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Der Fall von Gondolin Drucken E-Mail
Die allererste Geschichte aus Mittelerde Kategorie: Literatur & Comics - Autor: Christian Siegel - Datum: Samstag, 06 März 2021
 
Titel: "Der Fall von Gondolin"
Originaltitel: "The Fall of Gondolin"
Bewertung:
Autor: J.R.R. Tolkien (herausgegeben und bearbeitet von Christopher Tolkien)
Übersetzung: Helmut W. Pesch
Umfang: 352 Seiten (D)
Verlag: Klett-Cotta (D), Harper Collins (E)
Veröffentlicht: 30. August 2018 (D, E)
ISBN: 978-3-608-96378-2 (D), 978-1-3286-1304-2 (E)
Kaufen: Gebunden (D), Kindle (D), Gebunden (E), Kindle (E)
 

Kurzinhalt: Vor langer Zeit gründete der Elbenkönig Turgon die Stadt Gondolin – die vor dem Rest Mittelerdes verborgen liegt. Der Mensch Tuor wird nun vom Gott des Meeres in Richtung dieser verborgenen Stadt geschickt, um dem König eine Nachricht von ihm zu überbringen. In dieser wird Turgon angehalten, gegen den großen Feind der Elben, Morgoth, in die Schlacht zu ziehen – doch Turgon wähnt sich und sein Volk in seinem verborgenen Königreich sicher. Tuor findet in Gondolin eine neue Heimat – und in der Tochter des Königs Idril die Liebe seines Lebens. Gemeinsam verbringen sie einige Jahre in Frieden, und ziehen ihren gemeinsamen Sohn Eärendil heran. Bis eines Tages Morgoth von einem Verräter den Standort Gondolins erfährt, und seine Streitkräfte losschickt, um auch die letzte Bastion des Elbenreichs in Mittelerde zu vernichten…

Review: "Der Fall von Gondolin" ist der dritte und letzte Band der von Christopher Tolkien herausgegebenen Reihe rund um die "Großen Sagen" von Mittelerde – und war zugleich seine letzte Publikation. Ähnlich wie im Band zuvor, "Beren und Lúthien", erzählt "Der Fall von Gondolin" weniger eine separate, abgeschlossene Geschichte, sondern präsentiert Christopher Tolkien hier vielmehr unterschiedliche Versionen dieser allerersten Geschichte, die sein Vater je rund um die Mythologie von Mittelerde geschrieben hat – und gibt erlaubt somit auch hier wieder einen Einblick, wie sich die Geschichte, aber eben auch J.R.R. Tolkien als Mensch und Autor, im Verlauf seines Lebens verändert hat. So ist die ursprüngliche Fassung der Geschichte 1917 entstanden, in einer Kaserne, in der Tolkien während des Ersten Weltkriegs stationiert war. Die Überarbeitung stammt aus dem frühen 50ern – blieb jedoch unvollendet, und hört just an jener Stelle auf, wo Tuor Gondolin erreicht. Den Abschluss bildet dann ein Ausblick auf die weiteren, nie näher verfassten Geschichten rund um Tuors Sohn Eärendil. Ähnlich wie schon zuvor "Beren und Lúthien" dürfte "Der Fall von Gondolin" den geneigten Fan der Geschichten rund um Mittelerde doch etwas unbefriedigt, wenn nicht gar traurig, darüber zurücklassen, dass diese grundsätzlich interessante Erzählung leider nie fertiggestellt wurde. Zwar gibt insbesondere die erste Version der Geschichte einen Überblick über die wichtigsten Ereignisse, man merkt jedoch, dass Tolkiens schriftstellerisches Talent damals doch eher noch in den Kinderschuhen steckte, und vermisst etwas den Schreibstil seiner späteren zu Mittelerde entstandenen Werke. Zumal die Geschichte teils sehr sachlich wiedergegeben wird, man jedoch just jene Umschreibung der Umgebung und der Welt vermisst, die Mittelerde ab "Der Hobbit" so zum Leben erweckte. Und auch die etwas überflüssige Nennung der Namen verschiedenster Figuren, die letztendlich in der Geschichte keine nennenswerte Rolle spielen, sticht hervor. Was das betrifft, erinnerte mich die erste Fassung von "Der Fall von Gondolin" an so manche Kapitel aus "Le Morte d'Arthur" von Sir Thomas Mallory. Auch der nannte oftmals unzählige Namen eigentlich unwichtiger Figuren, und drohte sich in diesen Details zu verlieren.

Die zweite, Anfang der 50er entstandene Version, entspricht vom Stil her schon deutlich mehr den bekannten Geschichten aus Mittelerde – hat allerdings wiederum das Problem, dass letztendlich während Tuors Reise, von wenigen wichtigen Ereignissen wie sein Gespräch mit Ulmo, oder auch seine Bekanntschaft mit Voronwe abgesehen, nicht viel passiert. Und gerade dort, wo es dann endlich losgehen würde mit den spannenden Ereignissen, ist die Geschichte auch schon vorbei – da sie eben an jener Stelle aufhört, wo Tuor Gondolin erreicht. Insofern fehlt hier just der wichtigste, titelspendende Teil rund um den Fall Gondolins. Das ist dann doch sehr schade. Die letzten Kapitel geben dann einen kurzen Einblick in den weiteren Plan, denn eigentlich hätte an die Geschichte rund um den Fall von Gondolin dann jene rund um Tuors Sohn Eärendil folgen sollen. Die kleinen Einblicke, welche Tolkiens Notizen bieten, deuten eine weitere spannende – leider nie umgesetzte – Erzählung an. Doch sei es wie es sei: Die hier versammelten Versionen und Bruchstücke sind nun mal das Beste, was wir rund um diese speziellen Geschichten je bekommen werden. Mindestens so interessant wie diese Erzählungen, welche die Mythologie Mittelerdes wieder vertiefen, fand ich aber den Einblick in Tolkiens Entwicklung als Autor, die gerade auch der Vergleich der beiden längeren hier enthaltenen Entwürfe der Geschichte bietet. Und doch muss ich sagen, dass mich die ersten beiden Ausgaben der Reihe etwas mehr überzeugt haben. "Die Kinder Húrins" begeisterte mit einer tragischen und in sich auch abgeschlossenen Story, während "Beren und Lúthien" zwar ebenfalls schon Stückwerk war, aber doch zumindest die zentrale Liebesgeschichte Mittelerdes erzählte. "Der Fall von Gondolin" kann für mich hingegen was die Bedeutung der Geschichte für die Mythologie Mittelerdes betrifft nicht ganz mithalten. Trotzdem ist das Buch natürlich für alle Fans von Mittelerde und/oder der Werke Tolkiens ein Pflichtkauf.

Fazit: "Der Fall von Gondolin" bietet einen faszinierenden Einblick in Tolkiens Arbeitsweise und Weiterentwicklung als Autor. Die Geschichte selbst fand ich jedoch nicht ganz so mitreißend, interessant und/oder tragisch wie die anderen beiden "großen Geschichten" Mittelerdes. Zudem leidet auch dieses Buch wieder ein bisschen darunter, dass es die ultimative Fassung der Erzählung leider nicht gibt. Die erste ist zwar komplett, lässt es aber an Tolkiens späterer sprachlicher Qualität und auch seinem besonderen Schreibstil, der die Welt Mittelerdes erst so richtig zum Leben erweckt, vermissen. Und die zweite beschreibt zwar die Reise Tuors im Detail, nur dass sich dort leider erstmal nur sehr wenige wirklich wichtige Ereignisse zutragen – und gerade dort, wo es beginnen würde interessant zu werden, nämlich wenn er Gondolin erreicht, ist diese überarbeitete Version der Geschichte leider vorbei. Trotzdem bereichert auch "Der Fall von Gondolin" wieder die Mythologie Mittelerdes, und fügt der komplexen Geschichte rund um das erste Zeitalter ein paar weitere interessante Details hinzu. Zusätzlich aufgewertet wird das Buch dann von den wieder einmal wunderschönen Illustrationen von Alan Lee. Insgesamt mag "Der Fall von Gondolin" zwar das schwächste Buch der "Great Tales of Middle-Earth"-Reihe sein – Fans von Tolkiens Fantasy-Welt kommen aber auch an diesem (letzten) Buch rund um sein Lebenswerk nicht vorbei.

Bewertung: 3/5 Punkten
Christian Siegel





Kommentare (2)
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1. 07.03.2021 11:47
 
Das war das Problem deines Ansatzes und war leider absehbar. Du hättest vielleicht doch besser mit dem Silmarillion beginnen sollen. Das macht zwar die Geschichten und ihre Umsetzung nicht besser oder schlechter, aber verankert diese Geschichten besser in der Mythologie des ersten Zeitalters und hebt ihre tatsächliche Bedeutung dafür und auch die weitere Geschichte Mittelerdes hervor. Dann wird klar, welche Relevanz der Fall Gondolins hat und warum er für Tolkien so wichtig war. Ging zumindest mir so. Es klärt auch manche, aber nicht alle, Namenserwähnungen. Ob man sie selbst dann braucht oder nicht, lasse ich dahingestellt. Ohne das Wissen aus dem Silmarillion wäre mir jedenfalls das Gleiche wie dir passiert. Dann erhält man dieses Stückwerk. Wobei man dies auch mit dem Silmarillion noch an so mancher Stelle hat und der gesamte Stil dessen auch wieder genug Stoff für Diskussionen bietet. Bin auf deine Rezension dazu gespannt. :)
 
Valis
2. 07.03.2021 22:10
 
Wäre eigentlich auch der Plan gewesen, es mir nach dem Herrn der Ringe vorzuknöpfen - wenn sie dann nicht für Ende März die neue Edition angekündigt hätten ;) . Insofern kommen jetzt erstmal noch die "Unfinished Tales". Aber ja, gut möglich, dass die Geschichte vom Fall Gondolins im Kontext dann um einiges besser/stärker wirkt.
 

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