Originaltitel: The Case of the Missing Will Episodennummer: 5x04 Bewertung: Erstausstrahlung UK: 07. Februar 1993 Erstausstrahlung D: 28. November 2018 Drehbuch: Douglas Watkinson Regie: John Bruce Besetzung:
David Suchet als Hercule Poirot,
Hugh Fraser als Captain Hastings,
Philip Jackson als Chief Inspector Japp,
Pauline Moran als Miss Lemon,
Beth Goddard als Violet Wilson,
Rowena Cooper als Sarah Siddaway,
Richard Durden als Dr. Pritchard,
Mark Kingston als Andrew Marsh,
Susan Tracy als Phyllida Campion,
Gillian Hanna als Margaret Baker,
Terrence Hardiman als John Siddaway,
Jon Laurimore als Walter Baker,
Edward Atterton als Robert Siddaway,
Neil Stuke als Peter Baker,
Stephen Oxley als Doctor,
Scott Cleverdon als President,
George Beach als Undergraduate u.a.
Kurzinhalt:
Hercule Poirot und Captain Hastings folgen der Einladung von Andrew Marsh, einem wohlhabenden alten – und wie sie in weiterer Folge erfahren todkranken – Mann, der sich bei einer Diskussion klar dagegen ausspricht, Frauen mehr Rechte zuzusprechen. Auch wenn Poirot diese Einschätzung nicht teilt, begleitet er seinen alten Freund danach auf dessen Anwesen. Nach dem Abendessen besucht Andrew ihn in seinem Zimmer, und überrascht ihn mit der Ankündigung, sein Testament ändern zu wollen. Im Gegensatz zu seinen früheren Überlegungen soll nun sein Mündel Violet Alleinerbin werden. Dazu kommt es jedoch nicht: Denn bevor er sich mit seinem Notar treffen und seinen Nachlass umverfügen kann, wird er am nächsten Morgen tot aufgefunden. Dr. Pritchard geht zwar von einer natürlichen Todesursache aus, doch der Zeitpunkt erscheint Hercule höchst verdächtig. Umso mehr, als dann, als der Notar das alte Testament verlesen will, von diesem plötzlich jede Spur fehlt. Poirot setzt daraufhin alles daran, den Tod seine Freundes aufzuklären, und dessen letzten Wunsch – dass Violet alles erben soll – zu erfüllen…
Review (kann Spoiler enthalten):
"Das fehlende Testament" wirft einen Blick auf die noch größere Ungleichheit der Geschlechter, wie sie Mitte der 30er des letzten Jahrhunderts gang und gebe war. Dabei war es aus meiner Sicht eine durchaus interessante Entscheidung, Andrew Marsh – das spätere Opfer – eine aus heutiger Sicht völlig falsche (und eigentlich indiskutable) Ansicht vertreten zu lassen, und damit auch zu riskieren, dass sich unser Mitleid, wenn er am nächsten Morgen ermordet aufgefunden wird, sehr in Grenzen hält. Zumal ja auch deutlich wird, dass Hercule die Ansicht seines Freundes (erfreulicherweise) nicht teilt. Zugleich kann man natürlich argumentieren, dass es nicht notwendig ist, mit Andrew mitzufühlen, wenn es darum geht, a) seinen Mörder zu finden, und b) dass dessen letzter Wunsch erfüllt wird – wäre doch die sehr sympathische Violet die Profiteurin davon. Insofern fieberte ich im Hinblick auf Poirots Ermittlungen und entsprechende Bemühungen durchaus mit.
Spannend war an "Das fehlende Testament" zweifellos auch, wie sich die Gender-Thematik letztendlich durch die ganze Folge zieht, und nicht zuletzt auch in der Auflösung niederschlägt. Neben der Rückkehr von Philip Jackson als Inspektor Japp gab die Episode zudem auch Pauline Moran als Miss Lemon wieder ein bisschen mehr zu tun (als sie die Aufzeichnungen der Krankenhäuser durchstöbert). David Suchet war in der Titelrolle ebenfalls wieder in Hochform. Auch ein paar nette Zitate waren wieder darunter (beispielsweise Poirots Kommentar "What good are many friends when you have one bad enemy?"). Und das Ende, wo es Hercule dann tatsächlich gelingt, seinem Freund seinen letzten Wunsch zu erfüllen, war dann auch sehr schön, und sorgte bei mir vor allem auch im Hinblick darauf, wie der Mörder/die Mörderin damit letztendlich genau das auslöste, was er/sie nicht wollte, für Genugtuung. Trotz dieser positiven Aspekte, fand ich sowohl die Ermittlungen als auch das Geschehen an sich in anderen Episoden auch schon mal interessanter und mitreißender. Zwischendurch schlichen sich auch wieder kleinere Längen ein. Und so befriedigend das Ende aufgrund des Verlaufs auch gewesen sein mag, aber 100%ig überzeugt hat mich die Auflösung nicht, sowohl im Hinblick auf die Motivation und auch Vorgehensweise des Täters/der Täterin, als auch die Tatsache, dass Poirot wieder mal keinen handfesten Beweis hatte, sondern darauf angewiesen war, dass sich der/die Schuldige, mit den Vorwürfen konfrontiert, ein Geständnis ablegt. Insgesamt hat mich aber auch "Das fehlende Testament" wieder gut (bis sehr gut) unterhalten.
Fazit:
An "Das fehlende Testament" stach für mich insbesondere die Art und Weise positiv hervor, wie die Geschlechterthematik nicht nur mit den historischen Diskussionen rund um Frauenrechte direkt angesprochen, sondern auch geschickt ins Konstrukt (und die Auflösung) der Folge verwoben wurde. Ich fand auch Andrew als Figur interessant angelegt, weil seine altmodischen Ansichten nicht wirklich zu seiner ja eigentlich durchaus vernünftigen und empathischen Persönlichkeit zu passen schienen; ein spannender Widerspruch. Und produktionstechnisch (Inszenierung, Sets/Locations, Musik, Besetzung, schauspielerische Leistungen usw.) gab es auch wieder nichts zu bemängeln. Doch so sehr ich auch mit Violet und Hercule mitgefiebert habe, frühere Erzählungen (und insbesondere Ermittlungen) haben mich auch schon mal mehr mitgerissen. Und die Auflösung, so befriedigend der Ausgang des Geschehens grundsätzlich auch war, hat mich ebenfalls wieder einmal nicht 100%ig überzeugt. Zu den besten Fällen/Folgen würde ich "Das fehlende Testament" somit zwar nicht zählen, insgesamt bot die Episode aber definitiv mehr als solide Krimi-Unterhaltung.