Kurzinhalt:
Mehr als dreißig Jahre sind nach dem Tod von Cornelius und Zira vergangen. Nachdem eine Seuche sämtliche Haustiere dahingerafft hat, haben Affen ihren Platz eingenommen. In weiterer Folge wurden sie dazu gezüchtet, intelligenter zu werden, und den Menschen als neue Sklavenrasse zu dienen. Als Cäsar seinem Beschützer Armando – der ihn all die Jahre versteckte, und nach dem Tod seiner Eltern großgezogen hat – in die Großstadt folgt, wird er zum ersten Mal mit dieser neuen Realität konfrontiert. Auch Armando ist ob der Behandlung der Affen durch die Hand der Menschen schockiert. Schließlich kann sich Cäsar nicht länger zurückhalten, und beleidigt die Polizisten. Armado versucht die Schuld auf sich zu nehmen, und im darauffolgenden Gerangel kann Cäsar untertauchen, und sich unter andere Affen, die zu Sklaven konditioniert werden sollen, mischen. Derweil wird Armando zu Gouverneur Beck gebracht, der – völlig zu recht – vermutet, dass es sich bei Cäsar um das Kind von Cornelius und Zira handelt. Wenn sich dieser Verdacht bestätigt, so gehört Cäsar auf der Stelle ermordet, um die Menschheit vor jener düsteren Zukunft, aus der Cäsars Eltern geflohen sind, zu beschützen…
Review:
Als ich "Eroberung vom Planet der Affen" (gemeint ist der Film) als Teil des Advent-SPECiALs 2012 (lang ist's her) besprochen habe, ließ ich an ihm kein gutes Haar. Die Tatsache, dass ich damals nur Zugriff auf die – entschärfte – Kinofassung hatte, spielte dabei zweifellos eine gewichtige Rolle. In den darauffolgenden Jahren habe ich ihn mir, in der auf Blu-Ray enthaltenen Director's Cut-Version, noch zwei Mal angesehen. In dieser Schnittfassung schoss die Wertung gleich mal von 4/10 auf 6/10, bei einem Rewatch letztes Jahr habe ich dann sogar noch auf 7/10 aufgewertet. Davon profitiert nun natürlich auch John Jakes Roman, der auf dem ursprünglichen Drehbuch von Paul Dehn basiert. Dementsprechend haben wir hier auch eine Adaption des Director's Cuts (bzw. genauer gesagt natürlich des Drehbuchs von Paul Dehn, auf dessen Basis J. Lee Thompson seine ursprüngliche Schnittfassung gedreht hat), und nicht der weichgespülten Kinofassung, vor uns – wobei eine angeblich im Drehbuch vorhandene Prolog-Szene rund um einen Schimpansen, der auf der Flucht vor der Polizei erschossen wird, hier fehlt (obwohl sie laut dem Wikipedia-Eintrag zum Film eigentlich auch hier enthalten sein sollte; kurios). Jedenfalls decken sich auch hier der Roman und zumindest der Director's Cut fast 1:1 – und beide werden für mich nicht zuletzt zum ursprünglichen, deutlich härteren Ende im Vergleich zur Kinofassung enorm aufgewertet. Denn hier kommt eben kein "Nein" der weiblichen Schimpansen, und eine tonal überhaupt nicht passende Fortführung von Cäsars Monolog, in dem er zu Gnade aufruft. Vielmehr endet das Geschehen mit seinen Worten davor, und der kaltblütigen Ermordung von Gouverneur Beck – während dessen Assistent MacDonald, der Cäsar zur Flucht verhalf (und damit diesen Aufstand, und alles, was daraus resultiert, erst möglich gemacht hat) – nur hilflos und verzweifelt zusehen kann.
Ich mag dieses Ende vor allem auch deshalb, als er der Geschichte irrsinnig viel Ambivalenz verleiht. Natürlich hat Cäsar mit seinem Ziel, die Affen zu befreien, grundsätzlich recht. Aber damit, zugleich nun wiederum die Menschen unterdrücken zu wollen, schießt er übers Ziel hinaus. Was die Frage aufwirft: Gibt es in diesem Konflikt überhaupt eine gute und eine schlechte Seite? Darüber nachzudenken bzw. zu diskutieren, finde ich überaus spannend – und eben das ist nur mit dem düsteren Ende des Drehbuchs, des Filmromans sowie des Director's Cuts möglich. Generell findet sich hier wieder einiges an Gesellschaftskritik; ein Aspekt, der die Reihe ja generell auszeichnet, und sich durch die Filme zieht, in meinen Augen aber nur im ersten Teil präsenter war, als hier. Jedenfalls kann man durchaus argumentieren, dass sowohl die Versklavung der Affen als auch der brutale Umgang der Menschheit mit ihnen ihren Aufstand hier fast schon unausweichlich machte – und wir damit auch hier wieder die eigentlich Architekten unseres eigenen Untergangs sind. Darüber hinaus ist der Roman von John Jakes gut geschrieben; und auch an der Übersetzung von Walter Brumm und Christian Dröge gibt es nichts zu mäkeln (nur der eine oder andere irrtümliche Zeilenumbruch hat sich in der Druckfassung wieder eingeschlichen). Allerdings: Die Brutalität wirkt auf der Leinwand bzw. dem Bildschirm natürlich noch etwas härter, als wenn man ihr hier "nur" zuliest. Und wenn man so wie ich den Director's Cut kennt, verliert John Jakes Adaption sicherlich ein bisschen an Reiz, da es kaum nennenswerte Unterschiede zwischen den beiden gibt. Diesbezüglich sticht eigentlich nur das leicht veränderte Setting hervor, da die Geschehnisse hier nicht im Jahr 1991, sondern mehr als dreißig Jahre nach dem Tod von Cornelius und Zira (und damit schon im neuen Jahrtausend) angesiedelt sind, was die zwischen den beiden Büchern/Filmen stattfindende Entwicklung für mich noch einmal ein bisschen plausibler macht (ich vermute mal, im Film wurde das geändert, da man Ricardo Montalban nicht zu sehr altern wollte). Kannte man bislang aber nur die Kinofassung und hat auch keinen Zugriff auf den Director's Cut, kommt John Jakes Filmroman einer kleinen Offenbarung gleich.
Fazit:
Wer ihn noch nicht kennt, dem empfehle ich jedenfalls eine Sichtung des auf Blu-Ray enthaltenen Director's Cuts des Films (wie es bei Streaming-Angeboten aussieht, kann ich leider nicht im Detail sagen; die Version auf Disney+ ist aber jedenfalls die Kinofassung). Alternativ kann man aber auch zu John Jakes Romanfassung greifen, welche die ursprüngliche Intention von Drehbuchautor Paul Dehn und Regisseur J. Lee Thompson bewahrt. Vor allem das düstere Ende macht daraus für mich eine ganz andere, wesentlich interessantere und ambivalentere Geschichte. Aber auch bis dahin findet sich in "Eroberung vom Planet der Affen" wieder einiges an interessanter Gesellschaftskritik. Ob man der Action am Ende (die jedoch im Film unter dem geringen Budget gelitten hat) nun lieber zusieht oder zuliest, ist dann zugegebenermaßen Geschmacksache. Wichtig ist jedenfalls: Sofern man den Director's Cut schon kennt, sollte man sich von dieser Romanversion keine großen Unterschiede und damit auch neue Erkenntnisse erwarten. John Jakes gibt das Drehbuch sehr originalgetreu wieder, verzichtet dabei aber eben auch darauf, die Story und/oder die Figuren weiter zu vertiefen. Von diesem Punkt abgesehen kann ich "Eroberung vom Planet der Affen" aber allen Fans der Reihe durchaus empfehlen.