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Originaltitel: The ABC Murders
Episodennummer: 4x01
Bewertung:
    
Erstausstrahlung UK: 05. Januar 1992
Erstausstrahlung D: 08. Oktober 1994
Drehbuch: Clive Exton
Regie: Andrew Grieve
Besetzung:
David Suchet als Hercule Poirot,
Hugh Fraser als Captain Hastings,
Philip Jackson als Chief Inspector Japp,
Donald Sumpter als Cust,
Donald Douglas als Franklin Clarke,
Nicholas Farrell als Donald Fraser,
Pippa Guard als Megan Barnard,
Cathryn Bradshaw als Mary Drower,
Nina Marc als Thora Grey,
David McAlister als Inspector Glen,
Vivienne Burgess als Lady Clarke,
Ann Windsor als Miss Merrion,
Michael Mellinger als Franz Ascher,
Miranda Forbes als Mrs. Turton,
Peter Penry-Jones als Superintendent Carter,
Lucinda Curtis als Mrs. Marbury,
Jeremy Hawk als Deveril,
Allan Mitchell als Dr. Kerr,
Philip Anthony als Doctor,
Andrew Williamson als Man in Library,
John Breslin als Mr. Barnard,
Clifford Milner als Constable,
Claude Close als Doncaster Sergeant,
Alex Knight als Andover Sergeant,
David Fox als Scotland Yard Sergeant,
Campbell Graham als Mr. Downes,
Gordon Salkilld als Commissionaire,
Norman McDonald als Mr. Strange,
Jane Birdsall als Nurse u.a.
Kurzinhalt:
Captain Hastings kommt von einer sechsmonatigen Reise zurück, und wird von Hercule Poirot dazu eingeladen, in seinem Apartment zu bleiben, bis er eine neue Wohnung gefunden hat. Die letzten Monate waren laut Poirot von Langeweile geprägt, gab es doch keine interessanten Fälle, die seine Aufmerksamkeit erregt und vor allem auch seinen Intellekt gefordert hätten. Etwas, dass sich dann jedoch schlagartig ändert, als Hercule einen anonymen Brief erhält, in dem ein Mord angekündigt wird. Am nächsten Morgen wird tatsächlich eine Leiche gefunden. Auffällig ist dabei die Übereinstimmung beim Namen des Opfers – Alice Ascher – und dem Ort, in dem sie ermordet wurde, nämlich Andover, sowie der ABC-Zugsfahrplan, der neben der Leiche gefunden wird. Der zweite Brief des Mörders deutet an, dass er es als nächstes auf jemandem mit dem Buchstaben B abgesehen hat. Wieder kommt Poirot zu spät, um den Mord zu verhindern. Doch ist die Wahl der Opfer tatsächlich so zufällig, wie es den Anschein hat, oder steckt hinter dem Fahrplan, dem der ABC-Mörder folgt, skrupelloses Kalkül, mit dem er seine wahren Absichten zu verschleiern versucht?
Review (kann Spoiler enthalten):
Bei "Mord nach Fahrplan" (die Geschichte ist hierzulande besser unter dem Namen "Die Morde des Herrn ABC" bekannt, auch wenn ich gestehen muss, dass mir der Episodentitel irgendwie auch sehr gut wenn nicht gar noch besser gefällt; nicht zuletzt aufgrund der wunderbaren Doppeldeutigkeit, was den Fahrplan sowohl als am Tatort hinterlegtes Markenzeichen als auch den finsteren Plan des Mörders betrifft) haben wir jetzt bei meiner Besprechung der "Poirot"-Serie das erste Mal den Fall, dass ich mit der zugrundeliegenden Geschichte aufgrund von früheren Verfilmungen vertraut bin. Dabei war es denkbar unglücklich, dass ich diesen höchst gewitzten Fall das erste Mal in der misslungenen Adaption aus den 60ern, mit Tony Randall als Poirot, erlebt habe. Diese ist somit auch von vornherein keine Konkurrenz. Anders die TV-Miniserie mit John Malkovich in der Hauptrolle, der sich ebenfalls sehr gut schlug, und die sich im Vergleich zur Verfilmung hier insofern vom zeitlichen Setting unterschied, als Poirot dort schon ein alternder Mann war, der damit haderte, dass seine geistigen Fähigkeiten langsam nachlassen.
Vor allem aber bedeutet meine Kenntnis der anderen Adaptionen natürlich auch, dass mir die Auflösung des Falls schon bekannt war. Umso mehr, als einem diese aufgrund des gewieften Twists definitiv in Erinnerung bleibt. Für mich zählt die Auflösung auch – nach "Mord im Orient-Express" und "Und dann gabs keines mehr" – zu Christies cleversten und besten (mit einem kleinen Haken, aber dazu gleich noch). Allerdings, wie ich auch immer wieder gerne bemerke, halte ich das im Fall der Krimis von Agatha Christie nicht für ein K.O.-Kriterium. Natürlich sind ihre Whodunits zumeist derart gut ausgeklügelt, dass es einen wesentlichen Reiz ihrer Stories ausmacht, mit dem jeweiligen Detektiv mitzuraten – aber es ist eben bei weitem nicht der Einzige. Vielmehr leben ihre Geschichten auch vom Humor, der klugen Betrachtung der damaligen Gesellschaft (die sich – wohl oder übel – von unserer gar nicht mal so sehr unterscheidet), den wunderbaren Dialogen, sowie den herrlichen (und teils auch herrlich schrulligen) Figuren. "Mord nach Fahrplan" bietet hier keine Ausnahme; und in der Adaption von Clive Exton und der Interpretation von David Suchet kommen eben diese Stärken ganz besonders gut zur Geltung. Der TV-Film zeichnet sich darüber hinaus nicht einfach nur mit der gewohnt hohen Produktionsqualität aus, sondern legt diesbezüglich sogar noch einmal ein bisschen etwas drauf. Die Inszenierung durch Andrew Grieve ist sehr hochwertig, aber auch bei den Kostümen, den Locations für die Außendrehs, den Sets usw. hat man nicht gespart. Auch schauspielerisch ist das wieder hervorragend, wobei neben den Dauerbrennern Suchet, Fraser und Jackson insbesondere noch Donald Sumpter mit einer phänomenalen Leistung besticht. Und auch die Musik von Christopher Gunning trägt viel zur Atmosphäre des Films bei. Womit wir auch schon bei einem weiteren ganz wesentlichen Punkt sind: "Mord nach Fahrplan" ist wirklich spannend (etwas, das sonst ja nicht unbedingt ein Steckenpferd der Serie ist; was nicht so sehr als Kritik gemeint ist, wie es im ersten Moment vielleicht klingt – "Poirot" hat halt sonst eher andere Schwerpunkte und Stärken), wofür natürlich auch die Mordserie (doch eher ein Unikum für Christie) verantwortlich ist. Weil sonst geht es ja üblicherweise "nur" darum, nach dem bereits erfolgten Verbrechen den Täter zu schnappen. Hier hingegen gilt es, weitere Opfer zu verhindern.
Die letzte wesentliche Stärke ist dann wie angesprochen die Auflösung. Die Idee, dass jemand eine solche Mordserie inszeniert, um das eigentliche Opfer, auf dass er es abgesehen hat, zu verschleiern, ist so perfide wie genial. Mein einziger Kritikpunkt – der auch knapp die Höchstwertung verhindert – liegt jedoch daran, wie sich der Täter hier eines Sündenbocks bedient. So clever dies grundsätzlich von ihm gewesen sein mag, brachte er damit doch auch einen Unsicherheitsfaktor hinein, der sich seiner Kontrolle entzog, und der potentiell auch ein Desaster hätte heraufbeschwören können. Angefangen dabei, dass er ja nicht wissen konnte, dass sich Cust auch wirklich im Detail an seine Anweisungen halten würde, bis hin dazu, dass er sich damit in die Hände einer solch psychisch labilen Person begibt. Was, wenn Cust nach dem ersten oder spätestens zweiten Mord zur Polizei gegangen wäre? Davon abgesehen war der Fall aber wirklich nett ausgeklügelt; was sich nicht nur auf die Auflösung an sich bezieht, sondern auch so Details wie den falsch adressierten dritten Brief. Und so gibt uns Agatha Christie auch hier wieder die nötigen Hinweise, um so wie Poirot den Fall zu lösen. Vorbildlich!
Fazit:
"Mord nach Fahrplan" ist für mich die bisher beste Adaption des (mir noch nicht bekannten) Stoffes von Agatha Christie. Dieser sticht nicht zuletzt mit der cleveren Auflösung hervor, die definitiv im Gedächtnis bleibt, und die für mich zu den besten zählt, die sich die Königin der Krimis für einen ihrer Fälle ausgedacht hat. Die ganze Produktionsqualität ist zudem gewohnt hochwertig, wobei man meinem Empfinden nach für diesen TV-Film zum üblichen Niveau sogar nochmal eine kleine Schippe draufgelegt hat. Inszenatorisch, musikalisch, ausstattungstechnisch und nicht zuletzt darstellerisch war das allererste Sahne. Zudem kommt trotz der doppelten Länge – auch, weil hier ein Roman Pate stand – keine Sekunde Langeweile auf. Und trotz der düsteren Grundthematik rund um eine Mordserie – die "Mord nach Fahrplan" mehr Dringlichkeit und damit auch Spannung verleiht, als sonst – gibt es auch wieder ein paar wunderbare Moment der humoristischen Auflockerung (wie z.B. die Abwasch-Szene), die wesentlich zum hohen Unterhaltungswert beitragen. Wie sagte Hans Rosenthal immer so schön: Das war spitze!
Wertung: 4.5 von 5 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © iTV)
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