Poirot - 5x01: Das Abenteuer des ägyptischen Grabes
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Originaltitel: The Adventure of the Egyptian Tomb Episodennummer: 5x01 Bewertung: Erstausstrahlung UK: 17. Januar 1993 Erstausstrahlung D: 21. November 2018 Drehbuch: Clive Exton Regie: Peter Barber-Fleming Besetzung:
David Suchet als Hercule Poirot,
Hugh Fraser als Captain Hastings,
Pauline Moran als Miss Lemon,
Rolf Saxon als Dr. Ames,
Olivier Pierre als Henry Schneider,
Jon Strickland als Dr. Fosswell,
Bill Bailey als Felix Bleibner,
Paul Birchard als Rupert Bleibner,
Simon Cowell-Parker als Nigel Harper,
Grant Thatcher als Sir Guy Willard,
Anna Cropper als Lady Willard,
Mozaffar Shafeie als Hassan,
Peter Reeves als Sir John Willard,
Robert Wisdom als Waiter u.a.
Kurzinhalt:
Eine gemeinsame Expedition internationaler Wissenschaftler im Tal der Könige in Ägypten fördert das bisher unbekannte Grab eines Pharaos zu Tage. Nur kurz, nachdem man dieses öffnete, greift sich Sir John Willard an die Brust, und stirbt. Obwohl Dr. Ames eine überaus natürliche Todesursache – ein Herzinfarkt – bescheinigt, geht schon bald das Gerücht um, dass es sich um eine Art und Fluch des dort begrabenen Pharaos handeln könnte, der sich nun dafür rächt, dass seine Totenruhe gestört wurde. Als es kurz darauf innerhalb der Forschungsgruppe zu weiteren – ebenfalls natürlichen, aber jeweils unterschiedlichen – Todesfällen kommt, nährt dies den Boden des sich immer hartnäckiger verbreitenden Gerüchts. Hercule Poirot, der jedweden Aberglauben verabscheut, reist daraufhin mit Captain Hastings nach Ägypten, um der Sache auf den Grund zu gehen…
Review (kann Spoiler enthalten):
Bei der Kombination der Schlagworte "Poirot" und "Ägypten" muss ich natürlich gleich an "Tod auf dem Nil" denken (während mich das mit der Ausgrabung wiederum an "Rendezvous mit einer Leiche" denken ließ) – bei dem es sich um meinen Lieblings-"Poirot"-Film überhaupt handelt (also, ich meine natürlich den ersten mit Peter Ustinov, nicht die Neuverfilmung mit Kenneth Branagh – und bin dementsprechend schon sehr gespannt, wie sich die David Suchet-Variante im direkten Vergleich schlagen wird). Dessen Qualität erreicht "Das Abenteuer des ägyptischen Grabes" war – recht eindeutig – nicht, dennoch ist es eine solide Folge, die für mich nicht zuletzt auch davon profitierte, dass der sehr wissenschaftlich denkende Geist von Hercule Poirot mit einem vermeintlich übernatürlichen Phänomen konfrontiert wird; ein Wechselspiel, dass mir ja u.a. auch schon bei "Sherlock Holmes" sehr gut gefallen konnte. Positiv auch, dass Poirot (wohl als Stellvertreterin der Autorin) aus seiner Abneigung gegenüber jeglicher Form des Aberglaubens keinen Hehl macht.
Schön fand ich es zudem, hier Captain Hastings und Miss Lemon wieder zu sehen, nachdem ersterer in zwei, und letztere überhaupt gleich in allen drei Filmen der vierten Staffel mit Abwesenheit glänzte (dafür hat der dortige Dauergast Inspektor Japp hier nun Pause). Dennoch war auch hier wieder David Suchet als Hercule Poirot das Beste an der Folge. Zumal ihm das Drehbuch von Clive Exton auch wieder ein paar amüsante Zeilen auf den Leib schneiderte (wie z.B. wenn er die hippe Verkürzung "biog" mit den Worten "Biographical material will do very nicely, thank you." ablehnt). Und am Ende darf er sich dann von seiner fürsorglich-mitfühlenden Seite zeigen. Nicht so berauschend fand ich allerdings den Fall an sich. Das liegt weniger daran, dass ich hier wieder einmal recht früh den richtigen Riecher hatte (es erschien mir einfach logisch, weil die besagte Person die beste Gelegenheit hatte, um den vermeintlichen Fluch für seine düsteren Absichten zu missbrauchen), als vielmehr, dass wir weder die Opfer noch die vermeintlichen Täter sonderlich gut kennenlernen. Mich hat zugegebenermaßen auch das mit dem Selbstmord nicht überzeugt. Ich meine, da hätte, soweit es den Plan des Täters betrifft, so viel schief gehen können (was, wenn er sich eine zweite Meinung eingeholt hätte?). Und generell hielten frühere Settings, Setups und Ermittlungen schon mal mehr zum Mitraten ein, als das hier der Fall war. Letztendlich schien Christie hier mehr am Widerspruch zwischen Wissenschaft und Aberglauben interessiert zu sein, als daran, einen verzwickt-fesselnden Kriminalfall zu präsentieren. Und auch wenn ich ihre Aussage wie gesagt zu 100% unterstütze, und darin somit grundsätzlich einen Pluspunkt sehe, aber – diese Vernachlässigung eines in meinen Augen wesentlichen Aspekts ihrer Krimis fand ich dann schon auch ein bisschen schade.
Fazit:
Mit dem mir bereits bekannten Fall von Hercule Poirot in Ägypten, "Tod auf dem Nil", kann "Das Abenteuer des ägyptischen Grabmals" nicht so recht mithalten. Zwar finde ich es positiv, wie sich die Episode kritisch mit Aberglauben auseinandersetzt, und natürlich auch hier dann, trotz aller gegenteiliger Anzeichen zuvor, eine weltliche Erklärung "gewinnt". Allerdings kam für mich hier der Fall im Vergleich zu früheren Episoden nicht so recht zur Geltung. Es hilft auch nicht, dass ich schon wieder recht früh den richtigen Riecher hatte (auch wenn das bei Christie-Erzählungen grundsätzlich kein Beinbruch ist). Und in einer spezifischen Hinsicht hat mich die Aufklärung dann auch nicht überzeugt; weil im Hinblick auf einen Mord ist der Täter stark darauf angewiesen gewesen, dass das Opfer mitspielt. Schön fand ich dafür das Wiedersehen mit Captain Hastings und Miss Lemon; vor allem aber konnte David Suchet in der Rolle des Hercule Poirot hier wieder mal so richtig glänzen. Und dank der wieder halben Laufzeit der TV-Filme war das Erzähltempo hoch genug, um keine Langeweile aufkommen zu lassen. Insofern: Die Filme der vierten Staffel fand ich zwar stärker/besser, dennoch hat auch "Das Abenteuer des ägyptischen Grabmals" wieder gepasst.