größeren Bildteppichs zu vermitteln der langsam offenbart wird. Jahr drei war der Beginn des Krieges, und wir stimmten überein dass wir einen martialischeren Klang für die Musik wollten, weshalb ihr im Verlauf der Staffel immer wieder militärische Trommeln und Rhythmen hört, vor allem auch in dieser Episode. Zudem bewegten wir uns stark in Richtung Stimmen und Chöre, da diese ein Gefühl von menschlicher Anstrengung vermitteln. … In den meisten Fernsehserien gibt dir ein Komponist vielleicht 10 oder 11 Episoden an neuer Musik (was in etwa 18 Minuten an Musik je Episode bedeutet) aus allen 20 Episoden, und der Rest wird aus Konserven gefertigt – also aus früheren Episoden entnommen. Für "Babylon 5" orchestrierte Chris jede einzelne Episode. Es gab einige Fälle wo wir von einem Ende bis zum anderen Musik hatten, ein Arbeitspensum das wohl so ziemlich jeden anderen umgebracht hätte. Aber Chris fühlte sich der Idee der Serie verpflichtet, dass dies eine Art Oper war, und er stürzte sich vorbehaltlos hinein, ohne jemals zurückzusehen.

  • G'Kars Gefängnisaufenthalt stellt die soziopolitische Kehrseite zur größeren Handlung auf der Erde dar. Von Lech Walesa in Polen bis zu Nelson Mandela in Afrika, ist Gefängnis oftmals ein Nährboden für künftige Anführer, indem sie ihnen Zeit verschafft, um nachzudenken und zu schreiben (einige, wie Hitler, lernten die falschen Lektionen von ihrer Zeit hinter Gittern). Für G'Kar ist die Inhaftierung fast ein Segen. Statt dass er sich eingesperrt fühlt, ist er überraschend heiter. Die Last, ein Anführer zu sein, wurde von seinen Schultern genommen, was ihn frei macht, er selbst zu sein… zu schreiben, zu denken, ja selbst zu singen – was nur alles die erstaunliche Bandbreite verdeutlicht die Andreas in die Rolle eingebracht hat. Er konnte G'Kar im Zorn, mit Mitgefühl und in absolutem Vergnügen spielen. Es war eine passende Gegenüberstellung zur Haupthandlung: Just als sich die friedvolle Erde in Richtung Krieg bewegte, fand der kriegerische G'Kar inneren Frieden.

  • Quelle: "Babylon 5: The Scripts of J. Michael Straczynski - Volume 6"

    Episodenbild (c) Warner Bros.
  • Irgendein Bezug zu dem Augenblick perfekter Schönheit in "Minbari lügen nicht"?
    Ja, die Art, wie Sheridan das Abzeichen der Erdallianz hier abnimmt, ist ein Echo, ein Schatten sozusagen jenes Augenblicks in "Minbari lügen nicht". Die Absicht war, durch den letzteren einen Hinweis darauf zu geben, was ihm bevorstehen könnte, was er an einem bestimmten Punkt der Geschehnisse tun müsste. Er muss Dinge aufgeben, an denen ihm etwas liegt. (Wir werden mehr von dieser Betrachtungsweise ein paar Episoden später erfahren, ich will hier jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen.) Eine visuelle Vorahnung.
    Von hier ab werden die Dinge sehr interessant…

  • Der Ausführende Produzent denkt: "Er irrt sich, muss sich irren; es wird eine Reihe von Mustern in dem Bild sein, die wie eine Stadt aussehen." Doch da er eine gründliche Person ist, schmeißt der Ausführende Produzent seine Kopie von dem Band ein und spult vor bis zu der fraglichen Einstellung. Drückt auf die Pausentaste und nähert sich der Stelle Bild für Bild. Dann hält er an. Der Ausführende Produzent starrt auf den Bildschirm, lange, lange Zeit. Schließlich formen sich Worte. Der Ausführende Produzent weiß, würde er jene Worte hier posten, sie würden ihn nicht nur aus dem System rausschmeißen, nein, sie würden zu seinem Haus kommen, es niederbrennen und auf dem Erdboden Salz ausstreuen.

    Der Ausführende Produzent weiß, um was es sich bei jenem Einzelbild handelt, weiß, dass es nichts mit seiner Serie zu tun hat, weiß, dass es ein Bild aus "Hypernauts" ist, das irgendwie durch eine technische Störung des Computers während des Renderns in diese EFX-Einstellung als Doppelbild hineingeriet. Keiner hat es gesehen. Keiner hat es bemerkt. Bis jetzt.

    Am nächsten Morgen führt der Ausführende Produzent Telefongespräche und sagt all die Worte, die er hier nicht sagen kann. Als er fertig ist, hängen auf einer Strecke von 27 Meilen die Telefonkabel geschmolzen von den Masten. Kurz darauf ist der Ausführende Produzent dabei, sich eine Pistole an den Kopf zu setzen, um sich das Gehirn herauszupusten, denn er ist sich ganz sicher, falls er das nicht macht, wird er es ohne jeglichen Zweifel bei einem anderen machen.

    Der Ausführende Produzent dankt Ihnen, dass Sie ihn darauf aufmerksam gemacht haben, und würde noch mehr schreiben, aber er modemt grade via Laptop vom Giebel seines Hauses aus, von dem zu springen er in Erwägung zieht, und der Wind da oben verursacht ziemliche Geräusche in der Leitung.

  • Wir haben schon alles gewusst, was in dieser Episode aufgedeckt wurde.
    Wenn ich kann, lass mich einen Aspekt hierzu ansprechen, etwas, das du bedenken solltest. Früher, als ich für MURDER, SHE WROTE ("Mord ist ihr Hobby") schrieb, bekamen wir manchmal Briefe, in denen stand: "Das war keine gute Episode, weil ich rausgefunden habe, wie sie ausgeht." (Was auch du in gewisser Weise ausdrücken willst.) Das Problem, das wir mit jenem betreffenden Brief hatten, war: NATÜRLICH konntest du es herausfinden. Weil du auf all die Hinweise geachtet hast, die wir während der Episode gegeben haben.

    Es scheint diese Meinung zu existieren, dass keiner voraussehen sollte, wie es weitergeht, andernfalls ist irgendwas an der Episode falsch oder schlecht. Das ist absolut nicht richtig. Wenn man mit dem Publikum ein faires Spiel spielt, sei es nun B5 oder M,SW (MIIH), dann legt man genügend Informationen offen auf den Tisch, so dass derjenige, der wirklich der Handlung folgt, herauskriegen kann, wie der Schluss der Episode sein wird… so dass am Ende jene, die es *nicht* herausgekriegt haben, sich nochmal das Band vornehmen, auf die Hinweise und Anhaltspunkte achten und sehen können, wie alles dazu geführt hat. Das ist fair play.

    Wenn KEINER es rauskriegt, dann hast du es nicht richtig gemacht.

    Wenn JEDER es rauskriegt, dann hast du es nicht richtig gemacht.

    Episodenbild (c) Warner Bros. Das beste Szenario hat die Form einer glockenförmigen Kurve. Manche haben keine Ahnung, was kommt, einigen gelingt es, es herauszufinden, und die Mehrheit hat ein unbestimmtes Gefühl dafür, wohin die Sache sich bewegt, aber im Verlauf gibt es dennoch Überraschungen. Wenn die Glockenkurve sich in die eine oder andere Richtung verschiebt, dann steckst du in Schwierigkeiten.

    Bis jetzt scheint es bei B5 mit der Glockenkurve hinzuhauen. Jeder Person, die sagt: "Okay, das war zu erwarten", steht eine andere gegenüber, die meint: "Ich hatte ja keine *Ahnung*, dass das geschieht oder so schnell." (Tatsache ist, dass von den letzteren viele eben hier in diesem Forum gewesen sind.)

    Und bedenke schließlich auch, dass du gegenüber 99 % aller Zuschauer einen Vorteil hast: die Diskussion hier bei CompuServe und direkte Kommentare von mir. Zum Beispiel habe ich gerade an einer anderen Stelle angemerkt, dass wir bedeutende Wendungen am Ende dieser Staffel gehabt haben und eine nach zwei Dritteln im Jahr Vier. Wenn nun hier jemand sagt: "Tja, ich wusste, es würde so kommen, und das ist schlecht", dann möchte ich ihm eine reinhauen, denn der Grund, warum er wahrscheinlich wusste, dass es so kommen würde, war, weil ich es genau hier *gesagt* habe.

    Aber jene 99 % haben diesen Vorteil nicht.

    Das ist der Hauptunterschied, den ich in der mail bemerkt habe, die hereingekommen ist: Die Leute im Internet versuchen ständig herauszufinden, was als nächstes kommt, und behandeln das Ganze, als wäre es eine Kriminalgeschichte (die sie wirklich nicht ist, genauso wie JEGLICHER Roman insofern ein Kriminalroman ist, als man nicht notwendigerweise seine Drehungen und Wendungen kennt, während man ihn liest), wogegen die Leute, die keinen Internet-Zugang haben, dazu neigen, die Geschichte so zu nehmen, wie sie kommt.

    Siehst du, das ist die andere Seite. Die Leute im Netz neigen dazu, die Story als einen Kriminalroman zu behandeln, und wenn sie diesem Aspekt nicht gerecht wird, sagen sie folglich, sie weise Fehler auf… wo doch niemals BEABSICHTIGT war, dass sie wie ein Kriminalroman funktionieren sollte. Es ist ein Roman und Schluss. Ein Kriminalroman ist ganz und gar abhängig von dem Rätsel, das in seinem Mittelpunkt steht. Dies hier ist eine Saga, die eine andere Struktur verwendet. Es ist ebenso wenig eine Kriminalgeschichte, wie der "Herr der Ringe" eine ist, obgleich ich, als ich ihn las, mich ständig fragte, was wohl als nächstes geschehen würde.

    Außerdem, wenn das Geheimnis in einem Kriminalroman zum Schluss unaufgelöst bleibt, kannst du den Roman vergessen. Nicht so aber bei der B5-Geschichte. Zum Ende dieser Staffel werden die meisten Geheimnisse ungelöst bleiben, und die Karten liegen offen auf dem Tisch, damit jeder sie sehen kann. Es wird dann darauf ankommen, was die Charaktere danach damit *anfangen*.

    Wenn ich meine Arbeit gut mache und die Dinge, die kommen, richtig einsetze und all die Hinweise darauf gebe, dann MUSS per Definition eine gewisse Anzahl von Leuten herausfinden, was kommt. Solange es nur der kleinere Teil ist, ist es so, wie es sein *sollte*. Darum wirst du verstehen, warum ich dazu neige, mich für einen Augenblick hier einzuklinken, wenn es so hingestellt wird, als sei es unbefriedigend oder schlecht gemacht. (Und nochmals: Sogar du erwähnst, der einzige Grund, warum du über die Schatten auf dem Mars wusstest, ist, dass du hier darüber gelesen hast, oder andere haben darüber in den Comics gelesen. Nochmals: Das ist ein sehr kleiner Teil des Publikums; die meisten, von denen ich gehört habe, hatten KEINE Ahnung von diesem Aspekt. Hättest du das nicht hier gelesen, du wärst wahrscheinlich überrascht darüber gewesen.)

    Wie dem auch sei, nur ein paar Gedanken über all das hier… .

  • Quelle: Der deutsche Lurker’s Guide für Babylon 5

    Zusammengestellt von Christian Siegel
    (Bilder © Warner Bros.)







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