Originaltitel: Dead Man's Mirror Episodennummer: 5x07 Bewertung: Erstausstrahlung UK: 28. Februar 1993 Erstausstrahlung D: 12. Dezember 2018 Drehbuch: Anthony Horowitz Regie: Brian Farnham Besetzung:
David Suchet als Hercule Poirot,
Hugh Fraser als Captain Hastings,
Philip Jackson als Chief Inspector Japp,
Iain Cuthbertson als Gervase Chevenix,
Emma Fielding als Ruth Chevenix,
Fiona Walker als Miss Lingard,
Zena Walker als Vanda Chevenix,
Richard Lintern als John Lake,
Jeremy Northam als Hugo Trent,
Tushka Bergen als Susan Cardwell,
James Greene als Snell,
Jon Croft als Lawrence,
John Rolfe als Registrar,
Derek Smee als Auctioneer u.a.
Kurzinhalt:
Hercule Poirot und Captain Hastings besuchen eine Auktion. Poirot hat es dabei auf einen Spiegel abgesehen, für den er schon einen guten Platz in seiner Wohnung im Sinn hätte. Er ist kurz davor, ihn zum von ihm prognostizierten Preis zu erwerben, als ein älterer Mann ein Gegenangebot abgibt, welches den Wert des Spiegels übersteigt. Schweren Herzens gibt Hercule nach. Danach stellt sich der Mann bei ihm als Gervase Chevenix vor. Er lädt ihn zu sich zum Abendessen ein, und bietet Poirot an, ihm den Spiegel als Gegenleistung für seine Dienste als Privatdetektiv zu überlassen. Denn Mr. Chevenix ist davon überzeugt, dass er von einem seiner Geschäftspartner übers Ohr gehauen wird. Eben dies soll Hercule beweisen. Doch noch am gleichen Abend, kurz bevor der Butler zum Dinner läutet, ertönt ein Schuss – und Gervase wird tot in seinem Arbeitszimmer aufgefunden. Im ersten Moment sieht es nach Selbstmord aus. Aufgrund von Beweisen, die gegen diese Theorie sprechen, ist Hercule Poirot jedoch davon überzeugt, dass Mr. Chevenix ermordet wurde – und nimmt zusammen mit seinem treuen Begleiter Hastings sowie Inspektor Japp die Ermittlungen auf…
Review (kann Spoiler enthalten):
Anthony Horowitz hat wieder zugeschlagen. Wobei ich mir zugegebenermaßen nicht einmal sicher bin, wie viel an dem, was mir an "Auch Pünktlichkeit kann töten", auch wirklich ihm – und seinem Drehbuch – anzurechnen ist. Dies läge nicht zuletzt daran, wie genau dort seine Regieanweisungen waren – und wie weit sich Brian Farnham an eben diese gehalten hat. Denn mehr noch als Horowitz' inhaltliche Adaption (die sich ohne Kenntnis der Vorlage ja generell schwer bewerten lässt) störte mich hier die teils sehr unpassende Inszenierung, mit der man viel zu übertrieben versucht, ein unheimliches Gefühl zu erzeugen. Hauptverantwortlich dafür ist dann auch in erster Linie die Musik bzw. die Geräuschkulisse. Beides wäre in einem 60er-Jahre-Gothic-Horror der Hammer Studios perfekt aufgehoben, wird bei Poirot jedoch extrem Fehl am Platz. Ich fand es jedenfalls sehr irritierend und störend.
Was den Fall an sich betrifft, der war ok, von einem hervorstechenden Aspekt abgesehen aber jetzt auch nicht wirklich etwas Besonderes. Ich wunderte mich dabei nicht zuletzt über die Schusswaffe in der linken Hand, wenn das Opfer doch Rechtshänder war (umgekehrt mag man es der Unkenntnis des Täters/der Täterin zuschreiben können, aber so macht das einfach überhaupt keinen Sinn). Wie soll das jemals glaubwürdig wie ein Selbstmord aussehen? Darüber hinaus muss ich gestehen, aufgrund der zu kurzen Vorstellung bei parallel der großen Fülle an Figuren ein bisschen den Überblick verloren zu haben, was meiner Fähigkeit, mitzurätseln, ebenso im Weg stand, wie die meines Erachtens suboptimale Umsetzung der entscheidenden paar Minuten rund um das Läuten zum Abendessen, in denen sich der Mord ereignet. Und dass einem Mr. Chevenix nun mal nicht wirklich sympathisch ist (wenn das auch natürlich noch lang nicht heißt, dass er sein Schicksal verdient hat), hilft auch nicht unbedingt, bei der Suche nach seinem Mörder mitzufiebern. Letztendlich sticht in erster Linie der interessante Kniff am Ende hervor, wo Hercule Poirot die Versammlung der Verdächtigen eben nicht dafür verwendet, um "alles zu offenbaren", sondern vielmehr, dem Mörder/der Mörderin eine Falle zu stellen. Diese Abkehr vom üblichen Schema war durchaus gewitzt. Zusammen mit der gewohnt hohen Produktionsqualität (von der aufdringlich-störenden Musik abgesehen) und der wie immer gut aufgelegten Stammbesetzung reicht das mit ach und weh für eine durchschnittliche Wertung.
Fazit:
So schwer ich mir bislang – mit einer Ausnahme – mit den Adaptionen von Anthony Horowitz auch tat, aber in diesem Fall bin ich mir nicht mal sicher, ob ihn die Hauptschuld trifft. Denn in erster Linie war es bei "Auch Pünktlichkeit kann töten" die Inszenierung, die auf höchst aufdringliche Art und Weise versuchte, eine gruselige Stimmung à la Gothic Horror zu vermitteln, die mir sauer aufstieß. Einerseits, weil es so übertrieben war, dass es für mich nicht funktionierte, und andererseits, weil es so rein gar nicht zu Poirot passen will. Im Hinblick darauf, dass es nicht ausreichend gut gelang, mir die Figuren und ihre Beziehung zueinander vorzustellen, trägt Horowitz aber zumindest auch eine Mitschuld an diesem weiteren für mich enttäuschen Eintrag in die Reihe. Einzig die Art und Weise, wie sich Poirot hier am Ende der typischen Versammlung bedient, um dem Täter/der Täterin eine Falle zu stellen, stach hervor. Davon abgesehen fand ich "Auch Pünktlichkeit kann töten" aber leider doch eher misslungen.