Kurzinhalt:
Nachdem sich die ehemalige Reporterin Suralinda Javos – eine alte Bekannte von Poe Dameron – dem Widerstand angeschlossen hat, und die Schwarze Staffel den Verlust ihres Kameraden L'ulo betrauerte, hat General Organa den nächsten Auftrag für sie. Der Widerstand benötigt dringend Treibstoff, um die Flotte und die Kampfjäger zu betanken. Mit den letzten Vorräten im Tank fliegt die Schwarze Staffel zu den Koordinaten, die ihnen zuvor von einem Händler genannt wurden – nicht ahnend, dass die Erste Ordnung diesen aufgespürt hat, und die Piloten eine Falle erwartet. Denn der Treibstoff aus den Tanks wurden abgezapft, und der Frachter mit einem Sprengsatz versehen. Sobald man die Geschwindigkeit reduziert, wird dieser hochgehen. Während die anderen Piloten der Staffel dafür plädieren, zur Basis zurückzukehren, drängt Poe Dameron darauf, die Mission – auch für den gefallenen L'ulo – fortzusetzen, und alles daran zu setzen, um den gestohlenen Treibstoff von der Ersten Ordnung wieder zu beschaffen. Danach brechen Suralinda Javos, Karé Kun und Jess Testor zu einem Planeten auf, um die Verbrechen der Ersten Ordnung zu dokumentieren, während Poe Dameron und Temmin Wexley Jagd auf den Verräter Oddy Muva machen…
Review:
Vorab: Auch wenn ich beim Titel auf die deutsche Veröffentlichung referenziere, lese ich die englischen Trade Paperbacks. Ich erwähne dies deshalb, weil man zu Beginn von "Legend Lost" hier nun den siebenten Comic der "Poe Dameron" Reihe nachzieht (da Suralinda Javos in weiterer Folge eine wichtige Rolle spielt, und es gilt, sie vorzustellen), der chronologisch eigentlich an den Beginn von "The Gathering Storm" gehört hätte, und ich nicht sicher bin, ob der deutsche Release dem gefolgt ist. So oder so, es ist ein bisschen ein holpriger Einstieg, mit dieser losgelösten Geschichte zu beginnen, nur um im Comic darauf dann den Tod von L'ulo am Ende des vorherigen Sammelbands aufzugreifen. Wenn ich schon beim Kritisieren bin: Ich fand es etwas schade, dass Agent Terex, nachdem man ihn in "Inmitten des Sturms" näher beleuchtete, und er sich für mich in diesen zwei Sammelbänden zu einem faszinierenden neuen Bösewicht entwickelt hat, hier nun nach seiner Hirnoperation und dem Gerät, dass ihn steuert, auf einen willenlosen Sklaven reduziert. Zwar könnte ich mir vorstellen, dass dies nicht von langer Dauer sein wird. Und ich verstehe, dass man ihn nicht erneut gegen die Schwarze Staffel antreten – und wieder verlieren – lassen wollte, da er ansonsten nach zig Niederlagen seinen bedrohlichen Charakter verlieren würde. Doch auch wenn ich meine, Charles Soule' Gründe verstehen zu können, verschwendete man hier in meinen Augen einiges an Potential, und vor allem auch einen höchst interessanten Widersacher.
Von diesen Punkten abgesehen war ich aber auch von "Die geheime Basis" wieder sehr angetan. Dies gilt auch durchaus bereits für den ersten hier versammelten Comic, auch wenn dieser für sich steht, und eben zu Beginn des Sammelbands besser aufgehoben gewesen wäre. Dennoch war die Geschichte packend und actionreich, und fand ich es nett, hier mit Suralinda Javos eine neue, durchaus interessante Figur kennenzulernen. Der nachfolgende Dreiteiler rund um den – leeren, und zu einer Falle umfunktionierten – Tanker stellte für mich dann klar das Highlight von "Die geheime Basis" dar. Zugegeben, was mit dem Raumschiff, dass nicht langsamer werden darf, weil es sonst explodiert, ist natürlich eindeutig dem 90er-Jahre-Actionthriller "Speed" entnommen – funktioniert aber auch in dieser abgewandelten Form sehr gut. Zudem merkte ich gerade auch bei dieser Geschichte, wie wir von Band zu Band, von Einzelcomic zu Einzelcomic, die Figuren immer besser kennenlernen, wie z.B. die im Film von Jessica Henwick gespielte Jess. Vor allem aber imponierte mir die Entschlossenheit, die insbesondere Poe Dameron an den Tag legt (auch wenn man es zweifellos auch Sturheit nennen könnte), als er selbst als alles verloren scheint den Treibstoff nicht aufgeben will. Die letzte Geschichte war dann aber ebenfalls ganz nett. Dort hatte es mir dann tendenziell eher der Handlungsstrang rund um den Versuch, die Verbrechen der Ersten Ordnung zu dokumentieren, angetan – was auch daran liegt, dass uns Oddys Beweggründe für den Verrat aus "Inmitten des Sturms" ja bereits bekannt waren. Und generell fand ich seine in einem aufopfernden Heldentod mündende "redemption story" ein bisschen klischeehaft – wenn auch nichtsdestotrotz durchaus effektiv. Der letzte wesentliche Pluspunkt war dann auch hier wieder die fantastische künstlerische Gestaltung, egal ob es um die Illustrationen oder die Farbgebung geht. "Die geheime Basis" war wieder eine echte Augenweide – und komplettierte damit den überaus positiven Gesamteindruck.
Fazit:
Aufgrund der gleich drei hier versammelten, voneinander recht unabhängigen, Geschichten (zumindest in der englischen Ausgabe) machte "Die geheime Basis" zwar ein bisschen einen zerfahrenen Eindruck, wobei sich insbesondere der erste – chronologisch falsch sortierte – Comic ein bisschen wie ein Fremdkörper anfühlt. Zudem fand ich es schade, die Rolle von Agent Terex auf einen willenlosen Sklaven reduziert zu sehen. Und der Ausgang von Oddys Geschichte war ein bisschen gar typisch. Von diesen Punkten abgesehen war ich aber auch vom dritten Sammelband rund um die Abenteuer von Poe Dameron und seiner Schwarzen Staffel wieder überaus angetan – und dies sowohl inhaltlich (wobei es mir hier vor allem der Dreiteiler rund um den Tanker angetan hatte) als auch optisch.