Originaltitel: The Murder of Roger Ackroyd Episodennummer: 7x01 Bewertung: Erstausstrahlung UK: 02. Januar 2000 Erstausstrahlung D: 24. Januar 2018 Drehbuch: Clive Exton Regie: Andrew Grieve Besetzung:
David Suchet als Hercule Poirot,
Philip Jackson als Chief Inspector Japp,
Oliver Ford Davies als Dr. Sheppard,
Malcolm Terris als Roger Ackroyd,
Selina Cadell als Caroline Sheppard,
Daisy Beaumont als Ursula Bourne,
Flora Montgomery als Flora Ackroyd,
Nigel Cooke als Geoffrey Raymond,
Jamie Bamber als Ralph Paton,
Roger Frost als Parker,
Vivien Heilbron als Mrs. Ackroyd,
Gregor Truter als Inspector Davis,
Rosalind Bailey als Mrs. Ferrars,
Liz Kettle als Mrs. Folliott,
Charles Simon als Hammond,
Chas Early als Constable Jones,
Graham Chinn als Landlord,
Clive Brunt als Naval Officer,
Alice Hart als Mary,
Philip Wrigley als Postman,
Phil Atkinson als Ted u.a.
Kurzinhalt:
Vor rund einem Jahr hat sich Hercule Poirot zur Ruhe gesetzt, und das hektische Treiben in London zugunsten eines vermeintlich ruhigen und beschaulichen Landlebens in der Kleinstadt King's Abbot hinter sich gelassen. Doch auch dieses ist nicht frei von Verbrechen. So kam es vor rund einem Jahr zum verdächtigen Tod von Mrs. Ferrars Ehemann. Nun, ein Jahr später, nimmt sie sich das Leben. Und unmittelbar darauf, am nächsten Abend, wird der Industrielle Roger Ackroyd – ein alter Freund von Hercule Poirot – ermordet aufgefunden. Die Leiche wird von Dr. Sheppard gefunden, der sich seit seinem Umzug nach King's Abbot ebenfalls mit Hercule Poirot angefreundet hat, weshalb er diesen sofort verständigt, damit er den Tatort besichtigen kann. An Verdächtigen mangelt es grundsätzlich nicht, allerdings scheinen nur vergleichsweise wenige Personen die Gelegenheit gehabt zu haben, den Mord im aufgrund von Zeugenaussagen relativ eingeschränkten Zeitfenster begangen zu haben. Während sich die Ermittlungen der örtlichen Polizei auf seinen Stiefsohn Ralph fokussieren – der seit der Mordnacht verschwunden ist – hegt Hercule Poirot eine ganz andere Vermutung, der er mit seinem alten Freund Inspektor Japp nachgeht…
Review (kann Spoiler enthalten):
Von der sechsten zur siebten Staffel macht die Serie in mehrerer Hinsicht einen Sprung. Einerseits sind mit knapp drei Jahren zwischen der Produktion von "Der ballspielende Hund" und "Alibi" so viel Zeit wie bislang noch nie vergangen. Dies macht sich nicht zuletzt auch im neuen Bildformat bemerkbar, denn nachdem sich zur Jahrtausendwende 16:9 auch im Fernsehen zunehmend durchsetzte, werden auch die iTV-Poirot-Verfilmung ab dieser Episode in diesem Format präsentiert, was im ersten Moment doch ein bisschen ein optischer Bruch ist, an den ich mich erst gewöhnen musste. Wie generell "Alibi" in visueller Hinsicht auf mich nicht den besten Eindruck machte, was entweder den verwendeten Kameras oder dem zu dunklen Bild – oder beidem – geschuldet sein mag. Jedenfalls sah der TV-Film für mich, abseits der cleveren letzten Einstellung, die an das Intro der Serie angelehnt ist, doch vergleichsweise uninteressant aus. Aber auch inhaltlich stellt "Alibi" eine Zäsur dar (wenn auch die genaue Anzahl der Jahre nicht definiert wird): Hercule Poirot hat sich mittlerweile – eigentlich – zur Ruhe gesetzt, und den hektischen Alltag in London mit dem vermeintlich beschaulichen Landleben in King's Abbot getauscht. Doch wie ihm Christies andere große Heldin Miss Marple hätte verraten können: Auch dort mangelt es an Morden nicht.
Die Erzählweise, die man für "Alibi" verwendet hat, ist jedenfalls etwas gewöhnungsbedürftig. Hercule Poirot liest aus dem Tagebuch des Mörders – der daraus resultierende Voice Over-Kommentar zieht sich durch den kompletten Film. Ein Stilmittel, das für mich doch eher nur semi-gut funktioniert hat. Ich fand leider auch, dass der Fall nicht wirklich komplex genug war, um die Laufzeit von über neunzig Minuten zu rechtfertigen. Vor allem im ersten Drittel zieht sich "Alibi" deswegen leider stellenweise doch etwas dahin. Schade auch, dass ich hier, im Vergleich zu früheren Fällen, den Mörder etwas zu offensichtlich fand, und die Auflösung dementsprechend früh erahnte. Sparen hätte man sich auch den Showdown in der Fabrik, der nicht nur "Poirot"-untypisch war, sondern fast schon unfreiwillig komisch anmutete (rechnete nur ich damit, dass gleich Batman daherschwingt, und den Mörder in ein Fass mit Säure befördert?). Vor allem aber gelang es "Alibi" leider nicht, mich die Freundschaft zwischen Hercule Poirot und Dr. Sheppard spüren zu lassen – was wichtig gewesen wäre, um dem Ende emotionales Gewicht zu verleihen. Man vergleiche ihre Szene mit jenen zwischen Poirot und Japp, die vor Wärme förmlich überschäumten. Selbst ein Zehntel dieses Gefühls hätte bei Poirot/Sheppard schon gereicht. Trotz dieser Kritik will ich "Alibi" jetzt aber auch nicht schlecht reden. Insbesondere die Veteranen David Suchet und Philip Jackson überzeugen wieder mit ihrer Spielfreude, und insbesondere auch der warmherzigen Dynamik zwischen ihren Figuren. Darüber hinaus bietet die Episode mit Oliver Ford Davies (Sio Bibble aus den "Star Wars"-Prequels) und Jamie Bamber (Apollo aus dem "Battlestar Galactica"-Reboot) zwei bekannte Gesichter. Der Fall ist grundsätzlich ja auch ganz nett ausgeklügelt, wenn es Drehbuch-Veteran Clive Exton diesmal auch nicht gelingen wollte, dass ich ihm auf einen der ausgeworfenen Roten Heringe hereingefallen wäre. Und abseits des aufgesetzten Action-Showdowns wusste auch die Auflösung – wo man mit dem üblichen Schema spielt, und es auf den Kopf stellte (denn hier ist es nicht Poirot, sondern vielmehr der Mörder selbst, der den Fall aufrollt) durchaus zu gefallen. Ich wünschte nur, man hätte aus dieser mehr emotionale Wirkung herausgeholt (ähnlich, wie dies der Serie zuvor mit "Das Wespennest" gelungen ist).
Fazit:
Mit "Alibi" startet die Krimi-Serie "Poirot" doch ein bisschen holprig in die siebende Staffel – und damit zugleich eine neue Ära (einerseits im Hinblick auf das 16:9-Format, und andererseits den zeitlichen Sprung hinein in Poirots Ruhestand). Denn in meinen Augen wäre mit dem durchaus gewitzten Fall, insbesondere aber dessen Auflösung, das Potential für eine der besten Episoden von "Poirot" dagewesen (und dem Vernehmen nach soll die Vorlage ja auch zu Christies besten Werken zählen). Leider aber zieht sich "Alibi" vor allem in ersten Drittel doch etwas dahin. Auch das Stilmittel mit Poirots Voice Over-Kommentar aus dem Tagebuch hat für mich leider nur sehr bedingt funktioniert. Vor allem aber mangelt es der Auflösung an emotionalem Gewicht. Dass diese dann auch noch in einem untypisch actionreichen Showdown mündet, der extrem aufgesetzt und unpassend wirkt, schadet "Alibi" dann nochmal zusätzlich; zumal dessen Ende eigentlich das Potential für einen wirklich tragischen Ausgang besessen hätte. Schlecht ist "Alibi" deshalb aber noch lange nicht. Neben der Spielfreude, die insbesondere David Suchet wieder an den Tag legt, freute ich mich insbesondere am Zusammenspiel mit Philip Jacksons Inspektor Japp. Aber auch aus dem kurzen Besuch von Poirots altem Apartment bezieht "Alibi" einiges an (nostalgischem) Reiz. Gerade auch im Hinblick darauf, dass einige der (meines Erachtens) besten Werke von Agatha Christie für die iTV-Adaption noch ausstehen, hoffe ich jedenfalls, dass es der zweiten Ära der Serie gelingen wird, sich zu steigern – und damit eben diesen Werken (im Gegensatz zu "Alibi"?!) gerecht zu werden.