Originaltitel:Grenade Episodennummer: 1x03 Bewertung: Weltweite Internet-VÖ: 14. November 2025 (Apple TV+) Drehbuch: Gordon Smith Regie: Gordon Smith Besetzung:
Rhea Seehorn als Carol Sturka,
Karolina Wydra als Zosia,
Miriam Shor als Helen,
Robert Bailey Jr. als DHL Guy,
Thor Knai als Bjorn,
Tedd Taskey als Captain,
Matthew Page als First Officer u.a.
Kurzinhalt:
Das Treffen mit den fünf anderen – der englischen Sprache mächtigen – Personen auf der ganzen Welt, die nicht im Schwarmbewusstsein aufgegangenen sind, ist für Carol doch eher frustrierend verlaufen. Außer ihr scheinen alle mit der Entwicklung glücklich zu sein, und es auch nicht erwarten zu können, selbst Teil des kollektiven Bewusstseins zu werden. Da sie keine Möglichkeit sieht, ganz allein etwas gegen diese Entwicklung zu unternehmen, tut sie ihr bestes, um sich mit der Situation abzufinden – im Wissen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sie auch selbst Teil des Gemeinschaftsbewusstseins sein wird. Sie ertränkt ihren entsprechenden Kummer in Alkohol, und DVD-binge-watching von "Golden Girls". Als ihr langsam das Essen ausgeht, begibt sie sich zum nächstgelegenen Supermarkt – nur um zu erkennen, dass dieser vollständig geräumt wurde. Der Wille des Schwarmbewusstseins, all ihre Wünsche zu erfüllen, beginnt daraufhin ziemlich seltsame Blüten zu tragen…
Review (kann Spoiler enthalten):
Zu Beginn von "Handgranate" gibt es einen Flashback zu einem gemeinsamen Urlaub von Carol und Helen. Diese besuchten ein Eishotel in Finnland. Ihre Reaktionen auf das Zimmer waren dabei sehr unterschiedlich. Während sich Helen begeistert zeigt, macht Carol aus ihrer Ablehnung keinen großen Hehl. Rhea Seehorn spielt das wieder super, insbesondere auch mit dem trockenen Humor, den sie in ihre Rolle sowohl in dieser Szene ("Kinda looks like a screensaver"), sowie dann auch später, einfließen lässt (als Randnotiz sei angemerkt, dass ich im Hinblick auf die unterschiedlichen Reaktionen der beiden voll und ganz auf ihrer Seite war; für mich wäre das nichts, ich hab's allgemein, und ganz besonders im Urlaub, dann doch lieber gemütlich). Apropos später: Die erste Episode von "Pluribus" war ja voll und ganz auf das zentrale Ereignis fokussiert, und verströmte eine beklemmende, apokalyptische Stimmung. In der zweiten stand dann die Vermittlung von Informationen rund um diese Entwicklung im Vordergrund. Müsste ich für die dritte Folge einen ähnlichen Fokus definieren, so läge dieser wohl in der Absurdität der Lage, in der sich Carol befindet.
Vor allem zwei Szenen bringen dies auf den Punkt. Einerseits alles rund um den Supermarkt. Es macht Sinn, dass der Schwarm (ich werde die Menschen des Gruppenbewusstseins wohl – bis in der Serie ein eigener, anderer Name dafür definitiv wird, wohl erstmal so nennen) die Vorräte quasi eingesammelt hat, und je nach Bedarf an die jeweiligen Personen austeilt. Die Supermärkte so wie wir sie kennen, die sich noch dazu mehr oder weniger in jeder Ecke befinden, sind da dann natürlich nicht effizient. Carol will aber nicht einfach eine Bestellung per Telefon aufgeben, und sich alles bringen lassen. Sie will durch die Gänge bummeln, gustieren, und nach Lust und Laune schoppen. Und so bringt der Schwarm die aus dem Supermarkt entfernte Ware mit mehreren Lastwägen zurück, woraufhin sie von fleißigen Arbeitsbienen wieder in die Regale eingeschlichtet werden. Das war einfach nur herrlich schräg, und zeichnete sich durch einen feinen, skurrilen Humor aus. Demgegenüber fand ich die Szene, wo Carol alleine mit ihrem Einkaufswagen durch die Gänge schlendert, dann wiederum ziemlich beklemmend. Ich hätte dabei, so ganz allein in diesem großen Laden, wohl kein gutes Gefühl. Noch absurder wird es dann aber etwas später, als sie – im Scherz – um eine Handgranate bittet, und ihr die Piraten-Lady kurz darauf tatsächlich eine solche bringt ("We thought you were probably being sarcastic, but we didn't want to take the chance."). Bei allem Humor bringen diese Momente aber auch die Perversität dieser Situation perfekt auf den Punkt. Denn solange diese elf Menschen noch ihre Individualität behalten, ordnet sich der Schwarm ihnen unter, und erfüllt ihnen jeden Wunsch. Sie sind somit, genau genommen, Sklaven dieser elf Personen – was echt eine sehr schräge Ausgangssituation ist. Und spätestens, wenn Carol dann am Ende fragt, ob sie ihr denn auch eine Atombombe geben würde, wenn sie danach fragt, sind wir gezwungen, diese vermeintlich schöne, heile, glückliche neue Welt des Gruppenbewusstseins kritisch zu hinterfragen.
Fazit:
Die dritte Episode von "Pluribus" stellt die Absurdität der Situation, in der sich Carol – aber auch der Schwarm – befinden, in den Mittelpunkt. Neben den kuriosen Szenen rund um den Supermarkt sticht dabei natürlich alles rund um die Handgranate hervor. Von der Frage am Ende, ob sie ihr denn auch eine Atombombe geben würden, wenn sie darum bittet, ganz zu schweigen. Dies verdeutlicht noch einmal, dass, so lange dies elf Personen noch als Individuen existieren, ein (wenn auch zugegebenermaßen sehr kleiner) Teil des Schwarms dazu verdammt ist, als ihre Sklaven zu fungieren. Generell machen die Ereignisse hier deutlich, dass im Hinblick auf Moral beim Schwarm längst nicht alles eitel Wonne ist. Und nicht zuletzt gelang es "Handgranate" auch sehr gut, uns Carols Verzweiflung – ob der vermeintlichen Ausweglosigkeit ihrer Situation, ist es doch vermeintlich nur eine Frage der Zeit, bis auch sie ins kollektive Bewusstsein aufgenommen wird – nachfühlen zu lassen. Ganz kam die dritte Folge zwar an die ersten beiden nicht heran, weshalb die Trendkurve in der ersten Staffel bislang auch leicht nach unten zeigt. Dennoch war ich auch von "Handgranate" durchaus wieder angetan.