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Der Dienstagabend-Klub Drucken E-Mail
Miss Marples erste Fälle Kategorie: Literatur & Comics - Autor: Christian Siegel - Datum: Mittwoch, 31 Dezember 2025
 
Titel: "Der Dienstagabend-Klub"
Originaltitel: "The Thirteen Problems"
Bewertung:
Autorin: Agatha Christie
Übersetzung: Renate Orth-Guttmann
Umfang: 256 Seiten (E)
Verlag: Atlantik (D), HarperCollins (E)
Veröffentlicht: 18. Juni 1932 (E)
ISBN: 978-0-00819-652-3 (E)
Kaufen: Taschenbuch (D), Taschenbuch (E)
 

Inhalt & Review: Ihren ersten Auftritt hatte Miss Marple in der Kurzgeschichte "The Tuesday Night Club", die im Dezember 1927 (und damit mittlerweile vor fast hundert Jahren) im britischen Royal Magazine erschienen ist. In den folgenden Monaten folgten weitere Kurzgeschichten, die von Christie dann schließlich für den Sammelband "The Thirteen Problems", der hierzulande unter dem Titel "Der Dienstagabend-Klub" (und damit dem Namen der ersten enthaltenen Geschichte folgend) erschienen ist, zusammengefasst wurden. Sowohl die ersten als auch die zweiten sechs Stories knüpfen insofern direkt aneinander an, als diese am jeweils gleichen Abend erzählt – und von Miss Marple – gelöst werden. Im Fall der ersten sechs Geschichten dient als Rahmen eben der titelspendende Dienstagabend-Klub, an dem sich mehrere Gäste bei Miss Marple einfinden, und von mysteriösen und teilweise auch ungelösten Kriminalfällen erzählen. Was die Geschichten verbindet, und bis zu einem gewissen Grad auch den Reiz dieser Erzählung ausmacht: Miss Marple löst die Fälle immer, in dem sie Parallelen zum Leben in St. Mary Mead – und Ereignissen, die sich in ihrer kleinen Heimatstadt zugetragen haben – zieht. Das gibt dem Ganzen, beispielsweise auch zu den Ermittlungen von Hercule Poirot, nochmal einen ganz eigenen Flair.

Gehen wir die einzelnen Geschichten kurz durch. Den Anfang macht eben (natürlich) "Der Dienstagabend-Klub". Dort berichtet Sir Henry Clithering – neben Jane Marple die einzige Figur, die in allen hier versammelten Geschichten vorkommt – von einem tödlichen Abendessen. Sowohl Mr. Jones, seine Ehefrau, sowie deren Gesellschafterin sind nach eben diesem schwer erkrankt, doch nur Mrs. Jones ist daran gestorben. Handelt es sich um einen einfachen Fall von Lebensmittelvergiftung, oder steckt mehr dahinter? Für mich zählte dieser Fall zu den Highlights der Sammlung, er ist, trotz seiner Kürze, durchaus nett ausgeklügelt, und lädt zum Mitraten ein. In " Der Tempel der Astarte" flirtet Agatha Christie dann mit dem Übersinnlichen. Zwar offenbart sie diesen als Aberglauben, dennoch muss ich gestehen, dass mich die Auflösung der Geschichte – auch wenn diese grundsätzlich durchaus atmosphärisch erzählt war – dann nicht 100%ig überzeugte. "Die verschwundenen Goldbarren" fand ich dann doch ziemlich banal, und auch von der Auflösung her recht offensichtlich. Für mich eine der schwächeren der hier enthaltenen Geschichten. Deutlich besser schlägt sich dann "Der rote Badeanzug", an dem es mir vor allem die Tatsache angetan hatte, dass es sich hier um Serienkiller handelt – für Christie ja eine doch eher ungewöhnliche Thematik. Allerdings: Das mit dem Tausch, und damit auch die Auflösung, hatte ich als alter Krimihase sofort gerochen. "Die überlistete Spiritistin" überzeugt vor allem mit dem interessanten Rätsel rund um das vermeintlich ausgetauschte Testament. Weil jene Person, die Gelegenheit dazu gehabt hätte, hatte keinen Grund, da sie ohnehin darin begünstigt war, und die Person, die ein Motiv gehabt hätte, hatte wiederum keine Gelegenheit. Und die Auflösung war dann auch durchaus gewitzt. Die letzte Geschichte des (ersten) Abends, "Der Daumenabdruck des heiligen Petrus", wird dann von Miss Marple selbst erzählt, die eine Nichte besuchte, nachdem ihr Ehemann verstorben war, und sie unter Mordverdacht geriet. Die Abrechnung mit dem Kleinstadtleben hatte es mir dort ganz besonders angetan; aber auch der Fall (und dessen Auflösung) war durchaus nett.

Die zweite Reihe an Geschichten – bei der Dinnerparty von Colonel Arthur Bantry und seiner Frau – beginnt mit "Die blaue Geranie". Auch dort geht es – mit der Geschichte rund um eine Wahrsagerin – wieder einmal um Aberglauben, den Christie hier auch als ebensolchen entlarvt. Von dieser Aussage her hat sie mir schon gefallen, davon abgesehen fand ich die Story aber eher nur ok. "Die Gesellschafterin" gefiel mir da schon besser. Zwar sah ich die Auflösung recht früh kommen, dennoch war die Geschichte spannend erzählt, und fand ich insbesondere auch die historische Komponente im Hinblick auf eben solche Gesellschafterinnen/Anstandsdamen (ein Brauch, der sich längst überholt hat) interessant. "Die vier Verdächtigen" war für mich dann das Highlight aus der zweiten Tranche; vor allem auch aufgrund der Auflösung, die ich definitiv nicht kommen sah. Sowohl thematisch als auch im Hinblick auf den durchaus ausgeklügelten Fall konnte mir auch "Die Weihnachtstragödie" durchaus gefallen; nur das mit dem Austausch der Leichen hat mich nicht ganz überzeugt (weil da durfte echt niemand genau hinsehen, damit das nicht auffliegt). "Das Todeskraut" weckte dann ein bisschen Erinnerungen an die erste Geschichte, da auch dort mehrere Personen nach einem gemeinsamen Abendessen erkranken, jedoch nur eine von ihnen verstirbt. Sieht man von diesem Punkt ab, konnte mir aber auch dieser Fall durchaus gefallen. Im Gegensatz zu " Die seltsame Angelegenheit mit dem Bungalow", die für mich die schwächste der hier versammelten Geschichten darstellt. Teilweise liegt das am Erzählstil. Zwar ist es für sich genommen positiv, dass sich die Geschichten vom Ton her durch die Person, die sie erzählt, unterscheiden, und war es natürlich Absicht, dass Jane Helier – die von vornherein sagt, dass sie für so etwas nicht geeignet sei – sich jetzt nicht wirklich als mitreißende Erzählerin entpuppt. Mich sprach aber auch der Fall nicht wirklich an. Einzig die Tatsache, dass Miss Marple hier nicht ein Verbrechen aufklärt, sondern vielmehr eines verhindert, sticht hervor. Dafür endet "Der Dienstagabend-Klub" mit der letzten Geschichte, "Der Fall von St. Mary Mead", dann mit einem kleinen Highlight. Eine Woche nach der Dinnerparty ist Sir Henry Clithering wieder bei den Bantrys zu Gast, und erfährt von einem aktuellen Fall in St. Mary Mead, wo eine junge Frau ertrunken ist. Miss Marple hat sofort den richtigen Riecher, und steckt ihm einen Zettel mit dem Namen des Täters zu. Sir Clithering – früher Chef von Scotland Yard – begleitet daraufhin die Ermittlungen, und sieht letztendlich Miss Marples Deduktion bestätigt.

Mit gefiel an "Der Fall von St. Mary Mead" nicht zuletzt, dass wir das Geschehen bzw. die Ermittlungen hier live mitverfolgen. Womit auch gleich der Haken zu zwei allgemeinen Schwächen der Kurzgeschichtensammlung – ganz unabhängig von meinem individuellen Eindruck der hier versammelten Geschichten (der wie zu sehen war ja teilweise doch schwankte) – geschlagen hätten. Denn in den zwölf Stories davor erfahren wir erst im Nachhinein davon. Im Vergleich zu den zwölf Romanen, in denen Miss Marple direkt im Geschehen involviert ist, fehlt es somit ein bisschen an der Dringlichkeit, und auch an emotionaler Resonanz. Es sind letztendlich eher Rätsel und/oder Gedankenspiele, als mitreißende Geschichten/Kriminalfälle. Der zweite Punkt: Bis auf "Der Daumenabdruck des heiligen Petrus" ist Miss Marple hier eine Randnotiz. Sie besticht zwar auf der letzten Seite immer mit der Art und Weise, wie sie auf die richtige Lösung kommt. Mir fehlt aber ihre ganz eigentümliche Präsenz, bzw. ganz allgemein ihre (charmant-schrullige) Persönlichkeit. Diese kommt in "Der Dienstagabend-Klub" leider nur sehr bedingt zur Geltung. Insofern ist die Kurzgeschichtensammlung zwar grundsätzlich ein netter und interessanter Einstieg in die Welt von Miss Marple, anhand der Filme/Verfilmungen würde ich aber vermuten, dass die zwölf Romane die sich direkt um sie drehen höher einzustufen sind. Ihr seid herzlich eingeladen, es im nächsten Jahr – nicht in einem Dienstagabend-Klub, sondern einer im vierwöchigen Rhythmus stattfindenden Sonntagsnachmittags-Runde – gemeinsam mit mir herauszufinden.

Fazit: "Der Dienstagabend-Klub" war für mich, nicht nur aufgrund der schwankenden Qualität der dreizehn hier versammelten Geschichten/Fälle, ein bisschen eine durchwachsene Angelegenheit. Auf der einen Seite sorgt die Vielzahl an Stories für Abwechslung, und waren durchaus ein paar Highlights darunter, wo es mir der Fall und/oder die Auflösung sehr angetan hatten. Aber auch, dass es Miss Marple nur anhand der Schilderungen gelingt, sie zu lösen – und dies dabei immer mit Ereignissen aus St. Mary Mead verknüpft – hat seinen Reiz. Andererseits ist Agatha Christie aufgrund der Kürze der Geschichten in ihrer Komplexität eingeschränkt. Vor allem aber kommt Miss Marple hier leider kaum zur Geltung, da sie bis auf wenige Ausnahmen nur eine Randerscheinung und nicht direkt in die Ermittlungen involviert ist. Da für mich ihre ganz eigene Persönlichkeit einen wesentlichen Reiz der Filme/Verfilmungen ausmachte, hat hier somit für mich eine der größten Stärken weitestgehend gefehlt. Die zwölf Romane, die auch wirklich Jane Marple in den Mittelpunkt stellen, und die ich mir nun als nächstes vorknöpfen werde, sollten hier Abhilfe schaffen.

Bewertung: 3/5 Punkten
Christian Siegel
(Cover © 2016 HarperCollins)





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