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Originaltitel: Third Girl
Episodennummer: 11x03
Bewertung:
    
Erstausstrahlung UK: 28. September 2008
Erstausstrahlung D: 22. April 2016
Drehbuch: Peter Flannery
Regie: Dan Reed
Besetzung:
David Suchet als Hercule Poirot,
Zoë Wanamaker als Ariadne Oliver,
David Yelland als George,
Jemima Rooper als Norma Restarick,
Clemency Burton-Hill als Claudia Reece-Holland,
Matilda Sturridge als Frances Cary,
Tom Mison als David Baker,
John Warnaby als Inspector Nelson,
Caroline O'Neill als Nanny Lavinia Seagram,
James Wilby als Andrew Restarick,
Peter Bowles als Sir Roderick Horsfield,
Lucy Liemann als Sonia,
Tim Stern als Alf Renny,
Simon Hill als Bus Ticket Inspector,
Tessa Bell-Briggs als Daphne the Waitress,
Ysobel Gonzalez als Nurse,
Sean Kingsley als Policeman,
Jade Longley als Young Norma Restarick,
Juliet Howland als Mary Restarick,
Haydn Gwynne als Miss Battersby u.a.
Kurzinhalt:
Hercule Poirot ist gerade dabei, in Ruhe in seinem Apartment zu speisen, als plötzlich eine völlig aufgelöste und vermeintlich verwirrte junge Dame vor ihm steht, und meint, dass sie befürchtet, jemanden ermordet zu haben – doch sicher ist sie sich nicht. Noch bevor Hercule sie dazu befragen kann, was genau sie damit meint, zieht Norma Restarick mit den Worten "Sie sind zu alt" wieder ab. Kurz darauf wird die Leiche ihres früheren Kindermädchens Lavinia Seagram, die im gleichen Apartmenthaus wohnte wie Norma, mit aufgeschnittenen Pulsadern tot aufgefunden. Wie sich jedoch herausstellt, ist sie nicht daran gestorben, sondern wurde vielmehr erstickt; damit ist auch ein möglicher Selbstmord ausgeschlossen. Ariadne Oliver, die im gleichen Apartmenthaus wohnt, und am selben Abend eine Party von Norma und ihren beiden Mitbewohnerinnen Claude Reece-Holland und Frances Cary besuchte, bittet Poirot darum, der jungen Frau zu helfen. Wie sich herausstellt, hat Norma als sie ein kleines Mädchen war ihre Mutter durch einen Selbstmord verloren. Der Anblick von Laviana mit aufgeschnittenen Pulsadern ließ das alte Trauma wieder an die Oberfläche kommen. Schon bald ist auch Hercule davon überzeugt, dass Normal mit dem Tod von Lavinia nichts zu tun hatte. Als sich diese jedoch der Polizei stellt und ein Geständnis ablegt, drängt die Zeit, um das Komplott dahinter aufzudecken, und ihre Unschuld zu beweisen…
Review (kann Spoiler enthalten):
Die mich überhaupt nicht ansprechende Inszenierung der letzten beiden Folgen hat so einiges angerichtet. Denn als ich die Disc mit "Die vergessliche Mörderin" in den Player legte, freute ich mich nicht etwa darauf, was mich hier erwartet, sondern fürchtete mich förmlich davor. Erfreulicherweise sollte sich dies als unnötig erweisen. Zwar ist eine gewisse Überbelichtung nach wie vor erkennbar, und auch der digitale Look immer noch recht stark, insgesamt sah dies aber wieder um Welten besser aus als die beiden Episoden davor – worüber ich sehr dankbar bin. Auch, weil mir die Story durchaus gefiel, und ich es schade gefunden hätte, wenn mir die visuelle Gestaltung diese ähnlich ruiniert hätte, wie das bei "Mrs. McGinty ist tot" der Fall war. So hingegen konnte ich mich so richtig auf die Geschichte einlassen, verfolgte mit Spannung die Ermittlungen von Hercule Poirot und Ariadne Oliver (dazu gleich), und freute mich dann nicht zuletzt über die Vermischung am Ende zwischen klassischer Auflösung und Falle für den Täter (mit Normas vorgetäuschtem Suizid).
Für eine lange Zeit ist "Die vergessliche Mörderin" dabei sehr humorvoll angelegt. Dafür sorgt nicht zuletzt das amüsante Zusammenspiel zwischen Zoe Wanamaker und David Suchet. Ich liebe die Rolle der Ariadne Oliver, mit der sich Dame Agatha Christie vermeintlich selbst aufs Korn nahm. Auch hier darf sie zwar einen gewissen Beitrag leisten, erweist sich aber letztendlich als ähnlich stümperhaft wie Captain Hastings. Vor allem ihr völlig missglückter Versuch, Norma und David unauffällig und unbemerkt zu verfolgen, sorgte bei mir doch für einiges an Belustigung. Ähnliches gilt für so manchen Austausch zwischen ihr und Poirot. Im weiteren Verlauf rücken dann allerdings die tragischeren Elemente aus Normas Vergangenheit stärker in den Mittelpunkt. Die Art und Weise, wie man ihr Trauma thematisiert – und dass sie sich, wenn auch aus völlig irrationalen Gründen, selbst die Schuld am Selbstmord ihrer Mutter gibt – gefiel mir ausgesprochen gut. Dies liegt einerseits am Drehbuch, und andererseits an Jemima Roopers starker Performance. War ich mir zu Beginn noch nicht sicher, ob sie die Verwirrung ihrer Figur nicht vielleicht nur spielt, sorgten die weiteren Offenbarungen dann dazu, dass ich mit einem Opfer schon lang nicht mehr so mitgefühlt habe, wie mit ihr – und dementsprechend mit Spannung darauf wartete, dass Hercule die wahren Schuldigen offenbart und zur Rechenschaft zieht. Weil was man ihr angetan und wie man ihr Kindheitstrauma hier aus selbstsüchtigen Motiven ausgenutzt hat, war richtig fies. Zwar verortete ich da und dort ein paar Längen, schlichen sich einzelne kleine Misstöne ein (wie z.B. wenn Hercule Poirot, Meisterdetektiv mit angeblich außerordentlichem Verstand, beim Abschied einer blinden Person zunickt; aber vielleicht sollte das auch amüsant sein?!), wirkte das mit dem gestohlenen Brief auf mich wie eine unnötige Verzögerungstaktik, und haben mich generell ein paar andere, frühere Fälle noch mehr mitgerissen. Insgesamt war das aber sehr solide.
Fazit:
Nachdem ich schon befürchtet hatte, dass sich der mich störende visuelle Stil zumindest mal durch die gesamte Staffel ziehen würde, war ich sehr erleichtert, zu sehen, dass "Die vergessliche Mörderin" optisch wieder deutlich klassischer daherkommt. Zwar nach wie vor mit merklichem Digital Look, und einer gewissen Überbelichtung, aber der von mir so verhasste Weichzeichner und/oder Dream Glow-Effekt der beiden Episoden davor war hier zum Glück wieder Geschichte. Insofern konnte ich mich hier auch endlich wieder auf die Story konzentrieren, und die hatte es mir durchaus angetan. Zu Beginn ist "Die vergessliche Mörderin" sehr schwung- und vor allem auch humorvoll, letzteres nicht zuletzt auch dank des neuerlichen Auftritts von Zoe Wanamaker als Mrs. Oliver. Im weiteren Verlauf schlägt die Episode dann aber zunehmend ernste Töne an, wenn sie Normas Trauma behandelt, und die abscheuliche Art und Weise, wie hier versucht wird, aus diesem Profit zu schlagen. Und auch die Auflösung fand ich klasse. Insgesamt zwar kein Überdrüber-Highlight, aber eine gelungene Folge, die mich nach zwei inszenatorischen Totalausfällen mit "Poirot" wieder versöhnen konnte.
Wertung: 3 von 5 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © iTV)
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