Originaltitel: Off-Hour Episodennummer: 4x06 Bewertung: Weltweite Internet-VÖ: 27. August 2026 (Paramount+) Drehbuch: Bill Wolkoff Regie: Dan Liu Stammbesetzung:
Anson Mount als Captain Christopher Pike,
Ethan Peck als Lieutenant Spock,
Jess Bush als Nurse Christine Chapel,
Christina Chong als Lieutenant La'an Noonien-Singh,
Celia Rose Gooding als Ensign Nyota Uhura,
Melissa Navia als Lt. Erica Ortegas,
Babs Olusanmokun als Dr. Joseph M'Benga,
Martin Quinn als Lieutenant Montgomery Scott,
Rebecca Romijn als Commander Una Chin-Riley.
Gaststars:
Brian Markinson als Phil Boyce,
Carol Kane als Pelia,
Ziye Hu als Lt. Early,
Alex Kapp als USS Enterprise Computer,
Stella Lee als Ensign Rankin,
Bianca Nugara als Cadet A'Sha,
Abinaya Sivakumaran als Lt. Rahda u.a.
Kurzinhalt:
Zweiundvierzig Minuten, bevor die Alpha-Schicht von der Beta-Schicht abgelöst wird, gerät die Enterprise in ein Slipstream-Wurmloch. Die Turbulenzen sorgen dafür, dass sich in der Krankenstation eines der medizinischen Betten löst, und Dr. M'Benga fast in zwei Hälften teilt. Doch Christine Chapel will den Tod des Arztes nicht akzeptieren, und sucht verzweifelt nach einem Weg, sein Leben zu retten. Die Lösung dafür könnte just im Slipstream-Wurmloch liegen, welches voller Neutrino-Partikeln ist – über die in theoretischen wissenschaftlichen Abhandlungen darüber spekuliert wird, dass sie verletztes Gewebe in Sekundenschnelle heilen können. Parallel dazu arbeitet der Rest der Crew daran, die Enterprise aus dem Wurmloch zu bekommen, ehe die strukturelle Integrität des Schiffes versagt. Als die Lebenserhaltungssysteme in weiten Teilen des Schiffes abgeschaltet werden, um Energie zu sparen, beginnt für die Besatzung der Enterprise ein verzweifelter Kampf ums Überleben…
Review (kann Spoiler enthalten):
Beginnen wir mit der Kritik. "Schichtende" setzt den Trend der vierten "Strange New Worlds"-Staffel zu Gimmick-Folgen fort. Diesmal bekommen wir eine Mischung aus einem Katastrophenfilm (wobei wohl insbesondere "Die Höllenfahrt der Poseidon" Pate gestanden haben dürfte) und einer Hommage auf die kultige TV-Serie "24". Letzteres zeigt sich u.a. im Echtzeit-Konzept, der laufenden Zeiteinblendungen (inkl. ähnlich klingendem Sekundenticker), sowie der Verwendung von Split Screens. Das mag zwar besser funktionieren (und sich stimmiger ins "Star Trek"-Konzept einfügen) als die Gimmick-Episoden davor, ändert aber nichts daran, dass es in dieser Fülle einfach zu viel ist. Weil irgendwie würde ich jetzt dann doch langsam mal bei "Star Trek" auch wirklich wieder "Star Trek" sehen, und nicht ständig an andere Sachen denken müssen. Kritisch sehe ich auch den Auftritt von Dr. Boyce. Es mag ihnen wie eine pfiffige Idee vorgekommen sein, wirkt auf mich aber extrem beliebig; auch, weil er letztendlich im Geschehen keine Rolle spielt. Auch von seiner Freundschaft zu Pike, die in "Der Käfig" ein wichtiges Element war (und die Freundschaft zwischen Kirk und Pille widerspiegelte, oder eher, vorwegnahm), merkt man nichts. Und auch wenn ich Brian Markinson sonst durchaus mag, aber in dieser Rolle schien er mir (optisch) völlig fehlbesetzt.
Der letzte wesentliche Kritikpunkt liegt dann in der lebensgefährlichen, oder genau genommen eigentlich tödlichen, Verletzung die sich Dr. M'Benga hier zuzieht. Aus meiner Sicht hat man diesbezüglich völlig – und vor allem auch völlig unnötigerweise – übertrieben. Zumal das Bedrohungsszenario im Hinblick darauf, dass wir wissen, dass er überleben wird, auch von vornherein nicht funktioniert. Vor allem aber sehe ich den Hokuspokus, mit dem sein Leben hier dann doch noch gerettet wird, überaus kritisch. Aus meiner Sicht wäre es besser gewesen, wenn es "nur" darum gegangen wäre, die Enterprise rechtzeitig aus dem Slipstream-Wurmloch herauszubekommen, um daraufhin dann sein Leben zu retten – und wenn Chapel eben bis es so weit ist trotz des Risikos für ihr eigenes Leben nicht von seiner Seite gewichen wäre. In Verbindung mit dem Echtzeit-Faktor und dem Countdown hätte das eigentlich ausreichen sollen, um Spannung zu erzeugen. Trotz dieser Kritik ist an der Wertung ersichtlich, dass "Schichtende" dennoch endlich wieder einmal eine "Strange New Worlds"-Folge war, die für mich funktioniert hat (wobei ich nicht ausschließe, dass mich die Enttäuschung mit den letzten Episoden ein bisschen "weichgeklopft" hat, und mein Urteil innerhalb einer besseren Staffel um einen halben Wertungspunkt niedriger ausgefallen wäre). So war die Ausgangssituation grundsätzlich schon mal durchaus spannend. Mir gefiel auch, wie die Geschehnisse hier Christine Chapel Gelegenheit gaben, wieder mal in den Mittelpunkt zu rücken. Dabei beeindruckte natürlich nicht zuletzt, wie weit sie zu gehen bereit ist, um M'Benga zu retten. Noch wichtiger für seine weitere Entwicklung war "Schichtende" aber wohl für Scotty. Da Pelia in ihrem Quartier feststeckt, ist es an ihm, das Schiff zu retten – und sich zu jenem "miracle worker" zu entwickeln, als der er Jahre später unter dem Kommando von James T. Kirk bekannt sein wird. Und Carol Kane, die ich zuletzt als Pelia nur schwer ertragen konnte, sollte sich hier in ihren Interaktionen mit Martin Quinn als eine der größten Stärken der Folge erweisen. In einer besseren Staffel wäre "Schichtende" zwar nichts Besonderes; in Season Vier von "Strange New Worlds" sticht sie jedoch überaus positiv hervor (auch wenn das letztendlich mehr über die Qualität der Staffel als der Folge an sich aussagt).
Fazit:
"Event Horizon". "Hangover". "Casablanca". "Muppets". Und jetzt also eine Mischung aus "Die Todesfahrt der Poseidon" und "24". Damit besteht nun also mindestens die Hälfte der vierten "Strange New Worlds"-Staffel aus irgendwelchen Gimmick-Folgen, in denen statt "Star Trek" vielmehr die Variation/Hommage eines anderen popkulturellen Produkts im Mittelpunkt steht. Das darf man – insbesondere zum sechzigsten Geburtstag des Franchises – schon schade finden. Und doch ist "Schichtende" für mich das zweite kleine Highlight der Staffel bislang nach "Valles Marineris" – einfach, weil die Kombination diesmal funktioniert. Dies liegt sicher nicht zuletzt daran, als sich das Katastrophengenre für eine Fusion mit "Star Trek" ungleich besser anbietet, als eben beispielsweise "Hangover". Darüber hinaus gibt die Folge insbesondere Chapel und Scotty Gelegenheit, zu glänzen, wobei letzterer große Sprünge in Richtung jenes "miracle workers" macht, der er dann in "The Original Series" sein wird. Alles rund um die wundersame Heilung von Dr. M'Benga war zwar völliger Quatsch. Wie die Episode allgemein aus seiner Notlage keine Spannung beziehen konnte. In einer bislang enttäuschenden Staffel ist "Schichtende" aber trotz dieser Kritikpunkte zu den löblichen Ausnahmen zu zählen.