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Tödliche Gedanken Drucken E-Mail
Titel: "Tödliche Gedanken"
Originaltitel: "Voices"
Bewertung:
Autor: John Vornholt
Übersetzer: Torsten Dewi
Umfang: 281 Seiten
Verlag: Goldmann (D), Dell Publishing (E)
Veröffentlicht: November 1996 (D) bzw. 13. Februar 1995 (E)
ISBN: 3-442-25013-7
Setting: 2259, zwischen "Eine Frage der Farbe" und "Der Gedankenpolizist"
Relevanz: Gering
Spoiler? Kleinere Spoiler bis inkl. der Folge "Eine Frage der Farbe"
Wo erältlich? Sowohl die deutsche als auch die Original-Ausgabe sind vergriffen, jedoch werden immer wieder Exemplare des Romans auf ebay oder dem amazon marketplace angeboten.
 

Kurzinhalt: Bester und sein neuer Assistent in spe, Harriman Gray (aus der Folge „Die Untersuchung“), sind gerade auf dem Weg zu einem Hotel auf dem Mars, als dieses in die Luft fliegt. Dort hätte eigentlich eine Tagung der Telepathen stattfinden sollen, doch schon bald hat man den perfekten Ersatzort gefunden: Babylon 5! Unnötig zu erwähnen, dass Susan Ivanova, Michael Garibaldi, aber auch John Sheridan, darüber alles andere als glücklich sind. Nicht nur wegen der angespannten Lage aufgrund so vieler Telepathen auf der Station, sondern auch wegen der Befürchtung, dass die Terroristen der Organisation "Freier Phobos", die sich zur Explosion auf dem Mars bekannt haben, während der Tagung auf Babylon 5 einen weiteren Anschlag planen könnten. Trotz der rigorosen Sicherheitsvorkehrungen kommt es dann auch tatsächlich zum Unglück: Mitten in einer Besprechung explodiert eine Bombe – und Talia Winters ist die Hauptverdächtige! Mit Hilfe von Kosh kann sie jedoch fliehen, und macht sich daraufhin zusammen mit dem Unterweltboss Deuce zur Erde auf, wo Talia hofft, die wahren Schuldigen ausfindig zu machen, und so ihre Unschuld zu beweisen. Doch Garibaldi und Gray sind ihr dicht auf den Fersen…

Review: Zwischen 1995 und 2001 sind insgesamt 22 Romane zu "Babylon 5" (darunter drei Trilogien sowie drei Adaptionen zu TV-Filmen) erschienen. Lediglich die ersten sechs davon haben es – unter der Ägide des Goldmann-Verlags – in den deutschsprachigen Raum geschafft. Dies ist insofern bedauerlich, als es sich bei den ersten sechs einerseits (zusammen mit "Personal Agendas") um die schwächsten Romane zur Serie handelt, vor allem aber – und ganz objektiv betrachtet – als man bei den ersten Büchern einen anderen Zugang verfolgte, als bei den Comics. Während dort alle – mit Ausnahme von "Laser Mirror Starweb", der dafür aber wenigstens auf David Gerrolds Drehbuch einer nie produzierten Episode basierte, und deshalb für B5-Fans durchaus von einem gewissen Interesse war (im Sinne von "Was hätte sein können") – einen direkten Bezug zum Handlungsrahmen aus der Serie hatten, und z.B. von Sinclairs Abberufung nach Minbar, Garibaldis Mission auf dem Mars (von der er in "Das Netz der Lügen" erzählt), sowie Valens Leben nach seiner Reise tausend Jahre in die Vergangenheit, erzählten (und damit wichtige Lücken aus der in der Serie etablierten Kontinuität schlossen), handelt es sich bei den ersten sechs von Dell in Auftrag gegebenen und von Goldmann nach Deutschland gebrachten Romanen zur Serie um unabhängige Einzelgeschichten.

Sprich, das Ganze erinnert mehr an die eigenständigen Episoden aus der ersten Staffel, wie z.B. "Der Gral" (und selbst die hatten da und dort ein paar kleinere Anspielungen auf den größeren Handlungsrahmen zu bieten), die in erster Linie dazu dienten, die Welt näher vorzustellen und zu "erweitern", als die sich durch die Serie ziehende fortlaufende Handlung voranzubringen. Der wesentliche Unterschied im Vergleich zu eben diesen Folgen: Alles, was im TV zu sehen war (egal ob von Bedeutung für die fortlaufende Handlung oder nicht), ist selbstverständlich dem Kanon zuzurechnen. Für die ersten sechs Dell-Romane – und damit auch "Tödliche Gedanken" – gilt das hingegen nicht. Somit handelt es sich bei ihnen letztendlich – ähnlich wie bei dem ins Reich der Mythen und Legenden verbannten "Expanded Universe" von "Star Wars" – um Bezahl-Fanfiction. Das allein ist für mich dann auch schon der größte Knackpunkt, da diese Romane im Vergleich zu denen, die später erschienen sind, einen wesentlichen Nachteil haben. Zumal es auch tatsächlich den einen oder anderen Punkt gibt, wo "Tödliche Gedanken" dem (teils später etablierten) Kanon direkt widerspricht. So treffen sich Sheridan und Bester hier bereits, obwohl uns "Der Gedankenpolizist" – der eindeutig nach den Ereignissen hier angesiedelt ist – ihre eigentliche erste Begegnung zeigte. Und auch die Informationen zu Talias Eltern lassen sich mit den späteren Infos sowohl aus der Serie als auch J. Gregory Keyes (dem Kanon zuzurechnenden) Psi Corps-Trilogie nicht so recht in Einklang bringen.

Zudem weiß Talia teilweise Dinge, die zwar in der Serie passiert sind bzw. offenbart wurden, und dem Zuschauer bekannt sind, wo man sich aber fragt, wie Talia sie in Erfahrung bringen konnte. Wie z.B., dass Delenn zum Grauen Rat gehört, oder auch G'Kars Worte an Catherine Sakai ("Niemand auf Babylon 5 ist genau das, was er zu sein scheint) auf die sie direkt Bezug nimmt (und meint, dass dies ihr jemand gesagt hätte). Aber auch davon abgesehen ist "Tödliche Gedanken" jetzt nicht unbedingt ein Highlight. Teilweise liegt dies an John Vornholt, von dem ich abseits seiner beiden Werke für "Babylon 5" in erster Linie noch seine "Star Trek"-Romane kenne, und dessen größter Fan ich jetzt nicht unbedingt bin. Er schreibt doch meist sehr oberflächlich und geht was die Figuren betrifft selten bis nie in die Tiefe. Das gilt auch hier wieder. Einer meiner größten Kritikpunkte an "Tödliche Gedanken", dass wir so gut wie gar nichts Neues über die Figuren erfahren, und ich auch nicht den Eindruck hatte, sie durch den Roman hier besser kennenzulernen. Jetzt kann man natürlich einwenden, dass entsprechende Informationen die uns Vornholt hier gegeben hätten ja innerhalb des Kanons ohnehin keine Gültigkeit besitzen würden, womit es so gesehen auch egal ist. Aber dass er es nicht einmal versucht, uns einen näheren Einblick in Talia, Garibaldi, aber auch die hier reaktivierten Gastfiguren Harriman Gray und Deuce zu geben, ist schon schade. Letztendlich werden lediglich die Infos aus der Serie noch einmal aufgerollt, und der dort von ihnen gewonnene Eindruck verstärkt. Was halt gerade auch bei den letzteren beiden die Frage aufwirft, warum sich Vornholt denn eigentlich überhaupt die Mühe machte, sie in seinen Roman aufzunehmen. Aus meiner Sicht jedenfalls – unabhängig ob die entsprechenden Informationen dann Kanon gewesen wären oder nicht – eine vertane Chance.

Völliger Reinfall ist "Tödliche Gedanken" trotzdem keiner. Findet man sich mit der sehr oberflächlich erzählten Geschichte und ihrem Nicht-Kanon-Charakter ab, lassen sich durchaus ein paar angenehme Stunden mit ihm verbringen. Vor allem die erste Hälfte des Romans macht dabei durchaus Laune, mit der Beschreibung des Anschlags auf dem Mars, und dem Wechsel der Handlung nach Babylon 5. Insbesondere alles rund um den Telepathen-Kongress konnte mir durchaus gefallen. Interessant fand ich auch alles rund um Talias "imaginäre Freundin", die unsichtbare Isabel (bei der es sich aber wohl weniger um ihre versteckte Identität als eine Art Personifizierung ihrer durch Ironheart gesteigerten Fähigkeiten handeln dürfte). Und auch der Mix – wenn man von diesem auch nie in der Serie gehört hat – ist eine interessante Idee. Dass Talia die Hauptverdächtige ist, war mir dann aber etwas zu vorhersehbar (wie auch die Identität der wahren Übeltäterin), und die zweite Hälfte des Romans, rund um ihre Flucht, die Verfolgung durch Gray und Garibaldi, sowie dem Finale auf dem Mars, fiel meines Erachtens dann doch wieder recht deutlich ab. Dafür ist der Roman aber immerhin flüssig geschrieben, und soweit ganz kurzweilig. Zudem sind sowohl der (noch etwas flapsigere) Ton der frühen Serie, sowie die Figuren, gut getroffen. Und mit einer Ausnahme abgesehen (beim Grey Council folgt er nicht der aus der Synchronisation bekannten Übersetzung, also Grauer Rat, sondern spricht vom Grauen Konzil) macht die Übersetzung durch Torsten Dewi (selbst großer Fan der Serie, der mit "Das Babylon 5-Universum" auch ein eigenes Sachbuch zu ihr veröffentlicht hat, welches man mittlerweile hier gratis downloaden kann) einen sehr guten Eindruck. Trotzdem: Selbst als großer Fan von "Babylon 5" muss man "Tödliche Gedanken" nun wirklich nicht unbedingt gelesen haben.

Fazit: "Tödliche Gedanken" war der allererste Roman, der zur Serie "Babylon 5" erschienen ist – und erweist sich leider als kein sonderlich gelungener Einstieg. Dabei fällt insbesondere negativ auf, dass – im Gegensatz zu den Comics, die von Anfang an über einen direkten Bezug zur fortlaufenden Handlung der Serie verfügten – es sich um eine vom größeren Handlungsrahmen losgelöste, eigenständige Geschichte handelt (so wie die in der ersten Staffel noch dominierenden unabhängigen Einzelepisoden), die nicht zum Kanon zählt, und diesem in Details auch widerspricht. Doch selbst wenn man sich damit abfindet, ist "Tödliche Gedanken" kein Highlight. Die Geschichte ist doch eher banal, und wird von John Vornholt zudem sehr oberflächlich erzählt. Einen tieferen Einblick in – und damit auch ein tieferes Verständnis für – die Figuren sucht man hier vergeblich, was ich insbesondere bei Gray und Deuce schade fand. Warum sich die Mühe machen, diese ein- bzw. zweimaligen Gastfiguren in die Geschichte aufzunehmen, wenn wir nichts Neues über sie erfahren, und letztendlich nur die in der Serie gewonnenen Eindrücke bestätigt werden? Eine vertane Chance. Immerhin ist der Roman soweit ganz kurzweilig, und vor allem die erste Hälfte fand ich noch ganz interessant und unterhaltsam. Leider geht es sobald Talia die Flucht antritt doch ziemlich bergab, wobei ich vor allem mit der Geschichte auf der Erde nicht viel anfangen konnte. Der Showdown auf dem Mars war dann zwar wieder ganz nett – insgesamt kommt "Tödliche Gedanken" aber über einen leicht unterdurchschnittlichen Eindruck nicht hinweg.

Bewertung: 2/5 Punkten
Christian Siegel





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