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Originaltitel: The Life of the Stars
Episodennummer: 1x08
Bewertung:
    
Weltweite Internet-VÖ: 26. Februar 2026 (Paramount+)
Drehbuch: Gaia Violo & Jane Maggs
Regie: Andi Armaganian
Stammbesetzung:
Holly Hunter als Nahla Ake,
Sandro Rosta als Caleb Mir,
Karim Diané als Jay-Den Kraag,
Kerrice Brooks als SAM,
George Hawkins als Darem Reymi,
Bella Shepard als Genesis Lythe,
Zoë Steiner als Tarima Sadal,
Oded Fehr als Charles Vance,
Gina Yashere als Lura Thok,
Brit Marling als Main computer,
Stephen Colbert als Digital Dean of Students,
Tig Notaro als Jett Reno,
Robert Picardo als The Doctor.
Gaststars:
Mary Wiseman als Sylvia Tilly,
Chiwetel Ejiofor als Maker,
Romeo Carere als Ocam Sadal,
Sophia Wynter als Child SAM u.a.
Kurzinhalt:
Nach dem traumatischen Erlebnissen auf der U.S.S. Miyazaki holt sich Kanzlerin Ake für die Betreuung der betroffenen Kadetten Hilfe: Sylvia Tilly kommt für ein Gastprogramm an die Akademie. Dafür werden die betroffenen Kadetten dazu verdonnert, in einer Theatergruppe mitzuwirken. SAM wählt dann das von Thornton Wilder geschriebene Stück "Unsere kleine Stadt" aus, da ihr die Thematik für die Probleme vor denen sie stehen passend erscheint. Kurz darauf stellt sich jedoch heraus, dass sie selbst nicht Teil der Produktion sein kann. Denn ihre Anfälle werden immer schlimmer, und der Holo-Doktor sieht sich nicht in der Lage, sie zu helfen. Die einzige Hoffnung besteht darin, sie zu ihrem Volk zurückzubringen. Und so brechen der Doc und Kanzlerin Ake zusammen mit SAM in Richtung ihres Heimatplaneten auf. Dessen ungeachtet gehen die Vorbereitungen für eine Vorführung von "unsere kleine Stadt" an der Akademie weiter – sehr zum Missfallen von Tarima Sadal, die nun nachdem sie auf Betazed geheilt und mit einem neuen Inhibitor ausgestattet wurde, statt an Kriegscollege an der Sternenflottenakademie studiert…
Review:
"Das Leben der Sterne" beschert uns nun die kurzzeitige Rückkehr von Sylvia Tilly (von der viele – mich eingeschlossen – eigentlich erwartet hätten, dass sie zur Stammbesetzung der Serie zählt, nachdem man sie wegen Mary Wisemans Schwangerschaft in der fünften "Discovery"-Staffel ja eben dorthin rausgeschrieben hatte). Ich weiß, dass die Figur durchaus kontrovers aufgenommen wurde, und sich dementsprechend nicht alle über ihren Auftritt hier freuen werden. Ich mochte sie jedoch schon immer, und zählte sie zusammen mit Tig Notaros Jett Reno zu den größten Stärken von "Discovery" (auch wenn dies zugegebenermaßen, angesichts meiner überaus bescheidenen Meinung zur Serie, nicht viel heißt). Ihr Auftritt hier offenbart nicht nur, wie sich die Figur im Verlauf der fünf "Discovery"-Staffeln entwickelt hat (die nervöse Tilly aus "Lakaien und Könige" wäre wohl niemals so forsch aufgetreten), sondern zeigte auch wieder ihren feinen Humor (wie z.B. wenn sie auf die Frage "What does theater have anything to do with…" kaltschnäuzig antwortet "Eight out of ten cadets ask that question. The other two become captains.").
Ihr Auftritt ist jedoch mehr als reines Fanservice für die "Discovery"-Crowd (die es ja, allen Unkenrufen zum Trotz, dennoch gibt). Vielmehr soll sie den Kadetten dabei helfen, über die jüngsten, traumatischen Erfahrungen hinwegzukommen. Zwar kann man zweifellos kritisch hinterfragen, ob es in der Zukunft bei der Sternenflotte keine Counselor mehr gibt, und/oder die Erklärung, warum Kanzlerin Ake just auf sie setzt, für etwas gar bequem und konstruiert halten. Da ich mich über das kurze Wiedersehen mit der Figur freute, bin ich aber dazu geneigt, über diese durchaus berechtigte Kritik wohlwollend hinwegzusehen. Darüber hinaus gefiel mir der Ansatz von Kunst als Therapie. Dabei wird hier das Theaterstück "Unsere kleine Stadt" aufgegriffen, was insofern ein faszinierender Zufall war, als mich damit eigentlich nichts verbindet, ich jedoch kurioserweise erst vor wenigen Wochen bei meinem "Wunderbare Jahre"-Durchlauf eben darüber gestolpert war. Das Stück schien dabei nicht nur für den gewünschten Therapie-Effekt gut ausgewählt, mir gefiel auch, wie man es nicht bei einer (letztendlich nur geplanten) Aufführung belässt, sondern man die Vorlage dadurch, wie man einzelne Zitate oder auch Elemente übernimmt, direkt in die Inszenierung der Folge einfließen lässt. Das zeigte einiges an Bedacht, und offenbarte generell eine Mühe, die man sich bislang in der "New Trek"-Ära beim Drehbuch allzu selten gegeben hat. Dazu passt auch, dass mir hier seit längerem wieder einmal ein paar Dialogzeilen positiv hervorgestochen sind (beispielsweise "The only thing that allows me to bear my infinity is not having to love anyone.", oder auch "It's time for you to stop telling the story. Be a part of it.").
Doch so gut mir der Auftritt von Tilly und/oder das Einbinden von "Unsere kleine Stadt" auch gefallen haben, die größte Stärke von "Das Leben der Sterne" liegt definitiv im Nebenplot rund um SAM. Und das letztendlich sogar weniger wegen SAM an sich (auch wenn ich die Figur durchaus mag), als vielmehr der damit einhergehenden Betrachtung des Doktors. Denn die Episode offenbart uns am Ende schließlich den Grund für seine bislang eher distanzierte Haltung, insbesondere auch gegenüber SAM: Nach achthundert Jahren Existenz, in denen er sich immer wieder von geliebten Lebewesen verabschieden musste, ist eben diese Distanz ein Schutzmechanismus. Wunderbar fand ich hier nicht zuletzt, wie man bei seiner Erklärung die Ereignisse aus der "Voyager"-Folge "Das wirkliche Leben" aufgreift, wo der Doc eine holographische Familie erschaffen hatte, und seine Tochter im Verlauf der Handlung verstarb. Robert Picardo war in der Szene, als er sich eben daran erinnert, ungemein stark. Die Szenen auf Kasq waren zudem super inszeniert, mit dem schwarz/weiß mit gelegentlichen Farbsprengeln. Und auch die abschließende Montage, die uns SAMs Kindheit mit dem Doktor zeigt, war wunderschön – und ließ mich nicht zuletzt in gespannter Erwartung zurück, inwiefern sich die neue SAM von der alten unterscheiden wird.
Fazit:
So viel sei an dieser Stelle vorweggenommen: "Das Leben der Sterne" war für mich die beste Episode der ersten Staffel – und letztendlich (leider) auch die Einzige, die mich ansatzweise begeistern konnte. Hauptverantwortlich dafür waren die Szenen rund um den Holodoc, die es mir wirklich angetan hatten – insbesondere natürlich sein tragisches Geständnis auf Kasq (großartig gespielt von Robert Picardo), und wie er sie dann doch dazu überreden lässt, als Vater von SAM zu fungieren, und ihr so jenen emotionalen Unterbau zu geben, den sie zum Überleben braucht. Aber auch über die Rückkehr von Mary Wiseman als Sylvia Tilly habe ich mich (wohl im Gegensatz zu manch anderen) sehr gefreut. Wie es mir generell auch der parallele Handlungsstrang rund um die Theateraufführung – die den Kadetten in erster Linie dabei helfen soll, ihr Trauma zu überwinden – durchaus angetan hatte. Die Episode war zudem, für "New Trek"-Verhältnisse, überdurchschnittlich gut geschrieben und inszeniert – wobei nicht zuletzt die Art und Weise hervorstach, wie Elemente aus "Unsere kleine Stadt" hier eingebaut wurden. Man kann nur hoffen, dass sich die zweite und letzte Staffel öfter auf diesem angenehm hohen Niveau bewegen wird.
Wertung: 4 von 5 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © 2026 Paramount+)
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