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Poirot - 9x06: Das Eulenhaus Drucken E-Mail
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Episodenbild (c) BBC

Originaltitel: The Hollow
Episodennummer: 9x04
Bewertung:
Erstausstrahlung UK: 26. April 2004
Erstausstrahlung D: 26. Dezember 2005
Drehbuch: Nick Dear
Regie: Simon Langton
Besetzung: David Suchet als Hercule Poirot, Jonathan Cake als John Christow, Megan Dodds als Henrietta Savernake, Sarah Miles als Lucy Angkatell, Edward Fox als Gudgeon, Claire Price als Gerda Christow, Lysette Anthony als Veronica Cray, Tom Georgeson als Inspector Grange, Edward Hardwicke als Sir Henry Angkatell, Caroline Martin als Midge Hardcastle, Jamie de Courcey als Edward Angkatell, Ian Talbot als Victor Simms, Angela Curran als Frances Simms, Lucy Briers als Beryl Collins, Dale Rapley als Sergeant Coombes, Teresa Churcher als Elsie Patterson, Harriet Cobbold als Simmons, Andrew Watson als Young Officer, Paula Jacobs als Mrs. Pearstock u.a.

Kurzinhalt: Hercule Poirot macht Urlaub am Land, wofür er sich eine kleine Hütte gemietet hat. Bei seiner Anreise trifft er auf Sir Henry und Lady Angkatell, die das benachbarte Anwesen bewohnen, und ihn zum Abendessen einladen. Dabei lernt er auch deren anderen Gäste kennen, nicht zuletzt John Christo und dessen Ehefrau Gerda. Mit seinem geschulten Auge für menschliche Natur wird Poirot bald offensichtlich, dass John seine Frau mit einer anderen, ebenfalls anwesenden Dame, Henrietta Savernake, betrügt. Als dann auch noch eine frühere Geliebte – und Verlobte – von John, Veronica Cray, auf dem Plan tritt, kommt es zu einem Eklat. Am nächsten Tag ist Poirot zum Mittagessen eingeladen. Da am Abend davor laut darüber nachgedacht wurde, ein Krimispiel rund um einen Mord abzuhalten, wundert er sich im ersten Moment nicht, als sich am Pool ein bizarres Bildnis bietet: John Christo mit einer Schusswunde am Boden, Gerda, die eine Pistole in der Hand hält, und Henrietta, sowie Midge Hardcastle und Edward Angkatell, welche die Szenerie geschockt beobachten. Erst als er sich zu John hinabbeugt wird im klar, dass es sich um kein Spiel handelt. Im ersten Moment scheint der Fall klar zu sein. Dann jedoch stellt sich heraus, dass der Revolver, den Gerda in der Hand hielt, nicht die Mordwaffe ist…


Review (kann Spoiler enthalten): Episodenbild (c) BBC In der ersten halben Stunde stellt man uns die zentralen Figuren der Geschichte vor. Es dauert dabei nicht lange, bis sich John Christo als absolutes Scheusal offenbart. Angefangen natürlich bei seiner Affäre mit Henrietta, mehr noch aber der Art und Weise, wie er seine Frau Gerda behandelt. Ganz ehrlich: Wenn dir nicht taugt, wie sie mit dem Auto fährt, dann fahr halt selbst. Sonst halt gefälligst die Klappe. Aber auch die Art und Weise, wie er für alle offensichtlich mit Henrietta herumturtelt, während seine Frau danebensteht, machte ihn mir alles andere als sympathisch. Davon, wie er sich die erstbeste Gelegenheit, gleich beide mit seiner alten Flamme Veronica zu betrügen, ganz zu schweigen. Nicht falsch verstehen: All das bedeutet natürlich nicht, dass er es verdient hat, ermordet zu werden. Aber sagen wir mal so: Mit anderen Mordopfern habe ich im Verlauf der Serie auch schon mal mehr Mitleid empfunden, als mit ihm. Dessen ungeachtet war das Setup rund um das "Bildnis eines Mordes" schon ziemlich cool. Im ersten Moment scheint natürlich alles auf Gerda hinzudeuten, Johns letzte Worte und wie Henrietta den Revolver ins Wasser wirft lassen dann aber an dieser Theorie erste Zweifel aufkommen, und vielmehr Johns Geliebte in den Fokus rücken.

Dafür sorgen auch die diversen, antagonistischen Szenen mit Hercule Poirot. Bereits bei ihrer ersten Begegnung macht sie mit der Anmerkung "What happens if you meet a criminal who is cleverer than you are yourself?" auf sich aufmerksam; kann es sein, dass sie es eine Art mentale Herausforderung betrachtet, den größten Privatdetektiv der Welt zu täuschen, und versucht, den perfekten Mord zu begehen? Auch ein Motiv scheint im Hinblick darauf, dass John sie – was er natürlich bewusst war – mit Veronica betrogen hat, durchaus gegeben zu sein. Aber auch die von John verschmähte Veronica hätte ein eben solches; und macht sich nicht zuletzt mit der Art und Weise, wie sie Poirot bei ihrer Befragung anlügt, verdächtig. Und auch auf Edward Angkatell darf nicht vergessen werden; die erste halbe Stunde macht deutlich, dass er die längste Zeit in Henrietta verschossen ist, diese aber nur Augen für John hat. Hat er sich seines Konkurrenten entledigt, in der Hoffnung, daraufhin ihr Herz gewinnen zu können? Letztendlich sollen sich all diese Theorien als falsch herausstellen – mehr möchte ich an dieser Stelle aber auch nicht verraten. Jedenfalls fand ich den Fall doch ziemlich clever aufgebaut. Darüber hinaus zeichnet sich das Drehbuch von Nick Dear mit der einen oder anderen netten Dialogzeile aus (wobei ich insbesondere Poirots abschließendes "Go, my child. Your place is with the living. I will remain here with the dead." hervorheben möchte) – wobei ich nicht beurteilen kann, inwiefern diese auch wirklich von ihm stammen, oder vielmehr auf Dame Agatha Christie zurückgehen. Und auch die schauspielerischen Leistungen machen – auch wenn die Folge, mit Ausnahme des Gastauftritts des zweiten Dr. Watson aus der "Sherlock Holmes"-Serie, Edward Hardwicke, ohne mir bekannte Gesichter auskommen muss – einen überwiegend guten Eindruck, wobei ich neben David Suchet (wie eh immer) in erster Linie noch Claire Price lobend erwähnen will. Warum es trotz dieser Pluspunkte keine höhere Wertung gibt, ist leicht erklärt: Bei "Das Eulenhaus" tat man sich in meinen Augen wieder deutlich schwerer, die neunzigminütige Laufzeit zu füllen. So nett das Setup, so clever konstruiert der Fall und so gelungen die Auflösung auch sein mögen, aber die Ermittlungen selbst ziehen sich doch etwas dahin. Zwar habe ich mich nie gelangweilt, und schenkt man sich hier immerhin so unnötige Ablenkungen wie beispielsweise das mit dem Juwelendieb bei "Tod auf dem Nil". Mit den mitreißendsten Episoden/Fällen kann "Das Eulenhaus" aber halt nicht ganz mithalten.

Fazit: Episodenbild (c) BBC Der – mir bislang unbekannte – Fall stach bei "Das Eulenhaus" für mich durchaus positiv heraus. Sowohl von der Grundidee her, dass vermeintlich von vornherein klar ist, wer der Mörder ist, über die zunehmenden Zweifel eben daran (insbesondere natürlich im Hinblick auf die im Pool entsorgte Pistole, die nicht die Mordwaffe war), bis hin zur Vielzahl an Verdächtigen, die hier aufgebaut werden. Der eigentliche Clou war aber dann die Auflösung, wer tatsächlich dahintersteckt. Zugegeben, da und dort mag man sich hier etwas zu sehr bemühen, den Verdacht auf andere Personen zu lenken. Auch ist einem John von Anfang an so unsympathisch, dass man bei der Suche nach seinem Mörder jetzt nicht unbedingt mitfiebert. Und generell schleichen sich, insbesondere im Mittelteil, doch ein paar Längen ein. Die gewohnt hohe Produktionsqualität, die mindestens guten schauspielerischen Leistungen sowie eben der wieder einmal nett ausgeklügelte Fall machen "Das Eulenhaus" aber zu einer weiteren überaus gelungenen Folge der "Poirot"-Serie.

Wertung: 3.5 von 5 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © iTV)







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