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Star Wars: Erben des Imperiums Drucken E-Mail
Auftakt – und zugleich Sternstunde – des Expanded Universe Kategorie: Literatur & Comics - Autor: Christian Siegel - Datum: Sonntag, 14 Januar 2018
 
Titel: "Erben des Imperiums"
Originaltitel: "Heir to the Empire"
Bewertung:
Autor: Timothy Zahn
Übersetzung: Thomas Ziegler & Andreas Kasprzak
Umfang: 592 Seiten (mit Anhang)
Verlag: Heyne (D), Bantam Books (E)
Veröffentlicht: 1993 (D), Mai 1991 (E)
ISBN: 978-3-442-26914-3
Buch kaufen: Taschenbuch (D), Kindle (D), Taschenbuch (E), Kindle (D)
 

Kurzinhalt: Fünf Jahre sind seit dem Sieg der Rebellion bei Endor vergangen, doch das Imperium ist noch längst nicht besiegt. Großadmiral Thrawn hat das Kommando über die imperiale Flotte übernommen und verfolgt einen ausgeklügelten Plan, um die Neue Republik zu stürzen. Auf einem relativ unbedeutenden Planeten findet er den dunklen Jedi-Meister Joruus C'baoth, der sich dazu bereit erklärt, dem Imperium zu helfen – sofern Thrawn ihm Luke Skywalker und seine Schwester Leia bringt. Letztere versucht indes verzweifelt, die Streitereien innerhalb der neuen Republik auf ein Minimum zu reduzieren, und muss sich außerdem auf die Geburt ihrer Zwillinge vorbereiten. Auf einer diplomatischen Mission werden sie und ihre Begleiter Han und Luke von einer bisher fremden Rasse angegriffen – die Flucht gelingt nur mit Mühe. Während sich Leia gemeinsam mit ihrem Beschützer Chewbacca auf Kaschyyyk in Sicherheit wähnt, versucht Han, die Schmuggler als Verbündete für die Neue Republik zu gewinnen, und Luke entgeht nur mit knapper Not der imperialen Gefangenschaft... nur um hilflos im All treibend von Talon Karrde, dem Anführer der größten Schmugglerorganisation, gefunden zu werden. In dessen Gefolgschaft befindet sich auch Mara Jade, die ehemalige rechte Hand des Imperators – die so nun die Gelegenheit in Händen hält, sich an Luke Skywalker zu rächen…

Review: Bereits als die Original-Trilogie in den Kinos war, gab es die ersten Comics und in weiterer Folge auch Bücher, die auf die Filme aufbauten und neue, weitere Abenteuer von Luke, Han und Leia erzählten. Nach "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" schlief jedoch auch die entsprechende "Star Wars"-Literatur zunehmend ein. Die monatliche Comicserie von Marvel wurde beendet, und nach der "Lando Calrissian"-Trilogie 1983 erschienen erstmal auch keine neuen Romane mehr. Anfang der 90er ging der Verlag Bantam Books dann schließlich das Risiko ein, während der Flauten-Jahre zwischen der Original- und der Prequel-Trilogie mit einem Nachfolgeroman zu "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" zu testen, inwiefern Nachfrage an weiteren Abenteuern in der weit, weit entfernten Galaxis besteht. Die Resonanz war überwältigend – und das Expanded Universe, heutzutage als Legends bekannt, war geboren. Den Schlüssel für diese Probefahrt gab man dabei Timothy Zahn in die Hand, und zur Freude sowohl des Verlags als auch von "Star Wars"-Fans weltweit sollte sich dieser der Aufgabe mehr als nur gewachsen erweisen. Mit "Erben des Imperiums" legte der die Messlatte für alle weiteren Autoren im Erweiterten SW-Universum – und zugleich auch sich selbst – ungemein hoch. Er präsentiert ein Abenteuer, dass einerseits eine richtige Fortsetzung der Geschichte aus der Original-Trilogie ist, und sich auch durch und durch wie "Star Wars" anfühlt, jedoch ohne dabei einfach nur die ursprünglichen drei Filme zu kopieren.

"Erben des Imperiums" wird dabei der ursprünglichen Bezeichnung, die man dem Literatur-Segment von "Star Wars" gab, voll und ganz gerecht: Er erweitert das in den Filmen vorgestellt Universum, und bereichert es um neue Welten, neue Völker – und vor allem auch neue Figuren. Vor allem zwei davon überstrahlen dabei alles, und gehören für Legends-Fans nicht einfach nur zu den besten Figuren des EU, sondern von Star Wars generell. Einerseits ist dies Großadmiral Thrawn, mit dem Timothy Zahn einen wunderbaren neuen Gegner geschaffen hat, der sich auch klar von Darth Vader und dem Imperator unterscheidet (was sich u.a. auch schon daran zeigt, wie er mit Rückschlägen umgeht). Ein Feind, der sich nicht von seinem Hass bzw. von Emotionen leiten lässt, sondern bei dem es sich vielmehr um einen herausragenden Strategen handelt, das war einfach mal etwas anderes. Zugleich stellt es für jeden Autor eine Herausforderung dar, eine eben solche Figur zu schaffen, da man sich auch Taktiken überlegen muss, die dem Status als Genie auch gerecht werden, und andererseits dieses natürlich trotzdem letztendlich nicht gewinnen lassen kann (zumindest nicht immer), weshalb man eben zugleich einen Weg finden muss, wie die Helden seinen Plan vereiteln, ohne dass er deshalb weniger intelligent erscheinen würde. Ich stelle mir das ein bisschen wie ein Schachspiel mit sich selbst vor. Jedenfalls zeigt sich Timothy Zahn dieser Herausforderung voll und ganz gewachsen. Sein Großadmiral Thrawn hat mich dabei teilweise stark an Sherlock Holmes erinnert, vor allem auch im Gespann mit Captain Paellon, der für ihn quasi den Dr. Watson gibt. Jedenfalls hat Timothy Zahn mit ihm einen grandiosen Widersacher geschaffen, der viel zur Spannung des Romans beiträgt.

Die zweite essentielle neue Figur ist Mara Jade, die ehemalige rechte Hand des Imperators, die mit seinem Tod zugleich alles verloren hat – ihren Meister, ihren Status, und ihre Bestimmung – und deshalb Luke Skywalker zutiefst verachtet. Trotz ihres Hasses auf Luke wird sie einem im Verlauf des Romans sympathisch, nicht zuletzt da man zumindest verstehen kann, weshalb sie so empfindet. Eben jener Moment, wo sie sich Luke dann endlich anvertraut, zu den besten des Romans. Die weiteren Figuren sind zwar ebenfalls überwiegend gelungen, fallen im Vergleich zu Thrawn und Jade jedoch ein wenig ab. Vor allem Joruus C'Baoth kommt zumindest hier im ersten Roman der Trilogie noch nicht so recht zur Geltung, und wirkt ein bisschen wie ein McGuffin. Zahns ursprüngliche Idee eines verrückt-bösen Klons von Obi-Wan hätte ich persönlich interessanter und reizvoller gefunden. Talon Karrde ist dafür ganz nett, und gefällt vor allem mit seinem Ehrenkodex. Und mit Rat Fey'la setzt Zahn einen spannenden neuen Widersacher mitten ins Herz der Neuen Republik. Doch es sind nicht nur die neuen Charaktere, die den Roman auszeichnen. Timothy Zahn gelingt es nämlich auch hervorragend, die Stimme der altbekannten Figuren einzufangen. Egal ob Luke, Leia, Han, Lando, oder auch C-3PO, sie alle reden und agieren genau so, wie man sie kennt. Zugleich macht er jedoch durch kleine Details auch immer wieder deutlich, dass sie sich sowohl im Verlauf der Original-Trilogie als auch danach verändert haben. Luke ist immer noch der letzte Jedi, und nach Bens Abschied zu Beginn des Romans endgültig auf sich allein gestellt (im Übrigen das Einzige, dass ich an "Erben des Imperiums" vielleicht kritisieren würde; auch wenn ich verstehen kann, warum sich Zahn zu diesem Schritt entschlossen hat, soll Luke doch auf seinen eigenen Beinen stehen, und sich nicht ständig hilfesuchend an Obi-Wan, Yoda usw. wenden). Zwar kann er auf große Erfolge zurückblicken und wird von nicht wenigen als Held verehrt, fürchtet sich jedoch bereits vor der ihm nun bevorstehenden Aufgabe, einen neuen Jedi-Orden aufzubauen. Was, wenn er dabei – so wie Obi-Wan bei Anakin – scheitert, und einen neuen Darth Vader auf die Galaxis loslässt? Han wiederum wirkt doch ein bisschen erwachsener und verantwortungsvoller als in den Filmen. Und Leia kommt nicht nur in der neuen Republik eine wichtige Rolle zu, sie muss sich dem Jedi-Erbe ihres Vaters stellen – und sieht der Geburt ihrer Zwillinge entgegen.

Was "Erben des Imperiums" ebenfalls auszeichnet, ist die Action. Auch dort gelingt Timothy Zahn der Spagat, einerseits filmreife Action zu liefern die man sich auch gut auf der großen Leinwand vorstellen könnte (und die somit auch an die Filme erinnern), sich dabei jedoch auch immer etwas neues einfallen zu lassen. Sei es der Angriff auf Han, Luke und Leia, als man versucht, sie zu entführen, die Abenteuer von Luke und Mara im Wald von Myrkr, oder auch die abschließende Schlacht an den Werften von Sluis Van, die einerseits typisch "Star Wars" aber andererseits auch keine reine Kopie der Kämpfe rund um die Todessterne ist. Besonders interessant fand ich auch die Idee mit dem Ysalamiri, da dies Luke dazu zwingt, auch ohne seine Jedi-Mächte auszukommen, und ihm so die Gelegenheit gibt, neben diesen auch seinen Grips unter Beweis zu stellen. Und auch die eine oder andere neue Welt wird uns vorgestellt, wobei neben dem ersten EU-Besuch von Kashyyyk für mich vor allem noch Londos Minenwelt mit den Schild-Schiffen hervorstach. Vor allem aber ist "Erben des Imperiums" von der ersten bis zur letzten Seite ungemein packend und unterhaltsam. Man fühlt sich wirklich wie in einem weiteren "Star Wars"-Film, und kann sich gut vorstellen, wie sich die Geschichte auf der großen Leinwand machen würde. Ein größeres Kompliment kann man Timothy Zahn eigentlich nicht machen. Jedenfalls ist Timothy Zahns Rolle bei der Erschaffung des Legends-Universums so wie wir es heute kennen nicht hoch genug einzuschätzen. Ein Umstand, dem sowohl der englische als auch der deutsche Verlag Rechnung trugen, und eine Jubiläumsausgabe auf den Markt brachten. Neben mehreren Vor- und Nachworten sowie einer neuen Geschichte, die kurz vor "Erben des Imperiums" spielt (und obwohl sie an diesen nie heranreicht eine nette Zugabe darstellt) stechen dabei vor allem die interessanten Kommentare des Autors hervor, der in diesen einen Einblick in den Entstehungsprozess des Romans gibt, und mit einigen interessanten Offenbarungen aufwartet. Wobei ich persönlich dazu raten würde, seine Anmerkungen separat zu lesen und so nicht ständig die Geschichte zu unterbrechen. Aber wie man das macht, ist eh jedem selbst überlassen.

Fazit: "Erben des Imperiums" ist nicht einfach nur der Auftakt, sondern zugleich auch eine der absoluten Sternstunden des Legends-Universums – und für manche trotz der Disney-Filme nach wie vor die einzig wahre Fortsetzung zur Original-Trilogie. Timothy Zahn gelingt es auf unnachahmliche Art und Weise, auf die "Star Wars"-Saga aufzubauen, und diese durch neue Welten, neue Völker, Figuren Gegner und neue Herausforderungen zu erweitern, und so ein packendes neues Abenteuer für Luke, Leia und Han zu schaffen, dass sich einerseits ganz genau so wie "Star Wars" anfühlt, jedoch ohne dabei einfach nur die Filme zu kopieren. Die Action ist spannend beschrieben und weist einige originelle neue Ideen auf, die altbekannten Charaktere sind perfekt getroffen, und vor allem auch so grandiose neue Figuren wie Großadmiral Thrawn und Mara Jade werten den Roman ungemein auf. Die Geschichte ist flott erzählt und vermag es von der ersten bis zur letzten Seite bestens zu unterhalten, und der Roman an sich ist ebenfalls sehr gut geschrieben. Zahn findet genau die richtige Mischung aus Charaktermomenten, Handlung und Action, und schafft es vor allem auch, jeder der Figuren mindestens einen Moment im Rampenlicht zu bieten, und damit großartig mit dem Ensemble zu jonglieren – etwas, dass nicht jedem EU-Autor immer geglückt ist. Für mich persönlich stellt "Erben des Imperiums" zusammen mit den beiden Nachfolgern jedenfalls auch über 25 Jahre (und zwei offizielle Sequels) später das Nonplusultra unter den "Star Wars"-Fortsetzungen dar.

Bewertung: 5/5 Punkten
Christian Siegel





Kommentare (3)
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1. 18.01.2018 10:58
 
Beste Trilogie im EU
Zunächst ein paar kurze typographische Hinweise, die gerne aus meiner Wortmeldung hier wieder rausgelöscht werden können nach erfolgter Korrektur und vor Veröffentlichung meines Kommentars: 
Paellon -> Pellaeon 
Fey'la -> Fey'lya 
Londos -> Landos 
 
Grundsätzlich finde ich 5/5 Punkten zu niedrig bewertet, gehen aber für ein einzelnes Buch der Trilogie OK. Die Trilogie selbst hätte locker 7/5 verdient 8) 
Talon Karrde wird im Laufe des EUs ein noch wirklich interessanter und wichtiger Charakter, mir hat er aber auch in Erben des Imperiums schon sehr gut gefallen. Ich bin aber auch hier deiner Meinung, dass Thrawn und Mara Jade als neue Charaktere den Rest überstrahlen. 
Tolles Review, freue mich schon auf die Nächsten!
 
Thandor
2. 20.01.2018 10:21
 
Beste Trilogie im EU
Danke für die Hinweise, ich werd's korrigieren und für die weiteren Reviews beachten (und deinen Kommentar so stehen lassen; ich stehe ja zu meinen Fehlern ;) ). Na ja, mehr als 5 von 5 Punkten ist halt schwierig :grin . Kennst du eigentlich auch die Comic-Adaptionen und die Hörspiele? Die knöpfe ich mir nämlich jetzt erstmal als nächstes vor, bevors mit "Die dunkle Seite der Macht" weitergeht :)
 
3. 24.01.2018 17:14
 
Beste Trilogie im EU
Bei den Comics kenne ich nur die X-Wing-Reihe und zumindest inhaltlich Crimson Empire. Ansonsten konnte ich mich für SW Comics nie begeistern, irgendwie nicht mein Fall. :-(
 
Thandor

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