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Das Geheimnis der Goldmine Drucken E-Mail
Miss Marple, drei Morde und ein Kinderreim Kategorie: Literatur & Comics - Autor: Christian Siegel - Datum: Donnerstag, 18 Juni 2026
 
Titel: "Das Geheimnis der Goldmine"
Originaltitel: "A Pocket Full of Rye"
Bewertung:
Autorin: Agatha Christie
Übersetzung: Milena Moser
Umfang: 224 Seiten (E)
Verlag: Atlantik (D), HarperCollins (E)
Veröffentlicht: 09. November 1953 (E)
ISBN: 978-0-00-819657-8 (E)
Kaufen: Taschenbuch (D), Taschenbuch (E)
 

Kurzinhalt: Nachdem er im Büro angekommen ist, nimmt Rex Fortescue, wie jeden Morgen, zum Frühstück einen Tee. Nur kurz nachdem er den ersten Schluck zu sich genommen hat bricht er mit schmerzverzerrtem Gesicht zusammen. Als der Arzt eintrifft, kann dieser nur mehr seinen Tod feststellen. Aufgrund der verdächtigen Umstände wird eine Obduktion angefordert, die als Todesursache dann Vergiftung mit Taxinen diagnostiziert. Aber auch der mysteriöse Fund von Roggen in der Hosentasche des Opfers gibt Rätsel auf. Die Polizei wendet ihre Aufmerksamkeit, wenig überraschend, der Familie, und hier insbesondere Rex Fortescues Ehefrau Adele, zu. Doch nur kurz nach der Befragung wird auch sie vergiftet. Kurz darauf wird dann auch noch eines der Hausmädchen des Anwesens, Gladys, ermordet – und an eine Wäscheleine gehängt – aufgefunden. Eben dies, sowie der Fund der Handvoll Roggen in den Taschen, erinnert Miss Marple an einen alten Kinderreim. Da sie darüber hinaus Gladys kannte, die früher für sie gearbeitet hat, bricht sie zum Fortescue-Anwesen auf, um sich des Falls anzunehmen…

Review: Im Vergleich zum Roman davor nimmt Miss Marple bei "Das Geheimnis der Goldmine" wieder eine deutlich kleinere Rolle ein. Das ist dann auch gleich mein erster, letztendlich aber auch einziger, wesentlicher Kritikpunkt an Agatha Christies fünftem Roman rund um die Fälle der rüstig-schlauen alten Dame. Davon abgesehen zeigt sich nämlich das gewohnte, überwiegend positive Bild. Angefangen beim wieder nett ausgeklügelten Fall an sich. Dabei fand ich nicht zuletzt auch die leichte Anpassung im Verlauf der Geschichte reizvoll. Dass der erste Mord noch mindestens einen, gerne überhaupt gleich zwei weitere bedingt, ist bei den Fällen von Miss Marple ja ein durchaus bekanntes Muster. Üblicherweise dauert es aber doch eine Weile, und sind die Ermittlungen rund um den ersten Mord bereits voll im Gange, ehe es soweit ist. Hier hingegen geschehen alle drei Morde relativ nah beieinander, und auch noch, bevor sich Miss Marple einschaltet. Insofern hat sie von Anfang an nicht nur einen, sondern gleich drei Morde aufzuklären – was auch die Ermittlungen irgendwie von Anfang an komplexer macht. Einen wesentlichen Anteil daran haben zudem auch wieder die großzügig eingestreuten roten Heringe und falschen Fährten. Und doch gibt Christie auch hier wieder den Leser:innen alle Hinweise, die notwendig sind, um den Fall selbst (und entweder gemeinsam mit oder sogar noch vor Miss Marple) zu knacken. In zwei Bereichen waren frühere Marple-Romane allerdings auch schon stärker: So bieten sich einem hier, abseits von Miss Marple selbst, wenig Sympathieträger, mit denen man sich identifizieren und mitfiebern könnte. Und im Hinblick auf die kritische Betrachtung der (damaligen) Gesellschaft waren andere Fälle auch schon mal treffender und schneidender. Nichtsdestotrotz ist auch "Das Geheimnis der Goldmine" wieder ein gewitzter, kurzweiliger Fall, der Fans der Krimis von Agatha Christie im Allgemeinen und der Fälle von Miss Marple im Besonderen gut bis sehr gut unterhalten sollte.

Fazit: "Das Geheimnis der Goldmine" mag vielleicht, zumindest in meinen Augen, nicht der beste Fall sein, den Agatha Christie ihrer Jane Marple zum Lösen gegeben hat, dennoch vermochte mich auch dieser Roman wieder gut zu unterhalten. Positiv stach dabei nicht zuletzt heraus, dass die weiteren Morde diesmal recht zeitnah zum ersten stattfinden, was für eine im Vergleich zu den bisherigen Geschichten doch etwas anderen (und interessanten) Ausgangssituation führen. Der Fall ist auch wieder wunderbar ausgeklügelt, und kann mit einigen effektiven falschen Fährten aufwarten. Allerdings macht sich Miss Marple hier im Vergleich zum Buch davor wieder etwas rarer, womit die Autorin für längere Zeit auf die meines Erachtens größte Stärke dieser Erzählungen verzichtet. Trotz dieser kleineren Mankos hat aber auch "Das Geheimnis der Goldmine" wieder Spaß gemacht.

Bewertung: 3/5 Punkten
Christian Siegel
(Cover © 2022 HarperCollins)





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