Originaltitel: Evil Under the Sun Episodennummer: 8x01 Bewertung: Erstausstrahlung UK: 20. April 2001 Erstausstrahlung D: 07. Februar 2018 Drehbuch: Anthony Horowitz Regie: Brian Farnham Besetzung:
David Suchet als Hercule Poirot,
Hugh Fraser als Captain Hastings,
Philip Jackson als Chief Inspector Japp,
Pauline Moran als Miss Lemon,
Michael Higgs als Patrick Redfern,
Tamzin Malleson als Christine Redfern,
Louise Delamere als Arlena Stuart,
Tim Meats als Stephen Lane,
Marsha Fitzalan als Rosamund Darnley,
Carolyn Pickles als Emily Brewster,
David Mallinson als Kenneth Marshall,
Russell Tovey als Lionel Marshall,
Ian Thompson als Major Barry,
David Timson als Horace Blatt,
Rosalind March als Mrs Castle,
Paul Ready als William,
Rebecca Johnson als Gladys Narracott,
Guy Vincent als Barman,
Roger Alborough als Chief Constable Weston,
Kevin Moore als Coroner,
Jason Davies als Nathan Lloyd,
Kenneth Gilbert als Mr Applegood,
Lawrence McGrandles Jr. als Simon Kelso,
Grant Gillespie als Jack Lovett u.a.
Kurzinhalt:
Hercule Poirot begleitet seinen Freund Captain Hastings zur Eröffnung eines Lokals, in dem dieser als Investor dient. Kurz nach dem vorzüglichen Abendessen bricht Poirot zusammen. Der Arzt diagnostiziert Übergewicht, und verdonnert ihn zu einem Kuraufenthalt im auf einer Insel in Devon gelegenen Sandy Cove Hotel. Dort treffen die beiden auf eine illustre Riege an Gästen, darunter auch der Schauspielerin Arlena Stuart, die ebenfalls an der Eröffnung des Restaurants teilgenommen hatte. Hercule beobachtet ihr lebhaftes mit kritischen Augen – jedoch weniger, weil er, wie der Priester Horace Blatt, dieses seinen moralischen Vorstellungen entspricht, sondern vielmehr, weil er vermutet, dass dieses kein gutes Ende nehmen könnte. Am darauffolgenden Tag bestätigt sich sein Verdacht, als Arlena von zwei anderen Gästen des Hotels – Patrick Redfern und Emily Brewster – erwürgt am Strand gefunden wird. Poirot nimmt zusammen mit Inspektor Japp die Ermittlungen auf, befragt alle Anwesenden – und staunt nicht schlecht, als sich herausstellt, dass sie alle für das definierte Zeitfenster, in dem sich der Mord zugetragen haben muss, ein Alibi vorweisen können…
Review (kann Spoiler enthalten):
Mit "Das Böse unter der Sonne" tritt die Poirot-Serie nun gegen meinen zweitliebsten Poirot-Film überhaupt an, nämlich die Kinoadaption aus dem Jahr 1982 mit Peter Ustinov in der Hauptrolle. Dass man just Anthony Horowitz für diese Herausforderung beauftragte, erfüllte mich bei der Sichtung der Credits nicht unbedingt mit Zuversicht, sind seine früheren Adaptionen doch sehr durchwachsen bei mir angekommen. Hier profitiert er grundsätzlich mal von einem wunderbar ausgeklügelten Fall; dass ein solcher aber noch keine Garantie ist, haben frühere Episoden gezeigt. Weil: Man muss eben auch verstehen, diese gelungen zu adaptieren. Im Gegensatz zu einigen früheren Episoden ist Horowitz dies hier allerdings in meinen Augen gelungen. Auch, weil er sich diesmal zurückhält bzw. zurücknimmt, und nicht den Drang verspürt, cleverer sein zu müssen als die Königin des Krimis. Oder, anders ausgedrückt: Wie ich aus dem Eintrag auf der Agatha Christie-Fandom-Wiki herauslesen kann, hat er sich diesmal sehr nah an die Vorlage gehalten. Im Vergleich zur Kinoadaption stechen nur zwei negative und ein positiver Aspekt hervor. So schenkt man sich hier das unnötige Detail mit dem Kanonenschuss. Demgegenüber fand ich den früheren Fall (der dort weggelassen wurde) überflüssig. Vor allem aber hatte die Ustinov-Version – no na – die deutlich hochkarätigere Besetzung zu bieten (wenn ich auch Tamzin Malleson in der Rolle sogar besser fand als Jane Birkin).
Letzteres wird von der itv-Adaption aber insofern zumindest ansatzweise ausgeglichen, als man dafür hier auf die volle Stammbesetzung zurückgreift, und neben David Suchet als Hercule Poirot und Hugh Fraser als Captain Hastings auch Philip Jackson als Chief Inspector Japp sowie Pauline Moran als Miss Lemon ins Spiel bringt. Dieses Wiedersehen wertete "Das Böse unter der Sonne", wie schon die Episode davor ("Dreizehn bei Tisch"), definitiv wieder auf. Produktionstechnisch bewegt man sich indes auf dem aus der Serie gewohnt hohen Niveau – kann aber natürlich dem Vergleich mit dem Kinofilm nicht standhalten. So ist das Bild hier zwar wieder besser (da heller) als in den beiden Episoden davor, insgesamt ist der TV-Film von Brian Farnham aber doch eher unauffällig inszeniert. Vor allem aber machte die Urlaubsinsel/Location im Kinofilm um einiges mehr her als das Setting hier, wenn auch dieses näher an der Vorlage sein dürfte. Von diesen Punkten abgesehen schenken sich diese TV- und die frühere Kinoadaption aber nicht wirklich was. In beiden Fällen profitiert das Endergebnis in erster Linie vom wunderbar ausgeknobelten Fall, den sich Dame Agatha Christie hier ausgedacht hat. Insbesondere natürlich die Tatsache, dass (fast) alle ein Alibi für den Mord zu haben scheinen, lädt (wenn man den Fall noch nicht kennt) doch ordentlich zum Miträtseln ein. Nur die Tatsache, dass die Sache wenn sich Arlena aus der Höhle begeben hätte ordentlich schief gegangen wäre, drängt sich als kleiner Kritikpunkt auf. Davon abgesehen macht "Das Böse unter der Sonne" aber wirklich Laune – und das ganz egal in welcher der beiden Adaptionen.
Fazit:
In der Kinoadaption mit Peter Ustinov in der Hauptrolle strahlte zwar das Böse unter der Sonne in meinen Augen noch ein bisschen intensiver, dennoch kann sich auch die iTV-Verfilmung absolut sehen lassen. Diese kann zwar im Hinblick auf die Produktionsqualität – no na – nicht ganz mithalten, wobei die Kinofassung vor allem auch die imposantere Location zu bieten hatte. Auch die Besetzung war – zumindest dem Namen nach – hochkarätiger. Dafür punktet "Das Böse unter der Sonne" mit einem weiteren Auftritt der kompletten Stammbesetzung der Serie. Zudem schenkt man sich hier das unnötige Detail rund um den Kanonenschuss. Dafür war der Kinofilm noch die Spur amüsanter und damit unterhaltsamer. Insgesamt hat in diesem Duell, im Gegensatz zur Episode davor, zwar Peter Ustinov knapp die Nase (oder den Bauch?) vorn; dennoch ist auch die Fernsehadaption von "Das Böse unter der Sonne" sehr gut gelungen, und damit auch definitiv zu den Höhepunkten der Serie zu zählen.