Originaltitel: The Lost City - Part 2 Episodennummer: 7x22 Bewertung: Erstausstrahlung USA: 19.03.2004 Erstausstrahlung D: 16.02.2005 Drehbuch: Brad Wright, Robert C. Cooper Regie: Martin Wood Hauptdarsteller: Richard Dean Anderson als Jack O’Neill, Amanda
Tapping als Samantha Carter, Christopher Judge als Teal’C, Michael
Shanks als Daniel Jackson, Don S. Davis als George Hammond Gastdarsteller: William Devane als Präsident Hayes, Jessica Steen als
Dr. Elizabeth Weir, Tony Amendola als Bra'tac, Ronny Cox als Vizepräsident Kinsey
Inhaltsbeschreibung:
Mit Hilfe des Antiker-Wissens, das Jack nach der Benutzung des Portals in seinem Gehirn gespeichert hat, gelingt es, einen Planeten ausfindig zu machen auf dem sich weitere Informationen zum Standort von Atlantis befinden sollen. Auf dem Planeten angekommen stellt man gar unglaubliches fest: Befand sich Atlantis möglicherweise die ganze Zeit vor ihrer Nase, nämlich in der Antarktis, wo SG-1 bereits vor mehreren Jahren ein 2. Stargate gefunden hatte? Sofort macht man sich auf dem Weg zurück, um die dort versteckte Antikerwaffe noch rechtzeitig ausfindig zu machen, um die Menrschheit zu retten. Doch die Zeit drängt, denn Anubis Flotte hat mittlerweile die Erde erreicht...
Christian Siegel
Review: "Die verlorene Stadt" war ursprünglich als die Serie abschließender Kinofilm geplant, der zugleich eine Brücke zur Nachfolgeserie "Stargate: Atlantis" geschlagen hätte - und auch wenn sich diese Pläne mit der Genehmigung einer 8. Stargate-Staffel geändert haben, und daher bestimmt auch am Drehbuch Änderungen vorgenommen wurden, ist die ursprüngliche Konzeption immer noch recht offensichtlich. "Die verlorene Stadt" wirkt in der Tat viel mehr wie ein richtiger SF-Film denn einfach nur eine weitere (Doppel-)Folge bzw. ein weiteres Staffelfinale einer TV-Serie. Drehbuch, Schauspieler, Effekte... all das befindet sich auf für TV-Verhältnisse außergewöhnlichem bis sensationellem Niveau. Besonders augenscheinlich ist dies bei den Effekten. An Stargate stellt man mittlerweile was die Special Effects betrifft ohnehin recht hohe Ansprüche, doch was in "Die verlorene Stadt" auf den Bildschirm gezaubert wurde, ist wirklich beeindruckend - nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ, wobei insbesondere die Schlacht in der Antarktis hervorzuheben ist, in der sich hunderte von Raumjägern und auch einige größere Kreuzer bekämpfen, während O'Neill, Daniel, Teal'c und Samatha versuchen, die Waffe der Antiker rechtzeitig in Gang zu setzen. Auch die Action kann, nicht nur in den Kämpfen zwischen den Raumschiffen, vollends überzeugen. Alles in allem befinden sich Action und Effekte auf Kino-Niveau und müssen sich selbst vor modernen SF-Filmen nicht verstecken.
Doch großartige Action und Effekte allein reichen natürlich noch lange nicht, um mich zu begeistern: Dazu bedarf es auch einer ansprechenden, spannenden und interessanten Handlung - und eben diese hat "Die verlorene Stadt" zu bieten. Wo die Action im Finale der 6. Staffel unverzeihlich sinnleer und oberflächlich wirkte, fiebert man diesmal mit den Figuren richtig mit. Der Hauptgrund hierfür dürfte wohl sein, dass die Action nicht im Vordergrund steht. So fand ich es wirklich beachtlich, wie verhältnismäßig wenig wert man auf die Action gelegt hat - insbesondere im 1. Teil. Natürlich spielen Action und Spannung in "Die verlorene Stadt" eine wesentliche Rolle, trotzdem nimmt man sich auf immer wieder Zeit für ruhigere Momente, um die Figuren näher zu beleuchten. Besonders auffällig ist dies bei der Handlung rund um Jack O'Neill, der sich auf dem von SG-1 besuchten Planeten aufgrund des Zeitmangels für sein Team bzw. für die gesamte Menschheit opfert, in dem er das Wissen der Antiker erneut in sich aufnimmt - was seinen Tod bedeutet, falls es nicht rechtzeitig gelingt, Thor ausfindig zu machen, um ihn von diesem Wissen wieder zu befreien. Die nachfolgenden Szenen in Jack's Haus, als die verschiedenen Mitglieder des SG-Teams nacheinander eintreffen, quasi um sich von ihm zu verabschieden, waren wirklich großartig und sehr bewegend. Hier herrschte eine melancholisch-bedrückende Stimmung vor, fast so, als wäre dieses Treffen eine Art verfrühte Totenwache.
Und als wäre das Wissen ob Jack's drohenden Tod nicht schon deprimierend genug, gibt es in dieser Szene dann mit Hammond's Hinweis, dass er als Leiter des Stargate-Teams enthoben wurde, einen weiteren Runterzieher. Sein Ersatz ist die Zivilistin Dr. Weir., und eigentlich ist einem diese von Anfang an sympathisch. Gerade in ihren gemeinsamen Szenen mit Kinsey wird klar, dass diese längst nicht so leicht zu beeinflussen ist bzw. so sehr auf seiner Seite steht, wie er das gehofft hatte. Die entsprechende Schauspielerin macht ihre Sache wirklich sehr gut, und ich wünschte mir, sie wäre der Serie treu geblieben. Doch auch von Hammonds Abberufung und der neuen Leiterin des Stargate-Centers mal abgesehen gibt es, wie man es von einem Stargate-Serienfinale mittlerweile gewohnt ist, einige Veränderungen am Status Quo. So erfahren wir nun endlich mehr über den Standort von Atlantis - wenn auch nicht ganz so viel wie von mir erhofft. Ehrlich, es hätte mir wahnsinnig gut gefallen, wenn sich in dieser Episode herausgestellt hätte, dass sich Atlantis, diese sagenumwobene Stadt nach der SG-1 nun schon so lange sucht, die ganze Zeit auf der Erde befunden hat, genauer gesagt in der Antarktis, wo man einst das 2. Stargate gefunden hat. Diese Wendung hätte einfach eine herrliche Ironie besessen - aber genug gejammert, zurück zur Episodenkritik.
Ungefähr zur Hälfte der Folge wird dann die Spannung noch einmal ordentlich erhöht, als Bra'tac seine Freunde darüber informiert, dass Anubis in Kürze angreifen wird. Man spürt richtig den Zeitdruck und das Näherrücken seiner Flotte. Der nachfolgende Ausflug zu einem Außenposten der Antiker wirkt zwar ein wenig wie ein Lückenfüller, war aber trotzdem durchaus interessant. Nur die Wendung rund um den Verräter an Bord des Transportschiffes hätte man sich sparen können - roch doch die entsprechende Figur schon von weitem nach Verräter. Positiv dann allerdings, dass es SG-1 diesmal eben nicht rechtzeitig gelingt, die Bedrohung zu eliminieren, sondern die Erdstreitkräfte doch recht lang auf sich allein gestellt sind. Hier besticht vor allem Präsident Hayes, der in seinen Gesprächen mit Anubis eine herrliche, positive Arroganz zur Schau stellt und für einige auflockernd-witzige Momente sorgt. Trotzdem dominieren die düsteren Töne, und werden noch dazu mit zunehmender Laufzeit stärker, als O'Neill immer mehr die Fähigkeit verliert, sich mit seinen Freunden zu verständigen, und die restlichen Mitglieder von SG-1 zunehmend bestürzt auf seinen Verfall reagieren. Eben dieser Verfall sorgt dann schließlich nach dem spannenden und großartigen Showdown für ein durchaus bewegendes Ende, welches aufgrund der gelungenen Inszenierung selbst mit dem Wissen, dass O'Neill in der 8. Staffel natürlich wieder zurückkehren wird, kaum an Wirkung verliert.
Fazit: "Die verlorene Stadt" ist das beste Stargate-Staffelfinale seit "Nemesis", und hätte sich im Gegensatz zu "Der Kreis schließt sich" auch als Serienfinale (bzw. abschließender Kinofilm) gut gemacht. Die Effekte setzen für die SF-TV-Unterhaltung neue Maßstäbe, die Handlung war durchaus actionreich und sehr spannend, jedoch auch immer wieder mit ruhigeren bis hin zu richtiggehend berührenden Momenten und einer ausreichenden Portion Tiefe gewürzt. Ein furioses Finale einer durchaus unterhaltsamen Staffel...