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Angriff der Aliens, Teil II PDF Drucken E-Mail
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Originaltitel: A Voice in the Wilderness (Part Two)
Episodennummer: 1x19
Bewertung:
Erstausstrahlung USA: 03.08.1994
Erstausstrahlung D: 01.12.1995 (Pro7)
Drehbuch: J. Michael Straczinsky
Regie: Janet Greek
Hauptdarsteller: Michael O'Hare als Cmdr. Jeffrey Sinclair, Claudia Christian als Lt. Comdr. S. Ivanova, Jerry Doyle als Michael Garibaldi, Mira Furlan als Delenn, Andrea Thompson als Talia Winters, Stephen Furst als Vir Cotto, Bill Mumy als Lennier, Andreas Katsulas als G'Kar, Peter Jurasik als Londo Mollari
Gastdarsteller: Ron Canada als Capt. Ellis Pierce, Louis Turenne als Draal, Curt Lowens als Varn, Denise Gentile als Lise Hampton

Denkwürdige Zitate: „Boom. Boom boom boom. Boom boom. Boom! Have a nice day.“
(Ivanova auf Londo's Frage, was auf dem Planeten Epsilon 3 vor sich geht.)

Kurzinhalt: ImageAuf dem Planeten Epsilon 3 haben Sinclair und Ivanova eine unglaubliche Entdeckung gemacht: Der ganze Planet scheint eine einzige, große Maschine zu sein, gesteuert von einem Außerirdischen. Doch dieser ist schwach und wird in Kürze sterben – wenn das passiert und bis dahin kein Ersatz für ihn gefunden ist, wird der Planet explodieren – was auch die Zerstörung von Babylon 5 bedeuten würde. In der Zwischenzeit mehren sich die Gerüchte über eine große Entdeckung auf dem Planeten. Um sicherzugehen, dass alles was auf dem Planeten gefunden wird zuallererst der Erdregierung zu gute kommt, schicken die Erdstreitkräfte einen Kreuzer. Dies beunruhigt wiederum einige der auf der Station vertretenen Regierungen, und schüren die Gerüchteküche weiter. Kurz darauf trifft ein Raumschiff einer bisher unbekannten außerirdischen Rasse ins System ein. Sie behaupten, die letzte jenes Volkes zu sein, die die Maschine einst erbaut haben, und stellen Anspruch auf den Planeten. Dies ist wiederum der Erdregierung ein Dorn im Auge – ein Konflikt scheint unausweichlich. Währenddessen hören sowohl Delenn's Besucher Draal als auch Londo die Hilferufe des Außerirdischen, und beschließen, gemeinsam zum Planeten zu reisen – im Bewusstsein, dass einer von Ihnen nicht zurückkehren wird. Zuletzt gelingt es Garibaldi auch endlich, seine frühere Geliebte zu erreichen – doch das Gespräch verläuft ganz anders, als er es sich erhofft hatte...


Synchro-Fehler: Wie die alten B5-Hasen natürlich wissen, wurde "Angriff der Aliens" vor der Serie und noch von einer anderen Synchronfirma bearbeitet, da diese Doppelfolge ursprünglich als Film auf Video veröffentlicht wurde. Am Auffälligsten ist das beim Intro, dass hier ausnahmsweise nicht von einer - innerhalb der Handlung - unbekannten Stimme, sondern von Londo gesprochen wird, wie beim Pilotfilm. Das ist zwar genau so falsch, da man Londo aber wenigstens kennt, immer noch besser als eine unbeteiligte Erzählerstimme, die wie Jack Nicholson klingt.

ImageDavon abgesehen ist die Arbeit hier nicht bedeutend besser oder schlechter als jene von Telesynchron. Da sich letztere bei ihrer Auswahl der Sprecher an dieser Synchro orientierte, ist auf jeden Fall mal die gelungene Sprecherwahl zu loben, aber die Übersetzung weist ebenfalls einige Schnitzer auf. Was bei dieser Doppelfolge besonders auffällt, ist die Flapsigkeit der Synchro, bei der man sich an der Synchro von ST-TOS zu orientieren schien. In der deutschen Fassung brabbelt man oftmals viel mehr und deutlich lockerer als in der englischen Sprachfassung. Dies wurde von der Telesynchron Gott sei Dank zumindest teilweise wieder eingeschränkt. Was die Tonqualität der DVD betrifft, fällt auf das die Stimmen hier sehr hallen, was darauf hindeutet dass Warner diese Episode nur in Stereo vorlag und man sie künstlich auf 5.1 aufblähen musste - wobei die Stimmen auf die vorderen drei Lautsprecher verteilt wurden (sonst tönen die auch auf deutsch zumeist nur aus dem Center).

Doch kommen wir nun zu den Übersetzungsfehlern:

  • Auch wenn ich Londo als Introsprecher besser finden mag, die Übersetzung ist murks. Alles ist ungemein gehudelt, da der Text so aufgebläht wurde ("auf dauerhaften Frieden“ statt einfach nur "auf Frieden“, "Bewohner der Erde“ etc.). Nicht zuletzt verdanken wir diesem Intro auch das "Spacecenter“ bei Babylon 5. Immerhin, statt "letzten großen Weltraumstation“ heißt es "letzte der babylonischen Stationen“. Ist doch auch was!


  • Im englischen Original sagt Ivanova zum Shuttle, nachdem dieses manovrierunfähig wurde "Don't go anywhere“, was ich deutlich witziger finde als "Machen sie keine Manöver“...


  • Apropos Humor aus der Serie nehmen: Hier Ivanova's Dialog mit dem Wissenschaftler nach seiner Rückkehr in der Synchro:
    ImageIvanova: "Was haben Sie jetzt vor?“
    Wissenschaftler: "Das kann ich Ihnen sagen. Mir unsere Daten von dem Energieschub ansehen, und dann meine Frau auf Proxima anrufen. Sie liebt Rätsel.“
    Ivanova: "Sie wirken sehr ruhig, Doktor.“
    Wissenschaftler: "Das sieht nur so aus. Ich hatte wirklich Todesangst, aber... im Namen des wissenschaftlichen Fortschritts gehe ich fast jedes Risiko ein.“
    Ivanova: "Ne Gleichung mit vielen Unbekannten. Sowas wünscht man sich doch.“

    Und so läuft er im Original ab:
    Ivanova: "What are you going to do now?“
    Wissenschaftler: "In order: Process the data we collected from the power burst, then call my wife on Proxima. She loves mysteries.“
    Ivanova: "This doesn't worry you in the slightest?“
    Wissenschaftler: "On the contrary. It scares the hell out of me. But... what better way to go out than in the cause of advancing scientific knowledge?“
    Ivanova: "Is this a multiple choice question? Cause I have some ideas...“

  • Sinclair meint zu Londo: "Ihr Land...“ Häh? Hallo, aufwachen liebe Übersetzer: Das ist eine Raumstation, kein UNO-Gebäude auf der Erde! Die komischen Haare hätten euch vielleicht den entscheidenden Tipp geben können, dass das ein Außerirdischer von einem fremden Planeten ist. Oder auch von einer Raumstation... was ihr dann später behauptet, als ihr die Heimatwelt der Centauri, Centauri Prime, einfach zu einer solchen umtituliert ("Centauri Basisstation“).


  • Londo zu Garibaldi, als er erkennt dass dieser Wasser trinkt: "I never touch the stuff myself“. Was macht die Synchro draus? "Dieses Zeug wird getrunken, ich fasse es nicht.“ (mal abgesehen von der sinnverändernden Übersetzung wieder mal ein gutes Beispiel für das Aufblähen der Dialoge).


  • Varn zu Ivanova und Sinclair auf dem Planeten: "Oder euer gesamtes Volk wird untergehen.“ Das klingt so als würde er die Menschen meinen, und zwar alle in der gesamten Galaxis, und hat mehr was von einer Drohung als einer Warnung. Eigentlich meint er aber natürlich "nur" alle Bewohner auf der Station.


  • Und last but not least: Aus Ivanova's "Worst case of testosteron I've ever seen“ wird "Ich habe noch keinen so eitlen Mann gesehen“.



  • Review: ImageIch muss gestehen, irgendwie hatte ich diesen Zweiteiler stärker in Erinnerung. Das erste Mal als ich ihn sah war ich sehr angetan und ziemlich begeistert, aber irgendwie, heutzutage, wenn man so drauf zurückblickt - ja, war schon ganz nett, aber DAS große Highlight war's dann auch wieder nicht. "Angriff der Aliens" mag es JMS zwar erlaubt haben, die Station endlich auch ein mal zu verlassen, aber leider hat man "Babylon 5" das magere Budget selten bis nie so stark angesehen wie hier, genauer gesagt jenen Szenen, in denen Sinclair und Ivanova das Innere des Planeten erkunden. Zugegeben, es gelingt auch in diesen Szenen den Pappfels-Look aus der Original Star Trek-Serie (und den ersten 2 Staffeln von TNG) zu vermeiden, dennoch sehen die Korridore etwas billig und längst nicht so beeindruckend aus, wie das wohl gedacht war. Der an und für sich erhaben und beeindruckend gedachte Moment, als sich Sinclair und Ivanova die große Maschine im innern offenbart, lässt es leider auch an der gewünschten Wirkung vermissen – was auch daran liegen mag, dass die Szene an eine fast identische Einstellung aus "Alarm im Weltall" erinnert (auch wenn JMS betont hat dass es sich dabei um keine bewusste Hommage handelt), jedoch ohne auch nur ansatzweise an deren Wirkung und Imposanz heranzukommen.

    Was jedoch – zumindest beim ersten Sehen – ziemlich gut funktioniert, ist das Mysterium rund um den Planeten. Bisher hat man diesem als Zuschauer wohl wenig bis keine Beachtung geschenkt, nun wird die Frage aufgeworfen, ob er wirklich so uninteressant und leblos ist wie bisher angenommen. Wenn dann auf einmal Raketen aus einer der Schluchten aufsteigen, ist man durchaus interessiert daran zu erfahren, was oder wer denn nun dahintersteckt. Die Expedition auf den Planeten mag dann aufgrund der bereits angesprochenen eher mageren Effekte zwar hinter den Erwartungen zurückbleiben, doch die eigentliche Auflösung rund um das Alien im Herzen der Maschine weiß dann wieder zu gefallen (im übrigen ist dies auch das einzige Epsilon 3-Set, dass optisch sehr ansprechend und überzeugend gestaltet ist). Die weitere Entwicklung dieser Handlung mag dann zwar nicht schwer zu erahnen sein, angesichts von Draals Suche nach einer neuen Aufgabe, aber Delenn's Abschied ist durchaus gelungen in Szene gesetzt. Was die Effekte betrifft... die CGI mag mit den späteren Staffeln zwar nicht mithalten können und vor allem die Planetenoberfläche sieht man die geringe Auflösung teilweise doch recht stark an, nichtsdestotrotz sind die Szenen für damalige Verhältnisse durchaus beachtlich. Was ebenfalls positiv auffällt, ist der gelungene Score von Christopher Franke, der für "Angriff der Aliens" wieder einige neue Melodien und Themen komponiert und sich im Vergleich zu einigen vorangegangenen Folgen noch einmal gesteigert hat.

    ImageDie doppelt so lange Laufzeit erlaubt es JMS, zahlreiche Nebenhandlungen einzubauen, und "Angriff der Aliens" dadurch sehr abwechslungsreich und informativ zu gestalten. So wird hier z.B. zum ersten Mal dem Konflikt auf dem Mars, der bisher höchstens mal beiläufig erwähnt wurde, mehr Beachtung geschenkt. Damit die entsprechende Handlung nicht zu abstrakt bleibt sondern sich der Zuschauer stärker mit den Geschehnissen auf dem roten Planeten identifiziert, wurde eine ehemalige, große Liebe von Garibaldi vorgestellt, die sich zum Zeitpunkt der Aufstände auf dem Mars befand. Als angenehmer Nebeneffekt kann dadurch auch Garibaldi's Persönlichkeit (die allerdings in der 1. Staffel eh schon recht ausgiebig beleuchtet wurde) noch einmal an Profil gewinnen. Vor allem das bittersüße Ende (einerseits geht es ihr gut, andererseits dürfte sich Garibaldi's Traum nicht erfüllen) macht den ohnehin schon sehr "likeable" Garibaldi noch einmal um einiges sympathischer. Eine weitere Nebenhandlung ist jene von Delenn und Draal. Auch diese trägt leicht tragische Züge, ist beiden doch von Anfang an – noch bevor sie Draals weiteres Schicksal kennen – bewusst, dass sie sich vermutlich zum letzten Mal sehen werden.

    Darüber hinaus hat JMS noch zahlreiche weitere kleine Mosaiksteine in "Angriff der Aliens" eingebaut. Dabei handelt es sich weniger um richtige Nebenhandlungen als um kleine Momente und Szenen, für die wohl ohne die zusätzlichen 40 Minuten keine Zeit geblieben wäre. Wie z.B. das witzige, von Ivanova vorgetragene Babylon 5-Mantra, Londo's Monolog über den Hass der Narn, oder auch die ruhige, nette Szene zwischen Garibaldi und Londo, die sogar zu meinen Lieblingsmomenten aus der ersten Staffel zählt. Vor allem auch in Anbetracht der späteren Entwicklung ist es einfach ein herrlicher, wunderschöner Moment zwischen den beiden, der ihre Freundschaft noch einmal so richtig unterstreicht. Ein weiterer dieser kurzen Momente ist die Szene rund um den Hokey Pokey. Jetzt sind wir uns doch mal ehrlich: wir Menschen machen schon einige merkwürdige Dinge. Bereits wenn man nur von Kultur zu Kultur schaut wird man zahlreiche Sitten und Gebräuche finden, die einem ungewöhnlich bis hin zu abstoßend erscheinen. Wie muss es dann erst Außerirdischen gehen? Daher finde ich den Moment, als sich Londo über dieses völlig sinnlose Kinderlied beschwert, nicht nur witzig, es trägt für mich irgendwie auch zur Glaubwürdigkeit bei, so seltsam das auch klingen mag.

    ImageDer Nachteil all dieser kleinen Momente und Nebenhandlungen ist, dass die Hauptstory rund um Epsilon 3, insbesondere im ersten Teil der Doppelfolge, doch etwas in den Hintergrund tritt, wodurch nie wirklich Spannung aufkommt. Da diese Szenen das Erzähltempo zudem ziemlich nach unten drücken, entsteht auch nicht wirklich ein Gefühl der Dringlichkeit, was wiederum die Dramatik negativ beeinflusst. Im zweiten Teil wird dies zwar etwas besser, dafür bekommen wir dort neben für B5 sehr untypischen "Aliens of the week" noch dazu einen – für B5 leider alles andere als untypischen – unsympathischen und unkooperativen Offizier der Erdstreitkräfte serviert. Zwar wird dieser von Ron Canada sehr gut dargestellt, dennoch bleibt seine Figur sehr klischeehaft, und verkommt insbesondere zur Mitte des 2. Teils langsam aber sicher zur Karikatur. Jedenfalls hat "Angriff der Aliens" bei mir wieder einmal den – in der 1. Staffel vorherrschenden – Eindruck bestätigt, dass es in den Erdstreitkräften außerhalb von Babylon 5 nur Dummköpfe und Arschlöcher gibt. Und mal ehrlich: Schön langsam wird das ein bisschen fad. Trotz dieser Schwächen bleibt "Angriff der Aliens" insgesamt eine recht gute Folge, die – wie viele Episoden der ersten Staffel – in erster Linie dazu dient, zukünftige Entwicklungen einzuleiten, und solcherarts definitiv zum Babylon 5-Pflichtprogramm zu zählen ist.

    Fazit:"Angriff der Aliens" ist eine sehr vielschichtige und abwechslungsreiche Folge, in der trotz der doppelten Laufzeit nie Langeweile aufkommt. Nichtsdestotrotz gehen durch die zahlreichen Handlungsstränge leider auch viel an Tempo und Dramatik flöten, da die Haupthandlung dadurch an Dringlichkeit – und damit Spannung – verliert. Zudem hat man "Babylon 5" das insbesondere in der 1. Staffel noch sehr magere Budget selten so deutlich angesehen wie hier, wo man bei den Szenen auf Epsilon 3 offensichtlich an die eigenen (monetären) Grenzen gestoßen ist. Nichtsdestotrotz ist "Angriff der Aliens" eine unterhaltsame Doppelfolge, die vor allem wieder einmal einige wichtige Grundsteine für die Zukunft legt.

    Bewertung: Spannung: 3/5 | Action: 3/5 | Humor: 2.5/5 | Dramatik: 3/5 | Inhalt: 4/5 | Gesamteindruck: 3.5/5

    Christian Siegel
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    Produktionsnotizen:
    Vom Skript zur Folge:
    So gut wie keine Änderungen, wenn man mal davon absieht dass der Dialog zwischen Delenn, Draal und Londo zum Hokey Pokey von der 2. Episode in die erste vorverlegt wurde, wohl da diese sonst zu kurz gewesen wäre. Nur eine kleine Szene gibt es noch, die im Drehbuch etwas länger ist: Nach der Auseinandersetzung mit der Hyperion fragt einer der Techniker Sinclair, ob dieser denn wirklich auf die Hyperion gefeuert hätte. Sinclair antwortet nicht, und Ivanova sagt zu ihm: "Stellen Sie ihm nie diese Frage. Ich denke keiner von uns möchte die Antwort darauf hören."

    „Quelle: „Babylon 5: The Scripts of J. Michael Straczynski - Volume 2”


    Hintergründe zur Produktion der Episode:
    "Angriff der Aliens" war ursprünglich nur als Einzelepisode geplant, aber schließlich zu einem Zweiteiler ausgeweitet, damit die Kosten für einzelne Sets etc. auf zwei Episoden verteilt werden konnten. Als Beispiel: Ein Set dass für eine Episode 50.000 $ Dollar kostet, wäre zu teuer gewesen, durch den Zweiteiler konnte man die Kosten des Sets auf beide Folgen aufteilen, wodurch nur mehr 25.000 $ pro Folge in den Büchern standen. Eigentlich hatten Warner auch zugesagt, den Zweiteiler mit zusätzlichen Mitteln auszustatten, doch dies wurde später revidiert, und die bereits getätigten Mehrausgaben mussten durch Einsparungen an anderen Stellen der Produktion wieder hereingeholt werden.

    „Quellen:
    „Babylon 5: The Scripts of J. Michael Straczynski - Volume 2”
    „Babylon 5: Season by Season-Guides - Volume 1: Signs and Portents”


    Verpatzte Szenen:
    Image"Angriff der Aliens" war eine der letzten Episoden, die produziert wurde, und je näher man dem Ende der Staffel rückte, desto lockerer wurden Cast & Crew, und um so lustiger ging es dementsprechend auch am Set zu. So leistete sich Peter Jurasik während jener Szene, in der er Delenn, Draal und Varn nach Epsilon 3 bringt, folgenden Spaß: Er setzte sich mit einer Mappe von Kalifornien ans Steuer und sagte zu sich selbst:
    "Hier gibts keine Verbindung zum Highway 405. Ich muss über Long Beach fahren."
    Zu seinen Passagieren:
    "Wir nehmen die Ausfahrt Long Beach, ist das in Ordnung? Zuerst Long Beach, dann auf den Highway 405. Ok, ich weiß jetzt, wohin wir fahren müssen. In cirka 10 Minuten legen wir eine WC-Pause ein."
    Daraufhin Draal, mit gequälter Stimme: "Das hoffe ich..."


    Das sagen die Schauspieler:
  • Ivanova über die Szenen auf Epsilon 3: „Es ist etwas unangenehm wenn du auf Bühne B drehst, wo viele Sets der unteren Ebene und jene von Epsilon 3 aufgebaut sind. Es ist etwas deprimierend, und immer dreckig. Ich erinnere mich, dass es keine allzu angenehme Woche war, weniger für mich als für die Crew. Denn die verbringen den ganzen Tag dort und haben nicht die Möglichkeit sich wie ich in ihren Wohnwagen zurückzuziehen. Sie atmen ständig diesen Mist ein. Du bist dauernd benommen, und es ist nicht meine sauberste und beste Erinnerung an Babylon 5“


  • ImageJerry Doyle über die Szene zwischen Garibaldi und Lise: „"Ich fand sie sehr gut geschrieben. Es war ein sehr guter Aufbau zu einem Punkt an dem du dich nicht gerne wiederfindest. "Ich hab's wirklich vermasselt, habe Fehler gemacht, und Gott, hier bin ich nun, schütte dir mein Herz aus und du bist was?!?!" Und dann musst du verbergen was wirklich in dir vorgeht, du gehst in den "Garibaldi-Modus" und machst die Wand um dich herum etwas dicker und höher, damit niemand durchkommt und sieht, wie verletzt du bist. Und das wirkt sich dann auch auf die nächste Szene aus. Ich fand es also nett dass sie meiner Figur all diese Schichten verpasst hatten, die ich von Episode zu Episode tragen konnte.“


  • Michael O'Hare über den kurzen Moment, als sein Kommunikator beim Ausziehen der Jacke hängen bleibt: „Das war meine Idee. Ich war sehr oft für die ernsteren Elemente der Serie verantwortlich. Und ich musste auch oft viel Hintergrundinformationen liefern, die Geschichten aufbauen, erklären, lange Reden halten die nur schwer mit der nötigen Dramatik zu versehen sind. Daher gab es nicht viele Möglichkeiten für Humor, wenn’s um meine Figur geht. Ich habe versucht, so viele Momente wie möglich zu finden, und einer davon war während dieser Episode, wo der Commander normalerweise seine Jacke ausziehen und sie hinwerfen und alles souverän hinbekommen und dabei auch noch zu einer Entscheidung gelangen würde. Du siehst das im Fernsehen und denkst dir "Mann, ich wünschte ICH könnte mir die Jacke so ausziehen." Deshalb habe ich mich mit dem Arm absichtlich im Mantel verfangen.“


  • Jerry Doyle über Garibaldi und Talia: „Die Sache mit Garibaldi und Talia war wie ein Katz- und Mausspiel. Es war der kleine Junge und das Mädchen, spielerisch, spaßig und vorsätzlich. So wie ich Garibaldi's Figur verstand war Talia für ihn wirklich jemand anderes und besonderes – sie war nicht nur einfach irgendwer – und so hat er es weiterverfolgt. Er sah dort etwas, und es gab eine Seite von Garibaldi die er nur dann zeigte wenn er an einem Ort war wo er sich sicher fühlte und wo man nicht über ihn urteilen würden. Wo er seinen Schutzwall herunterlassen konnte, und aus welchem Grund auch immer, ermöglichte ihm Talia genau dies wenn sie bei ihm war.“


  • ImageLondo über die Hokey Pokey-Szene: „Ich habe Joe so viele Komplimente gemacht dazu, wie er neue Herausforderungen und Facetten für meine Figur erschaffen hat, aber manchmal öffnest du das Drehbuch und denkst dir "Das kann nicht wahr sein, das ist sicher irgend ein Scherz!" Als ich das las dachte ich "Ich muss das doch nicht etwa wirklich machen?" Ich sagte ja schon über "Angriff auf G'Kar", dass man sich als Schauspieler manchmal einfach gehen lassen muss, und mit dem Hokey Pokey war es ganz ähnlich, auch dafür musste ich meinen ganzen Mut zusammennehmen. Es war viel leichter für mich dieses hübsche italienische Mädchen in den Arm zu nehmen und sie zu küssen als mich vor der Crew hinzustellen und den Hokey Pokey zu singen. Aber wir tun unser bestes, und immerhin bezahlen sie mich ja dafür, dass ich schauspielere, also schauspielere ich.“

    Quelle: „Babylon 5: Season by Season-Guides - Volume 1: Signs and Portents”


    Kommentare von JMS
  • „Das gute an diesem Drehbuch ist dass so viel darin passiert. Das schlechte an diesem Drehbuch ist dass so viel darin passiert. Aus diesem Grund gibt es darin Szenen die auf mich überhastet wirken, besonders im 2. Teil. Ich versuchte viele verschiedene Dinge mit einer großen Geschichte zu erreichen, und rückblickend bin ich mir nicht sicher, wie erfolgreich diese zusammengearbeitet haben. Aber solche Ausrutscher waren unausweichlich. Unsere erste Staffel war von "Versuch und Irrtum" geprägt, als wir daran arbeiteten die richtige Balance zwischen action- und charakterorientierten Geschichten, zwischen den Einzelepisoden und der größeren Geschichte zu finden. Niemand zuvor hatte im amerikanischen Fernsehen eine Geschichte dieser Größenordnung zu erzählen versucht, deshalb tasteten wir uns langsam vor.“


  • „In der ersten Staffel arbeitete unsere CGI-Abteilung noch auf Amiga-Heimcomputern, und die CGI-Renderzeit lag oftmals bei einer Stunde pro Bild oder mehr. Wenn man bedenkt dass jede Filmsekunde aus 24 Bildern besteht, und das auf die Laufzeit der CGI-Szenen in dieser Doppelfolge hochrechnet, kommt man schnell auf eine astronomisch hohe Zahl. Aber das war noch nichts im Vergleich zu dem was später auf uns zukommen würde, also mussten wir sicher gehen dass es funktioniert.“


  • Quelle: „Babylon 5: The Scripts of J. Michael Straczynski - Volume 2“

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  • „Man möchte das Gefühl einer größeren Geschichte vermitteln, dass mehr passiert als wir vor uns sehen. Der Trick dabei ist auf einen Eiswürfel zu zeigen, der im Wasser schwimmt, und damit einen riesigen Eisberg anzudeuten. Was ich versucht habe zu tun war bestimmte Handlungsstränge am Leben zu erhalten und den Zuschauer daran zu erinnern, dass es den Mars gibt, Minbar, die Erde, und ich denke in dem man diese Orte gegenüberstellt wird die Show realer. ... Aber ich wollte den Mars nicht einfach nur als akademische Diskussion hineinbringen. Du brauchst eine Art Verbindung, die dafür sorgt dass es uns auch wirklich kümmert was auf dem Mars passiert. Dies gab mir auch die Möglichkeit Garibaldi's Hintergrund näher zu beleuchten, die Dinge die er durchgemacht hat um dorthin zu gelangen wo er jetzt ist, und die tragische Seite seiner Figur. Es war die Gelegenheit, viele Dinge auf kleinem Raum unterzubringen.“


  • „Jede Regierung gibt Lippenbekenntnisse ab zur Diplomatie und dazu, gut miteinander auszukommen, bis sie glauben dass es einen Vorteil zu erringen gibt wenn sie ihr Gewicht in die Waagschale werfen. Und genau das tun sie dann. "Scheiß aufs miteinander auskommen. Wenn wir Technologie haben die allen anderen um 100 Jahre voraus ist, müssen die mit uns auskommen!" Aus Sicht der Regierung wird genau das gleiche Ergebnis erzielt. Wir können Frieden erreichen in dem wir zu allen nett sind, oder in dem wir die größte Waffe haben. Ihnen ist das egal.“


  • Quelle: „Babylon 5: Season by Season-Guides - Volume 1: Signs and Portents”


  • „Wir haben die Hälfte des Zweiteilers "Angriff der Aliens" gedreht, die sich bis jetzt recht gut macht. Von der CGI und den Kulissen gesehen ist es das größte und ehrgeizigste, was wir bis jetzt gedreht haben, mit mehr Anteilen von jeder Kategorie darin, als in jeder anderen Episode. Übrigens wuchs Christopher Franke in diesem Zweiteiler absolut über sich hinaus und bescherte und einiges der besten Filmmusik der Staffel... herrliches Material, das nur von "Cybernetz" oder "Chrysalis" übertroffen wird.“


  • „Eine kleine B5 Belanglosigkeit: am Ende des Winters im vorigen Jahr hatte mich die schlimmste Grippe erwischt, die ich jemals hatte. Ich hatte so hohes Fieber, daß ich mitunter nahe am Delirium war, weigerte mich aber ins Krankenhaus zu gehen (ich mag keine Ärzte, stand unter Termindruck und konnte dafür keine Zeit erübrigen). Wir sprechen hier von wirklich* krank. Während dieser Zeit schrieb ich "Die Heilerin", ein Drehbuch, an das ich mich nicht erinnern kann, es je geschrieben zu haben. Ich weiß, daß es hier ist und weiß, auf einem intellektuellen Niveau, daß ich es geschrieben habe, aber der Vorgang des Schreibens... ist im Fieber verschwunden.

    ImageEs war auch um diese Zeit herum - ich kann mich jetzt nicht erinnern ob am Anfang oder am Ende der Grippe - als ich den Zweiteiler "Angriff der Aliens" schrieb. Und hier ist der belanglose Teil... das ist nicht der originale Zweiteiler den ich geschrieben habe. Mein Gehirn war schon vernebelt, ich hatte etwas geschrieben, von dem sogar ich sah, daß es nicht gut genug war. Ich schrieb das ganze zweistündige Drehbuch, druckte es aus und gab es Doug und John. Aber bevor sie überhaupt antworten konnten, sah ich es an und entschied es muß weg. Also habe ich das ganze Drehbuch in den Müll geworfen. Jetzt kamen wir der Vorproduktion sehr nahe und ich wurde immer kranker und kranker... aber ich sperrte mich mehr oder weniger in mein Büro ein und schluckte einen Haufen Vitamine (soviel mein Magen aufnehmen konnte), schüttete mir Kaffee rein und schrieb sechs Tage lang zwölf Stunden am Tag. Danach war der ursprüngliche Entwurf fertig. Ich hab es eingereicht und polierte es danach noch ein bißchen auf aber was gedreht wurde war im Wesentlichen das was ich als ersten Entwurfs abgegeben hatte. In diesem Fall erinnere ich mich an etwas vom Schreiben, weil der einzige Weg mich zu konzentrieren das Aufdrehen der Stereoanlage auf volle Lautstärke war; beim Schreiben von "Die Heilerin" hat das nicht geholfen... Da war ich jenseits von Gut und Böse.“


  • „Der Fahrstuhl/Transportröhren-Gag... ja, wir fingen damit weit im voraus an. Das erste Mal ist in der Röhre als er Talia von seiner zweitliebsten Sache im Universum erzählt. Das zweite Mal ist in "Die Macht des Geistes" als er sie in Gedanken auszieht und sie ihn schlägt. Und dann führten wir das später ihrem Satz, daß er immer schon da sei, fort. Eine feine Sache an der Art, wie diese Show gemacht wird, ist, daß wir Gags nicht nur in eine Episode einbauen müssen, wir können sie über Wochen hinziehen, solange sich die Szenen selber tragen, und wenn man dann die früheren Folgen sieht, bekommt man noch mehr davon mit.“


  • „Daß der Commander und Ivanova gehen... denk daran, daß das eine Erstkontaktsituation ist und das erfordert nach den Regeln der Erdallianz mindestens einen Offizier des Kommandostabes. Zwei sind empfohlen. Man möchte nicht, daß niedere Dienstgrade herumhängen oder feindselige Stellung einnehmen, was einen Kampf provozieren könnte. Denkt daran, daß die letzte große Erstkontaktsituation diejenige mit den Minbari war, die schiefging und uns den Erde-Minbari-Krieg einbrachte. Die Erdallianz würde lieber zwei ersetzbare Offiziere verlieren als durch ein Mißverständnis oder einen falschen Zug einen neuen Krieg zu beginnen. Das ist ein Teil des Erstkontaktprotokolls, das in "Der Seelenjäger" angesprochen wird. (Ich sollte das in zukünftigen Episoden noch ein bißchen ausbauen.)“


  • Image„Ron Thornton zeigte mir drei Varianten der Einstellung mit der Großen Maschine. Da es sich um eine zusammengesetzte Einstellung handelt, muß man sie entweder steil abwärtsgerichtet drehen oder völlig waagerecht und in voller Größe da man sie in ein anderes Teil hineinsetzen muß. Das bedeutet entweder eine horizontale oder eine zu 3/4 vertikale Einstellung. Zwei der Einstellungen im Storyboard waren horizontal; eine zeigte unsere Charaktere weit entfernt auf dem gewundenen, von Kristallen eingefaßten Pfad. Das wäre hübsch aber sah wie eine weitere Tunneleinstellung aus und ich wollte etwas weniger klaustrophobisches zeigen. Auch wären wir in der Kamerabewegung eingeschränkt und die Charaktere würden wie Erdnüsse aussehen. Nicht gerade dramatisch. Die zweite Einstellung funktionierte meiner Meinung nach nicht, aber ich kann mich jetzt nicht mehr erinnern warum. Die dritte Möglichkeit schien die Dramatischste zu sein... es war eine sehr steile Einstellung, die Tiefe hatte, sie würde uns ermöglichen in der Vorproduktion mit der Kamera von unseren Charakteren rückwärts zu fahren und funktionierte in jeder Phase. Mein zweiter Gedanke war, "Mist, irgendjemand wird uns bestimmt einen Strick wegen Forbidden Planet daraus drehen." Trotzdem, es war die richtige Einstellung, aus den richtigen Gründen und wir beschlossen es so zu lassen. “


  • „Wie einem sowas wie Londos Lied einfällt? Wirklich einfach; Du versetzt Dich in die Position eines Außerirdischen, der uns verstehen will. Und wenn Du Dir dann das Ganze von außen ansiehst, tun wir einige sehr seltsame Sachen. Was er über das Lied sagt, ist exakt richtig in Bezug auf seine Bedeutung.“


  • „Ich liebe Monologe. Sie sind ein legitimer Teil jedes Dramas. Die MTV-Generation hat ihren Geschmack durch schnelle Schnitte so gründlich verdorben, die die Aufmerksamkeitsspanne weiter und weiter verringern, so daß jedes Stück von mehr als zehn Sekunden sie überfordert und ein verschwommener Block von Worten wird. Leih Dir "Network" von Paddy Chayefsky, sieh' Dir fast alle "Twilight Zones" von Rod Serling an, sieh Dir "The Lady's Not for Burning" von Christopher Fry an... alle gerammelt voll mit Momenten in denen Du innehältst und mit Stücken von Dialogen beschossen wirst, die Deinen Kopf gegen die Wand schmettern. Nicht jeder Wortwechsel muß so verkürzt werde, daß er seine Wirkung verliert. Da sich die Aufmerksamkeitsspanne der Leute stark verkürzt hat, wird es plötzlich als falsch angesehen wenn mehr als drei Zeilen auf einmal auftauchen. Das ist es nicht. Nur daß viele Leute Angst haben, es zu versuchen, Angst haben, sich nur auf die Worte und die Schauspieler zu verlassen. Und manchmal funktioniert es und manchmal nicht. Aber es ist legitim.

    ImageInsbesondere der Monolog, richtig gemacht, ist nicht nur da, um Informationen zu vermitteln, er ist da, um eine Stimmung hervorzurufen, um ein Bild mit Worten zu malen, um das Offensichtliche zu umschreiben. Ja, ich hätte genausogut "Die Narn hassen uns, wir hassen sie, das ist mathematische Gleichheit" schreiben können. Aber das bringt nicht die selbe Bedeutung herüber wie "da sind wir... Opfer der Mathematik". Der Gebrauch des Wortes "Opfer" deutet an, hey, das ist nicht mein Fehler. Ja, das erstere ist kürzer, aber Du verlierst die Rhythmus, die Vorstellung, und das Gefühl dessen, was beabsichtigt ist. Du könntest sagen, "Die Narn hassen uns." Aber zu sagen "Wenn die Narn sich an einem Platz versammeln würden und alle zur gleichen Zeit hassen, würde dieser Haß über Duzende von Lichtjahren fliegen und Centauri Prime in einen Haufen Asche verwandeln", malt ein Bild, gibt dem Gefühl dahinter Kraft.

    Also...ich mag sie, damit ist nichts verkehrt, und sie bleiben. “


  • „Ivanovas Satz war: "Wir wissen nicht, ob wir den Weg zurück finden werden oder nicht," nicht daß der Weg abgeschnitten sei. Sie herumwandernd zu zeigen um einen anderen freien Tunnel zu finden schien dramatisch nicht wichtig; man muß herausfinden, was wichtig ist und was nicht und was dramatisch auf dem Bildschirm wirkt. Wenn sie gesagt hätte "es gibt keinen anderen Weg hinaus", dann hätte man es zeigen müssen. Das sagte sie nicht. Man kann auch argumentieren, daß der Außerirdische ihnen zeigte, welcher Weg nach draußen führt. Auf jeden Fall... eine Stunde ist alles was Du hast, um die Geschichte zu erzählen. Man kann nicht alles zeigen, man muß einige Dinge der Phantasie der Zuschauer überlassen.“


  • Quelle: Der deutsche Lurker’s Guide für Babylon 5


    Zusammengestellt von Christian Siegel



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