Kurzinhalt:
Auf einem Flug von Japan nach England stirbt eine der Passagierinnen an einer besonders aggressiven Form des Westnilfiebers. Wie sich herausstellt, ist in etwa zur gleichen Zeit auch fast ihre gesamte Familie – die zuvor gemeinsam gefeiert hat – gestorben. Als sich darüber hinaus herausstellt, dass das Virus nicht etwa natürlichen Ursprungs ist, sondern im Labor verändert wurde, um es noch gefährlicher und tödlicher zu machen, deutet alles auf einen gezielten Anschlag hin – für den wohl Insekten mit der Krankheit infiziert wurden, und diese dann an die Familie weitergaben. James Bond wird nach Tokio geschickt, um die Ermittlungen aufzuheben, und vor allem auch sicherzustellen, dass das Virus nicht dafür eingesetzt werden kann, um noch mehr Menschen zu töten. Unterstützung erhält er dabei von seinem alten Freund Tiger Tanaka, sowie der jungen Agentin Reiko Tamura. Zusammen findet man heraus, dass Goro Yoshidam, der zuvor Kontakte mit der von 007 zur Fall gebrachten Terrororganisation Union hatte, hinter dem Attentat steckt – und dieses nur der Testlauf für einen noch viel verheerenderen Anschlag war…
Review:
Nach dem Abschluss seiner "Union"-Trilogie legte Raymond Benson mit "The Man with the Red Tattoo" nun wieder ein (größtenteils, da es was Goro Yoshidam betrifft doch kleinere Verbindungen zum Roman davor gibt) unabhängiges Einzelabenteuer unser aller Lieblings-MI6-Agenten vor. In "The Man with the Red Tattoo" verschlägt es 007 nach Japan; dies nutzt Benson (wie im Buch davor) für die Wiederkehr einer aus den Fleming-Romanen und/oder Filmen bekannten Figur: Tiger Tanaka. Auf der einen Seite zwar aufgrund des Settings logisch, ja wohl fast schon zwingend. Allerdings konnte ich mich doch nicht ganz des Eindrucks erwehren, dass Benson hoffte, mit der Rückkehr des Charakters Wohlwollen für seinen Roman zu schaffen. Wenn dies das Ziel gewesen sein sollte, so ist es ihm wie ich fürchte in meinem Fall nicht so recht gelungen. Ich war ja bekanntlich auch schon mit "Never Dream of Dying" nicht glücklich. Dort mochte ich die grundlegende Story eigentlich ziemlich gut, sie wurde mir aber durch die blödsinnigen Einfälle rund um Träume und Hellseherei vom allerwertesten Autor doch ziemlich verdorben. Hier nun ist es insofern umgekehrt, als es diesmal zwar keinen solchen Blödsinn gibt – ich aber die Geschichte ziemlich schwach fand.
Wobei das etwas zu vereinfacht ausgedrückt ist. Weil die Grundidee hinter der im Labor veränderten Version des Westnilvirus hat durchaus was. Noch dazu in Verbindung mit der Idee, dann Mücken mit diesem zu infizieren, und so mehr oder weniger gezielte Anschläge durchführen zu können. Das war zumindest mal etwas anderes. Leider aber gelang es Benson in meinen Augen nicht, James Bond hier etwas Interessantes zu tun zu geben. Die Action hält sich in sehr argen Grenzen, und ist größtenteils auch nicht sonderlich einfallsreich. Sehr kritisch fand ich auch alles rund um die beiden jungen Damen, die er im Verlauf der Geschichte kennen und lieben lernt; gerade auch, weil es so scheint, als würde ihn der Tod von Tanakas Agentin nicht groß tangieren, und als würde er sie einfach durch die letzte verbliebene Erbin der Dynastie austauschen (so als wäre eine Frau wie jede andere). Das fand ich selbst für Bond-Verhältnisse (die ja grundsätzlich nicht unbedingt mit ausgeprägtem Feminismus glänzen) schwach – und zynisch. Und leider fand ich sowohl den Haupt-Bösewicht als auch seinen Handlanger wenig begeisternd. Dabei sollte man meinen, dass in der Idee, dass 007 gegen eine Art modernen Samurai antritt, durchaus einiges an Potential steckt. Aber entweder ist das von vornherein ein Irrglaube, oder aber, es gelang Benson einfach nicht, es auszuschöpfen. So oder so: "The Man with the Red Tattoo" sollte sich in meinen Augen leider als ziemlich dürftiger Schwanengesang seines 007-Einsatzes erweisen.
Fazit:
Mit "The Man with the Red Tattoo" nahm Raymond Benson nun, soweit es die von ihm erfundenen Abenteuer betrifft (ist doch seine Adaption des Drehbuchs zu "Stirb an einem anderen Tag" erst im Jahr darauf erschienen) von James Bond Abschied – und das in meinen Augen leider zwei Romane zu spät. Denn nach dem Holler in "Never Dream of Dying" über Hellseherinnen und Visionen in Träumen, legt er hier nun einen größtenteils sehr uninspiriert wirkenden, und stellenweise erschreckend langweiligen 007-Roman vor. Zwar sticht die Idee rund um das im Labor veränderte Westnilvirus, und die Übertragung der Krankheit mit Hilfe von Insekten, durchaus hervor. Abseits einzelner Momente, wo diese Bedrohung in den Vordergrund tritt, ist die Action aber völlig austauschbar, nicht mitreißend, und vor allem auch viel zu spärlich gesät. Die Rückkehr von Tanaka wirkte auf mich zudem sehr zweckmäßig. Und wie sich Bond hier in einer Geschichte gleich 2x "verliebt" sehe ich auch kritisch. Last but not least erinnert die Bedrohung am Ende für eine größere Personengruppe durch einen Terroranschlag, den es zu vereiteln gilt, zu stark an das Finale von "Double Shot" und "Never Dream of Dying"; sprich, mittlerweile ist das doch ziemlich abgedroschen. Da hätte sich Benson nun wirklich etwas anderes/neues einfallen lassen können. Aber vermutlich liegt wohl genau darin das Problem: Ihm ist beim sechsten Einsatz einfach nichts mehr eingefallen – was man "The Man with the Red Tattoo" leider an allen Ecken und Enden anmerkt.