HOME PROJEKTE LINKS CHAT JOBS DATENSCHUTZ ARCHIV
Startseite arrow Reviews arrow DVD arrow Poirot - 3x07: Die russische Gräfin
Poirot - 3x07: Die russische Gräfin Drucken E-Mail
< Vorherige Episode | Nächste Episode >

Episodenbild (c) BBC

Originaltitel: The Double Clue
Episodennummer: 3x07
Bewertung:
Erstausstrahlung UK: 10. Februar 1991
Erstausstrahlung D: 12. November 1994
Drehbuch: Anthony Horowitz
Regie: Andrew Piddington
Besetzung: David Suchet als Hercule Poirot, Hugh Fraser als Captain Hastings, Philip Jackson als Chief Inspector Japp, Pauline Moran als Miss Lemon, Kika Markham als Countess Vera Rossakoff, David Lyon als Marcus Hardman, David Bamber als Bernard Parker, Charmian May als Lady Runcorn, Nicholas Selby als Mr Johnstone, Michael Packer als Redfern, William Chubb als Blake, Mark Fletcher als Constable, William Osborne als Receptionist, Meriel Dickinson als Katherine Bird, Yitkin Seow als Nacora, Richard Ryan als Porter u.a.

Kurzinhalt: In und rund um London kommt es zu einer Serie von Juwelendiebstählen. Nach drei entsprechenden Fällen, und noch keinen konkreten Ermittlungserfolgen, steht der Job von Inspektor Japp auf dem Spiel, weshalb er sich hilfesuchend an seinen Freund Hercule Poirot wendet. Dieser kann ihm jedoch vorerst auch nicht helfen, da die letzte Spur schon zu kalt ist. Erst, als der Täter wieder zuschlägt, nimmt Hercule die Ermittlungen auf. Als er den Tatort besichtigt, lernt er die Gräfin Vera Rossakoff kennen – und scheint von ihr geradezu verzaubert zu sein. Als Captain Hastings und Miss Lemon zunehmend den Eindruck gewinnen, als hätte Hercule Poirot jedwedes Interesse daran verloren, den Fall aufzuklären, nehmen sie an seiner statt die Ermittlungen auf…


Review (kann Spoiler enthalten): Episodenbild (c) BBC Obwohl ich mein Leben lang großer Fan der Filme bin, hatte ich bislang noch keine der von Agatha Christie für Hercule Poirot geschriebenen Geschichten gelesen (seit kurzem knöpfe ich mir ja endlich die literarischen Abenteuer von Miss Marple vor; bis dahin war mein einziger direkter Kontakt mit ihrem Werk der Roman "Und dann gabs keines mehr"). "Die russische Gräfin" hat mich nun dazu animiert, dies zu ändern. Ich habe nun schon seit ein paar Jahren sämtliche Kurzgeschichten rund um den Privatdetektiv im Regal stehen, und nahm mir den Wälzer praktisch sofort nachdem ich die Folge gesichtet hatte zur Hand. Ich wollte einfach wissen, wer für diesen Quargel verantwortlich ist; ob Agatha Christie hier ausnahmsweise mal ins Klo gegriffen hat (was, bei der Fülle an Kriminalgeschichten, die sie geschrieben hat, ja auch völlig ok wäre; auch Arthur Conan Doyle hat seinem Sherlock Holmes ein paar mäßige Abenteuer spendiert), oder vielmehr Anthony Horowitz (von dessen erster Adaption, "Die Reise auf der Queen Mary", ich ja auch schon nicht übermäßig begeistert war) dafür verantwortlich ist. Das diesbezügliche Urteil folgt im letzten Absatz.

Zuerst aber meine allgemeine Einschätzung zur Folge – welche, wie bereits an der Wertung zu sehen ist, überwiegend negativ ausfällt. Dabei war der Auftakt noch recht interessant, mit der Serie an Juwelendiebstählen, die Inspektor Japp in Bedrängnis bringen, weshalb er sich hilfesuchend an seinen Freund Hercule Poirot wendet, und dann auch dem jüngsten Fall während einer Musikvorführung. Leider aber versagt "Die russische Gräfin" völlig als klassisches Whodunit, wofür ja eigentlich gerade auch die Poirot-Erzählungen so berühmt sind. Üblicherweise gehen diese ja mit einem ziemlich offensichtlichen Roten Hering einher. Nicht so diesmal, wo es tatsächlich so offensichtlich ist, wie es den Anschein macht. Denn eigentlich nimmt bereits die erste – bedeutungsschwanger inszenierte – Szene, mit Rossakoffs Blick aus dem Fenster, die Auflösung vorweg. Ich hoffte dann eigentlich die ganze Zeit, es wäre nicht so offensichtlich, wie es den Anschein hatte – aber doch, war es. Das ist schon mal extrem untypisch. Mehr noch als das ist jedoch Hercules Verhalten, der sich hier von der Gräfin bezirzen lässt. Im ersten Moment drängen sich hier natürlich gleich Parallelen zu Irene Adler auf – doch der Vergleich hinkt. Sherlock Holmes war von "der Frau" ja deshalb so fasziniert, weil sie eine der wenigen Menschen (egal welchen Geschlechts) war, der es gelang, ihn zu überlisten. Das fehlt hier völlig, weil Poirot die Gräfin ja sofort durchschaut. Ihr Intellekt kann es somit nicht sein, in den sich Hercule hier verliebt. Ist er also doch nur ihrem Aussehen und ihrem Charme erlegen? Den Vogel schießt dann aber das Ende ab, wo er sie – bloß weil sie die Juwelen des letzten Diebstahls zurückgegeben hat – gehen lässt. Und das, obwohl es sich bei ihr ja um eine Seriendiebin handelt, und damit die früheren Diebstähle offiziell ungeklärt bleiben. Sprich, statt seinem guten Freund zu helfen, dessen Job auf dem Spiel steht, gibt er einer Seriendiebin, in die er sich verschaut hat, Gelegenheit zur Flucht. Das grenzt an Charaktermord.

Episodenbild (c) BBC Was uns nun zur Frage bringt: Wer hat das verbrochen? Als großer Fan ihrer Arbeit freut es mich, sagen zu können, dass Agatha Christie unschuldig ist. Denn in der Kurzgeschichte geht es nur um diesen einen Juwelenraub; in dem Moment, wo Rossakoff diese zurückgibt, kann ich es somit auch akzeptieren, dass er sie laufen lässt. Zumal hier auch nicht Japps Job (oder Reputation) auf dem Spiel steht. Und nicht zuletzt macht die Kurzgeschichte deutlich, dass es nicht ihr Aussehen ist, dass Hercule imponiert, sondern wie rasch und bereitwillig sie ihre Niederlage eingesteht. Auch das finde ich gleich deutlich passender, als ihn, wie in der TV-Adaption, zu einem liebestollen Herrn zu machen, der einer hübschen Dame hinterherhechelt. Zugegeben, die Vorlage ist derart kurz, dass ich Anthony Horowitz um die Aufgabe, daraus eine fünfzig Minuten lange Episode zu schmieden, nicht beneide. Aber so ziemlich jede Entscheidung, die er dabei getroffen hat, war aus meiner Sicht die falsche. Somit werde ich in Zukunft seinen Namen in den Credits wohl als Warnung betrachten müssen.

Fazit: Um es mit den unsterblichen Worten von Ostbahn-Kurti zu sagen: "Wos is da do nua eingfalln? Wos host da dabei denkt?". Eben das würde ich Anthony Horowitz im Hinblick auf "Die russische Gräfin" wirklich gern fragen. Nicht nur, dass man in der ersten Szene bereits vorwegnimmt, wer für den Diebstahl verantwortlich ist, und damit der Geschichte viel an Spannung raubt, störte ich mich vor allem an der Art und Weise, wie er die (vermeintliche) Romanze zwischen Hercule Poirot und Vera Rossakoff umsetzt. Angefangen dabei, wieso er von ihr verzaubert ist, bis hin zu seiner Entscheidung, sie am Ende gehen zu lassen (und das, obwohl er hier – im Gegensatz zur Vorlage – weiß, dass sie eine Seriendiebin ist). Hercules Verhalten hier ist mit "untypisch" noch sehr schmeichelhaft umschrieben. Einzig die nette Paarung Hastings/Lemon verhindert eine völlige Katastrophe.

Wertung: 1.5 von 5 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © iTV)







Artikel kommentieren
RSS Kommentare

Kommentar schreiben
  • Bitte orientiere Deinen Kommentar am Thema des Beitrages.
  • Persönliche Angriffe und/oder Diffamierungen werden gelöscht.
  • Das Benutzen der Kommentarfunktion für Werbezwecke ist nicht gestattet. Entsprechende Kommentare werden gelöscht.
  • Bei Fehleingaben lade diese Seite bitte neu, damit ein neuer Sicherheitscode generiert werden kann. Erst dann klicke bitte auf den 'Senden' Button.
  • Der vorgenannte Schritt ist nur erforderlich, wenn Sie einen falschen Sicherheitscode eingegeben haben.
Name:
eMail:
Homepage:
Titel:
BBCode:Web AddressEmail AddressBold TextItalic TextUnderlined TextQuoteCodeOpen ListList ItemClose List
Kommentar:




  fictionBOX bei Facebook   fictionBOX bei Twitter  fictionBOX als RSS-Feed

TV-Planer
Im Moment keine TV-Einträge vorhanden