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Twin Peaks - 1x03: Zen oder die Kunst, einen Mörder zu fassen Drucken E-Mail
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Episodenbild (c) ABC

Originaltitel: Zen, or the Skill to Catch a Killer
Episodennummer: 1x03
Bewertung:
Erstausstrahlung US: 19. April 1990
Erstausstrahlung D: 20. September 1991
Drehbuch: Mark Frost & David Lynch
Regie: David Lynch
Besetzung: Kyle MacLachlan als Special Agent Dale Cooper, Michael Ontkean als Sheriff Harry S. Truman, Madchen Amick als Shelly Johnson, Dana Ashbrook als Bobby Briggs, Richard Beymer als Benjamin Horne, Lara Flynn Boyle als Donna Hayward, Sherilyn Fenn als Audrey Horne, Warren Frost als Dr. Will Hayward, Peggy Lipton als Norma Jennings, James Marshall als James Hurley, Everett McGill als Big Ed Hurley, Jack Nance als Pete Martell, Ray Wise als Leland Palmer, Joan Chen als Jocelyn Packard, Piper Laurie als Katherine Martell, Russ Tamblyn als Dr. Lawrence Jacoby, Eric Da Re als Leo Johnson, Mary Jo Deschanel als Eileen Hayward, Harry Goaz als Deputy Andy Brennan, Gary Hershberger als Mike Nelson, Michael Horse als Deputy Tommy "Hawk" Hill, Grace Zabriskie als Sarah Palmer, Sheryl Lee als Laura Palmer u.a.

Kurzinhalt: Ben Hornes jüngerer Bruder Jerry kommt von einem längeren Aufenthalt in Europa zurück. Sofort nach seiner Ankunft brechen die beiden auf, um mit einem Boot zu einem Bordell zu fahren, welches sich auf der anderen Seite des Sees – in Kanada – befindet. Dort werfen sie eine Münze darüber, wer den hübschen – und jungen – Neuzugang "einreiten" darf. In Twin Peaks führt indes die gemeinsame Trauer über Laura Palmer dazu, dass sich James und Donna unaufhörlich näher kommen. Lauras Eltern versuchen indes weiterhin – mehr schlecht als recht – mit dem tragischen Verlust fertig zu werden. Bobby besucht Shelly, und sieht, dass diese von ihrem missbräuchlichen Ehemann Leo geschlagen wurde – und schwört bittere Rache. Agent Cooper lädt indes Harry zusammen mit seinen beiden Deputys Andy Brennan und Tommy "Hawk" Hill sowie die Rezeptionistin Lucy Moran zu einem geheimnisvollen Ritual in den Wald, mit dem er hofft, einen Hinweis auf den Mörder von Laura Palmer zu erhalten…


Review: Episodenbild (c) ABC Beginnen wir gleich mit der größten Stärke der dritten Folge, nämlich dem Traum von Agent Cooper am Ende, in dem wir nicht nur das erste Mal auf den einarmigen Mann treffen und uns ein weiterer kurzer (und unheimlicher) Auftritt von Bob beschert wird, sondern wir vor allem auch unseren ersten Blick auf den Roten Raum erhaschen. Dieser ist allein schon designtechnisch absolut herausragend, mit den roten Vorhängen, dem Boden mit seinem markanten Muster, und der weißen Statue. Dann ist da die Art und Weise, wie die Szene inszeniert wurde: Während Kyle MacLachlan ganz "normal" aufgenommen wurde, zeigt man uns (fast) alles vom "Mann vom anderen Ort" sowie Laura Palmer rückwärts abgespult. Eben dies gibt dem ganzen einen unwirtlichen, alptraumhaften Charakter. Einzig die Dialoge hätte ich eventuell im Tonstudio nochmal aufgenommen und über die Lippenbewegungen (Chapeau übrigens dafür, diese Textzeilen rückwärts aufzusagen!) drübergelegt. Ansonsten war diese gesamte Sequenz aber phantastisch – und auch höchst mysteriös und faszinierend.

Doch auch davor konnte mir "Zen oder die Kunst, einen Mörder zu fassen" bereits gut bis sehr gut gefallen, und mit der einen oder anderen kuriosen, berührenden und/oder schockierenden Szene bzw. Entwicklung aufwarten. Ganz zu Beginn lernen wir z.B. Bens jüngeren Bruder Jerry kennen. Ihr Wiedersehen ist erstmal ziemlich skurril, nicht zuletzt auch wegen ihrer Begeisterung bezüglich des französischen Baguettes, welches er mitgebracht hat, und dass sie genüsslich verspeisen, obwohl die Familie eigentlich gerade bei einem "gewöhnlichen" Abendessen war. Der Humor schlägt dann aber rasch in Abscheu um, als sie das kanadische Bordell aufsuchen, und dort nach dem – viel zu jungen – Neuzugang verlangen. Gerade auch im Hinblick auf den Epstein-Skandal drehte sich mir hier doch ordentlich der Magen um. Ganz im Gegenteil zur romantischen Szene zwischen Donna und James, die mein Herz erwärmte. Tragisch bis schräg wird es dann später, wenn ein verzweifelter Leland mit dem Foto seiner ermordeten Tochter tanzt. Für Spannung sorgt unter anderem die Begegnung zwischen Bobby und Leo, die vor allem auch dadurch gewinnt, dass man sich vor allem auch im Hinblick darauf, dass Leo ihm von der Affäre seiner Frau erzählt, nicht sicher ist, ob er vielleicht weiß, dass Bobby der Übeltäter ist – und das Treffen somit blutig enden könnte. Und dann ist da noch die wunderbar skurrile Szene, als Agent Cooper zu seinem Experiment in den Wald lädt, wo er dann den Namen aller Verdächtigen vorlesen lässt, ehe er mit einem Stein auf eine Flasche wirft. Im Übrigen, in Verbindung mit der Erklärung, in welcher Verbindung die jeweilige Person zu Laura stand, und deren kurzer Einblendung, sehr geschickt, um das Publikum abzuholen (und dafür zu sorgen, dass sie bei der Fülle an Figuren nicht den Überblick verlieren) zw. auch allfällig neu hinzugekommene Zuschauer:innen die wichtigsten Hintergrundinformationen zu geben – ehe es dann mit der famosen Traumsequenz am Ende das erste Mal in Mystery-Hinsicht bei "Twin Peaks" so richtig zur Sache geht.

Fazit: Episodenbild (c) ABC Im Pilotfilm sowie der ersten regulären Folge hat sich David Lynch ja mit den für ihn typischen schrägen Elementen noch vergleichsweise zurückzuhalten. Man hat den Eindruck, dass er zuerst mit der "murder mystery" rund um Laura Palmer, der Vorstellung der Figuren, und dem ausgesprägten Soap-Charakter (die damals dank "Dallas", "Denver Clan", "Falcon Crest" und Co. ja ihre Blütezeit erlebten) den Ottonormalzuschauer abholen und in die Story hineinziehen wollte – ehe er diesen auf die bizarre Welt von David Lynch loslässt. Am Ende von "Zen oder die Kunst, einen Mörder zu fassen" ist es nun aber so weit. Denn am Ende besuchen wir zum ersten Mal zusammen mit Agent Cooper den Roten Raum – und die betreffende Sequenz ist einfach nur phantastisch, und hebt die Folge (und die gesamte Serie bis dahin) auf ein neues Level. Wobei es auch davor schon manche Szenen und Entwicklungen gab, die es mir angetan hatten, sei es, weil sie so schön, oder aber, weil sie so abscheulich waren. Aus meiner Sicht lässt "Zen oder die Kunst, einen Mörder zu fassen" zum ersten Mal das Potential der Serie – und von David Lynchs Vision dahinter – erahnen.

Wertung: 4.5 von 5 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © ABC)







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