Originaltitel:The Pilot Episodennummer: 1x01 Bewertung: Erstausstrahlung USA: 26. Oktober 2025 (HBO Max) Erstausstrahlung D: 27. Oktober 2025 (Sky) Drehbuch: Jason Fuchs Regie: Andy Muschietti Besetzung:
Jovan Adepo als Leroy Hanlon,
James Remar als General Francis Shaw,
Stephen Rider als Hank Grogan,
Matilda Lawler als Marge Truman,
Amanda Christine als Ronnie Grogan,
Clara Stack als Lilly Bainbridge,
Miles Ekhardt als Matty Clements,
Mikkal Karim Fidler als Teddy Uris,
Jack Molloy Legault als Phil Malkin,
Matilda Legault als Susie Malkin,
Chris Chalk als Dick Hallorann,
Rudy Mancuso als Captain Pauly Russo,
Alixandra Fuchs als Terri Bainbridge,
Dmitry Chepovetsky als Rabbi Uris,
Finley Burke als Don Uris,
Eli Katz als Mrs. Uris,
Jeff Dingle als Usher,
Teresa Van der Hoeven als Shusher,
Thomas Mitchell als Colonel Fuller,
Chad Rook als Staff Sgt. Masters,
Michael Koras als 1st Airman O'Donnell,
Daniel Onwugbonu als 1st Airman Colton,
Jon-Alex MacFarlane als Robert Preston,
Maya McNair als Patty,
Hannah Storey als Rhonda,
Maya Misaljevic als Elaine,
Robert Clarke als Principal Dunleavy,
Brittany Spiteri als Bert the Turtle,
Anna Bura als Fart Girl,
Mark MacRae als Young Father,
Zoë Barrett-Wood als Young Mother,
u.a.
Kurzinhalt:
Derry, Maine: Am 4. Januar 1962 verschwindet der kleine Junge Matty Clements spurlos, nachdem er sich alleine in eine Kinovorstellung des Musicals "Music Man" geschlichen hat. Vier Monate später werden seine Freunde – oder eher Bekanntschaften – Teddy Uris, Phil Malkin und Lilly Bainbridge immer noch von den Erinnerungen an die Tage davor verfolgt. Sie fragen sich, ob ihr Verhalten eine Rolle bei seinem Verschwinden gespielt hat, und vor allem natürlich, was genau ihm widerfahren ist. Dann glaubt Lilly eines Tages, ihn aus dem Abfluss heraus ein Lied aus "Music Man" singen zu hören. Als auch Teddy und Phil etwas beängstigendes erleben, beginnen sie zu glauben, dass irgendwelche übernatürlichen Dinge in Derry vor sich gehen. Um dem Geheimnis rund um Mattys Verschwinden auf den Grund zu gehen, verschlägt es sie schließlich in jenes Kino, in dem er zuletzt gesehen wurde…
Review (kann Spoiler enthalten):
Ich bin nach wie vor großer Fan von Andy Muschiettis beiden "Es"-Filmen. Tatsächlich habe ich sie mir im letzten Herbst nach langer Zeit wieder einmal angeschaut, und war wieder höchst angetan (wenn auch der zweite im Vergleich zu meinem damaligen Review etwas Federn lassen musste; den sehe ich mittlerweile doch eine Spur schwächer als den ersten – aber jedenfalls höher als die IMDB-Wertung). Dementsprechend war ich auch auf diese Prequel-Serie schon sehr gespannt. Umso mehr, als wir es hier nicht mit einer "Die Ringe der Macht"-Situation zu tun haben, wo der Serie zwar die gleiche Vorlage zugrunde liegt, sie aber nicht in der Welt der "Der Herr der Ringe"-Filme angesiedelt ist (da die Lizenz bei einem anderen Rechteinhaber liegt), sondern dies tatsächlich eine offizielle Prequel-Serie zu den Filmen ist, die noch dazu unter der kreativen Leitung von Andy Muschietti steht – der auch bei der Pilotfolge wieder auf dem Regiestuhl Platz genommen hat. Das klang jedenfalls höchst vielversprechend.
Die ersten paar Minuten, rund um das Verschwinden von Matty, konnte "Willkommen in Derry" meine Erwartungen auch voll und ganz erfüllen. Der Spannungsaufbau, nachdem dieser ins Auto gestiegen ist, war meisterlich. Sehr früh hat man den Eindruck, dass hier irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht, angefangen dabei, dass die Tochter Leber ist, über das Buchstabier-Spiel, wo just das Wort "Trouble" ausgewählt wird, bis hin dazu, dass sie auf einmal wieder zurück in Derry landen. Was somit von Anfang an als Gefühl des Unwohlseins beginnt, steigert sich zu einem der Angst und des Terrors, als die Mutter im Auto auf einmal ihr Kind zur Welt bringt. Leider aber: Sobald das Dämonenbaby auf den Plan tritt, verpufft die zuvor aufgebaute Spannung ziemlich. Es sah jetzt zwar nicht unbedingt lächerlich, jedenfalls aber nicht bedrohlich aus. Das ist dann auch gleich der erste Kritikpunkt: Wenn es darum geht, mich in Angst und Schrecken zu versetzen, so hält zumindest mal "Willkommen in Derry" (gemeint ist hier die Pilotfolge) dem Vergleich zu den beiden Filmen nicht im Geringsten stand. Die einzige Szene, die ansatzweise herankommt, war jene mit dem Abfluss, aus dem Lilly Mattys Stimme hört, und aus dem schließlich auch die Finger hervortreten. Auf der anderen Seite des Spektrums steht die Szene mit dem Lampenschirm. Als sein Vater die Geschichte aus dem KZ Buchenwald erzählt, lief mir ein kalter Schauer über den Rücken. Die Umsetzung hier war aber leider eher unfreiwillig komisch, und verfehlte die gewünschte Wirkung bei mir komplett. Ähnlich dann beim großen Finale (auch wenn dieses insgesamt der größte Pluspunkt von "Willkommen in Derry war"; der Aufbau rund um Matty, der auf einmal auf der Leinwand (als Teil von "Music Man") erscheint, war super. Dann jedoch erscheint plötzlich wieder das Dämonenbaby, und zumindest bei mir hat sich die Anspannung verflüchtigt. Ich hoffe sehr, dass sich dies für den Rest der Serie/Staffel nicht als beispielhaft herausstellen wird, und man in weiterer Folge was die Spannungsmomente betrifft an die großartigen entsprechenden Szenen aus den Filmen doch noch anknüpfen kann.
Mein letzter Kritikpunkt betrifft dann den parallelen Handlungsstrang rund um Leroy Hanlon. Dieser wirkt zumindest hier mal noch wie ein komplett von der eigentlichen Haupthandlung losgelöst, und dementsprechend doch eher wie ein Fremdkörper. Gut, ok, das wird sich im Verlauf der Staffel sicher noch ändern, aber darüber hinaus sehe ich kritisch, dass es hier um Erwachsene geht. Zugegeben, bei "Es" (gemeint sind hier wahlweise Roman, TV-Film und Kinofilme; sprich, sucht es euch aus, galt bislang für alles) gab es auch die entsprechende Perspektive, die stand aber, da es die erwachsenen Versionen der Kinder waren, in direkter Verbindung mit dem Coming of Age-Teil; und eben dieser ist für mich zentral für "Es". Hier a) einen Erwachsenen und b) noch dazu einen Soldaten, und generell gleich das ganze US-Militär, ins Spiel zu bringen, verwässert diesen Aspekt in meinen Augen. Vor allem aber: Zumindest hier mal fand ich seine Storyline einfach nicht interessant. Auch das Rätsel rund um die Identität der Angreifer reißt mich überhaupt nicht mit. Für mich war dieser Teil bei "Willkommen in Derry" somit die größte Schwachstelle.
Positiv macht sich dafür die Produktionsqualität bemerkbar. Ich bin ja zu jung, um es persönlich beurteilen zu können (davon, dass ich wenn dann auch am falschen Kontinent aufgewachsen wäre, ganz zu schweigen), aber soweit ich es aus Filmen und Serien der damaligen Zeit beurteilen kann, gelingt es "Welcome to Derry" ausgezeichnet, eine Kleinstadt in den USA im Jahr 1962 einzufangen. Die Sets, die Ausstattung, die Kostüme, die Frisuren – alles wirkte auf mich sehr authentisch. Aber auch visuell und inszenatorisch macht die Serie in ihrer Pilotfolge einen ausgezeichneten Eindruck. Das Casting der jungen Darsteller:innen ist ebenfalls zu loben. Auf den ersten Blick würde ich die Serie diesbezüglich zwar nicht auf dem Niveau eines "Stranger Things" sehen, aber es wirkt durchaus so, als wäre es ihnen gelungen, ein paar spannende (potentielle) Nachwuchstalente zu finden. Die größte Stärke von "Willkommen in Derry" liegt aber ganz klar im Finale. Bis dahin macht die Episode einen ziemlich vertrauten Eindruck: Ein Junge verschwindet spurlos, Monate später leiden jene, die ihn kannten, immer noch darunter. Um herauszufinden, was genau mit ihm passiert ist, bildet sich eine Gruppe aus doch eher Außenseitern – also quasi ein Losers Club 2.0 (oder eher 0.1?!). Alles deutet darauf hin, dass uns diese Figurenriege nun durch die erste Staffel begleiten wird. Bis eben zum Showdown im Kino. Ja, mit dem Auftritt des Dämonenbabys mag ich nicht glücklich gewesen sein. Aber dass es hier auf einen Schlag gleich drei Figuren erwischt – dabei Teddy und Phil, denen doch einiges an (Lauf-)Zeit gewidmet wurde, sowie die kleine unschuldige Susie – damit hätte ich im Leben nicht gerechnet. Damit macht "ES: Welcome to Derry" deutlich, dass man hier keine halben Sachen macht, und niemand vor Pennywise sicher ist. Was die Spannung für den Rest der Staffel zweifellos deutlich erhöhen wird.
Fazit:
"Willkommen in Derry" ist ein durchaus verheißungsvoller Beginn des auf drei Staffeln angelegten Prequel-Ablegers zu Andy Muschiettis "Es"-Filmen. Neben der Inszenierung, der authentischen Reproduktion der frühen 60er sowie den gut gecasteten Jungdarsteller:innen sticht vor allem der schonungslose Ausgang des Geschehens im Kino hervor. Was Muschietti hier ebenfalls wieder sehr gut gelang, war der Spannungsaufbau in einzelnen Szenen. Wo man sich allerdings noch Luft nach oben lässt, ist bei den Gruselszenen; zumal manches – wie der Lampenschirm aus Haut, aber auch das Dämonenbaby – bei mir leider die gewünschte schockierend-beängstigende Wirkung verfehlte. Auch mit der Storyline rund um Leroy Hanlon konnte ich hier erstmal noch nicht viel anfangen. Und zugegebenermaßen wird "ES: Welcome to Derry" gegen das Prequel-Problem ankommen müssen, dass man in groben Zügen bereits weiß, wie die Sache ausgehen wird (im konkreten Fall: Dass es nicht gelingen wird, Pennywise zu besiegen). Davon abgesehen machte die erste Folge von "Welcome to Derry" aber einen guten und vielversprechenden Eindruck.