Originaltitel: The Crawl Episodennummer: 5x01 Bewertung: Weltweite Internet-VÖ: 26. November 2025 (Netflix) Drehbuch: The Duffer Brothers Regie: The Duffer Brothers Besetzung:
Winona Ryder als Joyce Byers,
David Harbour als Jim Hopper,
Millie Bobby Brown als Eleven,
Finn Wolfhard als Mike Wheeler,
Gaten Matarazzo als Dustin Henderson,
Caleb McLaughlin als Lucas Sinclair,
Noah Schnapp als Will Byers,
Sadie Sink als Max Mayfield,
Natalia Dyer als Nancy Wheeler,
Charlie Heaton als Jonathan Byers,
Joe Keery als Steve Harrington,
Maya Hawke als Robin Buckleyn,
Brett Gelman als Murray Bauman,
Priah Ferguson als Erica Sinclair,
Linda Hamilton als Dr. Kay,
Cara Buono als Karen Wheeler,
Joe Chrest als Ted Wheeler,
Nell Fisher als Holly Wheeler,
Jake Connelly als Derek Turnbow,
Amybeth McNulty als Vickie,
Luke Kokotek als Young Will Byers u.a.
Kurzinhalt:
Nachdem das Portal zum Upside Down aufgebrochen ist, wurde Hawkins unter Quarantäne gestellt. Eineinhalb Jahre später hat das Militär auf beiden Seiten eine Basis errichtet. Im Upside Down setzt Dr. Kay die Forschung von Dr. Brenner fort. Oben wiederum wird intensiv nach der flüchtigen Eleven gesucht. Die trainiert täglich, um sich nicht nur auf eine Konfrontation mit dem Militär, sondern vor allem auch eine Rückkehr ins Upside Down vorzubereiten. Eben dieses wird nämlich von Hopper regelmäßig besucht, da man hofft, den Standort von Vecna herausfinden zu können, um ihn daraufhin anzugreifen und ein für alle Mal zu vernichten. Diese sogenannten Crawls sind eine hochriskante Angelegenheit, die auch auf der Oberseite Unterstützung erfordern; nicht zuletzt, damit man nicht die Verbindung zu Hopper, und dieser somit auch die Orientierung dort nicht verliert. Nun ist es wieder soweit. Doch niemand ahnt, dass die wahre Gefahr nicht auf Hopper lauert, sondern vielmehr auf jene, die auf der Oberseite zurückbleiben…
Review (kann Spoiler enthalten):
Wie sagt Rose so schön in "Titanic": "It's been 84 years…". Zumindest fühlt es sich für mich ein bisschen so an. In der alten TV-Serien-Zeit, mit 22-26 Episoden, die im Jahresrhythmus ausgestrahlt wurden, war man hierzulande eine Wartezeit von ca. einem halben Jahr gewohnt. Der höhere Produktionsaufwand insbesondere in den letzten Jahren im Streaming (sowie die üblicherweise geringere Folgenzahl, die noch dazu oftmals alle auf einmal veröffentlicht werden) machte dann durchaus Staffelpausen von ein bis zwei Jahren üblich. Aber fast dreieinhalb, das wirkt selbst heutzutage rekordverdächtig. Weil da sind selbst die Abstände im Kino zwischen Sequels oftmals kürzer. Nun bin ich ja ein geduldiger Mensch, weshalb es mich jetzt grundsätzlich nicht stören würde. Aber einerseits führen diese lange Pausen halt schon dazu, dass zumindest ich ein bisschen den Anschluss zur Serie verliere. Und gerade auch bei einer Produktion wie "Stranger Things", die stark auf junge Talente setzt, ist es halt auffällig, wenn die Serienchronologie (wo zwischen Staffel 1 und 5 gerade mal vier Jahre liegen) und der Produktionszeitraum (fast zehn Jahre) derart eklatant auseinanderklaffen. Was im Internet teilweise ja auch durchaus spöttisch kommentiert wurde, sei es mit Memes, welche die Hauptfiguren als alte Greise zeigen, oder wenn hypothetisiert wurde, dass man wohl De-Ageing-Technologie à la "The Irishman" verwenden werde müssen.
Tatsächlich ist bei den "Teenagern" (Mike, Will, Eleven, Dustin, Lucas; Max hier insofern noch nicht, als sie die erste Folge mal im Koma liegend verbringt) offensichtlich, dass diese mittlerweile in ihren Zwanzigern angekommen sind (noch schlimmer ist es bei den früheren Kinderdarsteller:innen; aber dort fand ich es vor allem bei Erica extrem, und zu der kommen wir erst in einer späteren Folge). Insofern überrascht es dann auch nicht, dass für einen Flashback zurück ins Jahr 1983 der junge Will Byers neu gecastet werden musste (wobei eben dies immerhin sehr gut gelungen ist). Weniger eklatant ist es bei jenen, die bereits in der ersten Staffel ihre Teenie-Jahre hinter sich hatten (Nancy, Jonathan, Steve, sowie die ohnehin erst später zum Cast dazustoßende Robin); und bei Joyce, Jim und Murray ist es generell nicht zu bemerken. Nun ist das natürlich nichts, was man den Machern und/oder der Serie wirklich vorwerfen kann; wir alle kennen die Gründe für die Verzögerung, angefangen bei COVID, über die Streiks, bis hin zur sich aufgrund der zunehmenden Popularität der (damals echt grandios gecasteten) Jungdarsteller:innen ergebenden Herausforderung, all diese jungen und älteren Talente unter einen Hut zu bringen. Aber: Es ist halt schon ein Knackpunkt, über den man wohlwollend hinwegsehen (können) muss. Wie schon erwähnt, sind die langen Lücken auch dahingehend nicht optimal, als zumindest ich in den dazwischenliegenden Jahren schon wieder viel vergessen hatte. Das Überangebot heutzutage, was dazu führt, dass man unzählige Serien und Filme konsumiert, trägt hier auch seinen Teil dazu bei. Und zumindest ich sehe das Problem auch bei einer Serie wie "Stranger Things", die eine im Vergleich umfangreichere (da pro Staffel mehr Laufzeit) und nicht zuletzt auch zusammenhängende, fortlaufende Handlung erzählt, schwieriger, als bei Filmen (wo man ähnliche oder auch noch längere Abstände zwischen Teilen einer Reihe ja durchaus gewohnt ist, diese aber oftmals nicht ganz so sehr aufeinander aufbauen, wie das hier der Fall ist).
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe – trotz des aus meiner Sicht sehr guten und wichtigen kurzen Rückblicks auf die früheren Ereignisse, die Netflix den Abonnent:innen anbietet – doch ein wenig gebraucht, um wieder in die Story hineinzufinden. Insofern ist einer der eigentlichen Kritikpunkte an "Der Crawl" – ähnlich wie früher bei "Game of Thrones" ist die erste Folge der Staffel in erster Linie dazu da, um a) uns wieder abzuholen und daran zu erinnern, wo alle stehen, und b) den Tisch für den Rest der Season zu decken – hier tendenziell sogar insofern ein bisschen ein Plus, als es dem Staffelauftakt zwar schon ein wenig schadet, dass hier längere Zeit noch nicht wirklich viel (und/oder mitreißendes) passiert; die weitere Season wird von der Zeit, die man hier investiert (um uns wieder abzuholen und so richtig in die Handlung eintauchen zu lassen), zweifellos profitieren. Und generell war das zwar sicherlich ein bisschen kein Kritikpunkt, für mich aber auch insofern nicht so gravierend, als zumindest ich mich in der noch nicht sehr mitreißenden knappen ersten Stunde einfach über das Wiedersehen mit all diesen im Verlauf der vier Staffeln liebgewonnenen Figuren gefreut habe.
Zudem gibt es durchaus auch in diesem Teil schon einzelne nette Momente, und/oder positiv hervorstechende Elemente. Hier ist nicht zuletzt die Besetzung von Science Fiction-Ikone Linda Hamilton in einer Schlüsselrolle zu erwähnen (wunderbar auch, dass die Komponisten Kyle Dixon und Michael Stein tatsächlich als wir wie zum ersten Mal sehen einen metallischen Sound á la "Terminator" anklingen lassen). Mir gefiel auch, wie man den Wettstreit zwischen Jonathan und Steve als eben das darstellt, was er ist: ein ziemlich peinlich-unreifes Wettpissen (großartig, wie die beiden oben gleichzeitig ankommen, runterblicken, und erkennen, dass ihnen die anderen – insbesondere natürlich Nancy, um der es den beiden ja eigentlich ging – gar keine Beachtung schenken). Schön auch, wie die Serie gleich hier wieder Wills Gefühle für Mike aufgreift, in dem man Will einen Blick auf Robin erhaschen lässt, die ihre Freundin im Krankenhaus küsst. Und auch alles rund um Dustin, der immer noch sehr unter dem Verlust von Eddie leidet, hatte es mir angetan. Der stärkste Moment drehte sich für mich aber rund um Holly Wheeler (in der fünften Staffel, eben aufgrund des produktionstechnischen Zeitsprungs, notgedrungen neu gecastet mit Nell Fisher, die letztes Jahr im wunderbaren "Born to be Wild - Die Jagd nach dem schwarzen Panther" an der Seite von Elijah Wood zu sehen war). Und damit meine ich jetzt nicht einmal das Herzschlagfinale rund um den Angriff des Demogorgons, sondern vielmehr jene Szene, wo sie mitbekommt, wie sich ihre Eltern wegen ihr streiten. Da habe ich unweigerlich mit ihr mitgefühlt. Es sind gerade auch solche Momente, welche die oftmals unschönen Seiten des Kindseins (oder Erwachsenwerdens) einfangen, die den Duffer-Brüder einfach immer wieder famos gelingen, und die Serie für mich irgendwie sogar noch mehr auszeichnen, als die ganze Mystery-Komponente rund um das Upside Down. Dessen ungeachtet dreht "Der Crawl" zweifellos nochmal auf, sobald sich Hopper – auf der Suche nach Vecna – in eben dieses begibt, und die anderen auf der "Oberseite" versuchen, ihn zu verfolgen, damit man den Kontakt zu ihm nicht verliert. Vor allem aber sorgt der höchst effektive Cliffhanger dafür, dass man froh ist, gleich weiterschauen zu können, und nicht eine Woche (oder gar dreieinhalb Jahre) auf die Fortsetzung warten zu müssen.
Fazit:
Wie viele Serien, die eine fortlaufende Handlung erzählen, aber halt natürlich dennoch in Staffeln mit teils längerer Pause dazwischen produziert werden, braucht "Der Crawl" ein bisschen, um Fahrt aufzunehmen. Zuerst gilt es, das Publikum wieder in die Welt von "Stranger Things" zurückzuführen, uns an die Ereignisse zuletzt zu erinnern, und auch zu zeigen, was sich denn getan hat, seitdem wir die Figurenriege zum letzten Mal gesehen haben. Eben dafür nimmt sich "Der Crawl" ausreichend, und vereinzelt vielleicht doch auch eine Spur zu viel Zeit. Dennoch freute ich mich von Beginn an über das Wiedersehen mit all diesen Figuren, die man im Verlauf der mittlerweile vier Staffeln ja doch liebgewonnen hat. Auch das Casting von Linda Hamilton in einer Schlüsselrolle wertet die Episode (bzw. Staffel) für mich auf. Vor allem aber dreht "Der Crawl" sobald eben diese titelspendende Expedition ins Upside Down startet dann nochmal so richtig auf, und mündet dann in einem echten Herzschlagfinale, nach dem es wohl die Wenigsten schaffen werden, nicht gleich auf "Nächste Folge" zu drücken.