Originaltitel: Blood and Fire (1) Episodennummer: 1x04 Bewertung: Weltweite Internet-VÖ: 20. Dezember 2008 Drehbuch: Carlos Pedraza & David Gerrold Regie: David Gerrold Besetzung:
James Cawley als James T. Kirk,
Ben Tolpin als Spock,
John Kelley als Leonard McCoy,
Charles Root als Montgomery Scott,
Kim Stinger als Nyota Uhura,
Meghan King Johnson als Janice Rand,
Ron Boyd als Vincent DeSalle,
Andy Bray als Pavel Chekov,
Debbie Huth als Fontana,
Jay Storey als Kyle,
Bobby Rice als Peter Kirk,
Evan Fowler als Lt. Alex Freeman,
Nick Cook als Lt. Mikhail Hodel u.a.
Kurzinhalt:
Die Enterprise befindet sich im Kampf mit einem klingonischen Kreuzer, wobei das Schiff schwer beschädigt wird. Immerhin gelingt es ihnen, den Angreifer – vorerst – zurückzuschlagen. Statt sich zwecks Reparaturen zur nächsten Sternenbasis zu begeben, reagiert man vielmehr auf den Notruf der U.S.S. Copernicus, die droht, in einen roten Stern zu stürzen. Als Spock dem Captain seinen Vorschlag für die Zusammensetzung des Außenteams vorlegt, nimmt dieser seinen Neffen Peter – der seit kurzem, als junger Fähnrich, zur Crew der Enterprise gehört – von der Liste. Als Peter davon erfährt, ist er außer sich, und stellt seinen Onkel zur Rede. Zugleich bittet er ihn darum, nach Abschluss der Mission die Ehe zwischen ihm und seinem Verlobten Alex Freeman zu schließen. Jim gibt nicht nur dazu seine Zustimmung, sondern gibt Peter auch die Freigabe, sich doch dem Außenteam anzuschließen. Eine Entscheidung, die er bereut, als das Team an Bord der U.S.S. Copernicus auf regulanische Blutwürmer trifft, und die Sternenflotte ihm den Befehl gibt, das Schiff unverzüglich zu vernichten…
Review:
Mit "Blood and Fire, Part 1" wurde "New Voyages" zu "Phase II" (wie auch im Intro zu sehen ist) – ich bleibe allerdings bei der ursprünglichen Bezeichnung. Der Grundgedanke war, dass man sich an den ursprünglichen Plänen für eine neue "Star Trek"-Serie, noch mit der TOS-Crew, orientieren wurde, aus denen in weiterer Folge dann der in meinen Augen völlig zu Unrecht gescholtene erste Kinofilm wurde. Dementsprechend wurden auch einzelne Drehbücher und/oder Ideen, die für diese neue Serie geplant gewesen wären, verfilmt, nicht zuletzt "Das Kind", welches bereits für TNG aus der Mottenkiste geholt und dort natürlich an die neue Besatzung angepasst wurde. Der Zweiteiler "Blood and Fire" wiederum basiert auf einer Idee, die David Gerrold für die "Next Generation" hatte; die Geschichte, die sich um ein homosexuelles Paar drehte, und über die regulanischen Blutwürmer auch die AIDS-Epidemie behandelte, war den Produzenten damals aber zu heiß. Anfang der 0er-Jahre setzte er die Story als Teil seiner "Star Wolf"-Trilogie um, ehe das Team von "New Voyages" auf ihn zukam, um sein Drehbuch nach all der Zeit doch noch bei "Star Trek" umzusetzen (wenn auch mit der TOS- statt der TNG-Crew).
Da man schwer einer etablierten Kanon-Figur ein homosexuelles Verhältnis andichten konnte, zugleich aber halt auch nicht einfach irgendeine unbekannte Gastfigur vorstellen wollte, die wir noch nicht kennen, und zu der wir dementsprechend keinerlei Bindung verspüren, holte man Kirks Neffen Peter zurück. Eben das ist insofern mein größter Kritikpunkt, als es zeitlich her leider überhaupt nicht funktioniert. "New Voyages" will ja an die klassische Serie anknüpfen, und ist dementsprechend zur Zeit der ersten Fünfjahresmission der Enterprise unter James T. Kirks Kommando angesiedelt. Zum Ende des ersten Jahres – bei seinem Auftritt in "Spock außer Kontrolle" – war Peter aber gerade mal zwölf Jahre alt. Hier nun ist er ein junger Erwachsener, und hat auch schon die Akademie absolviert. Das passt nicht zusammen. Ich verstehe, dass es produktionstechnisch aufgrund der damit verbundenen Kosten (neue Sets, Kostüme usw.) nicht möglich gewesen wäre, die Geschichte während der zweiten Fünfjahresmission – und damit nach dem ersten Kinofilm – anzusiedeln; im Hinblick auf Peters Rolle hätte es aber mehr Sinn ergeben (und tatsächlich auch besser zum "Phase II"-Konzept gepasst). Kein Problem hingegen hatte ich damit, dass Peter hier als homosexuell geoutet wird. Dies widerspricht in keinster Weise dem etablierten Kanon, und tatsächlich rechne ich es "New Voyages" hoch an, im Hinblick auf die Darstellung einer solchen Beziehung dem offiziellen "Star Trek" rund zehn Jahre vorausgewesen zu sein (da die DS9-Folge mit Dax' Ex zählt für mich diesbezüglich nur bedingt zählt). Der letzte Kritikpunkt betrifft dann die Tatsache, dass Spock die Außenmission leitet – was zugleich bedeutet, dass wir wissen, dass Kirk das Schiff nicht zerstören wird, was die Spannung reduziert. So gesehen wäre es besser gewesen, Peter Kirk wäre Teil der Copernicus-Crew gewesen, und hätte dort zu den letzten Überlebenden gehört, die einen Notruf an die Enterprise abgesetzt hätten.
Aufgrund dieser Kritikpunkte ist "Blood and Fire, Part 1" meiner Einschätzung nach leider weit von den Höhen von "World Enough an Time" entfernt (wobei die ja auch echt eine Ausnahmeerscheinung war). Trotzdem hat sie mir insgesamt noch recht gut gefallen. Die Darstellung eines homosexuellen Paars habe ich ja schon gelobt. Mir gefiel aber auch die andere Seite, die wir hier von James T. Kirk kennenlernen – der seinen Neffen ursprünglich vom Außenteam entfernt, um ihn zu beschützen. Darstellerisch fehlt "Blood and Fire, Part 1" zwar ein bisschen die Aufwertung durch einen professionellen Darsteller und/oder "Star Trek"-Star wie dies zuvor mit Walter Koenig und George Takei der Fall war, dennoch schlagen sich die Laien hier wacker. Auffällig ist dabei nicht zuletzt das Recasting von Spock; im ersten Moment ein bisschen gewöhnungsbedürftig, insgesamt macht Ben Tolpin seine Sache hier aber sehr anständig. Und produktionstechnisch macht das auch einen soliden Eindruck, angefangen bei den Sets und Kostümen (diesbezüglich merkt man übrigens, dass man beginnt, die Brücke zu "Star Trek: Der Film" zu schlagen; siehe Scottys Uniform in einer Szene), über David Gerrolds stilvoll-klassische Inszenierung, den für ein Fan-Projekt beachtlichen Spezialeffekten, bis hin zur Musik, die hier nun (wohl auch bedingt durch die "Phase II"-Neuausrichtung) wieder aus der TOS-Musikbibliothek stammt.
Fazit:
Mit "World Enough and Time" kann der erste Teil von "Blood and Fire" leider recht deutlich nicht mithalten. Mein Hauptkritikpunkt liegt im Bruch mit dem etablierten Kanon, was das Alter von Peter Kirk betrifft. Das hätte man anders lösen können. Wäre dieser Teil der Copernicus-Crew gewesen, und würde sich somit mit Spock nicht ein Charakter auf dem Schiff befinden, von dem wir wissen, dass er überleben muss, wäre auch alles rund um die Gefahr durch die Blutwürmer und/oder der Befehl an James T. Kirk, die Copernicus zu vernichten, spannender. Unter diesem Gesichtspunkt fand ich dann auch den Cliffhanger eher billig, und zudem nicht wirklich effektiv. Lobende Worte meinerseits gibt es dafür u.a. für die Darstellung einer homosexuellen Beziehung, ein paar interessante neue Facetten rund um Jim Kirk, die für eine Fan-Produktion anständige Produktionsqualität, sowie das Drehbuch und die Inszenierung von David Gerrold. Story- und spannungstechnisch ist für den zweiten Teil aber noch Luft nach oben.