Originaltitel: Laura’s Secret Diary Episodennummer: 2x04 Bewertung: Erstausstrahlung US: 20. Oktober 1990 Erstausstrahlung D: 15. November 1991 Drehbuch: Jerry Stahl, Mark Frost, Harley Peyton & Robert Engels Regie: Todd Holland Besetzung:
Kyle MacLachlan als Special Agent Dale Cooper,
Michael Ontkean als Sheriff Harry S. Truman,
Madchen Amick als Shelly Johnson,
Dana Ashbrook als Bobby Briggs,
Richard Beymer als Benjamin Horne,
Lara Flynn Boyle als Donna Hayward,
Sherilyn Fenn als Audrey Horne,
Warren Frost als Dr. Will Hayward,
Peggy Lipton als Norma Jennings,
James Marshall als James Hurley,
Everett McGill als Big Ed Hurley,
Jack Nance als Pete Martell,
Kimmy Robertson als Lucy Moran,
Ray Wise als Leland Palmer,
Joan Chen als Jocelyn Packard,
Harry Goaz als Deputy Andy Brennan,
Sheryl Lee als Maddy Ferguson,
Chris Mulkey als Hank Jennings,
Ian Buchanan als Dick Tremayne,
Lenny von Dohlen als Harold Smith,
Royal Dano als Judge Clinton Sternwood,
Don Amendolia als Emory Battis,
Piper Laurie als Catherine Martell,
Ritch Brinkley als D.A. Daryl Lodwick,
Michael Parks als Jean Renault,
Bellina Logan als Desk Clerk,
Claire Stansfield als Sid,
Mak Takano als Jonathan u.a.
Kurzinhalt:
Leland Palmer wurde für den Mord an Jacques Renault verhaftet. Im Verhörraum der Polizeistation von Twin Peaks legt er schließlich ein Geständnis ab, und wird in Gewahrsam genommen. Etwas später trifft Richter Clinton Sternwood ein, um den Fall mit Sheriff Truman und Agent Cooper zu besprechen. Parallel dazu intensiviert sich der Streit zwischen Andy Brennan und Lucy Moran, als diese ihn dabei ertappt, wie er sich mit einem erotischen Magazin auf die Toilette zurückzieht – nicht ahnend, dass dieser Dr. Hayward eine Samenprobe übergeben will, um zu überprüfen, ob er nicht vielleicht doch der Vater ihres Kindes sein könnte. Mit ihren Liebhaber Dick Tremayne hat Lucy kaum mehr Glück: Dieser händigt ihr kurzerhand ein Kuvert mit Geld aus, um "das Problem aus der Welt zu schaffen". Jocelyn Packard kehrt indes von ihrer Einkaufstour zurück, und erfährt vom Tod von Catherine Martell. Die Ankündigung, dass in Kürze ein berühmter Autor für Reiseführer in Twin Peaks eintreffen könnte, versetzt sowohl das Great Northern Hotel als auch Double R Diner in Aufregung. Harold Smith liest Donna Hayword aus Lauras geheimen Tagebuch vor. Und Jean Renault verlangt von Benjamin Horne für die Freilassung von dessen Tochter Audrey nicht nur Lösegeld, sondern auch, dass er Agent Cooper in eine Falle lockt…
Review:
Gleich zu Beginn begeistert "Lauras geheimes Tagebuch" mit der Kamerafahrt, die aus dem Loch in der Verhörwand herausgeht und uns schließlich den verhafteten Leland zeigt. Zwar sollte es für mich letztendlich die einzige Szene sein, die inszenatorisch hervorstach (was nicht heißen soll, dass der Rest in dieser Hinsicht nicht grundsätzlich auch wieder überzeugen konnte), aber he, immerhin. Stark dann zweifellos auch die Szene, wo Leland den Mord an Jacques gesteht – vor allem auch aufgrund von Ray Wise' wirklich phänomenaler Performance. Danach schlägt "Lauras geheimes Tagebuch" wieder etwas ruhigere Töne an, wobei auch hier wieder ausreichend viel los war, um die Folge kurzweilig zu gestalten. So bringt uns die Episode u.a. die Rückkehr von Jocelyn, die hier auch vom (vermeintlichen) Tod von Catherine erfährt. In ihrem späteren Gespräch mit Jonathan wird auch klar, dass sie ebenfalls in illegale Machenschaften verstrickt ist – was ihrer Beziehung zu Sheriff Truman eine tragische Note verleiht, da man ahnt, dass diese nicht gut ausgehen wird.
Aber auch für Humor ist wieder einmal gesorgt. Diesbezüglich sticht natürlich nicht zuletzt die Einlage rund um Andy hervor, der hier eine Spermaprobe für Dr. Hayward sammelt, in der Hoffnung, er könnte doch der Vater von Lucys Kind sein. Etwas, dass man im Hinblick auf Dick Tremaynes wenig charmante Reaktion auf Lucys Offenbarung, schwanger zu sein, beiden von ganzem Herzen wünschen. Aber auch rund um den mysteriösen Reiseführer-Autor gibt es ein paar amüsante Momente, wo "Twin Peaks" mit den klassischen Elementen von Verwechslungskomödien spielt. Es ist für mich unter anderem dieser sehr eigenwillige Mix aus Drama, Thriller, Mystery, Seifenoper und eben auch Komödie, der "Twin Peaks" so einzigartig macht. Parallel dazu sorgt die Falle, in die Agent Cooper bei der Lösegeldübergabe für Audrey gelockt werden soll, für Spannung. Die Szene, wo sich herausstellt, dass sich Harry dazu entschlossen hat, statt jemand anderen von den Bookhouse Boys zu schicken, ihn vielmehr selbst zu begleiten, zeigt die zunehmende Wertschätzung, die sich zwischen den beiden entwickelt hat, und wärmte mein Herz. Andere Szenen waren allerdings nicht ganz so interessant und/oder mitreißend. So hatte ich bei dem kurzen Auszug aus Lauras Tagebuch, als Harold Donna aus diesem vorliest, eher den Eindruck, dass man damit dafür sorgen will, dass wir diesen Handlungsstrang nicht aus den Augen verlieren. Wirklich spannende neue Erkenntnisse ergaben sich daraus aber nicht. Aber auch die Aussprache zwischen Donna und Maddy zählt für mich zu den schwächeren (wenn auch längst nicht schlechten) Momenten der Folge. Und auch das mit dem geheimnisvollen Chinesen funktioniert, wenn überhaupt, nur bei der Erstsichtung (im Gegensatz zu den meisten anderen Elementen von "Twin Peaks", selbst rund um die Ermittlungen im Tod von Laura Palmer, die mich obwohl ich die Auflösung schon kenne nach wie vor faszinieren). Insgesamt setzt sich damit zwar der bisherige leicht Abwärtstrend der zweiten Staffel fort; nicht zuletzt auch, als die Mystery-Elemente, die für mich zu den größten Stärken der Serie zählen, diesmal eher wieder vernachlässigt werden. Da jedoch wieder genug los war, um die Folge kurzweilig zu machen, schlägt das Pendel insgesamt auch hier wieder in die positive Richtung aus.
Fazit:
Auch wenn die Trendkurve zu Beginn der zweiten Staffel leicht nach unten zeigt, konnte mir auch "Lauras geheimes Tagebuch" wieder gut unterhalten (wenn eben auch nicht ganz so packen und/oder faszinieren wie die Episoden davor). Zu verdanken war dies einerseits dem sehr ungewöhnlichen Mix verschiedener Töne und Elemente, und andererseits die Fülle an interessanten Entwicklungen und ganz allgemein an Inhalt. Langweilig wurde mir bei "Lauras geheimes Tagebuch" jedenfalls nicht. Im Vergleich zu den Folgen (der zweiten Staffel) davor mangelte es mir aber ein bisschen an den ganz großen Highlights. Zwar fängt es überaus vielversprechend an, mit dem Verhör (und Geständnis) von Leland, meines Erachtens kam die Episode danach an diesen starken Moment – trotz einiger durchaus gefälliger Szenen – aber nicht mehr ganz heran. Immerhin: Das Wissen rund um die Falle für Agent Cooper, und dass er von Sheriff Truman zur Lösegeldübergabe begleitet wird, sorgen für einen spannenden und verheißungsvollen Ausklang.