Kurzinhalt:
Gerade erst haben Han Solo und Chewbacca für Jabba einen Auftrag erfolgreich abgeschlossen, da hat der Hutte schon die nächste Mission für sie. Die beiden sollen eine Urne beschaffen, welche die Überreste eines anderen Hutten enthält. Begleitet werden sie dabei vom Kopfgeldjäger Greedo – sehr zum Missfallen von insbesondere Han Solo, der den Rodianer nicht ausstehen kann, und ihn vor allem auch für völlig inkompetent hält. Um sie Urne zu beschaffen, nimmt der Millennium Falke Kurs auf Hans frühere Heimatwelt Corellia. Dort trifft er in einer Cantina zufällig auf einen Mann, der sich als sein Vater Ovan herausstellt. Mit seiner Hilfe gelingt es, in das Apartment wo sich die Urne befinden soll einzubrechen. Doch als man den Safe öffnet, ist dieser leer…
Review:
"Schnelles Geld" ist irgendwann zwischen "Solo" und "Eine neue Hoffnung" angesiedelt, und deckt die erste Hälfte einer kurzlebigen Comicreihe rund um die beiden "Schurken" ab, die in den USA zwischen März 2022 und 2023 in zehn Ausgaben erschienen ist. Was Autor Marc Guggenheim dabei ausgesprochen gut gelingt, ist es, Han Solos Persönlichkeit einzufangen. Vom ersten Panel an klingt das alles genau so, wie wir die Figur – gespielt von Harrison Ford – im ersten "Star Wars"-Film kennengelernt haben. Der trockene Humor, der Schalk im Nacken, die Ruhe selbst in kritischen Situationen – all das fängt "Schnelles Geld" ausgesprochen gut ein. Darüber hinaus fand ich die Dialoge, insbesondere zwischen Han und Chewie, super geschrieben. Sehr interessant war es zudem, hier ein gemeinsames Abenteuer der beiden mit Greedo zu erleben. Aus ihrer kurzen Begegnung in "Eine neue Hoffnung" (wobei ein Kommentar natürlich auch auf die berühmt-berüchtigte "Han schoss zuerst"-Kontroverse anspielt) wurde ja deutlich, dass sich die beiden a) kennen und b) nicht wirklich grün sind (kein Wortspiel beabsichtigt). Den Ursprung ihrer Antipathie bleibt uns zwar auch in "Schnelles Geld" verborgen, dennoch erhalten wir durch die gemeinsame Mission hier, und Greedos diverse Missetaten, einen besseren Einblick darin, wo Hans Abneigung herrührte (und gibt Guggenheim Han zudem einen guten Grund, ein paar Jahre später "zuerst zu schießen"). Der Plot an sich mag jetzt zwar nicht zu den besten Heist-Erzählungen aller Zeiten zählen, war aber ebenfalls recht gewitzt, kurzweilig, und vor allem auch durchaus wendungsreich. Nicht ganz so positiv sehe ich das mit Hans angeblichem Vater. Genauer werde ich es wohl erst sagen können, wenn ich auch die zweite Hälfte der Geschichte gelesen habe, aber ich hatte den Eindruck, dass sich Guggenheim hier nicht traut, einen derart großen Eingriff in den Kanon zu machen, und daher die Frage, ob es sich denn hier wirklich um Hans Vater handelt, mindestens offen halten wenn nicht gar geradeheraus verneinen wird. Wenn dem so ist, hätte er sich in meinen Augen den Auftritt von Ovan aber gleich ganz sparen können. Wie hier generell ein paar Nebenfiguren (wie Buck Vancto) auftreten, die mir persönlich nichts gegeben haben.
Trotz dieser Kritikpunkte hat mir die Haupthandlung (die in einem ziemlich fiesen Cliffhanger mündet) aber sehr gut gefallen. Gleiches gilt übrigens auch für die künstlerische Gestaltung. Illustrator David Messina orientiert sich bei der Darstellung Han ausschließlich auf Harrison Ford (statt sich entweder an Alden Ehrenreich anzulehnen, oder zu versuchen, eine Art Mischform der beiden zu finden) – eine Entscheidung, die ich persönlich (der ich mit "Solo" im Allgemeinen und Ehrenreich in der Rolle im Besonderen nichts anfangen konnte) sehr begrüße. Und ganz allgemein hatte es mir sein Zeichenstil enorm angetan. Gleiches gilt für die wunderbar intensive Farbgebung durch Alex Sinclair. Zusammen liefern sie hier eine Arbeit ab, die ich selbst für das üblicherweise hohe Niveau der Marvel"-Star Wars"-Comics noch als überdurchschnittlich einstufen würde. Das Einzige, was "Schnelles Geld" ein bisschen herunterzieht, ist die Beigabe des Sondercomics "Life Day". Der Feiertag geht ja auf George Lucas berüchtigtes "Holiday Special" zurück (in dem auch Boba Fett seinen ersten – animierten – Auftritt hatte), was jedoch grundsätzlich jetzt noch kein Kritikpunkt gewesen wäre. Tatsächlich fand ich die Idee, diesen Wookiee-Feiertag näher zu beleuchten, ganz nett. Leider aber ist das Endergebnis eine völlig zerfahrene Geschichte, da hier vier Stories zugleich erzählt werden (drei in Rückblenden, die in einer Rahmenhandlung eingebettet sind), und das auf gerade mal dreißig Seiten. Da bleibt einfach nicht genug Zeit bzw. Platz, damit die einzelnen Erzählungen auch nur irgendeinen Eindruck hinterlassen könnten. Auch künstlerisch fällt "Life Day" im Vergleich zum Rest deutlich ab. Und nicht zuletzt: Gerade auch angesichts des Cliffhangers mutet es dann doch etwas seltsam, wenn nicht gar irritierend an, dann noch diese belanglose Geschichte vorgesetzt zu bekommen. Am Ende des zweiten (und letzten) Sammelbands, nachdem die Haupthandlung rund um Han und Chewie abgeschlossen ist, hätte "Life Day" wohl besser gepasst (wenn die Sonderausgabe deshalb für sich betrachtet natürlich auch nicht besser geworden wäre).
Fazit:
Die erste Hälfte der – angesichts der Qualität leider – kurzlebigen Comicreihe "Han Solo & Chewbacca" konnte mir ausgesprochen gut gefallen. Marc Guggenheim gelang es dabei vor allem sehr gut, den Ton und Charakter von Han Solo – vor allem auch Prä-OT – einzufangen. Generell war der Comic sehr kurzweilig und unterhaltsam. Auch optisch war ich höchst angetan, sowohl von den Illustrationen (wo man sich an Harrison Ford – statt Alden Ehrenreich – orientiert; auch das für mich definitiv ein Pluspunkt) als auch der Farbgebung. Nur das mit Hans (vermeintlichem?) Vater fand ich eher unnötig. Und auch der als Zusatz beigefügte "Life Day"-Comic, der für mich einfach viel zu zerfahren war, drückt den Gesamteindruck nach unten. Trotz dieser Mankos kann ich "Schnelles Geld" allen "Star Wars"-Fans uneingeschränkt empfehlen.