"Doctor Who": Interview mit Matt Smith über seine Rolle als neuer Timelord
"Wollten wir nicht alle mal der Doctor sein?"Kategorie:
Doctor Who - Autor: Ulrike Waizenegger - Datum: Montag, 22 März 2010
Simon Hattenstone vom 'Guardian' hatte die Ehre, ein Interview mit
Matt Smith in dessen Wohnwagen beim "Doctor Who"-Headquarter in Cardiff zu
führen. Im Mittelpunkt des amüsanten Gesprächs stand vor allem die Frage, wie der Nachfolger eines der beliebtesten Time Lords (David Tennant) mit diesem anspruchsvollen Erbe umgehen wird. Dies ist eine Zusammenfassung der Highlights dieses Interviews, übersetzt von
Ulrike Waizenegger.
Der Wohnwagen ist zwar bei Weitem nicht die TARDIS, aber es gab trotzdem
ein paar interessante Dinge darin zu entdecken. Unter anderem ein Bild von Matts inzwischen verstorbenem Kater Timmy. "Ich habe diesen Kater
geliebt. Er wurde 18. Er hatte ein wirklich gutes und erfülltes Leben,
weshalb ich so wahnsinnig an ihm hing." Danach futtert Smith erstmal ein
Mini-Schoko-Ei.
Als David Tennant ankündigte, er würde von seiner Rolle zurücktreten, meinte Smith's Mutter, dass ihr Sohn doch eigentlich einen prima Nachfolger abgeben
würde. Warum? "Nun, während meiner Uni-Zeit hatte ich einen sehr
gestreiften Schal und die Leute haben gesagt, das sei sehr Doctor
Who-mäßig. ... Haben wir nicht alle mal gehofft,
der Doctor zu sein? Ist es nicht das, was ihn so großartig macht?"
Doch bevor Smith hoffte, jemals der Doctor zu sein, galt sein Ehrgeiz
dem Fußball. Und alles sah danach aus, als hätte er eine sehr gute
Karriere in diesem Bereich vor sich. Doch dann zog er sich mit 16 Jahren
eine Rückenverletzung zu und der Traum platzte. Und wie reagierte der junge Sportler
auf diese doch recht niederschmetternde Tatsache? "Ich habe mein Abi
gemacht und ging dann auf die Schauspielschule..." erzählt Smith und wirft ein weiteres Mini-Schoko-Ei ein.
Als der Schauspieler erfuhr, dass er die Rolle des Doctors bekommen hat, musste
er es zunächst geheim halten. "Doctor Who" mit seinem WG-Mitbewohner zu schauen, ohne sich dabei zu verplappern, war deshalb eine ziemliche Herausforderung. "Es war ein Alptraum."
Schließlich erzählte er seinem Vater davon. "Er war völlig platt. Als
ich es ihm gesagt hab, lachte er. Er war begeistert, glücklich und sehr
stolz."
Bevor bekannt gegeben wurde, wer denn nun in Tennants Fußstapfen treten soll, war
die Liste an möglicher Nachfolger gewaltig. James Nesbitt und David
Morrissey - um nur ein paar zu nennen - waren weit vorn im Rennen. Es gab sogar sehr häufig Gerüchte darüber,
dass der Doctor zum ersten Mal ein Schwarzer werden könnte, gespielt von
Paterson Joseph. Oder gar, dass wir diesmal einen weiblichen Timelord bekommen, in der Form
von Billie Piper.
Umso erstaunter waren die Fans, als Matt Smith
offiziell als Nachfolger bekannt gegeben wurde. Den meisten war Smith
gänzlich unbekannt. Noch wird er nicht überall von den Leuten erkannt,
aber sobald die 5. "Doctor Who"-Staffel ab Ostern dieses Jahres über die Bildschirme flimmert, wird sich
dies sicherlich schlagartig ändern. Ist er nervös? Natürlich. "Dies ist ein Job wie
kein anderer, denn da hängt a) schon so viel dran und b) wird so viel
von mir erwartet. Aber ich denke, man muss da mit einem ganz eigenen
Schwung rangehen. Nein, Schwung ist das falsche Wort. Identität. Aber
das alles schüchtert einen nur soweit ein, wie man es selbst zulässt."
Wie wird Smith also seinen eigenen Doctor kreieren? "Er ist etwas
waghalsig. Wenn er in einen Raum marschiert und eine Millionen Probleme
lösen muss, geht er nicht hinein und weiß bereits im Vorfeld wie er
wieder herauskommt. Er ist der Typ, der auf einen Abgrund zugeht und
sich denkt 'Ich hab keine Ahnung. Ich hab keine Ahnung. Ich hab keine
Ahnung.' und 'Zack!' fällt ihm die rettende Idee ein. Darüber hinaus gibt
es ja auch noch die Assistentin, um die man sich - wie ich finde - am
schwierigsten kümmern kann. Und sie ist ziemlich verrückt. Aber das ist
der Doctor ebenfalls. Die zwei zusammen..."
Karen Gillan, die die neue Assistentin des Doctors spielt, wird von
Smith als sehr hübsch und sehr durchgeknallt beschrieben. "Aber auf eine
brillante Art und Weise... Wir sind beide ziemlich verrückt, denke ich,
was die Sache irgendwie so cool macht."
Steht er auf sie? "Wer? Ich selbst oder der Doctor?" Der Doctor? "Nun,
da musst du abwarten." Und Matt Smith? "Neeeeeein! Sie ist 'ne Freundin
und ich veralbere sie jeden Tag. Und wir arbeiten zusammen. [Mit ihr etwas anzufangen] wäre ein
ganz großer Fehler." Nach diesem Statement segnet ein weiteres Mini-Schoki-Ei das Zeitliche.
Die Dreharbeiten zur 5. Staffel dauern nun schon siebeineinhalb Monate und es sei ganz schön
anstrengend. Vor allem das Auswendiglernen des Textes. "Das ist für den
Doctor ziemlich umfangreich, denn er ist in fast jeder Szene und er sagt
sehr viel, weil sein Hirn einfach das Coolste und Größte ist." Findet er die Lernerei schlimmer als die Schule? "Nein, denn die Bezahlung ist besser."
Früher spielte Smith auch mal mit dem Gedanken, Politik zu studieren. "Ich wollte intelligent wirken und auf eine Redbrick-Universität gehen."
Am Ende des Interviews kam deshalb die Frage auf, was er lieber wäre: ein Politiker mit einem
sehr guten Abschluss oder der Doctor? Dabei sieht Smith den Interviewer an, als sei dieser
völlig verrückt. "Das mit Politik war eine beknackte Idee. Ich wäre
grottenschlecht gewesen. Natürlich der Doctor!"