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Batman: Resurrection Drucken E-Mail
Zieht sich leider wie Kaugummi Kategorie: Literatur & Comics - Autor: Christian Siegel - Datum: Sonntag, 14 Dezember 2025
 
Titel: "Batman: Resurrection"
Bewertung:
Autor: John Jackson Miller
Übersetzung: -
Umfang: 432 Seiten (E)
Verlag: Random House (E)
Veröffentlicht: 15. Oktober 2024 (E)
ISBN: 978-0-593-87190-4 (E)
Kaufen: Taschenbuch (E)
 

Kurzinhalt: Auch ein paar Monate nachdem der Joker und seine Schergen Gotham ins Chaos gestürzt haben, sind die Nachwehen immer noch zu spüren – nicht zuletzt bei den Opfern der Smylex-Attacken. Eines davon – der Schauspieler Karlo Babić – erwacht nach Monaten im Gotham General, wo eine eigene Abteilung für Smylex-Opfer eingerichtet wurde. Völlig verwirrt und orientierungslos, stürzt er sich aus dem Fenster – und überlebt. In weiterer Folge wird sich zeigen, dass die Smylex-Infektion bei ihm eine ungeahnte Nebenwirkung hatte: Sein Gesicht ist im Normalzustand eine formlose Masse; konzentriert er sich jedoch, kann er die Gestalt jeder anderen Person annehmen. Ein Talent, welches sich ein aus dem Hintergrund agierender Bösewicht, der in die Fußstapfen des Jokers treten will, zu Nutze zu machen gedenkt. Batman muss sich indes immer noch mit alten und neuen Jüngern des Jokers herumschlagen – und ist schockiert darüber, dass dieser von einigen wie ein Held verehrt wird. Eben diese sind dementsprechend entzückt, als das Gerücht die Runde macht, dass der Joker seinen Tod an der Kathedrale nur inszeniert haben könnte…

Review: Für viele – mich eingeschlossen – zählen die Batman-Filme von Tim Burton zu den besten Verfilmungen rund um den dunklen Ritter. Zwar ziehen sie mittlerweile in Umfragen üblicherweise gegenüber der Nolan-Trilogie den Kürzeren (in meinen Augen allerdings insofern nicht, als ich von denen nur "The Dark Knight" wirklich super fand; "Begins" war ok, "Rises" hingegen fand ich schon immer eher schwach), dennoch scheint ihre Popularität auch rund 35 Jahre später immer noch mehr oder weniger ungebrochen. Insbesondere natürlich für die Leute meiner Generation, sind wir noch mit "Batman" und "Batmans Rückkehr" quasi aufgewachsen. John Jackson Miller, mir in erster Linie aus seinen Romanen für "Star Wars" und "Star Trek" bekannt, machte sich nun daran, mit zwei neuen Büchern die in der Welt von Tim Burtons "Batman"-Filmen angesiedelt sind die Lücke zwischen dem ersten und zweiten zu füllen. Eben diese Idee fand ich von vornherein faszinierend, und sah darin enorm viel Potential. Zugleich bin ich im Allgemeinen jetzt nicht unbedingt der größte Fan seiner Werke. Die große Ausnahme davon ist "Kenobi"; der war großartig. Auch "Knight Errand" (ebenfalls ein "Star Wars"-Roman) hatte es mir durchaus angetan. Demgegenüber haben mich seine "Star Trek"-Werke bislang überwiegend enttäuscht. Insofern war ich schon gespannt, wie er sich – in meinen Augen – in der Welt von "Batman" schlagen würde. Das Endergebnis war, zumindest mal bei "Resurrection", seinem in meinen Augen enttäuschenden Output für "Star Trek" leider deutlich näher, als den Höhen, die er einst mit "Kenobi" im Schatten der Zwillingssonnen von Tatooine erklimmen konnte. IM Hinblick darauf, dass ich die Burton-Filme wie gesagt überaus schätze, und in der Idee viel Potential sah, sollte sich der erste Band seiner Duologie somit leider als ziemliche Enttäuschung herausstellen.

Nun gebe ich zu: Rückblickend habe ich wohl weder ihm noch mir damit einen Gefallen getan, mir unmittelbar davor Craig Shaw Gardners Filmroman zu "Batman" gelesen zu haben. Wie dort erwähnt, legte Gardner enorm viel Wert auf ein hohes Erzähltempo, und hastete förmlich durch die (auf das Papier heruntergebrochene ja – so ehrlich muss man sein – doch eher dünne) Handlung des Films. "Resurrection" ist davon nun das genaue Gegenteil. Wo Gardner mit der Höchstgeschwindigkeit des Batmobils durch die Story raste, bewegt sich Miller bestenfalls im Schritttempo. Denn: Genau genommen ist auch seine Handlung jetzt nicht unbedingt übermäßig komplex. Dennoch breitet er sie auf die doppelte Seitenzahl aus; wobei das insofern nur die halbe Wahrheit sein dürfte, als seine Seiten mit deutlich mehr Text bedruckt sind. Geschätzt würde ich behaupten, dass sein Buch viermal so viel Wörter beinhaltet, und sich in etwa auf dem Niveau eines Teils der "Der Herr der Ringe"-Trilogie befindet; am ehesten wohl dem dritten und – ohne Anhänge – kürzesten Band, "Die Rückkehr des Königs. Den Vergleich ziehe ich bewusst auch deshalb heran, als man J.R.R. Tolkien ja gerne vorwirft, sehr ausschweifend zu schreiben. Aber, wenn man sich anschaut, was, bei ähnlicher Länge, in "Die Rückkehr des Königs" alles passiert, fällt "Resurrection" im direkten Vergleich einfach deutlich ab. Nun wäre das vielleicht ok, wenn Miller diese ganzen Seiten darauf verwenden würde, tief ins Innenleben der Figuren vorzudringen. Stattdessen verliert er sich in – in meinen Augen – Belanglosigkeiten.

Ich gebe euch ein einfaches, frei erfundenes – und zugegeben so plakatives wie übertriebenes – Beispiel. Craig Shaw Garner hätte wohl geschrieben: "Bruce Wayne ging in die Bank, um Geld abzuheben". John Jackson Miller würde daraus wohl folgendes machen: "Es war ein kalter und feuchter Morgen. Die Stadt war fest im Griff eines düsteren Nebels, der den Tag in ein beständiges Dämmerlicht hüllte. Immerhin passte das Wetter perfekt zur finsteren Stimmung, die von Bruce Wayne an diesem Morgen Besitz ergriffen hatte. Mit bedrückter Miene, aber schnellen Schrittes – um aus der feuchten Luft zu entkommen – betrat er die Filiale der Gotham National Bank an der Bleeker Street Ecke Norwood. Auch dort war es dunkel; die jüngsten Probleme an den Kraftwerken machten Strom zu einem wertvollen Gut, mit dem so sparsam wie möglich umzugehen war. An der hintersten Ecke der Filiale entdeckte Bruce einen freien Schalter. Dahinter ein junger Bankangestellter, dem der Unmut über seine Arbeit tief ins Gesicht geschrieben war. Wortlos nahm er den Scheck von Bruce entgegen, öffnete die Kasse, und rechte Bruce das Geld. 'Würde es dich umbringen, zu lächeln?' denk Bruce– und erstarrt mitten in der Bewegung, als er die Hand nach den Dollarscheinen ausstreckt. Denn der Gedanke bringt Erinnerungen an jenen Schrecken zurück, den Gotham City gerade erst hinter sich gelassen hat. Ein kalkweißes Gesicht. Grüne Haare. Rote Lippen, die zu einer immerwährend grinsenden Fratze verzogen sind. Der Joker. Der Mörder seiner Eltern. Aufgehalten von jenem Schrecken, den er selbst vor Jahrzehnten erschaffen hat, als er ein glückliches Ehepaar nach einem Theaterbesuch in einer dunklen Seitengasse niederschoss. Aufgehalten von einer Gestalt in einem Fledermauskostüm. Einem dunklen Ritter. Aufgehalten von… Batman."

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass ihr das zweite Beispiel besser findet, danke ich euch zuerst einmal ganz herzlich für das Kompliment, gebe aber zugleich zu Bedenken: Stellt euch vor, wenn das nicht nur der (wie ich nochmal betonen möchte frei erfundene) Auftakt des Romans wäre, sondern jede einzelne Szene in diesem Detail und in einem derart ausschweifenden Stil geschrieben ist. Dann habt ihr in etwa eine Ahnung, was euch in "Batman: Resurrection" erwartet. Und es tut mir leid, aber meins war das halt nicht. Miller findet einfach nicht das richtige Gleichgewicht aus Inhalt und Vorwärtsbewegung, weshalb ich den Roman schon bald einfach nur mühsam fand. Es hilft auch nicht, dass mir alles rund um Karlo Babić und seine durch Smylex gewonnene Fähigkeit, sein Aussehen zu verändern – auch wenn die Figur der Comicvorlage entnommen sein mag – für die doch relativ bodenständige Welt von Tim Burtons "Batman"-Filmen zu fantastisch war. Ich fand es auch schade, dass er die Zeit unmittelbar nach den Angriffen des Jokers überspringt, und dann erst Monate später wieder in die Handlung einsteigt. Weil gerade die Nachwehen dieses Ereignisses hätte ich spannend gefunden. Gleiches gilt die Romanze zwischen Bruce Wayne und Vicki Vale. Ja, Miller geht darauf ein, und als er Vicki im letzten Drittel zurückholt wird auch aufgerollt, was zwischen ihnen vorgefallen ist, was letztlich auch zum Ende ihrer Beziehung führte. Aber mir hätte es deutlich besser gefallen, das "live" mitzuerleben. Last but not least: Wer hinter dem Auftauchen der Joker-Bande steckt, war selbst für mich der mit der Figur bislang nicht vertraut war so dermaßen offensichtlich. Und damit meine ich: Ich wusste es auf der ersten Seite, wo der betreffende Charakter zum ersten Mal auftritt. Ganz so offensichtlich hätte es Miller dann auch wieder nicht machen müssen.

Trotz dieser ausführlichen Kritik, es gibt auch positive Seiten. So gefiel mir die Entwicklung, die Clayface im Verlauf der Handlung durchmacht. Jene Teile, die sich um die Nachwehen des Angriffs durch den Joker drehen – sowie den Schrecken, der allein die Idee, er könnte seinen Tod nur inszeniert haben und immer noch dort draußen sein, bei einigen (Bruce Wayne eingeschlossen) auslöst – waren definitiv die besten des Romans. Vor allem aber: Mit dem Rückgriff auf Figuren sowohl aus "Batman" als auch dem Nachfolger" Rückkehr gelingt es John Jackson Miller tatsächlich, eine Geschichte vorzulegen, die sich stimmig in diese Lücke einfügt. Wenn er jetzt auch noch a) eine interessantere Story gefunden, und b) beim Erzählen im Hinblick auf die Seitenzahl mehr Zurückhaltung an den Tag gelegt hätte, hätte das wirklich was werden können. So hingegen hält "Batman: Resurrection" für mich sowohl den Vergleich mit den Filmen als auch Craig Shaw Gardners Romanversion des ersten Teils absolut nicht stand.

Fazit: Ich fand die Idee hinter John Jackson Millers Duologie, die Geschichte zwischen "Batman" und "Batmans Rückkehr" zu erzählen, ja eigentlich enorm spannend. Zwar würde ich mich nicht unbedingt zu den größten Fans des Autors zählen, ich hatte aber die Hoffnung, dass es ihm mit "Batman: Resurrection" gelingen könnte, an seinen starken "Star Wars"-Roman "Kenobi" anknüpfen zu können. Leider nein. Zuerst einmal fand ich die Story leider wenig interessant. Auch die Figuren bzw. Feinde halten dem Vergleich mit dem Joker und/oder dem Pinguin nicht stand. Vor allem aber kam ich mit Millers ausschweifendem Schreibstil nicht klar. Hätte er den Roman vom Umfang her auf die Hälfte heruntergekürzt, hätte ich ihn zumindest ganz solide gefunden. So hingegen habe ich mich zuerst mit "Resurrection" sehr gelangweilt, und fand ich mit zunehmender Seitenzahl dann leider immer mühsamer. Schade ist dies insofern, als es hier durchaus einige interessante und vielversprechende Ansätze gibt. Angefangen beim Auftritt über aus den Filmen bekannten (Neben-)Figuren, über die Erklärung, warum Vicki Vale Bruce Wayne verlassen hat, bis hin zur Behandlung des Traumas, das der Joker bei Gotham City im Allgemeinen und Batman im Besonderen hinterlassen hat. Umso bedauerlicher, dass ich beim Lesen das untrügliche Gefühl hatte, dass John Jackson Miller nach Worten bezahlt wurde – und gerade in Geldnöten war.

Bewertung: 2/5 Punkten
Christian Siegel
(Cover © 2024 Random House)





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