Originaltitel: A Matter of Balance Episodennummer: 2x16 Bewertung: Erstausstrahlung UK: 09. Dezember 1976 Erstausstrahlung D: 04. Juni 1978 Drehbuch: Pip Baker & Jane Baker Regie: Charles Crichtonk Besetzung:
Martin Landau als Commander John Koenig,
Barbara Bain als Dr. Helena Russell,
Catherine Schell als Maya,
Tony Anholt als Tony Verdeschi,
Lynne Frederick als Shermeen Williams,
Stuart Wilson als Vindrus,
John Hug als Bill Fraser,
Nicholas Campbell als Eddie Collins,
Brian Osborne als Chris Potter u.a.
Kurzinhalt:
Shermeen Williams ist eine Teenagerin an Bord der Mondbasis. Sie hat zuletzt zunehmend ein Auge auf Tony geworfen, den sie bei seinen Versuchen, Bier zu brauen, unterstützt. Dann beginnt sie auf einmal, Visionen eines mysteriösen, durchschimmernden Mannes zu sehen. Dieser stellt sich ihr als Vindrus vor, und versichert ihr, keine bösen Absichten zu hegen. Kurz darauf erreicht der Mond den einen Planeten. Shermeen ist Teil des Teams, welches mit einem Eagle-Shuttle los fliegt, um ihn zu erforschen. Im Gegensatz zu den anderen, die von einer monsterartigen Kreatur daran gehindert werden, ein verlassenes Gebäude zu betreten, dass wir eine Art Schrein aussieht, wird Shermeen vielmehr dorthin geleitet, und ihr Einlass gewährt. Darin trifft sich auf Vindrus, quasi in Fleisch und Blut. Bei ihm und seinen Volk handelt es sich um Wesen aus Antimaterie, die in unser Universum gelangen wollen. Doch für jeden von ihnen, der auf unsere Seite übertritt, muss ein Besatzungsmitglied von Alpha ins Reich der Antimaterie verschwinden, um das Gleichgewicht zwischen beiden Welten zu wahren…
Review:
"Die andere Seite" beschert uns einen Gastauftritt der in den 70ern aktiven (und später mit Peter Sellers verheirateten) Darstellerin Lynne Frederick (u.a. "Phase IV"), der leider weder ein sonderlich langes noch übermäßig glückliches Leben beschieden war. Hier spielt sie die junge, naive, Hals über Kopf in Tony verliebte, und teilweise auch eigensinnige Teenagerin Shermeen, die von Vindrus dazu verführt wird, ihnen dabei zu helfen, auf unsere Seite (bzw. in unser Universum) zu wechseln. Dabei drängt sich einem unweigerlich die Frage auf, was eine solche unreife junge Frau – die ja seit rund zwei Jahren an Bord sein müsste – denn eigentlich auf dem Mond macht, bzw. wie sie Teil des Teams wurde, welches damals dort stationiert war, als er aufgrund des Unglücks den Erdorbit verließ. Kritisch sehe ich darüber hinaus, dass man am Ende, nachdem man sie gerettet hat, ihre Taten (und genau genommen auch ihren Verrat) nicht mehr thematisiert. Auch hier lässt "Die andere Seite" viel an dramaturgischem Potential liegen.
Wenig überraschend konnte ich auch mit dem dritten Auftritt der Fischaugen-Alien-Maske (wenn auch hier in leicht abgewandelter Form, denn zusätzlich noch mit Hörnern ausgestattet) wenig anfangen. Ich verstehe echt nicht, was den Produzenten an der so gut gefallen hat (aber vielleicht wollten sie die Kosten für das Ding auch einfach auf mehrere Episoden verteilen/abschreiben). Zudem könnte man sich, als sich Maya verwandelt, um ihr zu entkommen, fragen, warum sie just die Gestalt eines Fuchses wählt, und nicht z.B. einen Vogel. Und der Mittelteil der Folge, wo man nach einem ersten Besuch auf den Planeten nochmal kurz auf die Mondbasis zurückkehrt, hätte man sich in meinen Augen sparen können. Trotz dieser Kritikpunkte hat mir "Die andere Seite" insgesamt aber gut gefallen. "Mondbasis Alpha 1" hatte definitiv schon schlechtere (und dämlichere) Ideen als diese Antimaterie-Wesen, die aus ihrer Welt in unsere gelangen wollen, und um dieses Ziel zu erreichen, mit der jungen, leicht beeinflussbaren Shermeen in Kontakt treten. Vor allem jene Szene, wo Vindrus und sie dann schließlich die Plätze tauschen, und Shermeen somit erkennen muss, dass sie getäuscht und ausgenutzt wurde, verfehlte die gewünschte schockierend-erschütternde Wirkung bei mir nicht. Nach einem noch sehr mysteriösen Beginn rund um die Erscheinungen von Vindrus baute sich dann zudem, nachdem klar wurde, worauf es er und seine Antimaterie-Wesen abgesehen haben, durchaus eine nette Spannung auf. Lynne Frederick schafft es zudem mit ihrer charmanten Performance, dass man Shermeen trotz ihrer Taten nicht verdammen kann. Und nicht zuletzt gefiel mir die Art und Weise, wie Maya hier dann am Ende ihre Gestaltwandel-Fähigkeiten nutzt, um Vindrus auszutricksen. Das war schon ziemlich clever (wenn es auch zugegebenermaßen ein bisschen an einen ähnlichen Clou aus "Der Roboter" erinnert). Damit ist "Die andere Seite" für mich insgesamt, trotz aller Schwächen, zu den besseren Episoden der zweiten "Mondbasis Alpha 1"-Staffel zu zählen.
Fazit:
Man kann an "Die andere Seite" zweifellos einiges hinterfragen bzw. kritisieren. Angefangen dabei, was solch eine (naiv-unreif-unerfahrene) junge Frau auf der Mondbasis macht (wurde sie dort mit vierzehn Jahren hinversetzt?), über die dritte Verwendung der Fischaugen-Alien-Maske in Folge, bis hin zur Tatsache, dass der Epilog Shermeens Taten in keinster Weise thematisiert. Allerdings hatte es mir die Grundidee rund um diese (Antimaterie-)Wesen, die in unsere Welt gelangen wollen, dafür jedoch mit einem von uns den Platz tauschen müssen, durchaus angetan. Es kam auch relativ wenig Langweile auf (lediglich im Mittelteil gönnt sich die Episode einen narrativ unnötigen Umweg, mit der kurzzeitigen Rückkehr zur Basis). Und auch der Clou, wie man Vindrus am Ende austrickst, war nett (wenn auch nicht unbedingt neu). Zusammen mit einer durchaus charmanten Performance von Lynne Frederick macht das insgesamt eine immerhin solide Folge.