Originaltitel: The Mystery of the Spanish Chest Episodennummer: 3x08 Bewertung: Erstausstrahlung UK: 17. Februar 1991 Erstausstrahlung D: 19. November 1994 Drehbuch: Anthony Horowitz Regie: Andrew Grieve Besetzung:
David Suchet als Hercule Poirot,
Hugh Fraser als Captain Hastings,
Philip Jackson als Chief Inspector Japp,
John McEnery als Colonel Curtiss,
Caroline Langrishe als Marguerite Clayton,
Pip Torrens als Major Rich,
Malcolm Sinclair als Edward Clayton,
Antonia Pemberton als Lady Chatterton,
Peter Copley als Burgoyne,
Sam Smart als Smithy,
Edward Clayton als Rouse,
Metin Yenal als Umpire,
Richard Cawte als Young Officer,
Victoria Scarborough als Party Dancer,
Christopher Lamb als Party Dancer,
Melissa Wilson als Maid,
Andy Mulligan als Reporter,
Clem Davies als Reporter,
Roger Kemp als Doctor,
John Noble als Rigoletto,
Catherine Bott als Gilda u.a.
Kurzinhalt:
Hastings und Poirot haben gemeinsam eine Vorstellung in der Oper besucht. Danach im Foyer werden sie von Lady Chatterton entdeckt, die den Privatdetektiv sogleich um Hilfe bittet: Sie befürchtet, dass eine guten Freundin von ihr, Marguerite, in Lebensgefahr schwebt. Deren Ehe mit ihrem Mann Edward ist nun schon länger zerrüttet, und Lady Chatterton glaubt, dass dieser vor hat, sich seiner Ehefrau zu entledigen. Um sich selbst einen Eindruck zu verschaffen, nimmt Poirot an der nächsten Party der Edwards Teil, nur um mit Erstaunen festzustellen, dass von Edward jede Spur fehlt; angeblich musste er beruflich verreisen. Am nächsten Morgen wird er dann jedoch ermordet aufgefunden. Naturgemäß sind Marguerite und ihr Freund Major Rich – dass sich die beiden zuletzt zunehmend nahe gekommen sind, war nicht zu übersehen – die Hauptverdächtigen. Doch Poirot ist davon überzeugt, dass etwas anderes – bzw. jemand anders – dahintersteckt…
Review (kann Spoiler enthalten):
Am Ende meines Reviews zu "Die russische Gräfin" habe ich im Hinblick auf Anthony Horowitz ja festgehalten: "Somit werde ich in Zukunft seinen Namen in den Credits wohl als Warnung betrachten müssen." Aber, ich schwöre: Ich habe bei "Das Geheimnis der spanischen Truhe" nicht darauf geachtet. Tatsächlich wäre ich auch nie auf die Idee gekommen, dass er für zwei Episoden hintereinander verantwortlich sein könnte. Insofern habe ich mir nichts gedacht; auch rückblickend nicht, als die Folge vorbei war, und ich auch sie wieder ziemlich enttäuschend fand. Erst jetzt, als ich mir die Credits auf der IMDB angesehen habe, dachte ich mir "Ah; ja, das macht Sinn." Denn leider: Mit "Das Geheimnis der spanischen Truhe" setzt Horowitz seinen Misserfolgslauf bei "Poirot" ungehindert fort. Wobei ich auch gleich zugebe, dass ich mir diesmal, im Gegensatz zu "Die russische Gräfin", nicht gleich auch noch die Vorlage von Agatha Christie vorgeknöpft habe. Insofern besteht eine geringe Chance, dass sie ebenfalls ihren Anteil dazu beigetragen haben könnte. Wirklich glauben tu ich's aber nicht.
Dabei beginnt "Das Geheimnis der spanischen Truhe" gar nicht mal so schlecht, mit der in Sepia-Tönen gehaltenen Rückblende zu einem Duell in einer deutschen Burschenschaft. Nach dem Schwenk in die Gegenwart kommt die Episode dann aber die längste Zeit nicht in die Gänge. Es dauert einfach viel zu lang, bis etwas passiert, wobei sich vor allem die Party für meinen Geschmack viel zu sehr in die Länge zog. Nach dem Mord dreht die Folge dann zumindest ein bisschen auf. Wir lernen die verbliebenen Figuren etwas besser kennen, und vor allem der dramatische Selbstmordversuch der Witwe sticht aus dramaturgischer Sicht hervor. Über all dem schwebt jedoch das Problem, dass die Auflösung von Anfang an viel zu offensichtlich war. Sogar noch bevor Poirot mit seinen Ermittlungen beginnt weiß man, wer für den Mord verantwortlich ist (dies ist im Übrigen das gleiche Problem, das – unter anderem – auch schon "Die russische Gräfin" geplagt hat; wir sind hier halt nicht bei "Columbo", das Whodunit zählt für mich zum zentralen Konzept der "Poirot"-Erzählungen). Das Ende, wo Poirot den Täter stellt, fand ich dann auch viel zu überdramatisiert. Wie man sich generell fragen muss, warum er ohne Polizei anrückt. Vor allem aber hat mich die Auflösung überhaupt nicht überzeugt. Dass Colonel Curtiss in die Truhe gestochen hat, einfach darauf hoffend, dass Edward Clayton gerade sein Auge davor hält, ihn dieser Stich sofort umbrachte, ohne dass er einen Laut von sich geben konnte, und während der Party vor allem auch niemand etwas mitbekommen soll – lieber Anthony, das kannst du deiner Großmutter erzählen. Die glaubt dir das vielleicht noch. Ich fand's hingegen völlig haarsträubend. Einzig der Tatsache, dass "Das Geheimnis der spanischen Truhe" zumindest keinen solchen Charaktermord an Poirot begeht, wie das bei "Die russische Gräfin" der Fall war, ist die geringfügig höhere Wertung zu verdanken.
Fazit:
Wieder mal war der Täter viel zu offensichtlich, was dem Whodunit jeglichen Reiz nahm. Vor allem das erste Drittel zog sich zudem – nach dem noch vor allem aufgrund der Sepia-Farbgebung inszenatorisch durchaus positiv hervorstechendem Prolog – doch ordentlich dahin, wobei vor allem die Party für mich kein Ende zu nehmen schien. Das Finale erschien mir extrem überdramatisiert; zumal hier Poirot auch nicht allzu clever wirkt, so wie er sich dem Mörder hier lange Zeit schutzlos ausliefert. Mein größter Kritikpunkt liegt aber in der Auflösung des Tathergangs, die mich nun wirklich so gar nicht überzeugt hat. Die Spiellaune der Hauptdarsteller (diesmal ohne Pauline Moran als Miss Lemon) reißt zwar ebenso ein bisschen was heraus, wie der zumindest solide Mittelteil. Trotzdem graut mir jetzt schon wieder vor der nächsten Episode, die wie ich heute zu meinem Schrecken feststellen musste, ebenfalls von Anthony Horowitz adaptiert wurde.