Originaltitel: The Finale Episodennummer: 3x01 Bewertung: Weltweite Internet-VÖ: 13. Mai 2026 (Amazon) Drehbuch: Michael Marshall Smith, Peter Atkins & Neil Gaiman Regie: Rachel Talalay Besetzung:
Michael Sheen als Aziraphale,
David Tennant als Crowley,
Doon Mackichan als Michael,
Gloria Obianyo als Uriel,
Paul Chahidi als Sandalphon,
Quelin Sepulveda als Muriel,
Bilal Hasna als Jesus,
Donna Preston als Mrs. Sandwich,
Poppy Lee Friar als Misty Cameron,
Callum Coates als Mudge,
Sean Pertwee als Brian Cameron,
Tracy Wiles als Elevator Voice,
Derek Jacobi als Metatron,
Liz Carr als Saraqael,
Andrew O'Neill als Mutt's Spouse,
Elizabeth Berrington als Dagon,
Paul Adeyefa als Eric,
Risha Silvera als Hell Automation 1,
Anna Maryan als Justine,
Mark Addy als Harry the Fish,
Rich Keeble als Mr. Arnold,
Emma Fryer als Hell Automation 2,
Toby Jones als Satan,
Tanya Moodie als God,
Sam Taylor Buck als Adam u.a.
Kurzinhalt:
Sehr zu Crowleys Missfallen – der seine Verbindung zur Hölle gelöst hat, und zusammen mit ihm durchbrennen wollte – hat Aziraphale das Angebot angenommen, der neue oberste Erzengel des Himmels zu werden. Als solcher möchte er dafür sorgen, dass die geplante Wiederkehr Christi harmonischer, friedlicher und freundlicher verläuft, als ursprünglich geplant. Doch nicht alle im Himmel unterstützen seine Pläne. Dann wird plötzlich die Existenz von Metatron ausgelöscht. Zudem ist das Buch des Lebens plötzlich verschwunden. Und auch von Jesus fehlt jede Spur. Um alles wieder in geordnete Bahnen zurückzubringen, ist Aziraphale nicht nur auf das Ermittlungstalent von Muriel angewiesen, sondern wendet sich auf der Suche nach Jesus just an seinen früheren engsten Freund und ehemaligen Dämon Crowley. Nachdem sie dessen geliebten Bentley aus den Fängen eines Gangsterbosses befreit haben, gilt es zuerst, Jesus wieder zu finden, und schließlich, nicht weniger als die Auslöschung des Universums zu verhindern…
Review:
Ich weiß, glaubt man den Vorwürfen, hat sich Neil Gaiman deutlich schlimmeres geleistet. Dennoch nehme ich ihm nach wie vor krumm, nicht gleich bei der zweiten Staffel den ursprünglichen und ihm von Terry Pratchett ausgearbeiteten Plänen für eine Fortsetzung zu "Good Omens" gefolgt zu sein, sondern sich dies für eine dritte Staffel aufzuheben – die nun eben aufgrund der Anschuldigen gegen ihn nicht mehr wie geplant umgesetzt wurde. Denn statt sechs rund einstündiger Folgen gibt es "nur" ein neunzigminütiges Serienfinale – wobei man Amazon dankbar sein muss, dass sie dieses überhaupt genehmigt haben (nicht nur wegen der Vorwürfe, sondern auch aufgrund der geringeren Qualität und auch den sinkenden Abrufzahlen der zweiten Staffel). Aber: Die Fans der Serie mit dem Cliffhanger aus Season 2 hängen zu lassen, hätte auch nichts besser gemacht. Stattdessen bekommt die Geschichte von Aziraphale und Crowley hier einen durchaus gefälligen Abschluss. Darin liegt für mich auch die größte Stärke von "Das Finale". Abseits diesem positiven Aspekt merkt man dem Serienfinale aber leider die problematische Produktionsgeschichte vorne bis hinten an.
"Das Finale" schafft dabei das Kunststück, einerseits zu gehetzt zu wirken, und mich andererseits daran zweifeln zu lassen, dass die Story hier genug Stoff für die drei- bis vierfache Laufzeit geboten hätte. Damit hat sich mein rückblickender Eindruck zu Season Zwei bestätigt: Statt zu versuchen, unbedingt noch eine dritte Staffel herauszuquetschen, hätte Pratchett die Handlungen, die er für beide Seasons geplant hatte, in eine (dann gern wieder sechsstündige; weil die zweite ging ja eine knappe Stunde kürzer) einzige fusionieren sollen. Die dortige Handlung, zusammen mit den Flashbacks zur Vorgeschichte von Aziraphale und Crowley, in Verbindung mit der hier erzählten Geschichte, hätte aus meiner Sicht eine Season ergeben, der es auch gelingen hätte können, überwiegend an die hohe Qualität der ersten "Good Omens"-Staffel anzuknüpfen. So hingegen nahm man sich bei den sechs Episoden vor diesem Finale für eine zu dünne Handlung zu viel Zeit, während ihnen hier nun wiederum diese fehlt. Da Gaiman trotzdem so ungefähr an seinen Plänen festhalten wollte (aufgrund der Referenz auf die Wiederkehr Christi am Ende von "Der Weg nach oben" bliebt ihm auch nicht wirklich etwas anderes übrig), bekommen wir hier Stückwerk, welches das vorhandene Potential vielerorts nicht ausschöpfen kann. Besonders deutlich wird dies bei der Handlung rund um Jesus, die eigentlich letztendlich überhaupt nichts zur Story beiträgt. Doch nicht nur ist sie für den Verlauf der Geschichte sinnlos, mir erschließt sich auch nicht, was uns Gaiman damit sagen wollte. Zugegeben, einige Einfälle wie die Refill-Pizza waren ganz amüsant. Letztendlich hättest du die Figur aber rausstreichen können, und die Handlung hätte sich nicht anders entwickelt. Aber auch bei anderen Plots, wie das Verschwinden von Metatron (und in weiterer Folge auch ein paar Erzengeln) und die daraus resultierenden Ermittlungen von Muriel, wird hier nur an der Oberfläche gekratzt. Dazu gesellen sich dann noch Szenen wie der kurze Besuch von Muriel und Aziraphale in der Hölle (verkleidet als Dämonen), die irgendwie Fehl am Platz wirken; so als hätte Gaiman eine Checkliste mit Zutaten abgehakt, die aber kein stimmiges Ganzes ergeben. Und so lobenswert es auch ist, dass Amazon zumindest dieses Finale finanziert haben, aber stellenweise macht dieses einen furchtbar billigen Eindruck, und kann (auch) produktionstechnisch das Niveau insbesondere von Season Eins nicht halten.
Immerhin: Die letzte halbe Stunde ist dann wirklich gut, und lässt die vorhergehenden Schwächen zumindest ansatzweise vergessen. Wie Aziraphale und Crowley hier mit dem Bentley ins All aufbrechen, um die Auslöschung des Universums zu verhindern, die Szene mit SPOILER, das Finale in der Buchhandlung mit Satan und Gott, Crowleys Vorwurf an beide "Why make people, and then punish them for being people?" (auch wenn ich mich hier des Eindrucks nicht erwehren konnte, dass Gaiman um unser Mitleid bettelt), und nicht zuletzt die Entscheidung, die beide dort dann schließlich treffen (was insofern das Finale der zweiten Staffel widerzuspiegeln schien, als es diesmal Crowley ist, der sich gegen die beiden und für das größere Ganze entscheidet) – all das konnte mir schon sehr gefallen. Aber auch der Epilog hatte es mir durchaus angetan – wenn man auch vortrefflich darüber streiten kann, ob das wirklich das Happy End ist, welches sich Aziraphale und Crowley verdient haben (und ich somit auch alle verstehen kann, denen das nicht so recht zugesagt hat). Und, natürlich: Auch die Verwendung von Queen-Songs (zuerst "Don't Stop Me Now", und am Ende dann "You're My Best Friend", welches auf sehr schöne Art und Weise in die Titelmusik der Serie übergeht) wertete die letzte halbe Stunde für mich auf. Der Weg dorthin war aber leider überaus holprig.
Fazit:
Trotz meiner allgemeinen Enttäuschung mit diesem "Finale" besteht für mich kein Zweifel, dass es das bessere und zufriedenstellendere Ende ist, als es der Ausgang von "Der Weg nach oben" gewesen wäre. Das ändert allerdings nichts daran, dass a) man "Das Finale" die problematische Produktionshistorie (und dass die Story eigentlich für eine weitere komplette Staffel gedacht gewesen wäre) anmerkt, und b) aus meiner Sicht es besser gewesen wäre, die Handlung aus der zweiten und dritten Staffel in eine einzige zu verschmelzen. Jedenfalls besteht "Das Finale" voller Elemente, Figuren und Handlungsstränge, die ihr volles Potential nicht ausschöpfen können – wobei insbesondere die Geschichte rund um Jesus letztendlich wie völlig für die Fische wirkt – und die in dieser verkürzten Form auch kein stimmiges Gesamtbild ergeben wollen. Daran kann dann leider auch die wirklich gefällige letzte halbe Stunde nichts mehr ändern. Jedenfalls werde ich für mich persönlich im Hinblick auf meine Enttäuschung mit der zweiten Staffel und diesem notdürftig zusammengeschustertem Finale die erste "Good Omens"-Staffel (so wie ja auch den Roman, auf dem sie basiert) als eigenständige und in sich abgeschlossene Geschichte betrachten. Zumal das Ende von "Der allerletzte Tag ihres restlichen Lebens" für mich eigentlich perfekt war.