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In the Beginning Drucken E-Mail
Titel: "In the Beginning"
Bewertung:
Autor: Peter David
Übersetzung: -
Umfang: 255 Seiten
Verlag: Del Rey
Veröffentlicht: Januar 1998
ISBN: 0-345-42452-2
Setting: 2278 (Rahmenhandlung) bzw. 2245-2248.
Relevanz: Hoch, wobei die Handlung halt grundsätzlich schon aus dem TV-Film bekannt ist.
Spoiler? Ja, bis inklusive der Folge "Das Traumorakel"
Wo erhältlich? Sowohl das Original als auch die Neuausgabe sind vergriffen, jedoch werden immer wieder Exemplare des Romans auf ebay oder dem amazon marketplace angeboten.
 

Kurzinhalt: Centauri Prime am 24. Dezember 2278: Die Hauptstadt steht in Flammen. Imperator Londo Mollari blickt erschüttert durchs Fenster auf die Verwüstung, als er plötzlich Kinderlachen vernimmt. Luc und Lyssa Deradi sind beim Spielen unbeabsichtigt in den Thronsaal gelangt. Ihr banges Kindermädchen Senna will sie gerade darauf hinweisen, dass sie dort nichts zu suchen haben, als Londo die Kinder zu sich bittet, und verspricht, ihnen einen Wunsch zu erfüllen. Wie sich herausstellt, würden die beiden gerne eine Geschichte hören, sind sich jedoch nicht ganz einig darüber, welche das sein soll. Während Luc eine Erzählung über packende Schlachten und große Heldentaten hören will, ist Lyssa vielmehr an einer wahren Geschichte interessiert. Londo beschließt daraufhin, ihrer beider Wunsch zu erfüllen – und erzählt vom Krieg zwischen den Menschen und den Minbari, der rund zehn Jahre vor der Inbetriebnahme der Raumstation Babylon 5 ausbrach, und die Menschheit an den Rand der Auslöschung brachte. Er erzählt von John Sheridan, einem jungen Offizier, der das Angebot an der ersten Forschungsmission ins Gebiet der Minbari teilzunehmen ablehnt, und etwas später im darauffolgenden Krieg den einzigen nennenswerten Sieg gegen den Feind erzielen sollte. Von Delenn, die kurz nachdem sie in den Grauen Rat aufgenommen wurde, ihren Mentor Dukhat verlieren sollte, und deren Stimme letztendlich den Ausschlag geben sollte, um den Vernichtungskrieg gegen die Menschen einzuleiten. Von Susan Ivanova, die in einer Transferstation ihrem Bruder Ganya Lebewohl sagte – und ihn danach nicht mehr sehen sollte. Von Lennon, dem Anführer der Ranger, und seinen Bemühungen, sein Volk vor der Rückkehr der Schatten zu warnen. Und von Jeffrey Sinclair, der sein Geschwader in die letzte Entscheidungsschlacht gegen die Minbari führte – und dessen Gefangennahme den Lauf der Geschichte für immer verändern sollte…

Review: In den 90ern war mir Peter David in erster Linie als Autor von einigen der besten "Star Trek"-Lizenzromanen (darunter auch den großartigen "Vendetta") bekannt. In den Jahren danach stellte er dann immer wieder sein Händchen für sogenannte "novelizations" unter Beweis. Seine Romanfassungen solcher Comicfilme wie den ersten beiden Raimi-Spider-Mans oder auch den ersten "Hulk" (mit Eric Bana) stellten für mich regelmäßig die Filme, auf denen sie basierten, in den Schatten. Nicht falsch verstehen: Er hat auch schon viele großartige originäre Romane geschrieben, aber es gibt AutorInnen, die tun sich schwer damit, auf einem Drehbuch aufzubauen, und dann gibt es eben jene, die es scheinbar mühelos verstehen, Romanfassungen zu schaffen, die einerseits auch unabhängig vom Film perfekt funktionieren, und andererseits auf diesen grandios aufbaut und somit trotz Kenntnis der Vorlage immer noch äußerst lesenswert sind. Nachdem er bereits zwei Drehbücher für "Babylon 5" geschrieben hatte – nämlich die Episoden "Drei Frauen für Mollari" und "Minbari lügen nicht" – wählte man ihn nun dafür aus, die Romanfassungen der ersten beiden von TNT in Auftrag gegebenen TV-Filme zu schreiben. Und vor allem "In the Beginning" ist ihm dabei absolut sensationell gelungen. Peter David hat ein Gespür für die tragische Figur von Londo Mollari, die aus meiner Sicht nur hinter jenem von JMS selbst zurücksteht. Ich denke, vor allem auch dies war hauptverantwortlich dafür, dass er in weiterer Folge damit beauftragt wurde, mit "Legions of Fire" die meines Erachtens ganz klar beste Romantrilogie zur Serie zu schreiben.

Nun verstehe ich grundsätzlich jeden, der gegenüber solchen "novelizations" (um den englischen Begriff dafür heranzuziehen) doch eher skeptisch ist. Immerhin ist die Handlung grundsätzlich bereits aus dem Film bekannt. Peter David hat aber eben im Laufe seiner langen Karriere als Schriftsteller mehrmals bewiesen, dass er gerade auch für dieses Literatursegment ein ganz besonderes Händchen besitzt. Welches er eben auch bei "In the Beginning unter Beweis stellt. Er beschränkt sich eben nicht nur darauf, einfach das Drehbuch bzw. den Film wiederzugeben, sondern nutzt diese eben nur als Grundgerüst, auf das er in weiterer Folge aufbaut. So finden sich hier zahlreiche zusätzliche Momente, die nicht einfach nur nicht im Film waren (weil sie etwa geschnitten wurden), sondern erst gar nicht im Drehbuch enthalten waren. Nun sind diese zugegebenermaßen, im Gegensatz zu allem, was im Film zu sehen ist, nicht als Kanon zu betrachten – da jedoch nichts davon dem Kanon widerspricht und mittlerweile eher auszuschließen ist, dass im alten "Babylon 5"-Universum jemals neue Geschichten erzählt werden, ist dies letztendlich irrelevant. Vor allem die hier beschriebene erste Begegnung zwischen Sheridan und Sinclair während des Erd-Minbari-Krieges hatte es mir angetan. Darüber hinaus erleben wir aber auch, wie John seine zukünftige Ehefrau Anna kennenlernte, wie er die zuvor etwas angespannte Beziehung zu seinem Vater kittete, wie Londo das erste Mal auf G'Kar traf, wie Jankowski ursprünglich nach seinem Erstkontakt mit den Minbari auf der Erde noch gefeiert wurde, und und und. Keine dieser Ergänzungen wirkt beliebig oder gar überflüssig, alle fügen sich stimmig in die Handlung ein, und werten die Geschichte für mich auf.

Am besten fand ich allerdings den Einstieg und das Finale, also die Rahmenhandlung rund um Londo. Wie zuvor schon erwähnt hat glaube ich kein anderer Autor – von JMS natürlich abgesehen – ein ähnlich gutes Gespür für die tragische Figur des Londo Mollari, wie Peter David. Was er eben genau an jenen Stellen des Romans, welche die Rahmenhandlung erzählen, und sich auf ihn konzentrieren, am besten ausspielen kann. Aber auch danach kommt der Erzählcharakter, der im Film teilweise in den Hintergrund gerät, immer wieder stark zur Geltung. Der gesamte Roman richtet sich nach diesem Grundkonzept, und ist demnach so geschrieben, als würde Londo uns diese Geschichte erzählen. Auch dies fand ich überaus reizvoll. Vor allem aber zeigt sich bei "In the Beginning" wieder einmal, dass Peter David ganz einfach sehr gut mit Worten umgehen kann. Er ist ein phantastischer Autor, der sich vor allem auf das Schreiben von Dialogen bzw. inneren Monologen ungemein gut versteht. Da dies auch eine wesentliche Stärke von JMS ist – die unzähligen Zitate, die selbst 20 Jahre später zur Serie herumschwirren und nicht aus dem Gedächtnis ihrer Fans verschwinden wollen, sprechen wohl eine mehr als deutliche Sprache – passt Peter David als Autor eines "Babylon 5"-Romans nun mal perfekt. Das ist auch etwas, wo die bisherigen Romane – ja selbst die ansonsten großartigen "The Shadow Within" und "To Dream in the City of Sorrows" eher enttäuschten. Dieser gehobene Schreibstil, das Spiel mit Worten, denkwürdige Zitate – all das fehlte dort. Insofern sticht "In the Beginning" nicht nur inhaltlich hervor, er fügt sich auch von der ganzen Schreibweise (und auch dem zwischendurch immer wieder eingestreuten Humor) her absolut stimmig ins "Babylon 5"-Universum ein.

Last but not least profitiert Peter David hier natürlich auch davon, dass ihm mit "Der erste Schritt" das Drehbuch zum meines Erachtens mit Abstand besten "Babylon 5"-Films zur Verfügung stand. Jetzt könnte man natürlich sagen, man weiß aus dem Film eh schon alles, was passiert (wobei David diesem Kritikpunkt nun mal eben durch das Einfügen zusätzlicher Szenen erfolgreich entgegenwirkt), aber letztendlich gilt das wenn man nicht gerade ein B5-Neuling ist mittlerweile für die gesamte Serie genauso. Und dennoch schaue ich sie mir – und eben auch "Der erste Schritt" – immer wieder sehr gerne an. Weil es eben nicht nur um den Inhalt an sich geht, sondern darum, wie (großartig) er erzählt ist. Und eben diesen Pluspunkt kann nun einmal auch "In the Beginning" für sich verbuchen, weshalb mich auch überhaupt nicht störte, dass ich aus dem Fernsehen bzw. der DVD schon überwiegend wusste, was passiert. Dem Unterhaltungswert des Romans tat dies in meinem Fall keinen Abbruch. Wenn ich schon irgendetwas kritisieren müsste, dann dass David in die Erklärbär-Falle tappt. Sprich, er sieht sich dazu gezwungen, Antworten auf Fragen – insbesondere woher Londo das alles denn eigentlich so genau wissen kann – zu geben, die zumindest ich mir nie gestellt hatte. Das wirkt teilweise ein bisschen bemüht und verkrampft, stört den Lesefluss, und ergibt vor allem auch innerhalb des Buches keinen Sinn. Weil er erzählt das alles ja den Kindern – denen wird allerdings schnurzpiepegal sein, woher er das weiß. Insofern richten sich diese Stellen etwas zu offensichtlich an den Leser, und brechen damit die "Logik" des Romans auf. Da ich die Stellen noch dazu überflüssig fand, hätte ich darauf lieber verzichtet. Allerdings ist "In the Beginning" davon abgesehen derart fantastisch geschrieben, dass selbst dieser kleine Kritikpunkt an der Höchstwertung nicht mehr rütteln kann.

Fazit: Peter David hat schon viele tolle originäre Romane geschrieben, besitzt aber darüber hinaus auch ein besonderes Händchen für Novelizations. Und aus meiner Sicht stellte er das nirgends besser unter Beweis, als bei "In the Beginning". Er verwendet JMS' Drehbuch als Grundgerüst, und baut darauf einen Roman, der für sich steht, und auch jenen welche den TV-Film schon kennen viel zu bieten hat. Nämlich einerseits zahlreiche zusätzliche Momente, die das Geschehen auf gelungene und interessante Art und Weise erweitern. Manche davon sind nur nette Easter Eggs für Fans, andere schließen die eine oder andere zusätzliche Lücke in der Kontinuität (dass eben diese zusätzlichen Momente streng genommen nicht zum Kanon zählen, sollte da sie den dortigen Informationen nie direkt widersprechen, keine Rolle spielen). Und andererseits mit Peter Davids großartigem Schreibstil. Ähnlich wie JMS versteht er es, wundervolle Dialoge (oder innere Monologe) zu schreiben, und kann einfach generell sehr gut mit Worten umgehen. Selbst die beiden inhaltlich großartigen B5-Romane "The Shadow Within" und "To Dream in the City of Sorrows" können was das betrifft nicht mithalten. Vor allem aber stellt David hier sein Gespür für Londo Mollari unter Beweis, dass wohl nur von jenem von JMS höchstselbst übertroffen wird. Insofern waren vor allem auch jene Stellen, wo wir an seinen Gedanken und Gefühlen teilhaben, die größte Stärke des Romans für mich. Dass David hier zudem das Drehbuch zum mit Abstand besten TV-Film zur Verfügung stand, kommt dann auch noch hinzu. Insgesamt kann ich den Roman zu "Der erste Schritt" jedenfalls allen "Babylon 5"-Fans – trotz Kenntnis des Films – nur wärmstens ans Herz legen.

Bewertung: 5/5 Punkten
Christian Siegel





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