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Titel: "Thirdspace"
Bewertung:
Autor: Peter David
Übersetzung: -
Umfang: 256 Seiten
Verlag: Del Rey
Veröffentlicht: Juli 1998
ISBN: 0-345-42454-9
Setting: Juni 2261
Relevanz: Mittel; zumal die Handlung bereits aus dem TV-Film bekannt ist.
Spoiler? Ja, bis inklusive der Folge "Das dritte Zeitalter"
Wo erhältlich? Sowohl das Original als auch die Neuausgabe sind vergriffen, jedoch werden immer wieder Exemplare des Romans auf ebay oder dem amazon marketplace angeboten.
 

Kurzinhalt: Nachdem sie eine Gruppe von Raiders verjagt haben stößt die von Commander Ivanova angeführte Starfury-Staffel im Hyperraum auf ein geheimnisvolles, riesiges Artefakt. Mit Hilfe gleich mehrerer Starfuries gelingt es, dieses abzuschleppen und zur Station zu bringen, bevor dieses wieder in den unendlichen Weiten des Hyperraums verloren geht. Captain Sheridan ist ob des unglaublichen Fundes gleich Feuer und Flamme – doch dieser spricht sich generell rasch herum, und so dauert es nicht lange, bis IPX vor der sprichwörtlichen Türe stehen. Trotz des Embargos der Erde bieten sie ihre Unterstützung dabei an, das Artefakt zu untersuchen und seinen Zweck zu bestimmen. Von den meisten unbemerkt beginnt dieses indes, Energie von den herumschwirrenden Wartungsrobotern abzuziehen und sich langsam aber sicher wieder zu aktivieren. Je stärker es wird, desto größer wird auch der telepathische Einfluss, den es auf die Bewohner der Station ausübt. Während manche daraufhin schreckliche Alpträume erleben, werden andere wiederum von der geheimnisvollen Stadt, die sie im Traum sehen, angezogen. Während die Lage auf Babylon 5 immer wieder eskaliert, öffnet sich das Artefakt plötzlich – und erweist sich als Tor zu einer anderen Dimension, deren feindlich gesinnte Lebewesen nur drauf gelauert haben, dass sich dieses endlich wieder öffnet…

Review: Auch für die zweite Romanfassung eines "Babylon 5"-TV-Films wurde wieder Peter David engagiert. Ähnlich wie bei "In the Beginning" ist eben dies für mich das größte Plus des Buchs. Ich mag Davids Schreibstil nun mal außerordentlich gerne, und auch "Thirdspace" reichert er wieder mit zahlreichen amüsanten Kommentaren und Zwischenbemerkungen des omnipotenten (diesmal jedoch unbekannten; Im Vergleich zu "In the Beginning" ist der Roman diesmal nämlich aus der gewöhnlichen "Third Person"-Perspektive geschrieben) Erzählers gespickt. Nur ein Beispiel, über Deuce: "He had no particularly admirable qualities, but at least you knew where you stood with him: As far away as humanly possible". Diese und ähnliche Kommentare hatten für mich teilweise schon fast einen Terry Pratchett-Touch. Zudem wartet er da und dort mit netten Abwandlungen bekannter Serienzitate auf – wie z.B. beim Artefakt als "a mad dream given form" – und beweist damit seine Detailkenntnis der Serie. Generell wertet sein sowohl gehobener als auch gewitzter Schreibstil die Geschichte wieder einmal auf, und kompensiert aus meiner Sicht ausreichend dafür, dass im Gegensatz zur TV-Fassung natürlich so Stärken wie die coolen Effekte, die packende Inszenierung sowie Christopher Frankes tolle Musik fehlen. Im Großen und Ganzen gelingt es ihm zudem auch wieder sehr gut, auf das Drehbuch aufzubauen und dieses da und dort durch nette, kleinere Szenen zu erweitern. Außerdem nutzt er auch hier wieder die Möglichkeit von Romanen zu inneren Monologen, und lässt und so einen Blick ins Innere der Figuren werfen. Abschließend profitiert er dann noch davon, dass "Thirdspace" (der dümmliche deutsche Titel wird von mir konsequent ignoriert) nach "Der erste Schritt" mein zweitliebster TV-Film zur Serie ist (der Pilotfilm nicht eingerechnet). Klar hat die Geschichte einen leicht trashigen Touch, und steht sie vor allem im Vergleich zum Prequel "In the Beginning", das einen großen und wichtigen Bezug zur fortlaufenden Handlung der Serie hatte, für sich allein. Schon allein deswegen kann er halt nicht ähnlich begeistern wie dieser. Dennoch fand ich die Story schon immer recht launig und kurzweilig. Daran hat sich, dank Davids Schreibstil, auch bei der Romanfassung nicht geändert.

Trotzdem gelingt es ihm aber nicht, an "In the Beginning" anzuknüpfen. Einerseits liegt dies am bereits angesprochenen Problem, dass die Geschichte dort nun mal wesentlich interessanter war. Es gibt jedoch diesmal auch so manchen Kritikpunkt, der sich direkt auf seine Romanadaption bezieht. So hatte ich ja bereits bei "In the Beginning" –als einzig nennenswerten und letztendlich unerheblichen Kritikpunkt – bemängelt, dass er sich dazu gezwungen sah, Dinge zu erklären, die aus meiner Sicht keiner Erklärung bedurften. Bei "Thirdspace" erreicht dies nun eine neue Dimension (pun very much intended), und nahm für mich stellenweise schon fast störende Ausmaße an. Es ist nicht so, dass ich einer solchen teils selbstironischen Betrachtung generell nichts abgewinnen könnte. Einige dieser Einlagen, wie wenn er z.B. beiläufig erwähnt dass Raumschlachten natürlich nicht von Soundeffekten und dramatischer Musik begleitet werden, sind sogar richtiggehend amüsant. Aber in jenem Umfang, wie es hier zu Tage tritt, wirkte es teilweise – auch wenn es wohl freundschaftlich-neckend gemeint war – selbstgefällig und besserwisserisch rüber. Es gibt Momente, da könnte man das Gefühl bekommen, dass David das Drehbuch förmlich auseinandernimmt, und auf potentielle Fehler und Logiklöcher hinweist, die zumindest mir dort nie aufgefallen wären. So erklärt er z.B., dass zu versuchen, einer bewaffneten Person die PPG aus der Hand zu kicken so ziemlich das dümmste ist, was man machen kann – weshalb Ivanova natürlich eigentlich auf ihren Körper gezielt hatte und nur rein zufällig Trents Hand traf. Oder auch, was für ein glücklicher Zufall es war, dass trotz des stationsweiten Ausfalls wichtiger Systeme der Zugang zur Atombombe noch funktionierte. Aber auch im Verhalten der Figuren schwingt teilweise Kritik mit, wie z.B. wenn Lyta nach Leos Anmachspruch innerlich mit den Augen rollt, oder Zack sich für seine Anmache von Lyta schellt. Der letzte wesentliche Kritikpunkt ist für mich dann die erweiterte Nebenhandlung rund um Alex, Leo und Sheila. Im TV-Film wird diese nur kurz angerissen, hier zieht sie sich durch den gesamten Roman, und ich muss leider sagen: Sonderlich interessant fand ich das nicht. Die anderen, kleineren Erweiterungen und zusätzlichen Szenen waren ja allesamt nett. Aber auf diese Nebenhandlung hätte ich verzichten können.

Fazit: Mit "Thirdspace" legt Peter David eine Romanadaption des TV-Films vor, die sich – wie schon bei "In the Beginning", nur diesmal ist es halt niedriger – auf dem Niveau der Vorlage bewegt. Wenn auch teilweise mit leicht unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Was die Geschichte aufwertete, ist Peter Davids gewohnt toller, gehobener und sehr gewitzter Schreibstil, der den Roman sehr unterhaltsam und kurzweilig machte. Dafür fehlt beim reinen Text halt natürlich die Inszenierung aus dem Fernsehen, die gerade auch bei einer so actionorientierten Handlung viel zum Gelingen beiträgt. Generell ist die Story von "Thirdspace" halt kein Vergleich zu "In the Beginning", worunter auch Peter Davids Adaption ein bisschen leidet. Darüber hinaus übertrieb er es aus meiner Sicht mit der Zeit was die schnippische Kommentierung potentieller Fehler und Logiklöcher des Drehbuchs betrifft. Vor allem aber fand ich die Nebenhandlung rund um Alex und Leo Rosen sowie die Ex-Frau als Erweiterung des Geschehens aus dem TV-Film schlecht gewählt, fand ich dies doch eher uninteressant. Dafür konnten mir die kleineren, zwischendurch immer wieder eingestreuten Ergänzungen sehr gut gefallen, wie z.B. die abschließende Szene zwischen Vir und Lennier (der in der TV-Fassung ja gar nicht auftrat). Im Gegensatz zu "In the Beginning" würde ich bei "Thirdspace" aber sagen, dass man als "Babylon 5"-Fan die Romanfassung zwar lesen kann, aber nicht unbedingt muss.

Bewertung: 3.5/5 Punkten
Christian Siegel





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