Originaltitel: Blood and Bone Episodennummer: 5x08 Bewertung: Weltweite Internet-VÖ: 20. Mai 2026 (Amazon Prime) Drehbuch: Judalina Neira & David Reed Regie: Philip Sgriccia Besetzung:
Karl Urban als Billy Butcher,
Jack Quaid als Hughie Campbell,
Antony Starr als Homelander,
Erin Moriarty als Starlight,
Laz Alonso als Mother's Milk,
Chace Crawford als The Deep,
Tomer Capon als Frenchie,
Karen Fukuhara als Kimiko Miyashiro,
Colby Minifie als Ashley Barrett,
Cameron Crovetti als Ryan,
Susan Heyward als Sister Sage,
Daveed Diggs als Oh Father,
Giancarlo Esposito als Stan Edgar,
Jaz Sinclair als Marie Moreau,
London Thor als Jordan Li,
Lizze Broadway als Emma Meyer,
Frances Turner als Monique,
Marisa McIntyre als Hometeamer Rachel,
Jim Beaver als President Robert Singer,
Liyou Abere als Janine,
Nneka Elliott als NNC News Anchor,
Ivan Sherry als Günter Van Ellis,
Chris Gibbs als Producer,
Florian Francois als Owner,
Brent Bishop als Reverend u.a.
Kurzinhalt:
Hughie, Annie, Butcher, Mother's Milk und insbesondere natürlich Kimiko trauern um Frenchie. Nach einer von ihm selbst verfassten, wunderbar (und für ihn typisch) unpassenden Grabrede, ist es an der Zeit, auszutesten, ob das Experiment erfolgreich war. Kimiko wird dafür ganz bewusst von Butcher provoziert, während sich Sister Sage freiwillig als Testsubjekt gemeldet hat – da sie mittlerweile davon überzeugt ist, dass ihr hoher Intellekt nicht etwa ein Segen, sondern ein Fluch ist, und sie ohne diesen glücklicher wäre. Und, tatsächlich: Der Test ist erfolgreich. Nun gilt es, irgendwie ins Weiße Haus zu gelangen, und die Prozedur an Homelander zu wiederholen. Nachdem Annie The Deep fortgelockt hat, und es Hughie und Mother's Milk gelungen ist, Oh Father auszuschalten, versammeln sich Butcher, Kimiko und Ryan im Oval Office, und greifen Homelander direkt an. Die eigentliche Prüfung wartet allerdings erst nach diesem Kampf auf sie…
Review:
Zuerst einmal: Mir sind die teils sehr kritischen Reaktionen auf "Blut und Knochen" unverständlich. Ist das Serienfinale von "The Boys" alles, was ich mir erhofft habe, und/oder hat es mich zu Begeisterungsstürmen hingerissen? Nein. Hat es mich ähnlich emotional getroffen wie jenes von "Stranger Things" (und ja, ich weiß, dass ich damit gleich ins nächste Wespennest steche)? Auch nicht. Aber für mich war "Blut und Knochen" ein überaus schlüssiges und insgesamt mehr als zufriedenstellendes Serienfinale, bei dem ich mich nicht zuletzt darüber freute, dass sich meine Befürchtung, dass eine Stunde zu wenig Zeit sein könnte, um sowohl die Story abzuschließen als uns auch eine Abschied von den Figuren zu ermöglichen, als unberechtigt erweisen sollte. Wenn es etwas gibt, dass ich kritisieren würde, dann dass es auf mich teilweise doch ein bisschen gar brav und auch etwas formelhaft wirkte, was gerade auch bei einer Serie wie "The Boys", die ja einen großen Reiz eben daraus bezog, frech, unkonventionell und unerwartet zu sein, schon etwas schade ist. Ach ja, und meine Hoffnung auf eine größere Rolle der Gen V-Fraktion im Finale sollte sich leider auch nicht bestätigen. Davon abgesehen habe ich an "Blut und Knochen" aber nichts auszusetzen.
Eher ungewöhnlicherweise findet man den größten emotionalen Höhepunkt hier bereits zu Beginn der Folge, mit der Beerdigung von Frenchie – wobei seine typisch untypische Grabrede dafür sorgt, die traurige Grundstimmung zu durchbrechen. Danach überraschte mich Sister Sage mit der Entscheidung, als Versuchskaninchen für Kimiko herzuhalten. Zwar hat es sich, zuerst mit ihrer Überraschung über Soldier Boys Entscheidung, Homelander das V1 zu geben, sowie im Gespräch mit Frenchie in der letzten Folge, schon irgendwie abgezeichnet. Dennoch hätte ich damit nicht unbedingt gerechnet. Dementsprechend nun also mit einer "Waffe" ausgestattet, die es ihnen erlaubt, Homelander seine Kräfte zu entziehen, marschiert man gemeinsam in Richtung Weißes Haus. Dass der Angriff von Erfolg gekrönt ist, liegt dabei nicht nur am Einsatz und der Entschlossenheit der Boys. Die sich im Verlauf der Staffel immer deutlicher aufbauende Isolation von Homelander spielt dabei ebenso eine Rolle, wie dass er auch einige seiner Verbündeten gegen sich aufgebracht hat. Während The Deep ihm in der verzweifelten Hoffnung, doch noch irgendwie seine Anerkennung zu gewinnen, bis zuletzt treu ergeben bleibt (wunderbar übrigens die Anspielung auf Milliardäre, die ins Weltall streben, bei diesem Gespräch – und ja, man mag in erster Linie an Elon Musk denken, und der fühlte sich davon ja offensichtlich auch gleich persönlich angesprochen, aber Jeff Bezos, Gründer von Amazon, jenem Streamingdienst, wo die Serie zu sehen ist, ist dafür ein mindestens ebenso gutes Beispiel; zumindest hier war "Blut und Knochen" also schon auch wieder ein bisschen frech), und Oh Father letztendlich aufgrund der mit Abstand besten Sterbeszene der Folge gar keine Gelegenheit mehr bekommt, Stellung zu beziehen, erhalten sie von der zuletzt in ihrer Loyalität sichtlich schwankenden Ashley Barrett hier aktiv Hilfe.
Und so kommt es hier dann eben zum unweigerlichen Showdown zwischen Homelander und trotz allem in erster Linie Butcher, auf den die Serie eigentlich sehr klar und deutlich seit der allerersten Folge hingesteuert hat. Manchen mag es als Finale von "The Boys" zu wenig spektakulär gewesen sein, ich persönlich hatte von der Serie aber nie einen groß angelegten Superheldenkampf á la "Avengers" erwartet. Ich fand den Kampf jedenfalls schön kurz und knackig, aufs wesentlichste reduziert, und vor allem auch durchaus gefällig inszeniert, wobei insbesondere der kurze Moment mit dem kurzen, letzten Auftauchen von Frenchie (auch musikalisch) sehr gut gemacht war. Danach dann zu sehen, wie Butcher dem nun hilflosen Homelander die Seele aus dem Leib prügelt, und wie dieser sich windet und um Gnade fleht – ich gebe zu, nach fünf Staffeln Homelander-Terror verschaffte mir das zweifellos ein ordentliches Maß an Genugtuung. Tatsächlich hätte ich mir kurz fast gewünscht, man hätte ihn in diesem hilflosen Zustand belassen; mit seinem Tod schien er mir fast etwas zu leicht wegzukommen. Rückblickend war allerdings die Gefahr, dass er irgendwie wieder an V gelangt, einfach zu groß. Insofern: Passt schon so.
Der zweite große Finalkampf war jedoch nicht minder befriedigend. Dor bekommt Annie endlich die Gelegenheit, für ihre sexuelle Misshandlung in der ersten Folge an The Deep Rache zu nehmen. Wobei sie ihn nicht selbst und nicht einmal absichtlich tötet, sondern "nur" ins Meer schleudert; die Kreaturen dort übernehmen dann den Rest. Insofern hat er sich, mit seiner unerschütterlichen (und letztendlich vergeblichen) Unterstützung von Homelander, sein eigenes Grab geschaufelt. Auch das war für mich ein überaus passendes Ende. Der stärkste Moment von "Blut und Knochen" kommt aber erst danach. Denn trotz des Triumpfs über Homelander hat sich an Butchers ursprünglichen, seit jeher verfolgten Ziel nichts geändert: Die Welt von allen Superhelden zu befreien. Und so will er – nach dem Tod seines Hundes Terror (der symbolisch für den letzten kleinen Rest an Menschlichkeit steht, den Butcher noch besaß) – den Godolkin-Virus in der Firmenzentrale von Vought freisetzen. Als Hughie erkennt, was er vor hat, kommt es unweigerlich zur Konfrontation der beiden. Eben diese Szene fand ich absolut fantastisch umgesetzt. Hughie und Butcher sind zwei Seiten einer Münze. Beiden ist durch die Hand von Superhelden schlimmes widerfahren, und haben geliebte Menschen durch sie verloren. Doch wo es Hughie geschafft hat, darüber hinwegzukommen, und aus dem daraus resultierenden Schmerz etwas Positives zu gewinnen – und zugleich nie seine Menschlichkeit und sein Mitgefühl zu verlieren – ist Butcher daran zerbrochen. Spannend finde ich aber auch den Interpretationsspielraum, den die Szene bietet. Wollte Butcher das Virus überhaupt wirklich freilassen – und hat es dann nur im entscheidenden Moment einfach nicht geschafft, weil er nun mal eben doch nicht das Monster ist, für das er sich selbst hielt? Andererseits hätte er ja vor Hughies Ankunft auch schon Gelegenheit dazu gehabt. Ging es ihm somit eigentlich darum, Hughie dazu zu zwingen, ihn zu töten? Wie auch immer, für mich schloss sich im Hinblick auf die Entwicklung der beiden Figuren sowohl individuell als auch ihrer Beziehung zueinander auf wunderbare (und wunderbar tragische) Art und Weise der Kreis.
Nach diesem für mich eigentlichen dramaturgischen Höhepunkt von "Blut und Knochen" gibt uns dann eine kleine Montage nach dem Begräbnis von Butcher Gelegenheit, uns von den Figuren zu verabschieden. Wir erleben die (neuerliche) Hochzeit von Mother's Milk und seiner Exfrau Monique, sehen Kimiko im Gedenken an Frenchie in einem Café in Paris sitzen, und schließlich, wie Hughie einen Anruf vom neuen US-Präsidenten Robert Singer erhält, der ihm anbietet, das neu gegründete Büro für Superheldenangelegenheiten zu leiten – und er dankend ablehnt, um zusammen mit Annie einen Hi-Fi-Laden zu eröffnen. Während er somit dem Superheldengeschäft den Rücken gekehrt hat, ist Starlight wieder als – von Vought unabhängige – Superheldin unterwegs, um Verbrechen zu bekämpfen. Und das in diesem Fall sogar hochschwanger. Somit hat bei "The Boys" letztendlich, mit Ausnahme von Frenchie und Kimiko, jeder das Ende bekommen, welches er in meinen Augen auch verdiente. Eben dies macht "Blut und Knochen" für mich zu einen würdigen, stimmigen und befriedigenden Serienfinale, und "The Boys" insgesamt zu einer Serie, auf die ich gerne zurückblicken – und zu der ich eines Tages auch bestimmt wieder zurückkehren – werde.
Fazit:
Zuerst einmal muss ich ganz unabhängig vom Endergebnis sagen, dass ich es gut finde, dass Eric Kripke bei seinem ursprünglichen Plan geblieben ist (und ihm dies auch "erlaubt" wurde), "The Boys" mit der fünften Staffel zu beenden, statt sie wegen des großen Erfolges "endlos" weiterzuführen. Zumal uns das Universum dank Spinoffs wie "Vought Rising" trotz dem Ende der Ur-Serie ja noch ein bisschen erhalten bleiben wird. Im Hinblick auf "Blut und Knochen" kann ich die teils mäßige Resonanz, die auch zur schlechtesten IMDB-Episodenwertung der ganzen Serie führt, nicht nachvollziehen. Zugegeben, es war jetzt vielleicht nicht ganz so ungewöhnlich und die üblichen Grenzen des Genres sprengen, wie man es sich bei "The Boys" vielleicht erwartet hätte. Generell haben mich andere Serienenden sicherlich mehr begeistert, und vor allem auch emotional mitgenommen. Dennoch war es ein überaus passender, schlüssiger und in vielerlei Hinsicht befriedigender Abschluss, wobei es mir neben dem um Gnade winselnden Homelander insbesondere auch die letzte Szene zwischen Hughie und Butcher enorm angetan hatte. Man merkte, dass Eric Kripke diesen Ausgang praktisch von Beginn an vor Augen hatte, und dementsprechend die ganze Serie darauf zugesteuert hat. Ich hatte mit "The Boys" im Allgemeinen und "Blut und Knochen" im Besonderen jedenfalls definitiv meinen Spaß.