Kurzinhalt:
Kurz nach seinem fünfundvierzigsten Geburtstag wird James Bond auf einen Einsatz in den afrikanischen Staat Zanzarim geschickt. Dort soll er, in der Tarnung eines Journalisten, der für eine französische Zeitschrift arbeitet, irgendwie bis zu General Solomon Adeka vordringen und ihn ausschalten. Dieser führt die Rebellen in ihrem Kampf an, und ist mit seinem taktischen Geschick hauptverantwortlich dafür, dass ein Ende des Konflikts – welches jedoch von der britischen Regierung herbeigesehnt wird – nicht absehbar ist. Nach seiner Ankunft erfährt Bond allerdings, dass Solomon jegliche Interviews ablehnt, und selbst für einen Großteil seiner Streitkräfte nicht greifbar ist. Nachdem er den Rebellen zu einem militärischen Sieg verhalf, wird Bond dann allerdings doch zu Solomon vorgelassen, und kann seine Mission erfolgreich beenden. Bevor er jedoch die letzte Maschine, die Zanzarim verlässt, besteigen kann, wird er aufgehalten und erschossen. Wochen später erwacht er in einem Krankenhaus. Um sich an den Verantwortlichen zu rächen, wird James Bond abtrünnig. Seine Spur führt ihn schließlich in die USA, genauer gesagt nach Washington…
Review:
Offensichtlich hat Bonds Haus- und Hof-Verlag Jeffrey Deavers' Zugang, den von Ian Fleming erfundenen Geheimagenten zu rebooten und in die (damalige) Gegenwart zu bringen, nicht wirklich überzeugt. Und so führt uns William Boyd hier nun wieder zurück in die Vergangenheit, und damit in die Kontinuität der Fleming Romane. "Solo" ist im Jahr 1969 angesiedelt, sechs Jahre nach Flemings letztem 007-Roman "Der Mann mit dem goldenen Colt", und damit als Sequel zu verstehen. Bond ist hier fünfundvierzig Jahre alt, und wird zu Beginn von Flashbacks zu seiner Zeit im Zweiten Weltkrieg geplagt. Von der Grundidee her nicht schlecht, die Umsetzung hat mich aber in zweierlei Hinsicht nicht wirklich überzeugt. Einerseits, da diese Erinnerungen ohne (für mich) erkennbaren Grund über Bond hereinbrechen. Vor allem aber, da Boyd in weiterer Folge damit nichts anstellt – weshalb sich mir die Sinnfrage aufdrängte. Was auch immer der Autor damit bezweckte, es ist bei mir nicht angekommen. Ich fand diesen Auftakt somit letztendlich völlig wertlos, und tendenziell eher störend. Schlimmer als das ist jedoch, dass ich nicht den Eindruck hatte, dass es danach sonderlich besser wird. Nicht nur wirkt 007's Einsatz in einem Kriegsgebiet in Afrika sehr untypisch, es wollte sich bei mir auch nie Spannung einstellen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Action hier ein absolutes Schattendasein fristet – und das gilt nicht nur für den Afrika-Teil, sondern den gesamten Roman. Und auch die "Pulp"-Elemente, die Flemings Werk so auszeichneten, spart Boyd fast gänzlich aus.
Es hilft auch nicht, dass sich Boyd, wie sein Vorgänger Deaver, an überraschenden Wendungen versucht, die eigentlich nie wirklich Teil von Flemings Bond-Erzählungen waren – was leichter zu verschmerzen wäre, wenn die Twists denn zumindest die gewünschte überraschend-schockierende Wirkung entfalten könnten. Tun sie aber (wie auch schon bei "Carte Blanche") nicht, da wohl jeder mit halbwegs Thriller-Erfahrung die meisten davon meilenweit im Voraus riechen dürfte. Dies gilt nicht zuletzt für alles (und ja, damit sind beide Wendungen gemeint) rund um Blessing. Erschwerend kommt hinzu, dass er damit diese ohnehin nicht funktionierenden Twists nicht gleich auffliegen, einerseits auf einige unglaubwürdige Plot-Konstrukte angewiesen ist (wie z.B., dass man Bond nichts genaueres über seinen Kontaktmann – oder eben -frau – in Zanzarim sagt; geschweige denn, dass man ihm ein Foto zeigen würde), und andererseits Bond da er uns gegenüber ständig hinterherzuhinken scheint nicht sonderlich clever wirkt. Wie sich der Doppelnullagent hier für mich teilweise generell wie eine echte (Doppel)Null aufführte. Von einem souveränen Geheimagenten war hier jedenfalls die meiste Zeit über nichts zu bemerken. All dies kumuliert dann schließlich in einer viel zu langen "Erklärbärszene", in der Leiter und Bond die Ereignisse nochmal im Detail aufrollen. Es mag den hohen Temperaturen im Bus geschuldet sein, ab er an der Stelle wäre ich echt fast eingeschlafen. Der letzte Kritikpunkt betrifft dann einige übertriebene Elemente, bei denen ich fast den Eindruck hatte, es würde sich bei diesem Roman um eine Parodie handeln – nur dass dabei halt der für ebensolche typische Humor irgendwie vergessen wurde. Das einzige, was ich Boyd an diesem Machwerk positiv anrechnen kann: Er schien mir Bonds Persönlichkeit, vor allem aus den Fleming-Romanen, gut und stimmig einzufangen (also, von seiner enttäuschenden Performance als Agent jetzt mal abgesehen). Zumindest diese Minimalerfordernis, die man an einen 007-Roman wohl stellen dürfen muss, wird von ihm erfüllt. Mehr aber leider auch nicht.
Fazit:
In meinen Augen hat William Boyd mit "Solo" den bislang schwächsten Bond-Roman vorgelegt (da er dabei u.a. gegen Kim Sherwoods "Doppelt oder nichts" antritt, eine nicht zu unterschätzende Leistung). Abseits der Charakterisierung der Hauptfigur hat hier für mich nämlich rein gar nichts gepasst. Angefangen beim Prolog, der Fehl am Platz wirkte, über die völlig uninteressante Mission, bis hin zur Tatsache, dass es "Solo" von vorne bis hinten an Witz, Charme, Spannung und insbesondere auch Action vermissen lässt. Dass man als halbwegs Thriller-erfahrene Leser alle Twists meilenweit voraussieht, hilft dem Roman ebenso nicht, wie Bonds teilweise geradezu dämliches Verhalten. Ich wähnte mich hier stellenweise wirklich in einer Parodie, bei der "nur" der für eben diese typische Humor vergessen wurde. Für mich war dieses "Solo"-Abenteuer von James Bond jedenfalls – leider – ein völliger Reinfall.