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Die Kinder des Wüstenplaneten Drucken E-Mail
Pauls Kinder in den Fängen des Schicksals Kategorie: Literatur & Comics - Autor: Christian Siegel - Datum: Sonntag, 28 Februar 2021
 
Titel: "Die Kinder des Wüstenplaneten"
Originaltitel: "Children of Dune"
Bewertung:
Autor: Frank Herbert
Übersetzung: Jakob Schmidt
Umfang: 592 Seiten (D)
Verlag: Heyne (D), Putnam Publishing (E)
Veröffentlicht: April 1976 (E)
ISBN: 978-3-453-31955-9 (D)
Kaufen: Taschenbuch (D), Kindle (D), Taschenbuch (E), Kindle (E)
 

Kurzinhalt: Neun Jahre nachdem der erblindete und als Messias gefeierte Paul "Muad'Dib" Atreides in die Wüste ging, wird Arrakis von seiner Schwester Alia regiert, die den Thron für seine Nachkommen Leto II und Ghanima hütet. Diese sind zwar körperlich immer noch Kinder, geistig jedoch schon voll erwachsen – können sie doch aus den Erfahrungen und Erinnerungen all ihrer Vorfahren schöpfen. Doch dieser Weg ist mit Gefahren verbunden, weshalb sie es bislang auch abgelehnt haben, sich der gleichen Spice-Prüfung zu unterziehen wie ihr Vater. So ist Alia mittlerweile von einem der Geister ihrer Vorfahren – genauer gesagt just dem alten, großen Feind aller Atreides, Baron Harkonnen – besessen. Ihre Mutter, Lady Jessica, besucht den Planeten, um im Auftrag des Bene Gesserit-Ordens zu bestimmen, ob die Gerüchte wahr sind und es sich bei Alia tatsächlich um eine solche Abscheulichkeit handelt. Alia wiederum spinnt eine weitläufige Intrige, um die Gefahr durch ihre Mutter auszuschalten. Und Leto II sowie Ghanima sind ebenfalls das Ziel einer Intrige – denn mit einem Attentat gegen die Zwillinge will Prinzessin Wensicia, die Herrscherin des Hauses Corrino, auf dem imperialen Thron Platz für ihren Sohn Farad'n schaffen…

Review: "Die Kinder des Wüstenplaneten" ist im Vergleich zu direkten Vorgänger wieder eine deutlich längere und damit epischere Angelegenheit – beweist allerdings zugleich, dass "länger" eben nicht immer unbedingt auch "besser" bedeuten muss. Den wo mich "Der Herr des Wüstenplaneten" von Anfang bis Ende gepackt hat, brauche die Handlung hier wie ich fand doch ein wenig, um so richtig in Schwung zu kommen. Dass man uns nicht gleich erklärt was es mit Alias Abscheulichkeit auf sich hat, erleichterte mir den Einstieg ebenso wenig, wie die zahlreichen Intrigen, die mich dann doch nicht ganz so ansprachen. Weil, was haben wir denn da alles: Lady Jessica kehrt im Auftrag des Bene Gesserit-Ordens zurück, um ihr Zuchtprogramm voranzutreiben. Alia wiederum möchte ihre Mutter – da sie fürchtet, dass sie ihre Besessenheit erkennen könnte – so rasch als möglich wieder loswerden. Prinzessin Wensicia vom Haus Corrino plant den Tod der beiden Zwillinge Leto II und Chanima, um ihren eigenen Sohn auf den imperialen Thron zu bringen. Und die besagten Geschwister kochen ebenfalls ihr eigenes Süppchen, und folgen einem ausgeklügelten Plan, mit dem sie der Welt weißmachen wollen, dass der Anschlag zumindest im Hinblick auf Leto II geglückt ist. Ich weiß auch nicht, mir persönlich war das des Intrigantenstadls ein bisschen zu viel. Wenn ich schon beim Kritisieren bin: Das mit der Selbsthypnose bei Ghanima, die sich damit davon überzeugt, dass ihr Bruder beim Anschlag tatsächlich ums Leben gekommen ist, hat mich auch nicht wirklich überzeugt. Von diesen beiden Kritikpunkten abgesehen war ich aber auch von "Die Kinder des Wüstenplaneten" wieder sehr angetan. Besonders gut gefiel mir dabei, wie es hier nun an Pauls Sohn ist, dessen "Fehler" wieder auszumerzen. Denn im Zuge seiner Rache am damaligen Imperator sowie dem Baron Harkonnen hat Paul auf Arrakis eine Terraforming-Entwicklung ausgelöst, die in weiterer Folge zum Tod aller Sandwürmer und damit auch der Auslöschung der Spice-Melange geführt hätte. Diese ist allerdings für interstellare Reisen erforderlich. Somit hätte der von Paul eingeschlagene Weg wenn schon nicht zum Untergang so doch zumindest einem Abstieg/Verfall der Menschheit geführt.

Paul sah diese Entwicklung, konnte sich jedoch nicht dazu überwinden, den einzigen Pfad, der diese Entwicklung verhindert, einzuschlagen. Und so ist es nun an einem Sohn Leto II, in die Bresche zu springen. Dies gefiel mir ausgesprochen gut. Positiv fand ich zudem, dass der Roman aus der wahren Identität des Predigers keinen Hehl macht, und somit erst gar nicht versucht, die betreffende Offenbarung als Twist zu verkaufen. Vielmehr ist man sich sehr früh sicher, dass es sich dabei um den am Ende des letzten Bandes in die Wüste gegangenen Paul handeln muss (und spielt Herbert insofern mit offenen Karten, als diese Möglichkeit auch im Roman selbst direkt angesprochen wird), und wird dieser Verdacht letztendlich auch bestätigt. Letzteres fand ich nicht zuletzt auch deshalb wichtig, als die Offenbarung, dass er es eben doch nicht ist, sehr enttäuschend gewesen wäre. Was "Die Kinder des Wüstenplaneten" so wie die beiden Vorgänger ebenfalls wieder auszeichnete, ist Frank Herberts Einfallsreichtum. Hier sticht insbesondere die genetische Erinnerung ihrer Vorfahren bei Leto II und Ghanima hervor; zweifellos eine faszinierende Idee, insbesondere auch angesichts der Tatsache, wie viele Generationen diese zurückreicht. Damit einhergehend fand ich auch die hier vorgestellte Art der Besessenheit sehr interessant. Und auch Letos Metamorphose am Ende stach diesbezüglich zweifellos hervor. Darüber hinaus gefiel mir "Die Kinder des Wüstenplaneten" auch als Fortsetzung der Geschichte der in "Der Wüstenplanet" vorgestellten Figuren, insbesondere Paul, Alia und Lady Jessica. Und gut geschrieben war "Die Kinder des Wüstenplaneten" ebenfalls wieder (auch wenn ich mittlerweile herausgefunden habe, dass mein Lieblingszitat daraus – "Knowledge is an unending adventure at the edge of uncertainty" – nicht von Herbert selbst stammt, sondern vielmehr auf Jacob Bronowski zurückgeht). Und so mag der dritte Band der Reihe in meinen Augen zwar nicht ganz an den unmittelbaren Vorgänger herankommen, ist jedoch eine (weitere) würdige Fortsetzung von Frank Herberts Saga. Nun bin ich wirklich schon gespannt, ob es ihm auch bei seinen drei weiteren Büchern gelungen ist, dieses hohe Niveau zu halten.

Fazit: Meinem Empfinden nach hat sich "Die Kinder des Wüstenplaneten" im ersten Drittel doch noch ein bisschen gezogen. Hier brauchte ich doch etwas, um nach dem neuerlichen neunjährigen Sprung in die Handlung reinzufinden, und tat mir zudem mit dem Intrigantenstadl ein bisschen schwer. In weiterer Folge wurde es dann aber – mit Ausnahme der mich nicht 100%ig überzeugenden Selbsthypnose Ghanimas – besser, und insbesondere im letzten Drittel vermochte mich "Die Kinder des Wüstenplaneten" dann so richtig zu packen. Der Roman bestach dabei unter anderem wieder mit einigen faszinierenden Ideen, der interessanten Weiterentwicklung der Geschichte rund um Alia, Lady Jessica und auch Paul, sowie dem wieder sehr guten Schreibstil. Vor allem aber gefiel mir die Idee, die Leto II hier nun quasi dazu verdammt ist, für die Sünden/Versäumnisse seines Vaters einzustehen, und just jenen goldenen Pfad beschreitet, vor dem Paul einst zurückschreckte. Ganz so mitgerissen und fasziniert wie der unmittelbare Vorgänger mag mich "Die Kinder des Wüstenplaneten" zwar nicht haben, dennoch setzt er die Geschichte von bzw. auf Arrakis auf so gelungene wie interessante Art und Weise fort.

Bewertung: 4/5 Punkten
Christian Siegel





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