Kurzinhalt:
James Bond wurde zu einer längeren Auszeit verdonnert. Während er sich in Paris von seinen jüngsten Strapazen erholt, fragt er sich zunehmend, ob er noch den Biss hat, den er für seinen gefährlichen Job braucht. Da trifft er auf die attraktive Scarlett Papava, die ihn darum bittet, ihre Zwillingsschwester Poppy zu retten. Diese ist drogenabhängig, und so unter den Einfluss des erfolgreichen Kokain-Erzeugers Dr. Julius Gorner geraten. Noch bevor er sich der Sache annehmen kann, wird er nach London zitiert, wo ihn M auf eben diesen Dr. Gorner ansetzt. Man vermutet nämlich, dass hinter dessen Drogengeschäften ein perfider Plan steckt, um das von ihm verhasste britische Reich in die Knie zu zwingen. Bond reist daraufhin ins persische Reich, wo sich Gorners Plantagen befinden. Dort jedoch wird der Jäger zum Gejagten…
Review:
Nach den Romanen von John Gardner sowie Raymond Benson, die an die Bücher von Ian Fleming anknüpften, dabei jedoch stets in der jeweiligen Gegenwart geblieben sind – was dazu führte, dass James Bond letztendlich sogar im neuen Jahrtausend angekommen war – hielt man es seitens des Verlags an der Zeit, in doppelter Hinsicht zurückzugehen. Einerseits zeitlich – so ist "Der Tod ist nur der Anfang" im Jahr 1967 angesiedelt – und andererseits stilistisch, denn wo Gardner und Benson auch inhaltlich mit der Zeit gingen, und James Bond in die damals moderne Welt brachten, sollte sich Sebastian Faulks am Ton und Stil der 007-Romane von Ian Fleming orientieren. Wie gut ihm das gelungen ist, wage ich insofern nicht zu beurteilen, als es mittlerweile doch schon wieder eine ganze Weile her ist, dass ich Flemings Bond-Romane gelesen habe (nämlich über zehn Jahre). Aber: Wenn "Der Tod ist nur der Anfang" tatsächlich repräsentativ für die von Fleming geschriebenen Bond-Abenteuer ist, dann wäre 007 vielleicht doch besser in der "Neuzeit" geblieben. Also nicht, dass die letzten Romane von Raymond Benson so viel besser gewesen wären; aber ich fand leider nicht, dass es Faulks gelungen wäre, diese sonderlich zu übertreffen. Für mich machte in erster Linie das zeitliche Setting einen Reiz aus. Nach den in den 90ern bis 0er-Jahren angesiedelten Bond-Romanen wieder in die Zeit der Bücher von Ian Fleming zurückzugehen, hatte zweifellos einen gewissen Charme. Zudem gelang es Faulks in meinen Augen gut, Bonds Charakter (insbesondere in der Darstellung von Ian Fleming) einzufangen.
Leider aber hat sein Roman auch ein paar ganz wesentliche Haken. Der erste ist die Story – weil als "Abenteuer" taugt "Der Tod ist nur der Anfang" leider nur sehr bedingt. Dies liegt nicht zuletzt auch daran, dass die Action hier absolute Mangelware ist – und selbst wenn sie dann mal in Erscheinung tritt, ist sie leider wenig mitreißend und/oder spektakulär. Nicht falsch verstehen: 007 muss ja nicht gleich mit einem großen Tintenfisch kämpfen, wie im Roman zu "Dr. No". Aber ein bisschen mehr (und gerne auch campy-gere) Action hätte sich Faulks ruhig einfallen lassen dürfen. Neben dieser mangelt es "Der Tod ist nur der Anfang" leider auch völlig an Spannung. Es hilft auch nicht, dass ich Dr. Gorner als ziemlich schwachen, extrem austauschbaren und dementsprechend wenig erinnerungswürdigen Bösewicht empfand. Wenn all diese Mängel zumindest dadurch kompensiert werden würden, dass Bond hier wieder stärker als Agent bzw. Ermittler auftritt. Aber auch diesbezüglich bekommt er enttäuschend wenig zu tun. Die Romanze mit Scarlett hat für mich leider ebenfalls nicht wirklich funktioniert. Und weder der "Twist" rund um ihre Zwillingsschwester noch ihre wahre "Identität" waren eine Überraschung. Positiv machen sich in erster Linie einzelne ganz nette Momente, sowie der Rückgriff auf etablierte Figuren wie z.B. Felix Leiter bemerkbar. Sowie eben, wie bereits erwähnt, dass nach mehreren Romanen in den 80ern, 90ern und zuletzt sogar 0er-Jahren abwechslungsreiche Setting der "Swinging Sixties". Den Großteil der Fleming-Romane, zu denen man hiermit ja inhaltlich und stilistisch wieder zurück wollte, habe ich aber um einiges besser in Erinnerung.
Fazit:
Mit "Der Tod ist nur der Anfang" sollte Sebastian Faulks James Bond zurück zu den Wurzeln bringen. Inwiefern ihm dies hier gelungen ist, traue ich mich in Anbetracht dessen, wie lang es mittlerweile her ist, dass ich Ian Flemings Romane gelesen habe, nicht definitiv beurteilen. Was ich aber jedenfalls sagen kann: im Durchschnitt habe ich diese (abseits des teilweise auftretenden, grauslichen Rassismus) deutlich besser in Erinnerung, als das, was uns Faulks hier auftischt. Er mag die Figur ziemlich gut treffen, aber in meinen Augen mangelte es dem Schreibstil an Flair, fehlte mir der typische (trockene) Humor, die überhöhten Elemente, sowie vor allem auch Action und Spannung. Dr. Gorner ist zudem ein denkbar denkunwürdiger Bösewicht. Und auch alles rund um Scarlett hat mich nicht wirklich überzeugt, wobei ich vor allem die beiden vorhersehbaren Twists zum Augenrollen fand. Aus meiner Erinnerung heraus gelang es Anthony Horowitz mit seiner Trilogie ungleich besser, an Ian Flemings Werk anzuknüpfen.