Originaltitel: The Clocks Episodennummer: 12x01 Bewertung: Erstausstrahlung UK: 26. Dezember 2011 Erstausstrahlung D: 27. Mai 2016 Drehbuch: Stewart Harcourt Regie: Charlie Palmer Besetzung:
David Suchet als Hercule Poirot,
Olivia Grant als Annabel Larkin,
Anna Skellern als Fiona Hanbury,
Tom Burke als Lt. Colin Race,
Andrew Havill als Sven Hjerson,
Victoria Wicks als Mrs Swinburne,
Jaime Winstone als Sheila Webb,
Sinéad Keenan als Nora Brent,
Lesley Sharp als Miss Martindale,
Anna Massey als Miss Pebmarsh,
Phil Daniels als Inspector Hardcastle,
Ben Righton als Constable Jenkins,
Beatie Edney als Mrs Hemmings,
Abigail Thaw als Rachel Waterhouse,
Guy Henry als Matthew Waterhouse,
Geoffrey Palmer als Vice Admiral Hamling,
Phoebe Strickland als May,
Isabella Parriss als Jenny,
Tessa Peake-Jones als Val Bland,
Jason Watkins als Joe Bland,
Stephen Boxer als Christopher Mabbutt,
Andrew Forbes als Professor Purdy,
Frances Barber als Merlina Rival u.a.
Kurzinhalt:
Hercule Poirot besucht ein Theaterstück von Mrs. Oliver – und ist vom Inhalt wenig angetan. So stört es ihm auch nicht im Geringsten, als ihn Lieutenant Colin Race – Sohn seines alten Freundes Colonel Johnnie Race – in der Pause anspricht. Diesem ist am Tag davor eine aufgelöste junge Dame in die Arme gelaufen, und ihn über einen Mord informierte. Sheila Webb ist Schreibmaschinenkraft, und ihre Chefin erhielt einen Anruf, dass sie für einen unbestimmten Auftrag ins besagte Apartment kommen sollte. Dieses gehört der blinden Miss Pebmarsh, die den Toten weder vom Namen noch seinem Gesicht nach erkennt. Auffällig sind auch die vier Uhren, die sich am Tatort befinden, denn laut Miss Pebmarsh dürfte sich eigentlich nur die Kuckucksuhr im Raum befinden. Als sich nun Hercule Poirot in die Ermittlungen einschaltet, fällt auf, dass eine der Uhren verschwunden ist. Im Zuge seiner Ermittlungen wird Poirot auf den Diebstahl von Plänen durch deutsche Spione und Kollaborateure aufmerksam. Und so ermittelt er letztendlich in gleich zwei Fällen auf einmal…
Review (kann Spoiler enthalten):
Wie im letzten Satz des Kurzinhalts erwähnt, bekommen wir in "Auf doppelter Spur", wie der deutsche Name schon andeutet, zwei Fälle in einem serviert; inwiefern bzw. ob überhaupt diese in Verbindung zueinander stehen, sei an dieser Stelle nicht verraten. Auf der einen Seite haben wir eine recht klassische "murder mystery" rund um die unbekannte Leiche in Miss Pebmarshs Wohnung, und auf der anderen eine Spionage-Story rund um den Diebstahl der Minenpläne für Dover, die für eine mögliche deutsche Invasion von entscheidender Bedeutung sein könnten. Was zweiteren Handlungsstrang betrifft, bin ich zugegebenermaßen etwas zwiegespalten. Einerseits bietet es eine gewisse Abwechslung zu Poirots üblichen, sonstigen Fällen, und wäre die Story von "Auf doppelter Spur" ohne diesen Nebenplot wohl auch zu dünn gewesen. Andererseits wirkt es aber halt doch ziemlich untypisch, und weckte bei mir auch eher unliebsame Erinnerungen an die späteren – in die damalige Gegenwart verlegten – "Sherlock Holmes"-Filme mit Basil Rathbone, wo er und Nigel Bruce' Doktor Watson ja ebenfalls immer wieder im Spionage-Einsatz waren. Ich weiß nicht, ich finde, beide Detektive sind bei klassischen Whodunit-Mysterien besser aufgehoben.
Immerhin bietet "Auf doppelter Spur" eine solche aber zugegebenermaßen auch. Der besagte Fall zählt zwar bestimmt nicht zu meinen Favoriten, bot aber ein paar durchaus interessante Elemente, nicht zuletzt das mit den (den englischen Originaltitel spendierenden) Uhren, die allesamt auf 4:13 am Nachmittag eingestellt waren (eine Anspielung auf das Hotelzimmer, in dem sich Sheila immer mit ihrem Liebhaber getroffen hat), und von denen eine dann plötzlich verschwunden war. Aufgrund der zwei parallelen Ermittlungen ist "Auf doppelter Spur" aber doch ziemlich komplex, und ich fand, dass frühere Folgen deutlich fairer mit dem Publikum umgegangen sind, im Hinblick darauf, uns alle notwendigen Hinweise zu geben, um den Fall parallel mit Poirot zu lösen. Eben darin sehe ich sonst eigentlich immer eine wesentliche Stärke – und einen entscheidenden Reiz – von Agatha Christies Krimis. Vermutlich auch deshalb war ich hier nicht ganz so involviert, wie das bei früheren Episoden schon mal der Fall war. Immerhin, inszenatorisch freue ich mich darüber, dass der kurzzeitig verwendete Dream Glow-Effekt nun scheinbar endlich Geschichte zu sein scheint. Charlie Palmer inszeniert die Geschichte mit sicherer Hand (wenn auch nicht unbedingt sonderlich viel Flair), und fängt vor allem auch die beeindruckende Landschaft Dovers sehr gut ein. Aber auch die im Mittelpunkt stehende Liebesgeschichte zwischen Colin und Sheila hatte es mir angetan. "Auf doppelter Spur" gelang es, mir beide rasch sympathisch zu machen, so dass ich in weiterer Folge entsprechend mit ihnen mitgefiebert habe. Und Poirots abschließender Kommentar "Do I have to tell you to go after her?" war einfach nur lieb. Wie David Suchet generell hier wieder zu den großen Stärken der TV-Adaption zählte. Inhaltlich war ich von früheren Fällen aber schon mal mehr angetan.
Fazit:
"Auf doppelter Spur" würde ich als doch eher "nur" durchschnittliche Folge der Poirot-Fernsehserie einstufen. Von den beiden hier parallel erzählen Fällen hat mir die klassische murder mystery jedenfalls besser gefallen als die Spionage-Story, wobei erstere trotzdem jetzt nicht unbedingt ein Highlight war, und letztere trotz allem durchaus auch ein paar interessante Aspekte bot (gerade auch die kriegsmüde Frau, die im ersten Weltkrieg ihre Söhne verloren hat, und der lieber ist, Deutschland gewinnt den Krieg schnell, als dass es anderen Müttern auch so geht). Auch die zentrale Liebesgeschichte – bei "Poirot" ja auch ein eher ungewöhnliches Element – wertete die Folge für mich auf. Dafür gelang es früheren Episoden schon mal besser, mich im Hinblick auf die Ermittlungen abzuholen, und miträtseln zu lassen. Und die Auflösung war zwar ganz interessant, zu Christies besten und/oder cleversten würde ich sie aber nicht zählen – was letztendlich in meinen Augen eben auch für den Fall (bzw. die Fälle) an sich gilt.