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Stephen Kings Quasi-Fortsetzung zu "Shining" Kategorie: Literatur & Comics - Autor: Christian Siegel - Datum: Samstag, 22 Juni 2019
 
Titel: "Doctor Sleep"
Originaltitel: "Doctor Sleep"
Bewertung:
Autor: Stephen King
Übersetzung: Bernhard Kleinschmidt
Umfang: 704 Seiten (inkl. Nachwort)
Verlag: Heyne (D)
Veröffentlicht: 28. Oktober 2013 (D), 24. September 2013 (E)
ISBN: 978-3-453-43802-6
Kaufen: Taschenbuch (D), Kindle (D), Taschenbuch (E), Kindle (E)
 

Kurzinhalt: Dan Torrance hat sich von den Ereignissen im Overlook-Hotel nie ganz erholt. Er trat in die Fußstapfen seines Vaters, und wurde ebenfalls Alkoholiker. Mittlerweile ist er seit knapp einem Jahrzehnt trocken, und arbeitet in einem Hospiz. Seine übernatürlichen Fähigkeiten – das "Shining" – erleichtern dabei den Sterbenden den Übergang in die nächste Welt, was ihn den Titel "Doktor Schlaf" einbrachte. Eines Tages wird er auf ein kleines Mädchen namens Abra aufmerksam, dass über die selbe Gabe verfügt wie er. Gemeinsam werden sie Zeuge, wie ein weiterer Junge mit dem Shining brutal gefoltert und ermordet wird. So stoßen sie auf den sogenannten wahren Knoten – Unsterbliche, die sich vom Shining ernähren, und daher quer durch die USA Jagd auf entsprechend begabte Kinder machen. Und geht es nach ihrer Anführerin Rose the Hat, steht Abra als nächstes auf dem Speiseplan…

Review: Mehr als 35 Jahre nach dem Original hat Stephen King mit "Doctor Sleep" eine Quasi-Fortsetzung zu seinem großen Horrorklassiker "Shining" aufgelegt, die im Herbst dieses Jahres auch – mit Ewan McGregor in der Hauptrolle – eine Filmadaption erhalten wird (zu der vor kurzem der erste Trailer veröffentlicht wurde). Quasi-Fortsetzung deshalb, als die beiden zwar zarte thematische Überschneidungen (das Shining, Alkoholismus, Vaterrollen) eint, und die Geschichte von Dan Torrance weitererzählt wird, inhaltlich haben die beiden allerdings wenig bis gar nichts miteinander gemein. Erst ganz am Ende kehrt King dann an den Schauplatz von "Shining" zurück, und selbst dann spielt das Hotel letztendlich nur eine Nebenrolle. Nun kann ich zwar verstehen, dass King sich einerseits nicht einfach wiederholen wollte, und andererseits auf einfach nicht mehr derselbe Mann/Autor ist, der er vor 35 Jahren war – sprich, ich behaupte ganz einfach mal: Der aktuelle Stephen King könnte "Shining" heute gar nicht mehr schreiben. Aber als echte, richtige Fortsetzung zu "Shining" kann ich "Doctor Sleep" halt eben nicht ansehen; weil viel größer als es bei vielen anderen King-Romanen der Fall ist, die ja alle im gleichen Universum spielen und mehr oder weniger miteinander in Verbindung stehen (und wo teilweise bekannte Figuren in Gastrollen auftauchen), ist der Zusammenhang zwischen den beiden Romanen hier auch nicht. Nun wäre das allein noch kein Beinbruch – wenn mir denn das, was King hier zu Papier brachte, auch gefallen würde, aber genau da ist der Knackpunkt. An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich in meiner Jugend zwar viele Werke von Stephen King gelesen habe, mich dabei aber fast ausschließlich auf sein Frühwerk konzentrierte. Sowohl so Bachmann-Romane wie "Menschenjagd" und "Todesmarsch", seine großen Klassiker wie "Es", "Carrie", "Friedhof der Kuscheltiere", "Stark", "Brennen muss Salem" usw. (einzig "The Stand" fehlt mir immer noch), oder auch zahlreiche seiner Kurzgeschichtensammlungen (z.B. "Nachtschicht"). Abseits von "Der dunkle Turm" hatte ich aber mit dem jüngeren King wenig bis keine Erfahrung.

"Doctor Sleep" regt mich jetzt leider auch nicht unbedingt dazu an, daran in absehbarer Zeit etwas zu ändern. Man merkt einfach, dass der heutige Stephen King nicht mehr jener Autor bzw. ganz einfach auch Mensch ist, der er früher war. Dies zeigt sich zuletzt auch an der ganz anderen Herangehensweise mit den Themen Vaterschaft und Alkoholismus. "Shining" war, trotz aller Geisterhaus-Elemente, in erster Linie das erschütternde Charakterportrait über einen gebrochenen Mann, der von seiner Sucht partout nicht wegkommt – und wie seine Familie darunter leidet, und letztendlich auch daran zerbricht. "Doctor Sleep" setzt sich zwar ebenfalls ausführlich mit dem Thema Alkoholismus auseinander, und spart dabei grundsätzlich auch wenig schmeichelhafte Aktionen, die Dan jahrelang verfolgen, nicht aus, dennoch ist der Ton hier wesentlich optimistischer und versöhnlicher. Der alte King wirkte zornig, zynisch und desillusioniert, der King hier hingegen gesetzter, gemäßigter, versöhnlicher – und irgendwie auch sehr sentimental. Werden wir ja vielleicht alle auf unsere alten Tage, ändert aber nichts daran, dass mir der alte King irgendwie näher und lieber war. Es hilft auch nicht, dass Stephen King die auf seinen unvergleichlichen Erfolg zurückgehende Macht gegenüber seinen Lektoren immer noch nutzt, um so viel zu schreiben, wie es ihm gefällt. Auch "Doctor Sleep" hätten mindestens zweihundert Seiten weniger gut getan. Die Vampir-Thematik, wenn auch etwas anders aufbereitet als üblich, fand ich zudem wenig originell. Vor allem aber: Entweder ist "Doctor Sleep" eine (unrühmliche) Ausnahme, oder Stephen King hat im Verlauf seiner Karriere echt verlernt, wie man Spannung erzeugt. Ich erinnere mich immer noch an Momente in seinen Büchern zurück, die es wirklich verstanden, mir Angst einzujagen, mich zu verstören, und mich selbst Tage später immer noch nicht loszulassen. Davon fehlt bei "Doctor Sleep" leider jede Spur. Es mag einzelne Grauslichkeiten geben, das ja, aber Grusel sucht man hier aus meiner Sicht vergeblich. Beim vermeintlichen Meister des Horrors halte ich das eben schon für höchst enttäuschend.

All dies bedeutet nicht, dass "Doctor Sleep" ein grottenschlechter Roman wäre. Wie immer bei King ist die Charakterisierung ausgezeichnet. Auch die freundschaftliche Beziehung, die zwischen Dan und Abra entsteht, hatte es mir angetan. Rose the Cat ist eine coole Widersacherin, und mir gefällt, dass der wahre Knoten kein unantastbarer Feind ist, sondern vielmehr im Verlauf der Geschichte immer verzweifelter wird. Besonders gut gefallen hatte mir auch der Einstieg, der noch direkt an "Shining" anknüpfte, und erzählt, wie es Dan gelingt, die Geister des Overlook-Hotels in seinem Geist einzusperren. Die Hospiz-Thematik sorgte für einige eindringlich-nahegehende Momente. Und nachdem der Roman lange Zeit mit Anspielungen auf "Shining" geizte, kehren wir zumindest am Ende nochmal an den Ort des Geschehens zurück. Der Auftritt von Dans Vater, der hier nun quasi Wiedergutmachung für seine damalige Taten leisten darf, war jedoch wieder das perfekte Beispiel für die von mir kritisierte versöhnlich-sentimentale Seite, die Stephen King zumindest hier mal zur Schau stellt. Was dann auch denkbar knapp eine durchschnittliche Wertung verhindert.

Fazit: Möglicherweise gefällt einem der Roman besser, wenn man Stephen Kings Werdegang – und Entwicklung als Autor – länger verfolgt hat, als das bei mir der Fall war. Ich kenne bislang überwiegend seine früheren Werke – und mit denen ist "Doctor Sleep" halt leider nicht wirklich vergleichbar. So fehlte es dem Roman fast vollständig an Spannung, und die wenigen Horrorelemente gehen eher in die Torture Porn als die Grusel-Richtung. Das mag einigen gefallen – mir eher nicht. Sehr enttäuscht war ich auch, wie geringfügig die Verknüpfungen zu "Shining" ausfallen – was "Doctor Sleep" eher nur dem Namen nach zu einem Sequel zu eben diesem macht. Die Shining-Vampire waren zudem auch nur bedingt originell, der Roman – wie so viele Werke des Autors – deutlich zu lang, und generell war mir der frühere – zornig-zynische – King irgendwie lieber, als die versöhnlich-sentimentale Variante, die scheinbar neuerdings hinter der Tasten zu sitzen scheint. Klar, was die Charakterisierung betrifft, sticht auch "Doctor Sleep" wieder hervor, und das Hospiz-Setting beschert dem Leser einige eindringlich-bedrückende Momente. Als angebliche Fortsetzung zu "Shining" war ich von "Doctor Sleep" aber leider doch eher enttäuscht.

Bewertung:2/5 Punkten
Christian Siegel





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