Originaltitel: The Kidnapped Prime Minister Episodennummer: 2x08 Bewertung: Erstausstrahlung UK: 25. Februar 1990 Erstausstrahlung D: 04. Dezember 1993 Drehbuch: Clive Exton Regie: Andrew Grieve Besetzung:
David Suchet als Hercule Poirot,
Hugh Fraser als Captain Hastings,
Philip Jackson als Chief Inspector Japp,
Pauline Moran als Miss Lemon,
Lisa Harrow als Mrs Daniels,
David Horovitch als Commander Daniels,
Ronald Hines als Sir Bernard Dodge,
Patrick Godfrey als Lord Estair,
Timothy Block als Major Norman,
Jack Elliott als Egan,
Kate Binchy als Landlady,
Milo Sperber als Fingler,
Henry Moxon als Prime Minister,
Oliver Beamish als Sergeant Hopper,
Anthony Chinn als Shi Mong,
Roy Heather als Transport Superintendent,
Daniel John als Urchin,
Sam Clifton als Urchin u.a.
Kurzinhalt:
Um ein Haar wäre der britische Premierminister entführt worden. Doch Commander Daniels ist es gelungen, dies zu vereiteln, und ihn sicher in jenen Zug zu schaffen, der ihn nah Boulogne bringen soll. Dort soll nämlich in Kürze eine wichtige internationale Konferenz stattfinden, in der man sich mit der Aufrüstung Deutschlands beschäftigt. Dann jedoch kommt es zu einem zweiten Entführungsversuch, und dieser ist erfolgreich. Sir Bernard Dodge, Staatssekretär des Außenministeriums, wendet sich daraufhin zusammen mit Inspektor Japp an Hercule Poirot. Dieser strapaziert insofern schnell ihre Geduld, als er keine Anstalten macht, nach Frankreich aufzubrechen. Der belgische Meisterdetektiv ist nämlich davon überzeugt, dass der Premierminister bereits in England geschnappt wurde – und rollt deshalb die Geschichte des ersten, vermeintlich gescheiterten, Entführungsversuchs auf…
Review (kann Spoiler enthalten):
An "Im Namen der Nation" stachen für mich in erster Linie zwei Aspekte positiv hervor. Einerseits der Auftritt von David Horovith, der dem geneigten Agatha Christie-Fan als Inspector Slack aus der "Miss Marple"-Fernsehserie noch in bester Erinnerung ist. Und andererseits, wie Hercule Poirot mit seiner Weigerung, sofort nach Frankreich aufzubrechen (wo die Entführung vermeintlich stattgefunden haben soll), und ganz allgemein seiner gewohnt zugeknöpften Art (er lässt sich seine Vermutung, dass bereits der erste Entführungsversuch erfolgreich war, und der Premierminister somit das Land nie verlassen hat, erst sehr spät entlocken), Sir Bernard Dodge und Lord Estair an den Rand der Verzweiflung treibt (und Inspektor Japp sowie Captain Hastings, trotz ihres Vertrauens in ihn, doch zumindest ernstlich verwirrt). Last but not least sticht auch der Fall an sich insofern positiv hervor; da es hier mal um eine Angelegenheit von nationaler (und internationaler) Bedeutung geht.
Leider aber leidet "Im Namen der Nation" extrem darunter, dass die Auflösung rund um den eben nur vermeintlich vereitelten ersten Entführungsversuch aufgrund des Verbandes um seinen Kopf, als er in den Zug steigt, von Anfang an offensichtlich ist. Und selbst dann fand ich es schwer zu schlucken, dass Inspektor Japp und Major Norman das nicht auffallen soll. Zugleich machte dies natürlich auch deutlich, dass Commander Daniels in den Fall verwickelt ist. Und jedweder noch so geringste Zweifel an dieser Auflösung ist spätestens dann dahin, wenn Daniels behauptet, sich an den Namen des Krankenhauses (und/oder dessen Standort) nicht erinnern zu können. Das war einfach völlig unglaubwürdig. Insofern bot die Episode nicht wirklich viel Stoff zum Mitraten. Und wenn einem eben dies von Anfang an bewusst ist, gibt es auch keinen Grund, sich so wie die anderen über Poirots Vorgehensweise zu wundern. Zugleich zieht man irgendwie ein Scheitern von Poirot nie in Betracht, weshalb es der Folge auch aus der knapp bemessenen Frist von zweiunddreißig Stunden, in denen er den Fall aufklären muss, nie wirklich Spannung ergibt. Und auch der wohl tragisch gedachte Ausgang des Geschehens verfehlte die gewünschte Wirkung bei mir irgendwie. Trotz dieser Mankos bot "Im Namen der Nation" insgesamt durchaus wieder solide Krimi-Unterhaltung, die nicht zuletzt auch von den gewohnt gut aufgelegten Darstellern – und hier ganz besonders natürlich David Suchet – profitierte.
Fazit:
"Im Namen der Nation" war schon ganz ok, litt allerdings darunter, dass die Auflösung rund um die eigentlich schon erste erfolgreiche Entführung aufgrund der Umsetzung sehr offensichtlich, und für mich auch die Tatsache, dass der Austausch nicht aufgefallen sein soll, auch recht unglaubwürdig war. Zwar macht es dennoch Spaß, Poirot dabei zuzusehen, wie er bei seinen Ermittlungen – die überhaupt nicht so verlaufen, wie sich die anderen das vorstellen würden – seine Begleiter zunehmend an den Rand der Verzweiflung treibt. Auch inszenatorisch und darstellerisch gibt es an "Im Namen der Nation" wieder nichts zu bemängeln. Und dass Poirot mal einen Fall von solch (inter)nationaler Bedeutung zu lösen hat, war mal eine nette Abwechslung. Zum Mitraten lud "Im Namen der Nation" aber aufgrund der zu eindeutigen Auflösung halt leider nicht wirklich ein.