Originaltitel: Gloves Off Episodennummer: 2x04 Bewertung: Weltweite Internet-VÖ: 08. April 2026 Drehbuch: Chantelle Wells Regie: Solvan Naim Besetzung:
Charlie Cox als Matt Murdock / Daredevil,
Vincent D'Onofrio als Wilson Fisk,
Margarita Levieva als Heather Glenn,
Arty Froushan als Buck Cashman,
Nikki M. James als Kirsten Mcduffie,
Ayelet Zurer als Vanessa Fisk,
Michael Gandolfini als Daniel Blake,
Zabryna Guevara als Sheila Rivera,
Deborah Ann Woll als Karen Page,
Genneya Walton als BB Urich,
Wilson Bethel als Benjamin Poindexter,
Hamish Allan-Headley als Powell,
Jeremy Isaiah Earl als Cole North,
Camila Rodriguez als Angela,
Matthew Lillard als Mr. Charles,
Leeanna Rubin als Receptionist,
Ashley Marie Ortiz als Soledad,
Bartley Booz als Seminarian,
Yorgos Karamihos als Christofi,
Annie Parisse als Ariana,
Alexis Frias als Javi Espinosa,
Roberto Lopez als Berto,
Lili Taylor als Marge McCaffrey,
Barbara Miluski als Mrs. Smithers,
Jesse H. Ryan als NYPD Officer,
Bobby Hernandez als Matterhorn Melendez u.a.
Kurzinhalt:
In Kürze wird Bürgermeister Wilson Fisk im Fogwell-Fitnessstudio in einem Showkampf gegen den professionellen Boxer Mike Mendelez antreten. Als Matt klar wird, dass es sich dabei um eine Falle für Benjamin Poindexter aka Bullseye handelt, setzt er alles daran, um diesen rechtzeitig aufzuspüren, um ihn warnen zu können. Dieser lockt indes Agenten der Anti-Maskierten-Taskforce in einem Diner in die Falle. Vanessa trifft sich mit Gouverneurin McCaffrey, um deren Unterstützung für Wilson Fisks Pläne zu gewinnen. Karen hat indes die Aussagen der Gefangenen im Red Hook-Gefängnis aufgenommen, darunter auch brisante Details zum Northern Star-Frachtschiff. Mit Hilfe von Angela will man diese nun BB für ihren Fisk-kritischen Videoblog zuspielen. Wilson gerät indes aufgrund der Verzögerung bei der Waffenlieferung seitens Mr. Charles und dessen Agency zunehmend unter Druck. Am Abend beim Boxkampf lässt er dann schließlich ordentlich Dampf ab, und schlägt Mike mit Leichtigkeit – und brutal – nieder. Dann jedoch greift, wie von ihm geplant, Poindexter an…
Review:
Im Kampf mit der AVTF, also der Anti-Maskierten-Taskforce geht Benjamin "Bullseye" Poindexter zu Beginn von "Ring frei" in die Offensive: Er ruft bei der entsprechenden Hotline an, behauptet, Frank Castle gesehen zu haben, und lockt so ein Einsatzteam zu sich ins Diner, mit dem er dann schließlich kurzen Prozess macht. Es ist eine Szene, die bei mir einen angenehm ambivalenten Eindruck hinterlassen hat. Denn einerseits hege ich für die AVTF und ihre Agenten keinerlei Sympathie und/oder Mitgefühl übrig, andererseits taugt Poindexter aber auch nicht gerade als Sympathieträger. Immerhin hat der zu Beginn der Serie als eiskalter Auftragskiller Foggy ermordet. Zudem wirkt er – ein bisschen so wie Frank Castle – wie ein noch düstereres Spiegelbild von Matt. Denn wo dieser fortwährend bemüht zu sein scheint, gewisse Grenzen nicht zu überschreiten, und den Teufel in ihm möglichst nicht heraus zu lassen, hat Poindexter keine entsprechenden Skrupel. So lockt er eben nicht nur die AVTF-Leute in die Falle, sondern plant beim Boxkampf auch, Wilson Fisk zu ermorden – selbst wenn er damit, wie Matt ihn warnt, das Risiko eingeht, ihn zum Märtyrer zu machen.
Ehe es so weit ist und die Episode ihren (und die Staffel ihren bisherigen) dramaturgischen Höhepunkt erreicht, ist bei "Ring frei" aber auch noch ein bisschen etwas anderes los. Im Hinblick auf die allerletzte Szene erscheint dabei nicht zuletzt relevant, wie Gouverneurin McCaffrey Vanessa Fisk die Unterstützung für ihren Ehemann zusichert, eben gerade weil sie an dessen Seite steht, um seine niederen Impulse in Schach zu halten ("I couldn't sleep at night backing Mayor Fisk. But I can back Mayor and Mrs. Fisk."). Spannend war es aber auch, zu sehen, wie die Agency (wer oder was auch immer genau hinter diesen Organisation steckt) Kingpin doch ein bisschen ins schwitzen bringt (auch wenn es ihm hier vorerst mit einer Machtdemonstration gelingt, Mr. Charles – wieder super gespielt von Matthew Lillard – dazu zu bringen, klein beizugeben). Ein kleines Highlight war zweifellos auch die Begegnung zwischen Matt und Benjamin. Man merkt ersterem sichtlich an, wie schwer es ihm fällt, sich hier mit dem Mörder von Foggy zu unterhalten, und ihn dazu zu bewegen, den geplanten Angriff beim Boxkampf sein zu lassen. Poindexter wiederum lässt erkennen, wie eben gerade auch die Ermordung von Foggy auf seinem Gewissen lassen – und er hofft, mit dem Mord an Fisk, selbst wenn es seinen eigenen Tod bedeutet, Abbitte leisten zu können. Und auch auf den zwar nicht ganz so spektakulären, aber dennoch netten Handlungsstrang rund um die Aussagen der Red Hook-Gefangenen, und wie diese – unter anderem mit Hilfe von Angela – bei BB landen, soll nicht vergessen werden. In erster Linie lebt "Ring frei" aber zweifellos vom hochdramatischen Finale. Es ist schon schlimm genug, zu sehen, wie Wilson – als Vanessa seine Warnung ausschlägt und zum Kampf erscheint – jegliche Kontrolle verliert, und seinen Gegner zu Brei schlägt. Wenn dann aber auch noch Poindexter seinen Angriff startet, ist endgültig der Teufel los. Dieser packende Kampf mündet dann schließlich in einem Herzschlagfinale, als deutlich wird, dass Vanessa von einem Glassplitter im Kopf getroffen wurde. Der Gedanke, was es bedeuten würde, wenn Wilson seine geliebte Frau verlieren sollte, jagte mir einen kalten Schauer über den Rücken.
Fazit:
Nach einem spektakulären Auftakt rund um die Falle, die Bullseye dem AVTF-Team stellt, geht es "Ring frei" erstmal wieder etwas ruhiger an – wobei ich selbst diesen Teil immer kurzweilig fand. Auch, weil es dabei einige durchaus interessante Szenen gab, nicht zuletzt, wenn Vanessa die Gouverneurin besucht, oder Wilson sich wegen der verzögerten Waffenlieferung gegenüber Mr. Charles rechtfertigen muss. Besonders spannend fand ich dann die Begegnungen zwischen Matt und Benjamin, und wie er hier versucht, diesem den bevorstehenden Angriff auf Wilson Fisk beim Boxkampf – bei dem es sich eben um eine Falle für Poindexter handelt – auszureden. Aufgrund des Schicksals von Foggy sind die Szenen zwischen ihnen von der Dynamik her einfach immer etwas ganz besonderes. Am besten war dann aber natürlich das Finale, eben rund um den Boxkampf: Wie Fisk bei der Ankunft seiner Frau die Kontrolle verliert, und seinen Gegner brutal niederschlägt (und tötet?), der Angriff von Bullseye, sowie nicht zuletzt auch die tragische Wendung rund um Vanessa. Wenn ich sage, dass ich hoffe, dass sie das doch unbeschadet überlebt, dann nicht etwa, weil mir die Figur so nahe und/oder sympathisch wäre. Sondern vielmehr, weil ihr Verlust Wilson Fisk wohl endgültig ausrasten lassen würde.