Originaltitel: Masked Ball Episodennummer: 2x11 Bewertung: Erstausstrahlung US: 15. Dezember 1990 Erstausstrahlung D: 26. Dezember 1991 Drehbuch: Barry Pullman Regie: Duwayne Dunham Besetzung:
Kyle MacLachlan als Special Agent Dale Cooper,
Michael Ontkean als Sheriff Harry S. Truman,
Madchen Amick als Shelly Johnson,
Dana Ashbrook als Bobby Briggs,
Richard Beymer als Benjamin Horne,
Sherilyn Fenn als Audrey Horne,
Lara Flynn Boyle als Donna Hayward,
Warren Frost als Dr. Will Hayward,
Peggy Lipton als Norma Jennings,
James Marshall als James Hurley,
Everett McGill als Big Ed Hurley,
Jack Nance als Pete Martell,
Kimmy Robertson als Lucy Moran,
Ray Wise als Leland Palmer,
Joan Chen als Jocelyn Packard,
Piper Laurie als Catherine Martell,
Harry Goaz als Deputy Andy Brennan,
Michael Horse als Deputy Tommy 'Hawk' Hill,
Chris Mulkey als Hank Jennings,
Ian Buchanan als Dick Tremayne,
Clarence Williams III als FBI Agent Roger Hardy,
James Booth als Ernie Niles,
David Duchovny als DEA Agent Dennis/Denise Bryson,
Wendy Robie als Nadine Hurley,
Charlotte Stewart als Betty Briggs,
Gary Hershberger als Mike Nelson,
Tony Jay als Dougie Milford,
Robyn Lively als Lana Budding Milford,
Annette McCarthy als Evelyn Marsh,
Royce D. Applegate als Rev. Clarence Brocklehurst,
Ron Taylor als Coach Wingate,
Dan O'Herlihy als Andrew Packard u.a.
Kurzinhalt:
Agent Cooper und Sheriff Truman informieren Betty Briggs über das Verschwinden ihres Ehemanns, und befragen sie auch gleich dazu. Kurz darauf wird Dale, während die Untersuchung im Hinblick auf seine beiden Einsätze in Kanada läuft, vorläufig vom Dienst suspendiert. Eben diese steht unter der Leitung von Dennis bzw. Denise Bryson. James Hurley hat sich indes, um den Ereignissen in Twin Peaks zu entfliehen, auf sein Motorrad geschmissen. In einer Bar lernt er schließlich die so attraktive wie geheimnisvolle Evelyn Marsh kennen. Die wieder zur High School zurückgekehrte Nadine hat indes statt ihres vermeintlichen Schatzes – und Ehemanns – Big Ed vielmehr ein Auge auf Mike Nelson geworfen. Jocelyn schüttet Harry im Hinblick auf ihre Vergangenheit in Hong Kong – und die Erpressung durch Thomas Eckhardt – ihr Herz aus. Der nun für Jean Renault arbeitende Hank Jennings erhöht den Druck auf Benjamin Horne. Andy Brennan und Dick Tremane versuchen sich im Hinblick darauf, wer der bessere Vater für Lucys Kind wäre, gegenseitig zu übertreffen. Und am Abend feiert ganz Twin Peaks die "Mai-Dezember"-Hochzeit von Dougie Milford und Lana Budding…
Review:
Ich habe es in meinem Review zur Pilotfolge "Das Geheimnis von Twin Peaks" erwähnt: Auch wenn sie – leider – vergleichsweise kurzweilig war, kann ihr Einfluss auf die amerikanische Serienlandschaft nicht bestritten werden. So behaupte ich nach wie vor: Ohne "Twin Peaks" hätte es – unter anderem – "Akte X" nie gegeben; schon gar nicht in ihrer letztendlichen Form. Neben dem Mystery-Aspekt im Allgemeinen und sogar einzelnen Szenen, wie eben dem Finale der Episode davor (mit dem Licht hinter dem Hügel, und dem plötzlichen, unerklärlichen Verschwinden von Major Briggs) gilt dies nicht zuletzt auch für die Besetzung dort. Natürlich ist es möglich, dass Chris Carter David Duchovny auch dann als Agent Mulder gecastet hätte, wenn er nicht bereits hier sein Fernseh-Debüt gegeben hätte. Geschadet hat es aber sicher auch nicht, war "Twin Peaks" doch zweifellos die erste – wenn auch kleine – Rolle, in der Duchovny wirklich Eindruck hinterlassen hat. Dies natürlich, neben seiner charismatischen Präsenz, auch aufgrund der Art der Rolle. Heutzutage würde hier lauthals "woke!" geschrien werden. Mit der Darstellung einer Trans-Person war "Twin Peaks" seiner Zeit jedenfalls weit voraus.
Leider kann jedoch auch dieser lobenswerte – und letztendlich für mich leider auch so ziemlich einzig positive – Aspekt am insgesamt enttäuschenden Eindruck von "Maskenball" nichts ändern. Ich habe es ja im Review zu "Einsame Seelen" bereits erwähnt: Ich hätte es für einen großen Fehler – und unfair gegenüber dem Publikum – erachtet, wenn man den Mord an Laura Palmer nie aufgeklärt hätte. Dennoch ist unbestreitbar, dass "Twin Peaks" danach doch etwas die Luft ausgegangen ist – was wohl auch den Zuschauereinbruch und damit zugleich die Absetzung nach der zweiten Staffel erklärt. Nun ist es nicht etwa so, als hätte es in der ersten Staffel nicht auch schon einen Einbruch gegeben, wo man den Krimi/Thriller- und/oder Mystery-Aspekt zugunsten der mich nicht einmal ansatzweise ähnlich ansprechenden Soap-Elemente aus den Augen verloren hat. Dort gab es aber zumindest die ungelöste Frage rund um den Mord an Laura Palmer, der mich an der Stange hielt, und der Serie somit über diesen Durchhänger drüberhalf. Zwar ist es nicht so, als gäbe es nun überhaupt keine offenen Fragen und/oder spannenden Mysterien mehr. Nicht zuletzt brachte das unerklärliche Verschwinden von Mayor Briggs am Ende der Folge davor ein weiteres solches Element ein. Und doch: Ganz so interessant wie die Frage, wer Laura Palmer ermordet hat, sind diese halt nicht. Was eben auch dazu führt, dass ich "Maskenball" für die bislang schwächste Folge der Serie halte. Wie gesagt, der erste Auftritt von Denise war klasse, und hinterlässt definitiv Eindruck. Auch das Gespräch mit Major Briggs Frau war nicht uninteressant. Und wenn er vorläufig suspendiert wird, fühlt man mit Dale Cooper zweifellos mit. Insgesamt war hier aber entschieden zu wenig los – oder besser gesagt: Zu wenig, dass mich interessiert hätte. Dies gilt für die Jocy-Storyline (wo Catherine wieder einmal ihre abscheulichere Seite zum Vorschein bringen darf) ebenso, wie die Konfrontation zwischen Ben und Hank, oder auch James' Bekanntschaft bei seinem "Easy Rider"-Trip. Dementsprechend hat sich "Maskenball" leider meinem Empfinden nach doch ordentlich gezogen.
Fazit:
in paar Folgen lang konnte "Twin Peaks" auch nachdem zumindest wir mal erfuhren, wer Laura Palmer ermordet hat, das hohe Niveau noch ansatzweise halten. Mit "Maskenball" kommt nun jedoch ein ziemlich brutaler Einbruch. Noch beschäftigt man sich zu zart mit den anderen Mystery-Elementen rund um die weiße und schwarze Hütte, Major Briggs Verschwinden, und so weiter. Stattdessen rücken die Soap-Elemente in den Mittelpunkt, die mich leider größtenteils nicht ansprechen konnten. Egal, ob es nun um James geht, der auf seiner Motorradtour die ominöse Evelyn Marsh kennenlernt, die Rückkehr von Jocelyn, Nadines Erlebnisse auf der High School, der sich gegenüber Benjamin emanzipierende Hank, der gemeinsame Ausflug von Andy und Dick, oder auch die Hochzeit am Ende. So ziemlich der einzige Lichtblick ist der erste Auftritt von David Duchovny als Denise, so wie allein dank Kyle MacLachlans sympathischer Performance immer guten Szenen rund um Dale Cooper.