Kurzinhalt:
Die Schlacht von Crait ist für den Widerstand vernichtend ausgegangen. Auf ihrem Flug vom Planeten bringen sich Rey, Finn und Poe auf den neuesten Stand. So erzählt letzterer unter anderem von seinem Erlebnissen, nachdem er von Finn auf dem Sternenzerstörer der Ersten Ordnung befreit, und die beiden daraufhin mit dem Tie-Jäger auf Jakku abgestürzt sind. Zudem werden die Ereignisse rund um die Starkiller-Basis nochmal aus Sicht der anderen Mitglieder der Schwarzen Staffel aufgerollt. Aber auch, was diese parallel zur und nach der Schlacht von Crait erlebt haben, wird offenbart. Zuletzt erhält Poe dann von ihnen einen Notruf, und eilt los, um die anderen Mitglieder seines Geschwaders zu retten…
Review:
Die ersten vier Sammelbände zu "Poe Dameron" dienten als Prequels zur Sequel-Trilogie. Das fünfte und zugleich letzte "Trade Paperback", welches die letzten Comics zum Fliegerass und der Schwarzen Staffel versammelt, ist nun überwiegend ein Sidequel, welches einige Lücken aus den ersten beiden Filmen schließt, und insbesondere auch die im Mittelpunkt der Comics stehenden Schwarzen Staffel stärker ins Geschehen einbindet. Was ersteres betrifft, sticht in erster Linie die Erzählung von Poe Dameron hervor, was mit ihm nach dem Absturz des Tie-Jägers auf Jakku – nachdem ihn Finn für tot hielt – geschah. Ich muss gestehen, ich hätte auch ohne dieses Wissen leben können, und fand jetzt generell daran nichts sonderlich bemerkenswert, aber ok, kann man machen. Danach rückt die Schwarze Staffel in den Mittelpunkt, und werden die Ereignisse aus "Das Erwachen der Macht" aus ihrer Perspektive nacherzählt. Auch hier sage ich: Eh ganz nett, aber nichts, was die Sequel-Trilogie inhaltlich irgendwie aufgewertet hätte. Da Rian Johnson im Gegensatz zu J.J. Abrams die Schwarze Staffel ja recht stiefmütterlich behandelte, hat sich Charles Soule eine Erklärung dafür überlegt, warum sie in "Die letzten Jedi" mit Abwesenheit glänzten. Ein bisschen konstruiert wirkte das Ganze auf mich allerdings schon – wobei das zugegebenermaßen eher der Planlosigkeit der Macher hinter der Sequel-Trilogie, als Soule selbst, vorzuwerfen ist. Auffällig nur ein kleinerer Fehler, als C-3PO ursprünglich behauptet, die Nachricht von … wäre nicht vollständig, sie in der nächsten Ausgabe dann aber doch fertig abgespielt wird. Da hat Soule vom Schreiben des einen zum nächsten Einzel-Comic wohl was vergessen.
Zuletzt wird dann die Geschichte aus "Die letzten Jedi" weitererzählt, und der Cliffhanger rund um das Schicksal der Schwarzen Staffel aufgegriffen. Dieser Punkt litt in meinen Augen leider enorm darunter, wie schnell Poe ihnen hier zu Hilfe eilt. Man hat den Eindruck, dass seit der Aufnahme und dem Senden ihres Hilferufs und Poes Eintreffen gerade mal ein paar Minuten, maximal aber eine Stunde oder so vergangen ist. Was im Hinblick darauf, was sich parallel rund um Poe alles zugetragen haben muss (C-3PO musste die Nachricht decodieren, während sich Poe noch die davor angesehen hat, dann musste er die zweite Message abspielen, daraufhin Leia davon überreden, ihn einen Rettungsversuch starten zu lassen, und schließlich musste er dann ja auch noch hinfliegen) völlig unglaubwürdig war. Das weckte unliebsame Erinnerungen an das ansonsten geile Finale der ersten Staffel der "Obi-Wan Kenobi"-Serie. Insgesamt hinterließ Charles Soules Abschluss seiner "Poe Dameron"-Comics bei mir leider einen doch eher enttäuschenden Eindruck. Was allerdings dann doch noch einiges herausreißt, und diesem Teil von "Das Erwachen" eine überdurchschnittliche Wertung einbrachte, war die phänomenale künstlerische Gestaltung. Die Illustrationen von Angel Unzueta und die Farben von Arif Prianto und Rachelle Rosenberg waren wieder mal ein absoluter Augenschmaus. Besser geht's eigentlich nicht. Last but not least fand Soule mit den letzten zwei Seiten einen wirklich schönen und passenden Schlusspunkt für die Reihe – bei dem man es auch hätte belassen sollen.
Stattdessen wurde – leider – noch ein zweites Jahresspecial nachgeschoben, welches wiederum vor den Ereignissen von "Das Erwachen der Macht" spielt, weshalb ich es wenn dann vor der Hauptgeschichte positioniert hätte. Dies wäre nicht nur deshalb besser gewesen, weil dann der wunderbare Abschluss auch wirklich der Schlusspunkt gewesen wäre, sondern auch, als ich auch das zweite Jahresspecial sowohl inhaltlich als insbesondere auch künstlerisch (und hier sind insbesondere die Zeichnungen von Andrea Broccardo, welche einen die Figuren kaum erkennen lassen, zu schelten) ziemlich furchtbar fand. Und so zog es leider auch den Gesamteindruck von "Das Erwachen" erst recht wieder auf ein "nur" durchschnittliches Niveau herunter. Schade!
Fazit:
Nach vier sehr guten bis großartigen Sammelbänden verabschiedet sich die "Poe Dameron"-Reihe mit "Das Erwachen" auf leider doch eher enttäuschende Art und Weise. Diese ganzen Sidequel-Geschichten, die parallel zu "Das Erwachen der Macht" und "Die letzten Jedi" angesiedelt waren, fand ich leider nicht sonderlich interessant. Aber auch die nachfolgende Mission der Schwarzen Staffel konnte an deren beste frühere Abenteuer für mich nicht anknüpfen. Zumal ich Poes Rettung dann auch vom zeitlichen Ablauf her völlig unplausibel fand. Was die letzten sechs regulären Bände der Reihe aber wieder auszeichnet und enorm aufwertet, sind die phänomenalen Bilder, in denen die insgesamt leider recht maue Geschichte erzählt wird. Damit war "Das Erwachen" trotz des enttäuschenden Inhalts noch auf 3/5-Kurs – ehe das zweite Jahresspecial, welches nicht nur inhaltlich, sondern vor allem auch künstlerisch eine ziemliche Katastrophe war, den Gesamteindruck erst recht wieder nach unten drückte.