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Avatar - Aufbruch nach Pandora Drucken E-Mail
Ein atemberaubendes Filmerlebnis! Kategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Sonntag, 20 Dezember 2009
 
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Avatar - Aufbruch nach Pandora
(Avatar, USA 2009)
 
Avatar - Aufbruch nach Pandora
Bewertung:
Studio/Verleih: 20th Century Fox
Regie: James Cameron
Produzenten: U.a. James Cameron, Jon Landau & Colin Wilson
Drehbuch: James Cameron
Musik: James Horner
Kamera: Mauro Fiore
Schnitt: John Refoua, Stephen Rivkin & James Cameron
Genre: Science Fiction/Action
Kinostart (Deutschland): 17. Dezember 2009
Kinostart (USA): 18. Dezember 2009
Laufzeit: 162 Minuten
Altersfreigabe: Ab 12 Jahren
Homepage: klick
Trailer: klick
Kaufen: DVD, Blu Ray, Soundtrack, Making Of-Buch
Mit: Sam Worthington, Zoe Saldana, Sigourney Weaver, Stephen Lang, Giovanni Ribisi, Michelle Rodriguez u.a.


Kurzinhalt: Der nach einem Einsatz im Rollstuhl festsitzende Soldat Jake Sully wird darum ersucht, den Platz seines kürzlich verstorbenen Bruders einzunehmen und nach Pandora zu reisen. Dort soll er am Avatar-Projekt teilnehmen, mit dem eine Gruppe von Wissenschaftlern versucht, das Vertrauen der Einheimischen, sie sich selbst die Na'vi nennen, zu gewinnen. Die Menschen legen sich dabei in Kammern, und treten daraufhin mit einem künstlich geschaffenen Wesen in Verbindung – einen Avatar, der wie einer der Eingeborenen aussieht. Man hofft, so eine Brücke zwischen den Völkern schaffen und sinnloses Blutvergießen verhindern zu können. Die Na'vi sollen friedlich zu einer Übersiedlung überredet werden, damit eine Firma daraufhin mit dem Abbau eines ungemein wertvollen Minerals beginnen kann. Gelingt es nicht, die Na'vi binnen drei Monaten dazu zu überreden, sollen sie gewaltsam aus ihrer Heimat vertrieben werden. Anfangs ist die leitende Wissenschaftlerin wenig begeistert, dass ihr mit Jake Sully ein Soldat zugeteilt wird. Nachdem er nach einer missglückten Expedition von einer Gruppe getrennt wurde und ihm die junge Na'vi-Frau Neytiri das Leben rettet, gelingt es ihm das Vertrauen der Na'vi zu gewinnen und sie dazu zu überreden, ihre Sitten und Bräuche zu lehren. Als der Anführer der Söldner davon erfährt, überredet er Sully dazu die Na'vi für ihn auszuspionieren, um die menschlichen Verluste im Falle eines Angriffs minimieren zu können. Doch je mehr Sully von den Na'vi und der zauberhaften Welt von Pandora sieht und hört, desto mehr beginnt er in den Bann dieser paradiesischen Welt gezogen zu werden. Bis er schließlich Zweifel an seiner Mission hegt und sich nicht mehr sicher ist, wem seine Loyalität gilt.

Review: ImageEs ist wohl nicht übertrieben, von "Avatar – Aufbruch nach Pandora" als einen der meisterwartetsten Filme der letzten Jahren zu sprechen. Die großen Erwartungen, die von einigen Filmfans an ihn geknüpft wurden, haben dabei mehrere Gründe. Einerseits ist es die Rückkehr zum Spielfilm von einem der erfolgreichsten und besten Regisseure aller Zeiten: James Cameron hat seit Beginn seiner "richtigen" Filmkarriere noch keinen einzigen schlechten Film abgeliefert. Selbst seine schlechtesten waren noch gut, und in seinem – noch erstaunlich kurzen – Lebenslauf finden sich zahlreiche Meisterwerke ihrer jeweiligen Genres: "Terminator", "Aliens", "Abyss", "Terminator 2", und ja, auch wenn es einige ach-so-harte Männer mit Romantikallergie nicht hören wollen, auch "Titanic". Wenn ein solcher Regisseur (und Drehbuchautor) nach mehr als 10-jähriger Spielfilmabstinenz zurückkehrt, um eine weitere seine Visionen auf die Leinwand zu bringen, darf man sich schon einiges erwarten.

Ein weiterer großer Grund ist natürlich der Hype, der vom Filmverleih im Vorfeld bewusst geschürt wurde. Innovative Marketing-Ideen wie der "Avatar-Day" haben bereits Wochen und Monate vor dem Kinostart für Aufsehen gesorgt und den Film in die Schlagzeilen gebracht. Um die Hype-Maschinerie zusätzlich anzukurbeln, wurde fleißig mit Worten wie "Revolution des Kinos" und ähnlichen Prädikaten um sich geschmissen – die jedoch die Erwartungshaltung möglicherweise sogar schon in etwas zu lichte Höhen hinaufkatapultiert haben mögen. Der letzte große Grund für die Vorfreude auf diesen Film war wohl die revolutionäre Technologie, die von James Cameron und WETA für "Avatar" entwickelt wurde. Jeder, der so wie ich das Glück hatte, am bereits erwähnten Avatar-Tag einem der Previews beizuwohnen (einen Bericht dazu findet ihr hier), konnte sich damals bereits einen Eindruck von der beeindruckenden Qualität der Effekte und dem tollen 3D-Erlebnis, dass einen so richtig in den Film hineinzieht, überzeugen. Und so war ich spätestens nach dem Preview schon enorm gespannt und voller Vorfreude auf diesen Film. Die einzige Sorge war für mich die Story. Und auch wenn sich meine Befürchtung insofern bewahrheitet hat, als dass die Geschichte, die hier erzählt wird, in der Tat nicht als übertrieben originell eingestuft werden kann, so muss ich doch festhalten, dass James Cameron mit "Avatar" eine triumphale Rückkehr geglückt ist. Es ist ihm ein weiteres Mal gelungen, das Unterhaltungskino zu revolutionieren und einen ungemein unterhaltsamen Film abzuliefern, der es jedoch auch versteht, zum Nachdenken anzuregen.

ImageEiner der herausragendsten Aspekte von "Avatar" sind wohl die grandiosen Spezialeffekte. Wobei grandios vermutlich sogar noch ein zu schwaches Wort ist für die Errungenschaft bzw. die Revolution, die der Film im Bereich der CGI-Effekte darstellt. Bisher haben es nämlich nur die wenigsten entsprechenden Effekte geschafft, wirklich vollends zu überzeugen und real bzw. photorealistisch zu wirken. Bei "Avatar" gelingt dies jedoch in jeder einzelnen der rund 9.000 Sekunden des Films. Jede Einstellung, jede Szene, jeder Effekt – alles ist absolut glaubwürdig und überzeugend. Wenn man diesen Film sieht, wird man nicht glauben, dass bis auf die menschlichen Darsteller so gut wie alles aus dem PC stammt – inklusive der Fluggeräte, den zahlreichen Pflanzen und Wesen, ja sogar die einzelnen Grashalme des Dschungels. Natürlich, bei den fremden Wesen des Mondes und einigen Pflanzen ist einem auf rein rationaler Ebene bewusst, dass diese natürlich aus dem Computer stammen müssen, aber rein vom ihren Aussehen her würde man nie auf die Idee kommen, ihre Echtheit anzuzweifeln.

Die Special Effects von "Avatar" sind generell grandios, und schon allein das Geld für die Kinokarte wert – aber der Grund, ihn sich unbedingt im Kino anzusehen, sind die glänzenden 3D-Effekte. Wie die meisten gelungenen Filme der 3D-Welle, die 2009 angerollt ist, verzichtet Cameron gänzlich auf irgendwelche billigen Momente, in denen Dinge auf einen zufliegen – so wie es sie z.B. bei "Final Destination 4" zuhauf gab, oder man sie auch bei dem 3D-Kurzfilmchen in diversen Vergnügungsparks zur Genüge findet. An solchen billigen Gags ist Cameron nicht interessiert. Er nutzt den Effekt stattdessen, um dem Film bzw. der hier geschaffenen Welt eine enorme, beeindruckende Tiefe zu geben. Es gibt so viele Szenen, die vor allem auch aufgrund des Effektes atemberaubend wirken, dass man gar nicht weiß, welchen davon man gesondert hervorheben soll. Egal ob jene Momente, in denen eine Figur in die Tiefe blickt und man wirklich ein Gefühl für die Distanzen bekommt, oder wenn mit den unterschiedlichen Größenverhältnissen der Na'vi und der Menschen gespielt wird, oder auch einfach wenn Funken, Lebewesen oder andere Dinge um die Figuren herumfliegen und man das Gefühl hat man bräuchte nur die Hand ausstrecken um sie berühren zu können – die 3D-Effekte sind grandios, flüssig und absolut fehlerfrei. Selbst in actionreicheren und schnelleren Szenen verschwimmt das Bild so gut wie nie – meine diesbezügliche Befürchtung nach dem Preview war wohl in der Tat auf die dort ausgeteilten, qualitativ minderwertigeren 3D-Brillen zurückzuführen (oder man hat die entsprechenden Szenen noch einmal überarbeitet).

ImageEin weiterer Teil der Effekt-Arbeit, der (3D hin oder her) zu begeistern vermag, sind die Na'vi, bzw. die menschlichen Avatare. Mit Gollum hatten die Jungs von WETA Digital 2002 einen Quantensprung geschaffen, der was die schauspielerische Qualität der Figur und ihre Glaubwürdigkeit betrifft seither unerreicht geblieben ist. Bis "Avatar – Aufbruch nach Pandora". Denn auch wenn Gollum weiterhin – zumindest vorerst – die interessanteste und komplexeste Figur bleibt, die je im Computer erschaffen wurde, so hat er was Glaubwürdigkeit, Ausdrucksstärke und Photorealismus betrifft in den Na'vi seinen – vorläufigen – Meister gefunden. Wenn man sie ansieht kann man nicht glauben, dass seit dem vergleichsweise ungemein comichaft und aus dem Rest des Bildes unangenehm herausstechenden Jar Jar Binks gerade mal 10 Jahre vergangen sind. Die Auflösung der Figuren ist derart hoch und die CGI dermaßen detailliert, dass man sogar die Poren in der Haut erkennen kann.

Doch dies ist nur einer der Gründe dafür, dass die Na'vi so erstaunlich real und glaubwürdig wirken. Mindestens einen ebenso großen Anteil daran hat das revolutionäre Motion Capture-Verfahren, dass bei "Avatar" eingesetzt wurde. Mit einer (weiteren) neuen, revolutionären Technologie ist es James Cameron und dem Team vom WETA Digital gelungen, die Mimik und Gestik der Schauspieler derart genau und detailreich zu übertragen, dass sich selbst die kleinsten Gesichtsbewegungen in der digitalen Figur widerspiegeln. Subtile, kaum erkennbare Muskelzuckungen, die realistische Bewegung der Augen, ja selbst die Bewegung der Pupillen finden sich auf den Gesichtern der Na'vi wieder. Das Ergebnis ist – sofern einem diese kleinen Details überhaupt auffallen – ungemein beeindruckend. Doch nicht nur die Gesichter können überzeugen, auch die Bewegungen des Körpers sind sehr realistisch, flüssig und wirken wie aus einem Guss. Hier sind jedoch definitiv auch die Schauspieler positiv hervorzuheben. Vor allem Zoe Saldana liefert eine grandiose Performance ab, die aus meiner Sicht jener von Andy Serkis als Gollum in nichts nachsteht. Mit ihren Bewegungen, ihrer ungewöhnlich wirkenden Mimik und zahlreichen kleinen Gesten und Details verleiht sie Neytiri sowohl eine Fremdartigkeit als auch eine Anmut, die einen in ihren Bann zieht. Jedenfalls trägt auch Zoe Saldana's tolle Performance maßgeblich dazu bei, dass man ihre Figur als real akzeptieren und mit ihr mitfühlen kann.

ImageDoch nicht nur die Effektarbeit an sich überzeugt, auch das Design der Flora und Fauna von Pandora ist atemberaubend. James Cameron hat sich dabei ganz offensichtlich vom Leben in der Tiefsee, zu dem er sich ja schon lange hingezogen fühlt (nicht zuletzt gibt es ja mit "Aliens of the Deep" auch eine entsprechende IMAX-Dokumentation von ihm) inspirieren lassen, was sich vor allem in einigen der Tiere – wie den wunderschönen quallenartigen Wesen, die immer wieder herumschwirren – sowie den fluoreszierenden Pflanzen und Tieren offenbart. Doch die Welt von Pandora ist nicht nur hübsch anzusehen, sondern sie wirklich auch durchdacht und glaubhaft. Auch wenn man nur einen verhältnismäßig kleinen Eindruck in das Leben des Mondes gewinnt, so kann man sich doch den Eindrucks nicht erwehren, dass James Cameron sich die genauen Hintergründe dieser Welt gut überlegt hat. Unabhängig davon ist Pandora in erster Linie optisch ungemein interessant; eine neue, höchst faszinierende Welt mit zahlreichen Dingen, die man so noch nie gesehen hat. Und wie viele Filme können ein solches Erlebnis heutzutage noch bieten?

Der einzige Nachteil, den ich in der grandiosen Effektarbeit dieses Films sehe ist die Tatsache, dass uns damit wohl eine neue CGI-Welle ins Haus steht. In den letzten Jahren ist man ja, nach einem kurzfristigen Boom der entsprechenden Technologie, bedingt durch die "Star Wars"-Prequels sowie die in ihrem Einsatz immer noch wegweisenden "Herr der Ringe"-Trilogie, zunehmend wieder davon abgerückt, und hat sich wieder vermehrt auf praktische Effekte, Modelle und Masken verlegt. Was ich insofern als gut empfand, als die CGI nur bei einigen wenigen Filmen wirklich voll und ganz überzeugen konnte. Wie fast alle Aspekte einer Filmproduktion ist der Einsatz dieses Mittels nicht grundlegend gut oder schlecht – es kommt halt immer darauf an, wie man es einsetzt. Und oftmals haben einfach die erforderlichen Mittel gefehlt, um die CGI-Effekte wirklich überzeugend aussehen zu lassen. Nun, nachdem mit "Avatar" wieder einmal ein Film gezeigt hat, was mit diesem Werkzeug alles möglich ist, und welchen beeindruckenden Photorealismus man mittlerweile erreichen kann, werden wohl viele Filmemacher mit deutlich weniger Talent CGI erneut als Allheilmittel empfinden, dass alle anderen Schwächen einer Produktion kaschieren kann. Und das ist es natürlich nicht, denn auch wenn 3D, Effekte, Motion Capture bzw. generell die Optik des Films definitiv die größte Stärke von "Avatar" ist, so ist sie dennoch nicht die Einzige.

ImageDie schauspielerische Leistung von Zoe Saldana habe ich weiter oben ja schon hervorgehoben, doch auch die anderen DarstellerInnen machen ihre Sache sehr gut. Sam Worthington verleiht seinem menschlichen alter Ego eine apathische, depressive Grundeinstellung, und schafft es sehr gut, seine zunehmende Abhängigkeit überzeugend zu vermitteln. Die energiegeladene und charismatische Performance in seinem Avatar steht dazu gekonnt im starken Kontrast, und liefert damit insgesamt ein schizophrenes Gesamtbild, dass den inneren Konflikt der Figur perfekt widerspiegelt. Sigourney Weaver ist in gewisser Weise das Gewissen des Films, und auch wenn ihre Figur nicht übertrieben interessant ist nutzt sie die wenigen Momenten, in denen sie Gelegenheit bekommt zu glänzen. Stephen Lang ist ein beeindruckender Bösewicht, der es wirklich schafft die Antipathie der Zuschauer für sich zu gewinnen. Lediglich Giovanni Ribisi hat mich – jedoch weniger wegen seiner Leistung als wegen seiner Figur – etwas enttäuscht, einfach da es ihm an interessanten Eigenschaften fehlte, die ihn zu einer weniger eindimensionalen Figur hätten werden lassen.

Auch wenn die Stärken von "Avatar" eher im optischen Bereich und dem beeindruckenden Filmerlebnis liegen, dass er in 3D auf der großen Kinoleinwand bieten mag, so versteht es auch die hier erzählte Geschichte durchaus, zu überzeugen. Ja, natürlich ist die Story an sich nichts außergewöhnliches und alles andere als originell, doch die Art und Weise, wie James Cameron sie uns erzählt, zeigt erneut sein Talent als Drehbuchautor. Zu Beginn des Films wirklich die Handlung eher deprimierend, wenn nicht sogar ein bisschen langweilig. Wir erfahren kurz die Hintergründe, warum es Jake Sully nach Pandora verschlagen hat, und lernen seine Motive und seine Gedankenwelt kennen. Trotzdem ist dies für sich genommen noch nicht sonderlich interessant. Hier hält sich James Cameron mit Spektakel und optischen Leckerbissen noch bewusst zurück, um uns die Eintönigkeit von Jake's Existenz im Rollstuhl und seinen Frust darüber spüren zu lassen. Denn um so stärker können wir dann Jake's Begeisterung und das erhebende Gefühl jenes Moments teilen, als er – in der ersten energiegeladenen Szene des Films – aus dem Labor ausbricht und über ein Feld läuft. In weiterer Folge konzentriert sich James Cameron vor allem darauf, uns in die zauberhafte Welt von Pandora eintauchen zu lassen, bis wir über kurz oder lang merken, dass uns nicht nur der Mond und dessen Flora und Fauna, sondern auch die Handlung an sich in ihren Bann gezogen hat. In erster Linie geht es ihm hier aber darum, uns zu Pandora und den Na'vi – so wie Jake Sully – eine Verbindung aufbauen zu lassen. Und dies gelingt ihm wirklich gut.

ImageNach und nach erkennen wir ihre Wunder und verstehen, warum den Na'vi so viel an ihr liegt. In Szene auf Szene versteht es diese faszinierende Welt, uns mit ihren Wundern zu verzaubern, bis wir sie schon bald so sehr lieben wie vie Na'vi selbst. Und dann, ehe wir uns versehen, beginnt James Cameron unsere Verbindung zu Pandora gnadenlos auszunutzen. Zuerst zeigt – in der möglicherweise letzten friedvollen, harmonischen Szene des Films – Neytiri Jake einen wundersamen Wald, in dem die Erinnerungen lange verstorbener Na'vi quasi gespeichert werden. Es ist ein wunderschöner, einzigartiger Ort – und nur wenige Minuten später müssen wir mit ansehen, wie die Gier des Menschen ihn zerstört. Für mich persönlich war es einer der herzzerreißendsten und bewegendsten Momente des Films. Wenige Minuten später folgt gleich eine weitere, als die Na'vi von den Söldnern angegriffen und gewaltsam aus ihrer Heimat vertrieben werden. Hilflos müssen sie – und wir – mit ansehen, wie der Baum, der ihnen als Heim gedient hat, vernichtet wird – und auch einige Na'vi des Stammes den Tod finden.

In diesen Szenen ist auch die Message des Films überdeutlich. James Cameron geht diesbezüglich nicht gerade subtil zu werke… möglicherweise hat er das Gefühl, dass all seine bisherigen, harmloser formulierten Warnungen nichts genutzt und keinen messbaren Erfolg gebracht haben, weshalb er es nun halt mit dem Holzhammer versucht. Da ich mit der Aussage des Films voll und ganz übereinstimme, hat mich diese Herangehensweise nicht gestört. Andere mögen sich jedoch vor allem daran stoßen, wie manipulierend James Cameron hier zu Werke geht. Andererseits… ist nicht jedes Gefühl, dass wir im Kino empfinden – sei es nun Erheiterung, Trauer oder Ärger – das Ergebnis einer Manipulation? Immerhin ist bei einem Film nichts echt, wir reagieren auf keine realen Ereignisse, sondern auf jene, die der Regisseur geschaffen hat. Ich für meinen Teil möchte "manipuliert" werden, ich möchte etwas fühlen – genau deshalb geht man doch überhaupt erst ins Kino, oder nicht? Und an dieser Stelle des Films schafft das "Avatar" wirklich mit Bravour, entsteht hier doch großer Ärger wenn nicht gar richtiggehender Hass – nicht auf die Menschheit insgesamt, aber auf jenen zerstörerischen Teil, der aus reiner Profitgier dazu bereit ist, andere Lebewesen zu unterdrücken, sie aus ihrer Heimat zu vertreiben, und wenn es sein muss gar zu töten. Jener Teil von uns, der meint, sich alles unter den Nagel reißen zu müssen, koste es was es wolle. Und der es aus Einfältigkeit und Ignoranz nicht vermag, das Schöne an gewissen Dingen zu sehen – oder noch schlimmer, dem diese egal sind.

ImageNeben der faszinierenden und verzaubernden Welt von Pandora bildet vor allem die Liebesgeschichte zwischen Jake und Neytiri das Herz des Films. Ihre sich langsam entwickelnde Liebesbeziehung ist durchaus glaubwürdig und bindet uns im Endeffekt stärker an die Figuren, als es die beiden separat voneinander vermocht hätten. Vor allem der für die Na'vi sehr wichtige und bedeutungsschwere Ausdruck "Ich sehe dich", der gerade auch in der Lovestory eine wichtige Rolle spielt, hat mir sehr gut gefallen. Nichtsdestotrotz muss man leider anmerken, dass nach dem Angriff der Söldner auf die Heimat des Na'vi-Clans die Schwächen, die bis dahin in Anzahl und Ausprägung vernachlässigbar waren, etwas stärker zu Tage treten, und sich in weiterer Folge leider nicht mehr ganz so leicht ignorieren lassen. So schien mir James Cameron eher daran interessiert zu sein, uns an die Welt zu binden, denn an ihre Bewohner – mit der Ausnahme von Neytiri und Jake natürlich, deren Überleben uns sehr wohl am Herzen liegt. Von ihnen mal abgesehen konnte mich jedoch das Schicksal der weiteren Figuren – von denen die eine oder andere im weiteren Verlauf des Films auch den Tod findet – nicht sonderlich berühren.

Wo der Film ebenfalls kurzzeitig von der Klischeehaftigkeit der entsprechenden Wendung erdrückt zu werden droht, ist das Geständnis des Verrats von Jake. Hier droht "Avatar" schon fast an eine dieser typischen romantischen Komödien zu erinnern, wo sich kurz vor Ende noch ein scheinbar unüberwindbares Problem für die Protagonisten auftut, dass es dann bis zum vorprogrammierten Happy End zu überwinden gilt. Generell nehmen ab diesem Zeitpunkt die klischeehafteren Elemente – Heldentode inklusive – zu, was den Film stellenweise leider auch sehr vorhersehbar macht. Eins der besten Beispiele dafür ist die Art und Weise, wie Jake doch wieder das Vertrauen der Na'vi gelingt, die wohl niemanden der zuvor halbwegs aufgepasst hat sonderlich überraschen dürfte. Was den ganzen Film über nicht wirklich zu überzeugen vermag, sind Sully's ständigen Voice-Over Kommentare. Normalerweise sind diese ein Zeichen, dass der Regisseur der Kraft seiner Bilder nicht ausreichend vertraut, um seine Geschichte zu erzählen – was bei James Cameron allerdings nur schwer vorstellbar ist. Was auch immer der Grund dafür gewesen sein mag, warum er sich genötigt sah diese einzubauen, sie verleihen "Avatar" leider einen etwas billigen Eindruck, und schaden ihm sicher mehr als dass sie nutzen. Der schwächste Teil des Films war für mich aber leider der Showdown. Bitte versteht mich nicht falsch: Er war nicht schlecht. Die Action war sehr gut und vor allem angenehm übersichtlich inszeniert, und durchaus spektakulär. Aber irgendwie… nach den optisch brillanten und derart herausragenden Minuten zuvor, hätte ich mir hier irgendwie mehr erwartet.

ImageEin Teil meiner Enttäuschung ist sicherlich auf die Vorhersehbarkeit und die mangelnde emotionale Wirkung einiger dramatischer Wendungen zurückzuführen, aber irgendwie fand ich generell, dass der Showdown im Vergleich zu den grandiosen und teilweise auch originellen Momenten zuvor irgendwie abfiel. Aufgrund der Vorhersehbarkeit fand ich ihn leider auch nicht sonderlich packend. Es gab zwar die eine oder andere spektakuläre Szene, wurde nie langweilig und war und als finale Schlacht in diesem Konflikt durchaus angemessen – aber von James Cameron, der in der Vergangenheit schon einige revolutionäre Actionszenen abgeliefert hat, hatte ich mir hier einfach mehr erwartet. Am Schlimmsten fand ich allerdings, dass man bei "Avatar" – wie schon bei "Titanic" – eine Ballade über den Abspann legen musste, was völlig unpassend ist und wie ein reiner Marketing-Gag wirkt. Der Rest von James Horner's Score mag sehr gut gelungen sein, und auch das von Leona Lewis gesungene Lied ist für sich genommen ja nicht schlecht, aber irgendwie hat es mich völlig aus der Stimmung des Endes gerissen – und sorgte damit nicht unbedingt für einen versöhnlichen Abschluss eines trotz kleinerer Schwächen sehr gelungenen und teilweise wirklich wegweisenden Films.

Fazit: Mein erster Eindruck, nachdem ich "Avatar" Donnerstag Abend nach dieser langen Wartezeit – natürlich in einer 3D-Vorstellung – endlich zu Gesicht bekam, lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: Atemberaubend. "Avatar – Aufbruch nach Pandora" mag kein perfektes, unfehlbares Meisterwerk sein, dem es uneingeschränkt gelingt, an einige frühere Werke von James Cameron anzuschließen. Dafür zeigen sich vor allem im letzten Drittel des Films zu viele Schwächen, wie der zwar gefällige, jedoch nicht überragende Showdown, die mangelnde emotionale Intensität einiger Wendungen, sowie die zunehmenden klischeehaften Elemente und eine damit einhergehende Vorhersehbarkeit. Auch die wenig originelle Story mögen einige dem Film ankreiden, mich konnte sie aufgrund einiger frischer Elemente und der erzählerischen Kraft allerdings durchaus überzeugen. Ja, die Geschichte an sich mag bekannt sein, aber James Cameron versteht es, sie packend zu erzählen und uns in die Handlung hineinzuziehen. Hauptverantwortlich dafür sind die überragende CGI-Arbeit, die einem das Gefühl einer glaubhaften, realistischen und zugleich wunderschönen und faszinierenden Welt vermittelt. Vor allem der (Photo-)Realismus der Na'vi bzw. der Avatare ist absolut beeindruckend. Durch den wegweisenden 3D-Effekt fühlt man sich zudem mitten im Geschehen. Cameron setzt diese Technologie allerdings mit Bedacht ein und nutzt sie nicht für irgendwelche billigen Effekte, sondern um den Bildern eine beeindruckende Tiefe zu verleihen und uns stärker in die Geschichte des Films eintauchen zu lassen. Als Film mag er nicht ohne Schwächen sein, aber als Filmereignis und –erlebnis ist "Avatar – Aufbruch nach Pandora" die Krönung des Kinojahres 2009!

Wertung:9 von 10 Punkten


Anmerkung: Diese Wertung bezieht sich auf die 3D-Fassung des Films. Für die normale 2D-Version wäre aus meiner Sicht aufgrund der vorhandenen Schwächen, die ohne den beeindruckenden 3D-Effekt wohl stärker zu Tage treten, ein Wertungspunkt abzuziehen.



Christian Siegel
(Bilder © 20th Century Fox)


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Kommentare (2)
RSS Kommentare
1. 09.03.2010 15:28
 
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:x :roll :grin :) der film ist der coolste den ich bis jetzt gesehen habe :zzz :eek :eek :grin ;) :) 8) :zzz :x :eek :) AVATAR ist so GEIL!!!!!!!!
 
2. 09.03.2010 22:42
 
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Avatar - Aufbruch nach Pandora ... in 3D = ein Genuss für die Sinne! 
 
Ja, man kann es nicht anders sagen. Der Film ist geschaffen für die große Leinwand und er zeigt, warum wir Menschen 2 Augen haben. Seit „Herr der Ringe“ habe ich keinen Film mehr so gefühlt, erlebt und gesehen. Neben einem „Türöffner-Effekt“ für den 3D Film ist es auch ein Film der gerade richtig in die Zeit passt. 
 
Die Handlung ist eigentlich nicht wirklich neu, schon Kevin Costner ging zu den Ureinwohner und war „Der mit dem Wolf tanzt“. Hinzu noch etwas Star Wars Technik und Design, z.B. AT-AT wie auf dem Mond Endor, fertig ist ein gesellschaftskritischer Actionfilm. Heute aber, kurz nach der Finanzkrise, zeigt Cameron uns erneut, wie gierig wir Menschen (auch weiterhin) sind und wegen des Geldes über Leichen gehen, Kriege anzetteln und Völker vernichten. Der Regisseur hatte den Film schon seit ca. 15 Jahren vor zu drehen, nur die CGI-Technik war damals noch nicht reif genug - gut so, denn er ist heute passender denn je. Ganz nebenbei, man mag es kaum glauben, dürfte er noch ein PR Lieferant für Apple’s neues iPad sein, zumal die portablen Displays in Avatar nun quasi in Form von iPads zu haben sind. „Hast Du einen iPad, hast Du etwas Zukunft von Avatar in der Hand“ könnte man sich vorstellen. 
 
Etwas was bisher nicht vorstellbar war, und doch ist es zum Leben erweckt worden, ist die Fauna und Flora des Mondes Pandora, mit seinen exotischen Wäldern, mit fluoreszierenden Pflanzen in der Nacht, mit atemberaubenden schwebenden Felsen und tiefen Schluchten. Man wünscht sich eines Tages selbst darin spazieren zu können. Näher kommt man nun nicht mehr: Durch 3D ist man wenigstens im Kino mittendrin und wandelt auf einem fernen Mond, erlebt Ureinwohner die so real agieren und vor einem stehen, das man ganz vergisst, dass sie eigentlich aus dem Computer stammen - umwerfend!
 
Reiner K.

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