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Poirot - 5x02: Der Prügelknabe Drucken E-Mail
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Episodenbild (c) BBC

Originaltitel: The Underdog
Episodennummer: 5x02
Bewertung:
Erstausstrahlung UK: 24. Januar 1993
Erstausstrahlung D: 21. November 2018
Drehbuch: Bill Craig
Regie: John Bruce
Besetzung: David Suchet als Hercule Poirot, Hugh Fraser als Captain Hastings, Pauline Moran als Miss Lemon, Ann Bell als Lady Astwell, Adie Allen als Lily, Denis Lill als Sir Reuben, Jonny Phillips als Charles, Bill Wallis als Horace Trefusis, Ian Gelder als Victor Astwell, Andrew Seear als Humphrey Naylor, Lucy Davidson als Gladys, John Evitts als Parsons, Michael Vaughan als Sergeant, Charles Armstrong als Receptionist u.a.

Kurzinhalt: Sir Reuben Astwell ist der Inhaber einer Chemiefabrik. Als Geschäftsmann ist er überaus erfolgreich, aufgrund seiner skrupellosen Vorgehensweise allerdings weder bei seinen Geschäftspartnern und Angestellten, noch innerhalb seiner Familie, sonderlich beliebt. Auch Hercule Poirot bekommt Gelegenheit, sich von seiner unangenehmen Natur ein Bild zu verschaffen, als er Captain Hastings zu einem auf dem Anwesen stattfindenden Golfturnier begleitet, um sich Astwells Sammlung belgischer Miniaturen anzusehen. Am nächsten Morgen wird Sir Astwell erschlagen in seinem Arbeitszimmer aufgefunden. Die Polizei verhaftet Reubens Neffen Charles, da auf seinem Hemd das Blut des Opfers gefunden wurde. Dieser behauptet jedoch, sein Onkel wäre bereits tot gewesen, als er ihn gefunden hat. Hercule Poirot durchleuchtet die anderen beim Abendessen anwesenden Besucher, sowie die Angestellten, um den wahren Mörder von Sir Astwell zu überführen. Dabei kommen ihm auch die neu erlernten Hypnosefähigkeiten von Miss Lemon zu Hilfe…


Review (kann Spoiler enthalten): Episodenbild (c) BBC Es gibt jene Poirot-Folgen, in denen es binnen weniger Szenen gelingt, uns das Opfer sympathisch zu machen, so dass wir auf der Suche nach dem Mörder so richtig mit Poirot mitfiebern. "Der Prügelknabe" gehört nicht dazu; was bitte schön nicht als Kritik gemeint/zu verstehen ist. Vielmehr präsentiert man uns hier ganz bewusst einen Ungustl, und macht deutlich, dass bloß weil Sir Astwell kein angenehmer Zeitgenosse war – wie sich in der ersten Viertelstunde in diversen Interaktionen mit seinen Kollegen, seiner Familie, seinen Angestellten (wenn er auch zumindest, so fair muss man sein, im Hinblick auf Gladys recht hatte), und nicht zuletzt dann beim Abendessen, zeigt – dies noch lange niemandem das recht gibt, ihn zu ermorden. Weshalb Hercule Poirot eben auch hier, unabhängig von seiner persönlichen Meinung über den Ermordeten, gar nicht daran denkt, den Täter davonkommen zu lassen (wobei ihm die Verhaftung des unschuldigen Neffen zugegebenermaßen noch einen weiteren triftigen Grund gibt, zu ermitteln).

Leider fand ich, dass der Fall bei "Der Prügelknabe" jetzt nicht unbedingt etwas Besonderes war, und generell waren die Ermittlungen bei anderen Episoden schon mal interessanter (und luden diese auch schon mal mehr zum Mitraten ein, als hier). Kritisch sehe ich auch die Auflösung. Zwar ist es hier immerhin gelungen, mich wieder mal zu überraschen, weil ich die betreffende Person nicht als Mörder/in auf dem Schirm hatte. Aber letztendlich erzählt Poirot zwar schlüssig, wie sich der Mord zugetragen hat, verabsäumt es aber leider, auch nur irgendeinen Beweis zu liefern. Da er den Mörder/die Mörderin zudem nicht irgendwie in die Falle lockt (wie z.B. bei "Die Wespe", wo sich dieser selbst verplappert hat), fragt man sich am Ende schon, wie es gelingen soll, die Person vor Gericht festzunageln. Denn letztendlich hat Poirot hier nichts weiter als eine Theorie. Doch nicht nur bei der Auflösung am Ende, sondern auch bei Gladys stellt er sich eher ungeschickt an. Die ganze Verfolgungsjagd (inklusive Wiederverwendung der bereits aus einer früheren Folge bekannten Zugsaufnahmen) wäre unnötig gewesen, wenn Poirot sichergestellt hätte, dass draußen die Polizei auf sie wartet. Gut gefiel mir an "Der Prügelknabe" in erster Linie das zeitliche Setting Mitte der 30er, und wie der Krieg mit Deutschland seine Schatten voraus wirft (und die Ereignisse hier – insbesondere natürlich Dr. Atwells Absichten, die Formel an eine deutsche Firma zu verkaufen, die diese dann für Kriegszwecke verwenden könnte – eine interessante politische Note bekommen). Zudem gibt die Folge Miss Lemon, dank ihrer neu erlernten Fähigkeiten als Hypnotiseurin (die bei Poirots starkem Geist natürlich keine Wirkung zeigen, sehr wohl aber bei Mrs. Atwell – und am Ende möglicherweise auch bei Hastings), etwas mehr zu tun. Und generell machte es, dank dem netten Zusammenspiel der Stammbesetzung, und insbesondere der Performance von David Suchet, definitiv wieder Spaß, Poirot beim Ermitteln zuzusehen. Den Fall würde ich dann aber doch eher zu den schwächeren der Serie (bislang) zählen.

Fazit: Episodenbild (c) BBC "Der Prügelknabe" profitierte für mich – stärker als andere, "zeitlosere" Poirot-Fälle – nicht zuletzt vom zeitlichen Setting, mit dem man die angespannte weltpolitische Lage vor dem Ausbruch des zweiten Weltkriegs thematisiert. Nett auch die etwas größere Rolle für Miss Lemon (wohingegen Inspektor Japp nach "Das Abenteuer des ägyptischen Grabmals" – wo es nur folgerichtig war – wieder mit Abwesenheit glänzt). Und generell gab es zwischen Poirot, Hastings und Lemon wieder ein paar nette Momente. Demgegenüber fand ich den Fall leider wenig berauschend. Er lud nur bedingt zum Mitraten ein, Poirots Auflösung, so schlüssig sie auch klingen mag, lässt es an einem handfesten Beweis vermissen, und auch zuvor bei der Flucht von Gladys stellte sich der vermeintlich so clevere Privatdetektiv nicht sonderlich geschickt an. Die gewohnt hohe Produktionsqualität und die mittlerweile perfekt eingespielte Stammbesetzung machten "Der Prügelknabe" aber dennoch, wenn schon nicht zu einem Genuss, so doch zumindest akzeptabel.

Wertung: 3 von 5 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © iTV)







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