"Star Trek Online" - Zwischenbilanz Teil 1: Gameplay & Missionen
Die Verbesserungen der letzten MonateKategorie: Star Trek - Autor: Alexander Lutz - Datum: Sonntag, 08 August 2010
Nach einer desaströsen Open Beta Phase startete "Star Trek Online" (STO) am 02. Februar 2010 in den offiziellen Spielbetrieb. Obwohl es z.B. beim Client bereits einige deutliche Verbesserungen gab, konnte man das Spiel damals bestenfalls als unfertig bezeichnen. Nun sind seit dem offiziellen Start sechs Monate vergangen und aufgrund der zahlreichen Patches ist es eine Frage
der Fairness, erneut einen Blick auf STO zu werfen. Ich will sowohl über die
positiven Veränderungen berichten also auch über alte und neue Probleme. Damit startet fictionBOX heute mit seinem zweiten umfangreichen Special zu dem lang erwarteten "Star Trek"-MMO (das erste Special findet ihr hier).
Im ersten Teil unsrer Zwischenbilanz befasse ich mich mit einigen Aspekten rund um den spielerischen Teil und die Missionsgestaltung von STO.
Allgemeines Gameplay Bereits in der Beta-Version gab es die Besonderheit, dass das größtenteils
instanzierte MMO komplett vom Offene-Welt-Prinzip der meisten anderen
MMOs abwich. Die spielinterne Verwaltung dieser Instanzen ließ dann auch
einige Probleme entstehen. So z. B. dass man beim Besuch eines
Sternensystems (und der damit verbundenen Missions-Annahme, sowie dem
zwangsweisen Beitritt der aktiven Spielergruppe) in eine offene Instanz
gelangte, bei der die anderen Spieler gerade die Mission vielleicht
beendeten und der Neuankömmling bereits wenige Sekunden nach der
Missions-Anahme die Bestätigung für deren erfolgreichen Abschluss (inkl.
der Belohnung) erhielt. Obwohl dies sicherlich ein „nettes Verhalten"
des Spiels ist, wirkt es doch für all diejenigen, die ihre Missionen wirklich durchspielen
möchten, sehr unbefriedigend.
Weitaus „böser" war das Problem, dass die
Schwierigkeitsstufe der Instanz bei deren Eröffnung auf Grund der Anzahl
der eintretenden Spieler bzw. deren Gruppen bestimmt wurde. Wenn nun
ein Spieler Mitglied einer Gruppe war, diese Gruppe aber nicht komplett
in die Instanz gegangen ist oder die Gruppenteilnehmer während der der
instanzierten Mission ausgestiegen waren, standen die verblieben Spieler
einer unüberwindbaren Übermacht an Feinden gegenüber, da das Spiel
nicht in der Lage ist beim Ausscheiden verschiedener Spieler den
Schwierigkeitsgrad der Instanz anzupassen.
Da dies natürlich nicht akzeptabel sein kann, bietet STO eine absolut
einmalige Option: Der Spieler bekommt die Möglichkeit, festzulegen ob er solche
offenen Instanzen spielen möchte oder ob er geschlossene Instanzen nur
für sich (und seine Gruppe) bevorzugt.
Diese Einstellung hat sich für mich als sehr praktisch erwiesen, denn
so kann jeder Spieler unbehelligt seine Missionen geniesen und sich zu
Recht seine Belohnungen verdienen. Allerdings bringt diese Möglichkeit mit sich, dass aus dem MMO
endgültig ein Singleplayer-Spiel mit Multiplayer-Option wird.
Davon einmal abgesehen, ist das Gameplay wirklich gelungen und es macht
sehr viel Spass seinen Charakter auszubauen. Lediglich manchmal
generiert der Missions-Generator eine Mission, die so schwer ist, dass
der Spieler sie nicht bewältigen kann.
Missionen
STO bietet zwei Arten von Missionen an: Zum ersten sind hier Missionen zu
nennen die man im weitesten Sinne als Handlungs-Missionen bezeichnen
kann. Hierbei erhält der Spieler von einem NPC einen Auftrag. Diese
Aufträge können irgendwelche Patroullien-Missionen sein oder z. B. der
Auftrag während einer Friedenskonferenz für Ruhe zu sorgen oder einen
Botschafter zu einem bestimmten Planeten zu bringen. Hierbei trifft der
Spieler auch manchmal Charaktere oder besucht Orte, die in Zusammenhang
mit den Fernsehserien oder den Kinofilmen stehen. So bekommt man z. B.
manche Aufträge von Commander Akira Sulu, dem Enkel des berühmten Hikaru
Sulu aus „Raumschiff Enterprise" (TOS) oder man muss während der einer
Friedensverhandlung Miral Paris, die Tochter von Tom Paris und B'Elanna
Torres aus „Raumschiff Voyager", unterstützen oder man trifft den „Hüter
der Ewigkeit" aus der preisgekrönten TOS-Folge „Griff in die
Geschichte" (OT: „City on the Edge of Forever"). Diese Missionen sind
immer sehr spannend, bauen teilweise sehr stark auf einander auf und der
erfolgreiche Abschluss wird auch reichlich belohnt.
Ein sehr schönes Beispiel für solche aufeinander aufbauenden und auf
den TV-Serien basierenden Handlungs-Missionen ist die Mission „Die Stadt
am Rande des Niemals", die bereits im Titel auf die oben genannte
TOS-Episode sehr stark anspielt:
Nachdem man in der Mission „Der Kuvah'Magh" auf einer Friedenskonferenz
zum ersten mal Miral Paris begegnet ist und ihr bei der Rettung der
Diplomaten geholfen hat, muss man sie in dieser Handlungs-Mission aus
der Gewalt der Klingonen retten. Die Klingonen halten Miral für den
„Kuvah'Magh", ihren Messias, welcher die Krankheit heilen kann, wegen
der die Klingonen in der Originalserie eine menschliche Stirn haben.
Dazu entführen Sie Miral und mit Hilfe des „Hüters der Ewigkeit"
gelangen sie in die Vergangenheit von Star Trek. Nun muss der Spieler
sich natürlich zuerst zum Hüter durchkämpfen, um nach einem kurzen
Gespräch ebenfalls in die Vergangenheit zu reisen, denn wie bereits in
„Griff in die Geschichte" haben die Entführer die Zeitlinie bereits
verändert. In der Vergangenheit muss, um die eigene Zeitlinie wieder
herzustellen, zuerst die Original-Enterprise gerettet werden, die von
mehreren Klingonenschiffen vernichtet werden soll, was zur Zerschlagung
der Föderation führen würde. Erst danach kann man den Entführern
nachstellen. Als man das feindliche Schiff, auf dem Miral gefangen
gehalten wird, erreicht muss man sich auch hier zunächst durch die
Korridore des Raumschiffs kämpfen. Dabei begegnet man sogar der jungen
Version von Mirals Entführer, dem Klingonen B'Vat, der über das
Verhalten seines alten Ichs so enttäuscht ist, dass er den Spieler darum
bittet den alten B'Vat, der Miral gefangen hält, wenigstens einen
ehrenvollen Kriegertod sterben zu lassen. Nun muss sich der Spieler
also dem Entführer stellen, diesen besiegen und Miral retten.
Zurück an Bord des Spieler-Raumschiffs zerstört man das mittlerweile
verlassene Entführerschiff, damit keine „Zukunftstechnologie" in der
Vergangenheit zurück bleibt, und kehrt zum System des Hüters zurück.
Dort angekommen muss man sich erneut eine Schlacht mit den Klingonen
liefern, bis die Original-Enterprise auftaucht und dem Spieler die
Flucht durch ein vom Hüter geöffnetes Portal ermöglicht. Nachdem man
durch das Portal entkommen ist, findet man sich auf Planten des Hüters
wieder. Dieser erklärt nun, dass die eigene Zeitlinie wiederhergestellt
ist, und damit ist diese Mission beendet.
Diese wirklich beeindruckenden Mission bietet noch einen weiteren
Leckerbissen für Fans: Bei den beiden Treffen mit der
Original-Enterprise nimmt diese über Audio-Kontakt mit dem
Spielerdschiff auf. Im Gegensatz zu anderen Dialogen in denen man meist
nur Texttafeln sieht, gibt es hier auch eine Sprachausgabe. Der
Gesprächspartner ist Mr. Spock, gesprochen von keinem Geringeren als
Leonard Nimoy, der auch schon das Intro des Spiels gesprochen hat.
Die 2. Art von Missionen sind Erkundungsmissionen: Jeder Raumsektor
besitzt ein instanziertes Gebiet das man auf Befehl eines NPCs erkunden
soll. Der verantwortliche (NPC-) Offizier erteilt dem Spieler den
Auftrag 3 Sternensysteme innerhalb dieser Instanz des Sektorenraumes zu
erkunden. Diese „Erkundungs-Instanzen" werden komplett von einem
Missions-Generator, der mit einem Zufalls-Generator verbunden ist
gesteuert. So werden schon im instanzierten Sektoren Raum laufend
sogenannte „Anomalien" zufällig erschaffen, die entweder Datenpakete
oder erkundbare Sternensysteme sind. Jedes dieser Systeme hält eine vom
Missions-Generator erstellte Mission für den Spieler bereit. Dies ist in
der Theorie wirklich eine Ideallösung, doch praktisch krankt die
Umsetzung an den mangelhaften Generator-Parametern. Die Probleme des
Missions-Generators beginnen damit, dass es nur recht wenige
Grundmissionen gibt die dann vom Generator nur geringfügig modifiziert
und schlecht gemischt angeboten werden. Wie alle Missionen in STO
bestehen diese Erkundungsmissionen zum einen aus Weltraum- und zum
andern aus Boden-Missionen. Allerdings zeigt die Erfahrung dass bei
manchen Erkundungsphasen nur Weltraum- oder nur Boden-Missionen
Verwendung finden. Und selbst hier geschieht es nicht selten, dass der
Spieler mehrfach hintereinander die gleiche, nur leicht veränderte
Mission erledigen soll.
Beispiele für Weltraum-Missionen: - Eine Forschungsbasis der Föderation muss während eines wichtigen Tests gegen angreifende Feinde verteidigt werden.
- In einem Asteroiden oder Trümmergürtel verstecken sich Feinde die vom Spieler vernichtet werden müssen.
- Ein Handels oder Forschungsschiff wurde angegriffen und beschädigt
und muss nun während es Reparaturen ausführt gegen angreifende Feinde
verteidigt werden.
- Die Regierung des Systems bittet den Spieler um die Aufklärung
mehrerer Angriffe auf ihre Zivilen Frachter. Der Spieler muss nun
mehrere Wracks anfliegen und Scannen,. Dabei kann es zu Feindkontakt
kommen
- Der im System befindliche Planet benötigt 10 Einheiten eines
bestimmten Handels-Gegenstand (wie „medizinische Güter" oder
„Schutzschildgeneratoren") und der Spieler muss diese nun bei einem
Ingame-Händler erwerben, über längere Zeit sammeln oder im
schiffseigenen Replikator herstellen.
Beispiele für Boden-Missionen:
- Auf einem Planeten wurde das wertvolle Mineral Decalithium gefunden
und der Spieler muss nun die Reinheit der Mineralvorkommen durch Scans
prüfen.
- Unbekannte antike Artefakte verseuchen die Umwelt eines Planeten und
es ist Aufgabe des Spielers diese zu finden und zu scannen. Dabei stellt
sich heraus, dass es sich bei den Artefakten um eine Art von
Aufzeichnungsgeräten handelt, die neu kalibriert und deren Daten
heruntergeladen werden müssen.
- Auf einen Planeten werden Teile eines abgestürzten
Föderations-Schiffes gefunden und der Spieler muss nun die einzelnen
Teile finden und scannen. Dabei erfährt der Spieler dann welches Schiff
abgestürzt ist und was der Grund dafür war.
Die Veränderungen in den jeweiligen Missionen sind so minimal, dass in
den Weltraum-Missionen lediglich das Sternensystem (Umgebung) und die
beteiligten Rassen (und damit auch die Raumschiffe) verändert werden.
Die Grundmission, Anzahl der Angriffswellen und sogar die eingehenden
Meldungen der Offiziere, der Hilfesuchenden und der Feinde sind absolut
identisch.
Bei den Boden-Missionen ist es genau das Gleiche, jedoch hier gibt es
noch eine weitere Veränderungsmöglichkeit: In manche Missionen baut der
Missions-Generator Feindkontakte ein und manche laufen friedlich ab.
Bugs Bugs sind Programmfehler, die je nach Schwere zu einer graphischen
Störung oder zur kompletten Unspielbarkeit des Games führen können. Man
kann mit Fug und Recht behaupten, dass wohl kein Spiel bugfrei ist und
schon allein auf Grund ihrer gigantischen Grösse sind MMOs dafür
besonders anfällig. Natürlich kommt auch STO nicht ohne diese Fehler
aus. Allerdings muss ich sagen, dass ich in der bisherigen Spielzeit nur
einem besonders schweren Bug begegnet bin:
In einer Boden-Mission des Lieutenant Commander (Stufe 8) musste ich
feststellen, dass meine Brückenoffiziere des Aussenteams plötzlich durch
den Boden aus der Spielwelt hinausgefallen waren und mir nicht mehr
folgen konnten. Ich war also auf mich allein gestellt, als ich den
Feinden gegenüber trat. Dank meiner guten Ausrüstung und Ausbildung,
hätte mein Charakter die Feinde sogar besiegen können, wenn diese nicht
ebenfalls aus der Spielwelt gefallen wären und für mich dadurch nicht
mehr angreifbar geworden wären, während sie aber weiter auf mich feuern
konnten.
Leider liegt dieser Fehler nicht an der jeweiligen Instanz, sondern an
der jeweiligen Mission. Dies wirkt sich dahingehend aus, dass ein
Abbruch der Instanz und ein folgender Neustart der Mission keine Abhilfe
bringt. Es bleibt dem Spieler also nur, die Mission komplett
abzubrechen und eine neue Mission anzunehmen.
Wie mir ein befreundeter Mitspieler, Sven Aves, erklärte sei dieser Bug
in den Boden-Missionen sehr häufig. In etwa 50% dieser Missionen (für
die Ränge Commander und Captain) würde dieser Bug auftreten.
Schwierigkeitsgrade Seit einiger Zeit bietet STO auch die Möglichkeit den
Schwierigkeitsgrad des Spiels zu verändern. Hierzu kann der Spieler in
den Optionen einstellen, ob er die Missionen auf Stufe „Normal",
„Advanced" oder „Elite" erledigen möchte.
Die Schwierigkeitsstufen „Advanced" und „Elite" bieten zwar deutlich
bessere Missions-Belohnungen als die Schwierigkeitsstufe „Normal", aber
dafür besteht auch die Gefahr, dass sowohl der Captain, die
Brückenoffiziere und auch das Schiff dauerhaft verletzt bzw. beschädigt
werden und für Ingame-Währung geheilt, bzw. repariert werden müssen.
Solche Verletzungen bzw. Beschädigungen sind auf Schwierigkeitsstufe
„Normal" ausgeschlossen.
Auszeichnungen Seit einem der letzten Updates verfügt STO auch über ein
Auszeichnungssystem. Dies bedeutet, dass der Spieler-Charakter für
bestimmte Aktionen ein (Auszeichnungs-)Abzeichen erhält. Diese Aktionen
können sowohl abgeschlossene Missionen sein, wie auch die Rettung aller
verletzten Föderationsmitarbeiter oder das Löschen aller Brände in einer
Boden-Mission. Die erste Auszeichnung heisst „Willkommen bei Star Trek Online" und der
Spieler-Charakter erhält ihn für das erste Login im Spiel.